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Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Einordnung deutscher Universitärer Titel


Autor: Lukas M. (Gast)
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Grüezi aus der Schweiz,

in einem unserer deutschen Standorte beschäftigen wir Mitarbeiter die 
den Titel eines Doktors tragen. So wurde beim Interview angegeben, man 
hätte den Titel durch eine "A-Dissertation" in Dresden erlangt. Der 
anwesende HR-Spezialist erhielt auf die Nachfrage ob die Prüfung nach 
DDR-Standards abgelegt wurde die Antwort, das die Abschlußprüfung "nach 
der Wende stattgefunden hat".

Da die Person auch  eloquent auftrat, bewerteten wir das sehr positiv 
und erwarteten einen TOP-Doktor der renommierten Technischen Universität 
in Dresden. Nun erfuhr ich, das "A-Dissertation" keinesfalls eine 
Erstrangige Benotung ist, sondern unter einer "B-Dissertation" 
einzuordnen ist (wobei mir als Schweizer eine B-Dissertation nicht 
geläufig ist) und die Hochschule an der die Doktorarbeit eingereicht 
wurde, nicht die TU sondern die "Hochschule für Verkehr" war, eine 
Hochschule die 1992 geschlossen wurde. So ist die Arbeit nicht per 
Fernleihe beschaffbar.

Jetzt bewerten wir unsere damalige Bewertung neu, zumal mit "nach der 
Wende" das jahr 1990 gemeint ist und Prüfungskriterien Westdeutschlands 
wohl nicht für dieses Institut galten. Es hätte wohl auch 
"Kollektivarbeiten" gegeben, eine Gruppe von Studenten die zu dritt oder 
zu viert eine Untersuchung anfertigten: der Clevere rechnet, der mit der 
schönen Handschrift fertigt die Titel unter die Schemas und "einer mit 
der festen Überzeugung ergänzt das sozialistische Schmückwerk (?)".

Über Tipps diese "A-Promotion an einer Hochschule für Verkehr im Jahr 
1990" korrekt einzuschätzen würde ich freuen. Nicht das wir den "mit der 
schönen Handschrift" eine Abteilung führen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Autor: Dennis (Gast)
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Probearbeiten lassen wäre z.B. eine Idee. Da merkt man recht schnell, ob 
einer was kann oder nicht...

Autor: pst (Gast)
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Der Mann hat seinen Abschluss vor fast 20 Jahren gemacht - welches 
Gewicht hat das heute noch, wo und nach welchem Standard er ihn gemacht 
hat? Viel wichtiger ist doch wohl, was er inzwischen gemacht hat, vor 
allem in den letzten Jahren.

Abgesehen davon sind unklare Angaben, vor allem auf konkrete Nachfragen, 
wohl ein Killerkriterium.

Frage mich schon, was ihr fuer ein Laden seid... so Titelgeil sind 
schweizer Unternehmen doch sonst nicht?

Autor: egberto (Gast)
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Hallo,

eine A-Promotion ist ein ganz normale Promotion (das A ist keine 
Bewertung, die B-Promotion ist im Ost Sprachgebrauch die Habilitation 
(Privatdozent) gewesen - ohne A also kein B).

Im Prinzip sind die Promotionen mit den westlichen ebenbürtig, es sei 
denn, es wurde irgendwie ein "gesellschaftspolitisches" Thema bearbeitet 
(so in der Art -"Das Verkehrswesen als Wegbereiter der sozialistischen 
Gesellschaftsentwicklung").

Die besagte Hochschule ist die so genannte "Schaffneruni" - ist 
inhaltlich aber nicht negativ gemeint.

Also, du kannst eine Top Mann (z.B. Mathematiker) von dort haben oder 
eben auch jemanden, der nicht so toll ist - wie jetzt eben auch 
(heutzutage muss man eher in den richtigen A.. kriechen, damit die 
Promotion glatt durch läuft).

Nur meine private Meinung,

viele Grüße

egberto

Autor: Promovent (Gast)
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Zaehlt die Promotionszeit als Berufserfahrung?

