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Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Diplomarbeit (Ingenieurswesen=Wissenschaft?)


Autor: M. I. (seventh_son)
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Hallo,

ich sitze zur Zeit an meiner externen Diplomarbeit und habe mir gestern
ein Buch zum Thema Schreiben von Abschlussarbeiten durchgelesen.

Dabei wird erwähnt, dass eine Abschlussarbeit eine wissenschaftliche
Arbeit ist und deshalb zwei Dinge wichtig sind:

1. Sie sollte falsifizierbar sein, also so aufgebaut, dass man sie
wiederlegen kann.

2. Sie sollte den aktuellen Stand der Wissenschaft erweitern, das heißt,
etwas Neues beitragen und nicht das Rad neu erfinden.

Es wird auch erwähnt, dass die zweite Bedingung bei externen Arbeiten in
Firmen oft nicht erfüllt wird, denn diese wollen einfach eine
kostengünstige Entwicklung und keinen neuen Beitrag zum aktuellen Stand
der Wissenschaft. Somit wird nicht wissenschaftlich geforscht sondern
einfach nur entwickelt.

Im gleichen Buch ist aber auch zu lesen, dass das Ingenieurswesen keine
Wissenschaft ist, sondern die Umsetzung der wissenschaftlichen
Forschungsergebnisse in Problemlösungen.

Jetzt meine Frage: Muss eine Ingenieurs-Diplomarbeit obigem
wissenschaftlichen Prinzip entsprechen oder nicht?

Denn meine Aufgabe ist zwar eine Neuentwicklung eines Controllers für
die Firma, aber für die Wissenschaft ist das sicher nichts neues.

Wird das an einer FH in technischen Studiengängen vielleicht einfach
nicht so eng gesehen?

Autor: Bri (Gast)
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Du solltest das nicht so verbissen sehen. Ich hab schon Diplomarbeiten 
gesehen, da wurden nur Handbücher abgeschrieben und die haben trotzdem 
ihr Diplom bekommen. Natürlich sollte man schon den Anspruch haben, eine 
ordentliche Diplomarbeit abzuliefern. Bei mir an der Uni wurde zu jeder 
Diplomarbeit ein Plakat angefertig, das dann im Institut ausgehangen 
wurde. Wenn das bei dir genauso ist, dann kannst du dir anschauen, was 
die anderen so machen und ob das anspruchsvoller ist als deins ist.

Autor: Schorsch (Gast)
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Sehe ich auch so.

Und du wirst ja sicher auch einen Betreuer/Prüfer an der Hochschule 
haben. Erkundige dich bei dem, wie die Gepflogenheiten am Institut bez. 
DAen sind. Oft schreiben die Institute da auch was dazu auf ihrer 
Homepage.

Z. B. ein Institut an meiner Uni schreibt vor, dass DAen ausschleßlich 
in MS Word verfasst werden dürfen. Schwachsinnig, aber was willst du 
machen, wenn die Betreuer zu dumm* sind, LaTeX zu verstehen. Andere 
Institute sind völlig auf dem wissenschaftlichen Trip. Da muß die 
Absatz-, Formel-, Kapitel-, Tabellen-, Zeichnungsnummerierung gem. DIN 
sein und die Ränder müssen einen  bestimmten Wert haben. Auch wird die 
Schriftgröße vorgeschrieben. Der Aufbau muß aus Einleitung, Grundlagen, 
eigener Teil, Zusammenfassung und Ausblick bestehen. Umfangreiche 
Formelherleitungen, die nicht Bestandteil der Arbeit sind, gehören in 
den Anhang. Andere Formeln und Theoreme sind mit Quellenangabe zu 
versehen. Bestimmte Ergebnisse, die sich zwangsläufig aus einem 
Zusammenhang ergeben, sollten nicht erwähnt werden und Methoden und 
Verfahren, deren Nützlichkeit bereits im Vorfeld angezweifelt werden 
kann und sich dann im Verlauf auch als wertlos erwiesen, sollten halt 
auch nicht erwähnt werden.

