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Forum: HF, Funk und Felder Unterschied Degausser / Magnet


Autor: Dimitri Roschkowski (Firma: port29 GmbH) (port29) Benutzerseite
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Hallo,

kann mir von euch jemand sagen, worin genau der Unterschied zwischen 
einem Degausser und einem Magneten liegt?

Wenn ich die Funktionsweise eines Degaussers verstanden habe, dann ist 
es nichts weiter, als ein Elektromagnet, der ein Magnetfeld erzeugt und 
damit einen magnetischen Datenträger (Kasette oder Festplatte) zerstört.

http://www.ontrack.de/degausser-datenloeschen/

Auf der Seite steht, dass der Degausser mit einer Flussdichte von 10.000 
Gauss (=1 Tesla) arbeitet.

Nun auf der anderen Seite gibt es ja auch Neodym Magneten, die eine 
ähnliche Flussdichte haben.

http://www.magnet-shop.net/Neodym-Magnete/Scheiben...

Bei diesem Magneten sind es rund 13.000 Gauss. Ersetzt so ein 
dauermagnet einen Degausser bzw. ist so ein Ding dazu geeignet um 
Festplatten zu zerstören?

Autor: WHorn (Gast)
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Dimitri Roschkowski schrieb:
> Bei diesem Magneten sind es rund 13.000 Gauss. Ersetzt so ein
> dauermagnet einen Degausser bzw. ist so ein Ding dazu geeignet um
> Festplatten zu zerstören?

Hi, Dimitri,

schau Dir zuerst das Magnetisierverhalten von ferromagnetischen Stoffen 
an, z.B. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Ferromagnetismus

Der ferromagnetische Stoff enthält sogenannte "Elementarmagnete", die 
sich bei starker Magnetisierung einheitlich ausrichten und dann einen 
Dauermagneten ergeben können.

Wie kriegt man sie da raus? Bei Magnetbändern durch eine erneute 
Aufzeichnung, wobei dem Schreibstrom ein hochfrequenter Wechselstom 
überlagert wird.
Weil das Band den Tonkopf passiert, schwillt für ein Bandstück das 
HF-Feld an, über den Umschlagpunkt der Magnetisierung hinaus, und läßt 
dann langsam wieder nach. Beim Nachlassen des HF-Feldes aber ist das 
niederfrequente NF-Feld erhalten geblieben - und bildet sich im 
Magnetband ab.

Der Degausser macht genau das, allerdings ohne NF-Feld. Er magnetisiert 
das Werkstück mit einem kräftigen Wechselstrom, und dann lässt seine 
Energie allmählich nach.

Es gibt auch kleine Degausser für Tonköpfe, die kriegen Netzstrom, und 
Du mußt sie zum Tonkopf bewwegen und dann langsam von diesem wieder weg.


Du könttest auch mit einem kräftigen Dauermagneten degaussen, indem Du 
ihn so drehst, dass er das Werkstück mal mit dem Nordpol durchflutet und 
mal mit dem Südpol, während Du das Werkstück langsam von ihm entfernst.

Ciao
Wolfgang Horn

Autor: Tine Schwerzel (tine)
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Der Magnet führt zu einem "DC erase", dh die Daten werden durch eine 
starke allgemeine Magnetisierung überlagert aber nicht komplett 
zerstört. Die Platte kann das nicht mehr auslesen, aber wenn man die 
Disks entfernt geht es tlw noch. Der Degaußer zerstört dagegen das 
Magnetmuster durch ein Wechselfeld. Unterschied ist also 
Gleichfeld-Wechselfeld.

Autor: Dimitri Roschkowski (Firma: port29 GmbH) (port29) Benutzerseite
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Hallo Tine & Wolfgang,

vielen Dank euch erstmal für die Antworten. Also mit eigenen Worten 
bedeutet es, dass ich bei einem Dauermagneten den Datenträger 
(gleichmäßig) einem Magnetfeld aussetze. Beispiel: Ich habe auf dem 
Datenträger eine 20 gespeichert. Der Magnet addiert bzw. subtrahiert 
einen Wert zwischen 100-150 dazu, je nach dem in welcher Richtung er 
gehalten wird.

Wenn ich den Magneten einfach nur dranhalte, bekomme ich an der Stelle 
der 20 einen Wert zwischen 120-170. Damit kann die Elektronik erst 
einmal nichts anfangen, wenn man den Datenträger mit einem anderen 
Lesekopf ausliest, dann könnte man Rückschlüsse auf den ursprünglichen 
Wert ziehen.

Wenn ich allerdings zig mal die Feldrichtung ändere, ist es nicht mehr 
so einfach.

Ich dachte bei der Löschung bisher immer daran, dass wenn ich ein 
starkes Magnetfeld anlege, ich das Medium bis auf den Maximalwert 
magnetisiere.