Autor: Lukas M. (Gast)
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> Zaehlt die Promotionszeit als Berufserfahrung

Macht das Abfertigen einer theoretischen Arbeit an einer 
nicht-erstrangigen Hochschule im real entschwunden Sozialismus erfahren 
genug für eine leitungsposition in der freien und sozialen 
Marktwirtschaft? Neben der Befähigung zur schönen handschrift, dem 
felsenfesten Standpunkt und Loyalität zur Kaderhierarchie ... ?

Autor: egberto (Gast)
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Es kommt eben auf den Menschen an!!

Manch einer hat auch trotz Sozialismus eine tolle Promotion hingelegt!

Autor: Rayk (Gast)
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So,

jetzt mal was zu einer A- und B-Dissertation: Eine B-Dissertation ist 
einfach nur ein anderer (auch heute noch gängiger) Begriff für eine 
Habilitation (Die Habilitation ist die höchstrangige Hochschulprüfung in 
Deutschland und ...in der Schweiz...). Voraussetzung für die 
Habilitation (B-Dissertation) ist eine Promotion (A-Dissertation). Die 
B-Dissertation ist auch heute noch eine Voraussetzung für die Erlangung 
einer Professur. (Ich weiß, es sollte nicht so sein, tatsächlich wird 
das von den Berufungskommissionen für Professuren aber immer noch so 
gehandhabt). Grundsätzlich gilt: ohne A kein B (ohne Promotion keine 
Habilitation; ohne A-Dissertation keine B-Dissertation). Eine gute 
A-Dissertation ist auf jeden Fall besser als eine schlechte 
B-Dissertation.

Die Hochschule für Verkehrswesen Dresden wurde im Übrigen nicht 
aufgelöst sondern in weiten Teilen als Fakultät in die TU Dresden 
überführt.

@Lukas M: Wenn Eurer Firma ein 18 Jahre alter Abschluss wichtiger ist 
als die Referenzen, die sich nach dem Abschluss angesammelt haben, 
verstehe ich Eure Personalpolitik nicht. Mal ehrlich: wieviele 
B-Promoventen gibt es denn, die noch in der Wirtschaft arbeiten? Der 
Großteil sitzt in den Universitäten und hat einen Lehrstuhl inne. Warum 
soll ein A-Promovent einer ehemaligen DDR-Hochschule ZWANZIG Jahre nach 
der Wende nicht für eine Leitungsposition in der freien und sozialen 
Marktwirtschaft geeignet sein? Weil er ein OSSI ist?

Autor: Maik (Gast)
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@ Rayk

Wenn der die ehemalige Verkehrshochschule meint, dann ist das aber jetzt 
die HTW-Dresden (Fachhochschule), nix mit TU.....

Autor: Rayk (Gast)
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Hallo Maik,

das mag sein. Ich weiß nicht genau, welche Teile der ehemaligen 
Verkehrshochschule in die TU integriert, und welche als neue "Hochschule 
für Technik und Wirtschaft Dresden" ausgegliedert wurden (ich hab nicht 
in Dresden studiert).

Ich wollte eigentlich nur verdeutlichen, dass die Verkehrshochschule 
nicht abgewickelt wurde, sondern durchaus aufgrund ihrer Qualität 
erhaltenswert schien und an das bestehende Hochschulsystem der 
Bundesrepublik angepasst wurde.

@Lukas M.: In der Regel behält ein Promovent eine Ausgabe seiner 
Dissertation. Ergo kann man den Mann doch mal nach Titel und Verfasser 
der Promotion fragen; oder habt Ihr kein Vertrauen zu Euren Angestellten 
;o). Bereits Anhand des Verfassers (bzw. der Verfasser) ist doch 
eindeutig, ob es sich um eine Kollektivarbeit handelt (die meines 
Wissens nach der Wende aber nicht mehr möglich waren...)


Gruß,
Rayk

Autor: STS (Gast)
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Wie schon oben beschrieben, wurde in der DDR der Dr. mit der 
Dissertation A erlangt und der Dr. sc. (später zum habil. umbenannt) mit 
der Dissertation B. Die Hochschule für Verkehrswesen war nicht eine 
zweitrangige Hochschule, sondern wurde aus der TH Dresden 1952 
herausgelöst zu einer Spezialhochschule für Verkehrswesen und hatte auch 
international einen sehr guten Ruf. Wichtige, auch im Westen bekannte 
Größen waren Prof. H. Kurz (der Modellbahnprof. - ersann das 
Eisenbahnbetriebsfeld und somit wichtige Normen der NEM, Prof. G. 
Potthoff und Prof. E. G. Woschni, letzterer auch Ehrendoktor an der TU 
München.

