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Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Ingenieur: Was nun?


Autor: Heinz Direct (Gast)
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Hallo,

ich bin Absolvent (Diplom-FH, Mechatronik-Elektrotechnik) und arbeite 
seit rund einem Jahr bei einer namhaften Firma in Süddeutschland. Mein 
Arbeitsalltag ist gelinde gesagt ziemlich langweilig: Bürokratie hier, 
langweilige Arbeit da. Kurz um, die Motivation ist gewaltig im Keller, 
der Frust erreicht dafür täglich neue Höchststände.

Aber jammern will ich hier nicht, mir ist klar, dass ich nur selbst 
diese Situation verändern kann. Durch einen internen oder externen 
Wechsel.

In meinem Studium und bisherigem Berufsleben hab ich mich stets um aller 
Hand Embedded-Themen gekümmert: Software in C für diverse 
Microcontroller, FPGA-Design, Hardware, Kommunikationssystem, alles in 
dem Bereich eben. Dabei wird es für mich täglich schwerer, jeden Tag 
stundenlang "nur" vor dem Rechner zu sitzen und halbwegs konzentriert zu 
schaffen. Vor allem wenn der Rest des Tages mehr oder minder sinnfreie 
Besprechungen sind.

Erstaunlichweise hat mir die Beschäftigung mit diesen Themen eigentlich 
stets viel Spaß gemacht. Auch das Arbeiten am Bildschirm war nie ein 
Problem. Jetzt überlege ich aber, ob ich nicht versuchen sollte, 
komplett einen anderen Themenbereich in den Fokus meiner Jobsuche zu 
rücken.

Nur welchen???

Bei meiner Suche hab ich festgestellt, dass es eine Vielzahl an 
Bezeichnungen für den Ingenieurberuf gibt, die mir teilweise unklar 
sind.
- Entwicklungsing. (klar)
- Softwareing. (klar)
- Applikationsing. (???)
- Projektingenieur (???)
- Vertriebsingenieur (halbwegs klar)
- Versuchsingenieur (klar)

Gibt es brauchbare Defintitionen für diese Bezeichnungen? Vor allem 
Applikationsingenieur oder Projektingenieur??

Ein anderer Punkt: Gibt es überhaupt Jobs für einen E-Technik Ing. die 
nicht primär Bildschirmarbeit erfordern?

Gruß
Heinz

Autor: Gast (Gast)
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Ein anderer Punkt: Gibt es überhaupt Jobs für einen E-Technik Ing. die
nicht primär Bildschirmarbeit erfordern?

kurz gesagt : nein, da hättest du nicht studieren sollen sondern 
techniker werden sollen, ingenieur ist heute fast auschließlich 
bildschirmarbeit, leider..(einen versuch etc. am bildschirm überwachen 
zähl ich da mal mit zu)

Autor: Wegstaben Verbuchsler (wegstabenverbuchsler)
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Mir wäre ein Unterschied zwischen Entwicklungsingenieur und 
Applikationsingenieur auch nicht klar. Das sind für mich erst mal 
willkürliche Begriffe ohne klare Abgrenzung

Versuche mal, "das ganze" (was auch immer deine Firma anbietet) aus dem 
Blickwinkel des Produkt-Lebenszyklus betrachten, und die genannten 
Stellen-Begriffe dort im "Zeitstrahl" des Produktzsklusses zu zuordnen.

Die einzelnen Stufen (Spezifikation, Entwicklung, Integration, Test, 
Inbetriebnahme, Betrieb, Vertrieb)  erfordern unterschiedliche 
Fähigkeiten und ergeben unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte.

Schau dich einfach mal um, wer bei dir im Umfeld auf welchen 
"Streckenabschnitt" des Produktlebenszyklusses sitzt, und was derjenige 
macht und wie er es macht (auch: Wie er seine Arbeit abgrenzt gegenüber 
denjenigem, der an einem anderen "Streckenabschnitt" tätig ist). Meint 
also: Was kann ein entwicklungsingenieur machen, welchen Input und 
Output hat er, und was gehört NICHt zu seinen Aufgaben ?