Autor: Christoph Kessler (db1uq) (christoph_kessler)
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Früher gab es "Entmagnetisierungsgeräte" für Tonbandgeräte. Das war 
einfach ein netzbetriebener Elektromagnet, der langsam vom Tonkopf 
weggezogen wurde und so das abklingende Wechselfeld liefern sollte. Die 
Dinger waren nicht für Dauerbetrieb ausgelegt und wurden schnell heiß.

http://de.wikipedia.org/wiki/Entmagnetisierung
im Idealfall steht das entmagnetisierte Teil anschließend in der Mitte 
der gezeigten Hysteresekurve. Ein Dauermagnet würde es eher auf einem 
der beiden Extremwerte zurücklassen, genauer gesagt in den 
"Remanenzpunkten"

Autor: Gérard Laubacher (Gast)
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Hallo zusammen,

ich habe soeben die Beiträge über das Degaussen bzw. Unterschied 
zwischen Degausser und Magnet gelesen und ich muss sagen dies sind ganz 
wilde Theorien die so leider nicht stimmen.
Grundsätlich ist es egal wie das Magnetfeld erzeugt wird, dies kann über 
Dauermagnete, Spulen die gespeist werden oder durch Entladung von 
Kondensatoren geschehen. Am Markt sind Datenlöschgeräte mit allen drei 
Technologien verfügbar.
Durch das starke Magnetfeld werden die Bipole die durch die Aufzeichnung 
ein bestimmtes Muster erfahren haben wieder wirr angeordnet, was 
bedeutet die Informationen sind gelöscht bzw.nicht mehr lesbar.

Für die sichere Löschung von magnetischen Datenträger sind also 
hauptsächlich drei Parameter wichtig:
1) starkes magnetfeld (mind. 7000 Gauss)
2) die Nähe zum Magnetfeld, ich muss also so nah wie möglich an den 
Datenträger ran kommen da ein Magnetfeld seine Leistung stark verliert 
mit der Entfernung
3) eine ringsum Bestrahlung der Datenträger

Zertifizierte Löschgeräte die NSA gelistet und BSI empfohlen sind 
entsprechen diesen Kriterien.

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Gérard Laubacher schrieb:

> Für die sichere Löschung von magnetischen Datenträger sind also
> hauptsächlich drei Parameter wichtig:

Wobei es bei einer "Entmagnetisierung" um mehr gehen kann als die
Löschung eines Datenträgers (bspw. die Entmagnetisierung von
Werkzeug), dann kommen die von Christoph Kessler genannten
Unterschiede zum Tragen: der Dauermagnet hinterlässt das Objekt
in einem der Remanenzpunkte, während ein "Degausser" mit abklingendem
Wechselstrom das Objekt ohne nennenswerte Remanenz hinterlässt.
Eine solche Einrichtung war um die klassischen Farbbildröhren herum
montiert, um die Farbverfälschungen durch remanente Felder in der
Loch- oder Schlitzmaske zu beseitigen.  Dafür wäre ein Dauermagnet
denkbar ungeeignet gewesen. ;-)

> 3) eine ringsum Bestrahlung der Datenträger

Ein statisches Magnetfeld ist keine "Strahlung".  Diesen Begriff
würde man nur für ein sich fortpflanzendes Feld nehmen, sprich ein
EM-Feld.  (Nicht, dass dir jemand mit einer Strahlenphobie mal auf
die Bude rückt. ;-)

Autor: Ralph Berres (rberres)
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Tine

Beim Degauser ist es aber zwingend notwendig das das magnetische 
Wechselfeld kontinuierlich bis gegen 0 abfällt. Sonst bleibt eine 
Remanenz übrig, die sich bei Tonbandgeräte als verstärktes Rauschen im 
Ton äußert.

Ralph Berres

Autor: Dimitri Roschkowski (Firma: port29 GmbH) (port29) Benutzerseite
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Ich habe hier mal ein Video von einem Degausser aufgetrieben, mit dem 
man Festplatten vernichten kann. Das Ding ist sowohl vom BSI als auch 
von NSA zertifiziert worden:

http://www.youtube.com/watch?v=Ib0sakdEOxE

Der schiebt einfach die Platte hin und her und schon sind alle Daten 
gelöscht. Man braucht da keinen Elektromagneten oder 
Starkstromanschluss. Das Ding auf dem Video wiegt auch nur 82kg. Die 
Elektro Degausser wiegen schon mal 300-500kg und benötigen zwei Minuten 
pro Platte + eine Abkühlzeit.

Also so ein Ding würde mich schon interessieren und reizen.

Autor: Markus Ferlitsch (mferlitsch)
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Gérard Laubacher schrieb:
> Für die sichere Löschung von magnetischen Datenträger sind also
> hauptsächlich drei Parameter wichtig:
> 1) starkes magnetfeld (mind. 7000 Gauss)
> 2) die Nähe zum Magnetfeld, ich muss also so nah wie möglich an den
> Datenträger ran kommen da ein Magnetfeld seine Leistung stark verliert
> mit der Entfernung
> 3) eine ringsum Bestrahlung der Datenträger

Naja, ich hab zum Testen mal eine funktionierende 10 Jahre alte Platte 
mit Daten auf einen Magneten gehalten, der zum Heben von schweren 
Eisenträgern verwendet wird (Hebekraft von 5 Tonnen - keine Ahnung 
wieviel Gauss dies entspricht - der Magnet wird mit 380V betrieben und 
ist sicher stärker als einer in einem Degausser).

Ich hab die Platte am Magneten klebend langsam gedreht und dies von 
beiden Seiten durchgeführt. Danach hab ich sie wieder angeschlossen und 
alle Daten waren noch drauf.

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