1992 wurden die meisten Teile zur HTW Dresden überführt und einige 
wenige Fakultäten zur TU Dresden. Wichtig ist, in welcher Sektion Dein 
Kandidat studiert hat, denn es gab erhebliche qualitative Unterschiede. 
Vom 3,5 Jahres TH-Diplom bis zum 5 Jahres TH Diplom, beide damals voll 
promotionsberechtigt. Allerdings waren die Maßstäbe einer TH, genau wie 
in Westdtl., in den 70ern nicht mit heutigen TU-Maßstäben vergleichbar. 
Absolventen des anhängigen Industrieinstitutes (2 Jahres-Studium für 
Kader) haben heute keine Zulassung mehr als Ingenieur 
(Ingenieursgesetz).

Schaffneruni kenne ich eigentlich nicht, ich kenne die Schaffnerschule, 
das war die Ingenieurschule (Fachschule) Erwin Kramer in Dresden.

Weitere Infos unter http://www.hfv-dd.de/

Autor: STS (Gast)
Datum:

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>Die B-Dissertation ist auch heute noch eine Voraussetzung für die Erlangung
>einer Professur.

Das stimmt schon lange nicht mehr, das war früher in der DDR so.

Schau mal die Webseiten auch rennomierter Unis an. Viele haben keine 
Habilitation. Heute wird es so gehandhabt, daß nur die Angehörigen des 
Promotionssenates eine Habilitation benötigen. Im Gegenteil sind an dt. 
Unis mittlerweile sog. Juniorprofessoren zugelassen, die keine Zulassung 
an einer FH bekommmen würden.

An der FH ist eine Promotion nötig, eine Habilitation ist willkommen, 
aber nicht Bedingung.

Ausnahmen gibt es an der Uni/FH in Fächern mit Dr.-Mangel -> z. B. 
Architektur. Da gibt es eben auch einen Prof. Dipl.-Ing., allerdings nur 
als außerordentliche Professur (Amtstitel ohne Verbeamtung).

Autor: Junior Prof (Gast)
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@STS

Ein Junior-Professor hat promoviert, weshalb er sehr wohl eine Zulassung 
an einer FH  bekommen würde.

Autor: Rayk (Gast)
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@STS:

> Die B-Dissertation ist auch heute noch eine Voraussetzung für die Erlangung
> einer Professur.

Der Satz ging ja noch weiter:

> (Ich weiß, es sollte nicht so sein, tatsächlich wird
> das von den Berufungskommissionen für Professuren aber immer noch so
> gehandhabt).

Ich habe selber in Berufungskommissionen gesessen und kenne das auch von 
anderen Universitäten. Dort hatten die wenigen Bewerber ohne 
Habilitation keine Chance. Man muss sich vorstellen, dass dort 10 
habilitierte Professoren sitzen und über einen neuen Kollegen befinden. 
Natürlich wird der Kandidat mit Habilitation bevorzugt, auch wenn der 
nicht habilitierte vielleicht die bessere Wahl gewesen wäre. In der 
Regel gibt es mehrere Bewerber auf eine Professur. Wenn einer ohne 
Habilitation sich gegen einen habilitierten durchsetzt, muss er verdammt 
gut sein....

(Juniorprofessuren gibt es ja nicht allzu viele... warum wohl?)

Autor: STS (Gast)
Datum:

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>Ein Junior-Professor hat promoviert, weshalb er sehr wohl eine Zulassung
>an einer FH  bekommen würde.

Er muß zusätzlich eine wissensch. Tätigkeit von mind. 5 Jahren, davon 3 
Jahre außerhalb einer Hochschule vorweisen können, das kann der 
Juniorprof. nicht (hat ja meist eben den Dr. gemacht)-> keine Zulassung 
an der FH.

