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Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Ingenieur: Was nun?

Autor: Heinz Direct (Gast)
Datum: 02.09.2008 22:25

Hallo,

ich bin Absolvent (Diplom-FH, Mechatronik-Elektrotechnik) und arbeite
seit rund einem Jahr bei einer namhaften Firma in Süddeutschland. Mein
Arbeitsalltag ist gelinde gesagt ziemlich langweilig: Bürokratie hier,
langweilige Arbeit da. Kurz um, die Motivation ist gewaltig im Keller,
der Frust erreicht dafür täglich neue Höchststände.

Aber jammern will ich hier nicht, mir ist klar, dass ich nur selbst
diese Situation verändern kann. Durch einen internen oder externen
Wechsel.

In meinem Studium und bisherigem Berufsleben hab ich mich stets um aller
Hand Embedded-Themen gekümmert: Software in C für diverse
Microcontroller, FPGA-Design, Hardware, Kommunikationssystem, alles in
dem Bereich eben. Dabei wird es für mich täglich schwerer, jeden Tag
stundenlang "nur" vor dem Rechner zu sitzen und halbwegs konzentriert zu
schaffen. Vor allem wenn der Rest des Tages mehr oder minder sinnfreie
Besprechungen sind.

Erstaunlichweise hat mir die Beschäftigung mit diesen Themen eigentlich
stets viel Spaß gemacht. Auch das Arbeiten am Bildschirm war nie ein
Problem. Jetzt überlege ich aber, ob ich nicht versuchen sollte,
komplett einen anderen Themenbereich in den Fokus meiner Jobsuche zu
rücken.

Nur welchen???

Bei meiner Suche hab ich festgestellt, dass es eine Vielzahl an
Bezeichnungen für den Ingenieurberuf gibt, die mir teilweise unklar
sind.
- Entwicklungsing. (klar)
- Softwareing. (klar)
- Applikationsing. (???)
- Projektingenieur (???)
- Vertriebsingenieur (halbwegs klar)
- Versuchsingenieur (klar)

Gibt es brauchbare Defintitionen für diese Bezeichnungen? Vor allem
Applikationsingenieur oder Projektingenieur??

Ein anderer Punkt: Gibt es überhaupt Jobs für einen E-Technik Ing. die
nicht primär Bildschirmarbeit erfordern?

Gruß
Heinz
Autor: Gast (Gast)
Datum: 02.09.2008 22:34

Ein anderer Punkt: Gibt es überhaupt Jobs für einen E-Technik Ing. die
nicht primär Bildschirmarbeit erfordern?

kurz gesagt : nein, da hättest du nicht studieren sollen sondern
techniker werden sollen, ingenieur ist heute fast auschließlich
bildschirmarbeit, leider..(einen versuch etc. am bildschirm überwachen
zähl ich da mal mit zu)
Autor: Wegstaben Verbuchsler (wegstabenverbuchsler)
Datum: 02.09.2008 23:33

Mir wäre ein Unterschied zwischen Entwicklungsingenieur und
Applikationsingenieur auch nicht klar. Das sind für mich erst mal
willkürliche Begriffe ohne klare Abgrenzung

Versuche mal, "das ganze" (was auch immer deine Firma anbietet) aus dem
Blickwinkel des Produkt-Lebenszyklus betrachten, und die genannten
Stellen-Begriffe dort im "Zeitstrahl" des Produktzsklusses zu zuordnen.

Die einzelnen Stufen (Spezifikation, Entwicklung, Integration, Test,
Inbetriebnahme, Betrieb, Vertrieb)  erfordern unterschiedliche
Fähigkeiten und ergeben unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte.

Schau dich einfach mal um, wer bei dir im Umfeld auf welchen
"Streckenabschnitt" des Produktlebenszyklusses sitzt, und was derjenige
macht und wie er es macht (auch: Wie er seine Arbeit abgrenzt gegenüber
denjenigem, der an einem anderen "Streckenabschnitt" tätig ist). Meint
also: Was kann ein entwicklungsingenieur machen, welchen Input und
Output hat er, und was gehört NICHt zu seinen Aufgaben ?