> wenn der Rest des Tages mehr oder minder sinnfreie
> Besprechungen sind.

gibt es denn da keine Agenda zu, bzw. eine "Zielsetzung" warum ihr da 
zusammen hockt und euch gegenseitig besprecht?

Autor: Master Zulu (Gast)
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>Mir wäre ein Unterschied zwischen Entwicklungsingenieur und
>Applikationsingenieur nicht klar

Applikationsingenieur ist eine Untermenge des Entwicklungsingenieurs, 
welcher sozusagen der Oberbegiff ist, oder?

Autor: Sonnenschein (Gast)
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Ein Entwicklungsingenieur arbeitet an "internen" Projekten im Haus. Er 
entwickelt eine Schaltung, Software etc. für ein Produkt welches die 
Firma verkaufen möchte.

Der Applikationsingenieur arbeitet mit diesem Produkt und "hilft" dem 
Kunden, es für seine Aufgabe einzusetzen.

Bei einer Steuerung entwickelt der Entwicklungsingenieur die Hardware, 
Firmware und die Schnittstelle zum Anwender. Der Applikationsingenieur 
entwickelt ab dieser Anwenderschnittstelle.

Beim Projektingenieur wird es etwas unschärfer. Der kann ebenfalls in 
der Entwicklung (Applikationen oder Produkte) mitarbeiten, muss aber 
"nebenbei" noch Termine und Kosten überwachen und z.T. die 
Mitarbeiterführung übernehmen. Er ist auch Ansprechpartner für die 
Kunden bzw. Abteilungen.

Der Vertriebsingenieur verkauft das ganze an den Kunden, macht 
Schulungen und Vorführungen. Er muss auch (vorläufige) 
Lösungsmöglichkeiten anbieten können.

Den beschriebenen Papierkrieg macht wohl kein Ing. gerne und dennoch 
gibt es einige die selbst gar nichts technisches mehr machen (dürfen). 
Die Quälen sich den ganzen Tag mit Excel, Powerpoint, MS Projekt und 
SAP. Es gibt Elektronikentwickler (dazu wurden sie mal eingestellt) die 
schon gar nicht mehr wissen, wie ein Widerstand oder eine Diode 
überhaupt aussehen.

Autor: Heinz Direct (Gast)
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@Sonnenschein
Vielen Dank für deine Defintitionsversuche der einzelnen 
Ingenieur-Bezeichnungen. Das hilft mir wirklich weiter!

@Gast
"Leider" hab ich die Option nicht zu studieren sondern Techniker zu 
werden schon vor langer Zeit verspielt. Und ich muss dir zustimmen, dass 
mir leider auch kaum eine Ing. Tätigkeit ohne permanente 
Bildschirmarbeit mehr einfällt. Genau deshalb wäre ich ja für ein paar 
positive Beispiele bei denen genau das nicht der Fall ist so dankbar... 
;-))

Ein Bereich der sicher deutlich weniger Bildschirm-lastig ist, könnte 
vielleicht der Vertrieb sein. Aber ob ich dafür so unbedingt der 
richtige Mann bin????

Autor: Kommt drauf an (Gast)
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Kommt drauf an, ob du im Innendienst oder Ausserdienst bist. Innendienst 
ist nur vorm PC. Sehe ich bei uns. Konkurenzbeobachtung, 
Preiskalkulation usw.

Autor: Klaus R. (klaus2)
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...ich denke, der Bereich Versuch & Applikation wäre evtl. etwas.

Aber mit dem Bildschirm als neuen Lebensgefährten muss auch ich mich 
gerade mehr und mehr anfreunden, wo ich doch ansonsten eher in 
Lötdampfschwaben und/oder öligen Fingern lebe. Naja :) [Sehr ähnliche 
Situation, quasi, aber nicht so unzufrieden...kompensiere es in der 
heimischen Bastelbude].