>Ich habe selber in Berufungskommissionen gesessen und kenne das auch von
>anderen Universitäten

Dann erkläre mir mal die vielen nicht habilitierten Professoren an den 
deutschen Unis. Waren die alle so super gut?. Vielleicht sind die 
einfach billiger (W2 vs. W4)? Warum gibt es im Gegensatz an den FH's 
habilitierte Profs.? Weil die so schlecht waren, um von der Uni genommen 
zu werden? Stichwort: Besoldung. ;-)

Warum gibt es in den Wiwi's so viele Profs ohne Habilitation, dafür mit 
tollen Dr. Dr. hc. (Vitamin B und Bankette besucht?).

Autor: Rayk (Gast)
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@STS: also wenn ich ehrlich bin, soviele nicht habilitierte Proffesoren 
kenn' ich nicht; eigentlich nur einen ( und der ist verdammt gut ;o) ). 
Bei den Wiwis's kann ich das nicht einschätzen; ich bin eher Techniker.

Außerdem bin ich zugegebenermaßen jetzt auch schon eine Weile raus aus 
dem Hochschulleben. Es wäre ja durchaus zu begrüßen, wenn sich in den 
letzten 5 Jahren da etwas getan hätte. Aber das waren eben die 
Erfahrungen, die ich gemacht habe...

Vielleicht haben wir die momentane wirtschalftliche Misere den vielen 
nichthabilitierten Wirtschaftswissenschaftlern zu verdanken? Nein, nein; 
war bloß ein Geck!

Kommen wir hier nicht irgendwie vom eigentlichen Thema ab ;o) ???

Autor: Lukas M. (Gast)
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Ja Gruetzi wiedermal und Dankschön,

das mit dem A und B der Habitilation ist jetz verstanden, auch das die 
Deutschen sogar ihre Kondukteure und Billeteure auf die Hochschule 
schicken ... . Wie schauts aber nun mit der Benotung aus? Was erhielt 
man als Prädikat für eine gute Arbeit? In der Schweiz ist ja "ein 
Sechser" hervorragend und "ein Einser" recht dumm. Wie hielt es da der 
Ostdeutsche mit den Noten für seine Doktoren?

Was mir noch nicht klar ist, wie man sich zwischen den beiden 
Hochschulen in Dresden entschied, wenn man Promotieren tat. Die 
Verkehrsschule hat ja wohl auch die Kader für die Post und Telekom 
gemacht. Wenn also einer dort habilieren tat, wollt er dann Höhere 
Beamter bei den Postlern werden? Für Nachrichtentechnik als 
Fachdisziplin war doch wohl die TU besser angesehen? Dennoch tat man an 
der HTW auch in Nachrichtentechnik promovieren. Waren die 
Nachrichtentechniker an der HTW die mit dem 3,5 oder 5 Jahre Diplom? 
Wieviele Jahre Ausbildung stehen hinter einer Ost-Promotion? War des 
vielleicht berufsbezogen, also nur valide wenn man auf die Post oder zu 
einem Spediteur gehen möchte?

Kennt da einer eine Untersuchung über die Doktorarbeiten von 1990? Da 
soll ja noch schnell gute Freunde beschenkt worden sein und aus einer 
Kollektivarbeit wurden pro forma drei Einzelarbeiten ...

Übrigens habe ich nicht von einen derzeitigen eine  Kandidaten 
gesprochen, das Interview hatten wir vor einigen Jahren.

Autor: Lukas M. (Gast)
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Für Rayk:
>@Lukas M: Wenn Eurer Firma ein 18 Jahre alter Abschluss wichtiger ist
>als die Referenzen, die sich nach dem Abschluss angesammelt haben,
>verstehe ich Eure Personalpolitik nicht. Mal ehrlich: wieviele
>B-Promoventen gibt es denn, die noch in der Wirtschaft arbeiten? Der
>Großteil sitzt in den Universitäten und hat einen Lehrstuhl inne. Warum
>soll ein A-Promovent einer ehemaligen DDR-Hochschule ZWANZIG Jahre nach
>der Wende nicht für eine Leitungsposition in der freien und sozialen
>Marktwirtschaft geeignet sein? Weil er ein OSSI ist?