> wenn der Rest des Tages mehr oder minder sinnfreie
> Besprechungen sind.

gibt es denn da keine Agenda zu, bzw. eine "Zielsetzung" warum ihr da
zusammen hockt und euch gegenseitig besprecht?
Autor: Master Zulu (Gast)
Datum: 03.09.2008 00:03

>Mir wäre ein Unterschied zwischen Entwicklungsingenieur und
>Applikationsingenieur nicht klar

Applikationsingenieur ist eine Untermenge des Entwicklungsingenieurs,
welcher sozusagen der Oberbegiff ist, oder?
Autor: Sonnenschein (Gast)
Datum: 03.09.2008 00:51

Ein Entwicklungsingenieur arbeitet an "internen" Projekten im Haus. Er
entwickelt eine Schaltung, Software etc. für ein Produkt welches die
Firma verkaufen möchte.

Der Applikationsingenieur arbeitet mit diesem Produkt und "hilft" dem
Kunden, es für seine Aufgabe einzusetzen.

Bei einer Steuerung entwickelt der Entwicklungsingenieur die Hardware,
Firmware und die Schnittstelle zum Anwender. Der Applikationsingenieur
entwickelt ab dieser Anwenderschnittstelle.

Beim Projektingenieur wird es etwas unschärfer. Der kann ebenfalls in
der Entwicklung (Applikationen oder Produkte) mitarbeiten, muss aber
"nebenbei" noch Termine und Kosten überwachen und z.T. die
Mitarbeiterführung übernehmen. Er ist auch Ansprechpartner für die
Kunden bzw. Abteilungen.

Der Vertriebsingenieur verkauft das ganze an den Kunden, macht
Schulungen und Vorführungen. Er muss auch (vorläufige)
Lösungsmöglichkeiten anbieten können.

Den beschriebenen Papierkrieg macht wohl kein Ing. gerne und dennoch
gibt es einige die selbst gar nichts technisches mehr machen (dürfen).
Die Quälen sich den ganzen Tag mit Excel, Powerpoint, MS Projekt und
SAP. Es gibt Elektronikentwickler (dazu wurden sie mal eingestellt) die
schon gar nicht mehr wissen, wie ein Widerstand oder eine Diode
überhaupt aussehen.
Autor: Heinz Direct (Gast)
Datum: 03.09.2008 08:19

@Sonnenschein
Vielen Dank für deine Defintitionsversuche der einzelnen
Ingenieur-Bezeichnungen. Das hilft mir wirklich weiter!

@Gast
"Leider" hab ich die Option nicht zu studieren sondern Techniker zu
werden schon vor langer Zeit verspielt. Und ich muss dir zustimmen, dass
mir leider auch kaum eine Ing. Tätigkeit ohne permanente
Bildschirmarbeit mehr einfällt. Genau deshalb wäre ich ja für ein paar
positive Beispiele bei denen genau das nicht der Fall ist so dankbar...
;-))

Ein Bereich der sicher deutlich weniger Bildschirm-lastig ist, könnte
vielleicht der Vertrieb sein. Aber ob ich dafür so unbedingt der
richtige Mann bin????
Autor: Kommt drauf an (Gast)
Datum: 03.09.2008 08:30

Kommt drauf an, ob du im Innendienst oder Ausserdienst bist. Innendienst
ist nur vorm PC. Sehe ich bei uns. Konkurenzbeobachtung,
Preiskalkulation usw.
Autor: Klaus R. (klaus2)
Datum: 03.09.2008 09:16

...ich denke, der Bereich Versuch & Applikation wäre evtl. etwas.

Aber mit dem Bildschirm als neuen Lebensgefährten muss auch ich mich
gerade mehr und mehr anfreunden, wo ich doch ansonsten eher in
Lötdampfschwaben und/oder öligen Fingern lebe. Naja :) [Sehr ähnliche
Situation, quasi, aber nicht so unzufrieden...kompensiere es in der
heimischen Bastelbude].