Klaus.

Autor: Sonnenschein (Gast)
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Im Vertrieb (Aussendienst) hat man vllt. weniger Bildschirm, dafür aber 
viel Auto, Anzug und Kunden. Das ist sicher nicht für jeden etwas. 
Arbeitszeiten sind eher unregelmässig (wenn der Kunde ruft...), dafür 
kennt man aber bald alle Autobahnen in der Umgebung auswendig. Nicht 
unwesentliche Anteile des Lohns sind erfolgsabhängig. Für diesen Job 
muss man geboren sein, oder man macht ihn nicht lange.

Mir wäre es schon zuviel, bei jedem Wetter im Anzug herumlaufen zu 
müssen.

Autor: Bane (Gast)
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Eine Alternative zum Bildschirmjob wäre auch noch als Serviceingenieur.
Allerding gitl hier das Selbe wie für den Vertriebler, dassd viel 
unterwegs bist. Aber mit sicherheit in den meisten Fällen a 
interresanter Job.

Autor: Norgan (Gast)
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Dönerbude aufmachen. Mehr fettige Finger, weniger Bildschirm.

Autor: Heinz Direct (Gast)
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Anstatt einer Dönerbude hab ich ja schon mal an eine Weinstube 
gedacht.;-))

Der Bereich Versuch ist sicher auch interessant und vielleicht eine 
ernste Überlegung wert. Allerdings sehe ich da ein Spannungsfeld 
zwischen immer der gleichen Routine (10 jahre EMV-Tests jeden Tag) und 
dem Leben eines Autotesters, der morgen in Schweden und übermorgen in 
Namibia unterwegs ist. Dieses Nomandenleben ist definitiv nix für mich!!

Jedoch habe ich auch schon mal die goldene Mitte getroffen. Damals war 
ich bei einem Autokonzern in einer Abteilung für interne 
Versuchsdienstleistungen zu Sonderfragestellung. Das war schon cool.

Eine andere Überlegung: Vielleicht würde ich mich bei überschauberern 
Projekten wohler fühlen. Eine Projektlaufzeit zwischen 4-16 Wochen wäre 
ideal, weil man dann immer irgendwie Licht am Ende des Tunnels sieht, 
selbst wenn es ein riesiger Scheiß ist. Bei Kundenapplikationen könnte 
diese zeitspanne für Projekte gar nicht so unrealistisch sein, oder??

Autor: gpp (Gast)
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Was bitte will man denn in einem Monat sinnvolles Entwickeln?
Blinkenden Christbaumschmuck?

Autor: Ingenieur (Gast)
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Na, das geht bei Boarddesign schon:

Lastenheft, Pflichtenheft, Schaltungsentwurf, Bauteilbeschaffung, 
Schaltplaneingabe, Layout, Beauftragung, ...

das alles lässt sich so separieren und dauert alleine oft weniger als 4 
Wochen. Ich habe schon an jeder dieser Stelle gearbeitet.

Für ein FPGA kann man das auch wieder durchziehen, womit man bei obiger 
Kette bei der Inbetriebnahme des Boards angelangt wäre ...

Dann ginge dasselbe für die Software, womit man bei der IB des Systems 
angelangt wäre, dann folgte noch der Test.

Wenn ich alleine ein System baue, mache ich das genaus so - wobei ich 
nur Sachen alleine mache, wo die Eintzelschritte bei eher 2 Wochen 
liegen. Das sind aber auch schon 20-30 Wochen!

Autor: Heinz Direct (Gast)
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Ok. 4 Wochen = 1 Monate war eine sehr minimalistische Angabe. Aber 3-4 
Monate halte ich für eher realistisch. Oder?

Autor: Willi Warlord (Gast)
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Powerpoint, Exel, SAP, sinnlose Meetings sind zum abkotzen.
Lieder ist das aber der Alltag. Da muß man durch.

Willi

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