B-promoventen klopfen nicht an, A-promoventen dagegen täglich. Die 
"Zwanzig jahre danach" sind nach meiner Praxis schon relativ. Die Kader- 
und Arbeitskultur hat in einigen Firmen (besonders aus dem 
Robotron-Umfeld) bis heute überdauert. Für mich ist es auch verständlich 
wenn ein ein Kader auf das Reportoire seiner Jugend und Studienzeit 
erlebt zurückgreift. Auch wenn es fast 2 Jahrzehnte her ist, "Gelernt 
ist Gelernt". Da müssen Sie schon genau fragen um die Bedeutung hinter 
Begriffen wie "Einzelleitung" oder "Schlüsselrolle des Technologen" zu 
verstehen. Gerade das oft erlebte "jeder Untergebene erhält die für die 
Erfüllung seiner Aufgaben nötigen Informationen. Und nicht mehr!" ist 
doch ein "Kulturschock". Da tröstet auch ein im Vorbeieilen gehörtes 
"Egal was passiert, dem Chef gehört der Laden und dann hat er immer 
Recht" nicht wirklich.

Mal sollte schon schauen was einen Mitarbeiter im Leben geprägt hat, 
zwanzig Jahre löschen das nicht aus. "Das sagt mir meine Erfahrung".

Mit freundlichen Grüß

Autor: Rayk (Gast)
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Hallo Lukas M.,

ich erlaube mir einfach mal, noch ein paar Gedanken zu äußern!

>Die Kader- und Arbeitskultur hat in einigen Firmen (besonders aus dem
>Robotron-Umfeld) bis heute überdauert.

..tja, das war die "gefühlte" Elite der DDR ;o) . Viele von den 
ehemaligen "Robotronern" sind nach der "Wende" übrigens als komplette 
Abteilungen in andere Firmen übernommen worden. Das dadurch eine gewisse 
"Kader- und Arbeitskultur" nicht von heute auf morgen verschwindet ist 
für mich nachvollziehbar.

Im Übrigen ist der Begriff "Kader" im Osten Deutschlands (wahrscheinlich 
im Gegensatz zur Schweiz???) mit einer negativen Assoziation behaftet. 
Das erklärt sich wiederum aus der Geschichte: Zu Zeiten der DDR wurden 
vorallem politische Führungskräfte als "Kader" bezeichnet. Der "Kader" 
schwamm also zumeist im Fahrwasser der DDR-Ideologie. Nach der "Wende" 
hat sich daher relativ schnell die negative Bedeutung des Wortes 
entwickelt.

>Auch wenn es fast 2 Jahrzehnte her ist, "Gelernt ist Gelernt"...
>...Mal sollte schon schauen was einen Mitarbeiter im Leben geprägt hat,
>zwanzig Jahre löschen das nicht aus. "Das sagt mir meine Erfahrung".

Ja das ist ganz klar. Aber zwanzig Jahre verändern einen Menschen 
(sowohl positiv als auch negativ); das ist eben rund die HÄLFTE des 
Arbeitslebens. Vorallem die Ossi's mussten lernen, sich relativ schnell 
an eine vollkommen neue Situation anzupassen. (Das ist jetzt nicht 
negativ gemeint!)
Ich denke trotzdem, es kommt mehr auf die Person und deren fachlichen 
Fähigkeiten an und weniger auf den Status einer UNI an der er ein paar 
Jahre zugebracht hat. Ein junger Akademiker wird in 2 Berufsjahren mehr 
lernen als in 5 Jahren Studium.

Ich denke auch, es wird nahezu unmöglich sein, eine objektive 
Einschätzung über die "A-Promotion an einer Hochschule für Verkehr im 
Jahr 1990" zu erhalten. Was man finden wird, sind allenfalls subjektive 
Meinungen - und dann würde ich mich lieber auf mein eigenes subjektives 
Empfinden verlassen: Hat sich der Kandidat in den Jahren der 
Firmenzugehörigkeit fachlich und in der Führung eines kleinen Teams 
bewährt?

So, ich hoffe für Euch (und Euren Kandidaten), dass Ihr die RICHTIGE 
"Bewertung" für Euren Kandidaten findet...

...Rayk

Autor: STS (Gast)
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>Wie schauts aber nun mit der Benotung aus? Was erhielt
>man als Prädikat für eine gute Arbeit?