Klaus.
Autor: Sonnenschein (Gast)
Datum: 03.09.2008 09:40

Im Vertrieb (Aussendienst) hat man vllt. weniger Bildschirm, dafür aber
viel Auto, Anzug und Kunden. Das ist sicher nicht für jeden etwas.
Arbeitszeiten sind eher unregelmässig (wenn der Kunde ruft...), dafür
kennt man aber bald alle Autobahnen in der Umgebung auswendig. Nicht
unwesentliche Anteile des Lohns sind erfolgsabhängig. Für diesen Job
muss man geboren sein, oder man macht ihn nicht lange.

Mir wäre es schon zuviel, bei jedem Wetter im Anzug herumlaufen zu
müssen.
Autor: Bane (Gast)
Datum: 03.09.2008 10:48

Eine Alternative zum Bildschirmjob wäre auch noch als Serviceingenieur.
Allerding gitl hier das Selbe wie für den Vertriebler, dassd viel
unterwegs bist. Aber mit sicherheit in den meisten Fällen a
interresanter Job.
Autor: Norgan (Gast)
Datum: 03.09.2008 13:27

Dönerbude aufmachen. Mehr fettige Finger, weniger Bildschirm.
Autor: Heinz Direct (Gast)
Datum: 03.09.2008 15:02

Anstatt einer Dönerbude hab ich ja schon mal an eine Weinstube
gedacht.;-))

Der Bereich Versuch ist sicher auch interessant und vielleicht eine
ernste Überlegung wert. Allerdings sehe ich da ein Spannungsfeld
zwischen immer der gleichen Routine (10 jahre EMV-Tests jeden Tag) und
dem Leben eines Autotesters, der morgen in Schweden und übermorgen in
Namibia unterwegs ist. Dieses Nomandenleben ist definitiv nix für mich!!

Jedoch habe ich auch schon mal die goldene Mitte getroffen. Damals war
ich bei einem Autokonzern in einer Abteilung für interne
Versuchsdienstleistungen zu Sonderfragestellung. Das war schon cool.

Eine andere Überlegung: Vielleicht würde ich mich bei überschauberern
Projekten wohler fühlen. Eine Projektlaufzeit zwischen 4-16 Wochen wäre
ideal, weil man dann immer irgendwie Licht am Ende des Tunnels sieht,
selbst wenn es ein riesiger Scheiß ist. Bei Kundenapplikationen könnte
diese zeitspanne für Projekte gar nicht so unrealistisch sein, oder??
Autor: gpp (Gast)
Datum: 03.09.2008 15:25

Was bitte will man denn in einem Monat sinnvolles Entwickeln?
Blinkenden Christbaumschmuck?
Autor: Ingenieur (Gast)
Datum: 03.09.2008 15:45

Na, das geht bei Boarddesign schon:

Lastenheft, Pflichtenheft, Schaltungsentwurf, Bauteilbeschaffung,
Schaltplaneingabe, Layout, Beauftragung, ...

das alles lässt sich so separieren und dauert alleine oft weniger als 4
Wochen. Ich habe schon an jeder dieser Stelle gearbeitet.

Für ein FPGA kann man das auch wieder durchziehen, womit man bei obiger
Kette bei der Inbetriebnahme des Boards angelangt wäre ...

Dann ginge dasselbe für die Software, womit man bei der IB des Systems
angelangt wäre, dann folgte noch der Test.

Wenn ich alleine ein System baue, mache ich das genaus so - wobei ich
nur Sachen alleine mache, wo die Eintzelschritte bei eher 2 Wochen
liegen. Das sind aber auch schon 20-30 Wochen!
Autor: Heinz Direct (Gast)
Datum: 03.09.2008 15:45

Ok. 4 Wochen = 1 Monate war eine sehr minimalistische Angabe. Aber 3-4
Monate halte ich für eher realistisch. Oder?
Autor: Willi Warlord (Gast)
Datum: 03.09.2008 18:36

Powerpoint, Exel, SAP, sinnlose Meetings sind zum abkotzen.
Lieder ist das aber der Alltag. Da muß man durch.

Willi

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