Die Dissertationen wurden, wie auch heute noch üblich, mit summa cum 
laude (seher gut) bis non rite (ungenügend) benotet.

Die Benotung in den Schulen und auch bis zum Diplom gingen in der DDR 
von 1 (sehr gut) bis 5 (ungenügend), eine 6 gab es in der (späten) DDR 
nicht.

>Wenn also einer dort habilieren tat, wollt er dann Höhere
>Beamter bei den Postlern werden?

An der HfV habilitierten die, die eine Fachdiziplin, die eng mit dem 
Verkerhswesen verknüpft war, bearbeitet haben. Beispiel Elektrotechnik: 
"Oberflächenvergütungsverfahren von Fahrleitungsisolatoren zur 
Minimierung von Leckströmen" oder so. Die Entscheidung, wo jemand 
studieren durfte und ob, nahm oftmals der Staat ab. Schon in der 11. 
Klasse wurde je nach Berufswunsch eine Hochschule zugewiesen.

Noch ein kleines Mißverständnis zum Ausräumen: Die HTW gab es erst seit 
1992 und ist eine Fachhochschule mit einer Studiendauer von 4 Jahren. An 
der TU Dresden dauern die Diplomstudiengänge 5 Jahre.

Zur DDR-Zeit gabe es keine Fachhochschulen. Die DDR kannte nur die 
universitäre Hochschule (3,5 - 5 Jahre TH-Diplom) und die 
Ingenieurhochschule IHS mit dem Abschluß HS.-Ing. (1969-1977) (4 Jahre) 
und danach Dipl.-Ing. (5 Jahre).

DIe IHS ähnelte stark der heutigen FH, die TH einer TH im Westen bis in 
die 70er. Die TU Dresden war ab 1962 die einzigste TU in der DDR. Die 
HfV hatte den Status einer TH und bot je nach Studienrichtung Diplome 
mit 3,5 Jahren und 5 Jahren an.

Das anhängige Industrieinstitut Dipl.-Ing. (I.I.) war die Kaderschmiede, 
wo man ohne Abi nur mit Vorkurs in 2 Jahren eine "Schnellbesohlung" 
bekam, aber eher politisch. Ihre Absolventen haben heute keine Zulassung 
mehr.

>War des vielleicht berufsbezogen, also nur valide wenn man auf die Post >oder zu 
einem Spediteur gehen möchte?

Das Hochschulstudium in der DDR war etwas anders angelegt. Es gab viele 
Spezialhochschulen, es wurde also weniger generalistisch ausgebildet als 
heute. DIe Seminargruppen waren sehr klein, weil nur ca. 14 % der 
Bevölkerung zum Abitur zugelassen wurde. Der Bezug zum Beruf war auch 
stärker ausgeprägt als heute. ("Keine Ressourcenverschwendung der 
Intelligenz")

Autor: T.U. (Gast)
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@Luks und egberto
Grüezi zurück in die Schweiz

>Manch einer hat auch trotz Sozialismus eine tolle Promotion hingelegt!
In Ostdeutschland haben aber gerade wegen des Sozialismus einige eine 
tolle Promotion hingelegt, besonders die Linientreuen! Ich würde mich an 
denen orientieren, die damals wegen der politischen Gesinnung nicht zur 
Promo zuglassen wurden oder anderweitig rausgeflogen sind. Die passen 
besser zu euch.

>auch das die Deutschen sogar ihre Kondukteure und Billeteure auf die
>Hochschule schicken ... .
In der DDR vielleicht. Das kann ich nicht so genau sagen. Es wird auch 
keiner geschickt, die machen des schon freiwillig.

Ansonsten muss ich mich einem der oberen anschliessen und infrage 
stellen, was eine 20 Jahre alte Disseration wert sein kann. Was hat der 
Mann in den 5 Jahren vor dem Interview getan?

Autor: STS (Gast)
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>>auch das die Deutschen sogar ihre Kondukteure und Billeteure auf die
>>Hochschule schicken ... .
>In der DDR vielleicht.

Das ist Blödsinn. Wie gesagt, kenne ich den Begriff "Schaffneruni" für 
die HfV nicht, sondern Schaffnerschule für die Fachschule Erwin Kramer.

Die in der DDR verbreiteten Ingenieurschulen (Fachschulen) hatten und 
haben nie den Rang einer Hochschule gehabt. Und auch dort wurden keine 
Schaffner (Kondukteure und Billeteure) ausgebildet. Das ist Volksmund. 
Es war eher der Rang eines Reichsbahnamtmannes (Bahnhofsvorsteher usw.) 
An der HfV wurde der Rang des Reichsbahnrates ausgebildet.

Es ist auch nicht wahr, daß es in der DDR für jeden "Furz" ein 
Hochschuldiplom gab, im Gegenteil, durften nur 14% Abi machen, 
demenstprechend niedrig war die Hochschulabsolventenquote (13-14%). 
Vergl. BRD heute bis 32% Abiturienten und 21% Hochschulabsolventen 
(FH/Uni)).

Dafür war in der DDR der Bereich der Fachschulen (Ing., Oek. usw.) sehr 
ausgebaut. Das waren allerdings keine Hochschulen und ihre Absolventen 
waren und sind keine Akademiker. Da die meisten Absolventen allerdings 
im Rahmen der Wiedervereinignung durch Rechtswohltat zum staatl. Titel 
Dipl.-Ing. (FH) nachdiplomiert wurden, verzerrt sich das Bild nach 
"außen" etwas. Das muß beachtet werden und wird in der 
CASMIN-Klassifikation so dargestellt:

Stand 1996: neue Bundesländer

Absolventen TH/Uni: ca. 12%
Absolventen IHS und FH: 2,4% (FH's gab es erst seit 1992!)
Absolventen Fachschulen, die nachdiplomiert worden sind: 15%

Die Akadmikerrate 1996 in den neuen Bundesländern betrug demnach 14,4%.

Eine Promotion wurde oft in Form eines Forschungsstipendiums angefertigt 
(5 Jahre Industrie). Eine Habilitation an den Hochschulen als Oberassi. 
Das Ziel einer Habilitation war fast ausschließlich, Hochschulprofessor 
zu werden (Ablegen der facultas docenti).

Autor: egberto (Gast)
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@T.U.

Wir reden hier doch vom technischen Bereich - da mußte man nicht 
zwangsläufig Parteikader sein um eine 1A Promotion zu machen (hilfreich 
war es natürlich).

Ich kenne auch einen Spitzenmann, der Jahrzehnte bei der Stasi war und 
viele Luschen die überall angeckt sind.

Deine Ausrichtung nach Systemtreue ist also wenig Zielführend.

Viele Grüße,

egberto

Autor: T.U. (Gast)
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>Deine Ausrichtung nach Systemtreue ist also wenig Zielführend.
Es ist ja nur ein Einwurf meinerseits. Ich hatte eigentlich aich genau 
das Gegenteil argumentiert :-)

Autor: Lukas M. (Gast)
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>Im Übrigen ist der Begriff "Kader" im Osten Deutschlands (wahrscheinlich
>im Gegensatz zur Schweiz???) mit einer negativen Assoziation behaftet.
>Das erklärt sich wiederum aus der Geschichte: Zu Zeiten der DDR wurden
>vorallem politische Führungskräfte als "Kader" bezeichnet. Der "Kader"
>schwamm also zumeist im Fahrwasser der DDR-Ideologie. Nach der "Wende"
>hat sich daher relativ schnell die negative Bedeutung des Wortes
>entwickelt.

In der Schweiz gehören die Mitarbeiter in leitendenden Funktionen zum 
Kader, so werden beispielsweise zum Kadermeeting die Gruppenleiter 
eingeladen. Da ist michts schlechtes daran, die entsprechenden 
Mitarbeiter am deutschen standort lassen sich gern als Kader 
"ansprechen". Das bedeutet denen wohl mehr Ehr als Verpflichtung.

Autor: Lukas M. (Gast)
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> Die in der DDR verbreiteten Ingenieurschulen (Fachschulen) hatten und
> haben nie den Rang einer Hochschule gehabt. Und auch dort wurden keine
> Schaffner (Kondukteure und Billeteure) ausgebildet. Das ist Volksmund.

Ich beliebte zu scherzen, ...

Autor: Lukas M. (Gast)
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<Eine Promotion wurde oft in Form eines Forschungsstipendiums 
angefertigt
<(5 Jahre Industrie).

Das habe ich noch nicht verstanden, was meint 5 Jahre Industrie als 
Forschungsstipendium? Hat man die Industrie 5 Jahre erforscht. Oder in 
einer industriellen Einrichtung statt in einer ordentlichen Universität? 
Oder hat man bei 5 Jahren Industriearbeit ein Stipendium angespart? Oder 
wie bei den Bundesferien im Jahr mehr normale Arbbeit und dabei etwas 
Forschung. Oder ein Fernstudium?

Und was bedeutet "eine Zulassung zur Promotion"? Hat es dafür einen 
Fürsprecher gebraucht, oder einen Gewissensprüfung? Musste man sich bei 
der Staatspartei einschreiben dafür? Konnte die Zulassung wie 
Führerausweis später einzogen werden?

Autor: Lukas M. (Gast)
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Ich bin überrascht, welchen geringen Wert eine Promotion in diesem Forum 
hat. Das sie kompensiert werden könnte durch eine mehrjährigen 
Anstellung ...

Dabei ist doch der Doktortitel ein amtliches Zeugniss über eine 
abgelegte Prüfung. Das versichert doch dem Träger Qualität und Wissen 
nach landesweit einheitlichen Grundsätzen. Eine Fälschung dessen ist 
nachweisbar und wird bestraft, eine Story beim Interview über die 
Anstellungen in der Vergangenheit nicht. Deshalb dringe ich auch so, zu 
verstehen was eine bestandene Doktorprüfung 1990 an der 
Verkehrs-Hochschule an Qualitäten, Wissen und Können bescheinigte. 
Mehrere Jahr praktisches Fahrzeug lenken ersetzt doch nicht den 
Führerschein.

Und mehrere Jahre Forschung sind doch wie ein zweites Studium, doppelt 
breites Wissen. Nicht zu vergessen, das geknüpfte Netzwerk. Im Berufe 
wendet man es an, hat aber wenig Zeit es auszubauen.

Auch ergänzt sich die Reputation einer Unternehmung beim Kunden auch aus 
der Reputation der Bildung der Mitarbeiter. Man vergleiche gedanklich 
ein Spital geführt allein von lang gedienten Schwestern mit dem geführt 
von Absolventen namhafter Fakultäten. Wo liesse man sich lieber nieder?

Also ein Doktorstudium ist nicht durch einige Jahre praktische Erfahrung 
zu ersetzen.

Autor: pst (Gast)
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So langsam glaube ich, dass der gute Lukas ein Troll ist. Entflohen aus 
irgendeiner gutdeutschen Beamtenstube.

Autor: Rayk (Gast)
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>Mehrere Jahr praktisches Fahrzeug lenken ersetzt doch nicht den
>Führerschein.

Das würd ich nicht sagen: es gab ja Autofahrer, die sind 40 Jahre 
unfallfrei ohne Führerschein gefahren. Andereseits: ein Führerschein 
läßt noch nicht darauf schließen, dass man Auto fahren kann. Wenn ich 
einen Führerschein habe und 20 Jahre nicht fahre, fange ich nach dieser 
Zeit wieder bei "null" an.

In Eurem Fall hat aber euer Angestellter einen gültigen Führerschein 
(noch heute anerkannter Doktortitel) und er scheint (im übertragenen 
Sinne) die letzten Jahre auch unfallfrei gefahren zu sein (immerhin ist 
er ja noch bei euch angestellt; also scheint er sich bewährt zu haben). 
;o)

Gruß, Rayk

Autor: Gast (Gast)
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Beim Führerschein würde ich es auch akzeptieren, wobei man durch das 
Fahren die Regeln nicht nicht voll erlernen kann.

>Und mehrere Jahre Forschung sind doch wie ein zweites Studium, doppelt
>breites Wissen.

Das aber nun nicht! Forschung als Doktorand stellt eine sehr spezifische 
Vertiefung auf einem extrem engen Sachgebiet dar. Keine Breite.

Autor: STS (Gast)
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>So langsam glaube ich, dass der gute Lukas ein Troll ist.

Mir deucht auch langsam so. Solle er sich äußern.

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