...

Also wie gesagt kommt auf das Institut an. Aber im großen und ganzen 
wird selten so heiss gegessen, wie es gekocht wurde.

*) Wurde von einem Betreuer des Instituts genau so begründet.

Autor: Kest (Gast)
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Eine DA muss zeigen, dass Du in der Lage bist selbständig arbeiten zu 
können.

Kest

Autor: M. I. (seventh_son)
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Ich habe auch immer angenommen, Ziel einer Diplomarbeit ist die 
selbstständige ingenieurmäßige Lösung eines Problems. Von einer 
"Erweiterung des aktuellen Standes der Wissenschaft" war mir nichts 
bekannt.

Mein Betreuer hat sich ja das Thema vor Ort angeschaut und dann 
entschieden mich zu betreuen. Er hat also das Thema als für eine DA 
praktikabel angesehen. Ich habe eine Diplomarbeit eines Freundes 
vorliegen, wo eine bestimmte Auswertesoftware für physikalische DAten 
geschrieben wurde. Da ist auch nichts von irgendeinem wissenschaftlichen 
Anspruch zu sehen. Denke in anderen Firmen, die mit den selben Daten 
hantieren, ist ein ähnliches Tool auch vorhanden.

Autor: anonym (Gast)
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Die "notwendige Wissenschaftlichkeit" der Arbeit liegt offensichtlich im 
Ermessen des betreuenden Professors. Ich spreche da aus leidvoller 
Erfahrung, denn meine inhaltlich äußerst interessante und anspruchsvolle 
DA wäre fast an diesem Punkt gescheitert (Bewertung unter aller Sau 
...). Ein Kommilitone von mir hat eine (nach Ansicht aller Beiteiligten) 
zwar weniger anspruchsvolle, aber dafür dem universitären Standard 
offensichtlich angemessenere Arbeit geschrieben, die mit 1 benotet 
wurde.

Schlussfolgerung: Lieber ein einfaches und ggf. langweiliges Thema 
hochwissenschaftlich darlegen als eine praxisnahe komplizierte 
Entwicklung machen! Ich sitze jetzt halt auf meiner beschissenen 
Diplomnote, auch wenns ein geiles Projekt war ...

Autor: Dipl.-Ing(FH) (Gast)
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Schau dir doch mal den Verfasser des Buches an. Mit Sicherheit hat der 
eine sogenannte Wirtschaftswissenschaft oder ähnliches studiert und will 
nun beurteilen, wie eine Wissenschaft auszusehen hat. Mir soll mal einer 
Sagen, was für Wissenschaft wissenschaftlicher ist, als das 
Ingenieurwesen bzw. die Technik?

Aber ehrlich gesagt muß ich fragen, wo studierst du? An allen FHs und 
UNIs ist mir bekannt, muß man vor der DA mindestens zwei Studiearbeiten 
abliefern, bevor man DA schreiben darf? Es kann nicht sein, daß die 
Diplomarbeit die erste wissenschaftliche Arbeit ist?

Autor: M.I. (Gast)
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Die Autoren waren Informatiker.

Ich kann das schon nachvollziehen, als Ingenieur in der Industrie machst 
du ja selten Grundlagenforschung, du nimmst wissenschaftliche Ergebnisse 
als gegeben hin und bastelst daraus eine Problemlösung.

Ich studiere an der FH Friedberg, die eigentlich einen ganz guten Ruf in 
Hessen hat. Wir hatten aber keine Studienarbeiten im Vorfeld.

Autor: Kaspar der Gosse (Gast)
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>Sie (die Diplomarbeit) sollte falsifizierbar sein, also so aufgebaut, dass man 
sie wi(e)derlegen kann.
Bei mir sind alle Dokumentationen, gleich wie sie sich nennen, immer so 
aufgebaut, dass sie sich NICHT widerlegen lassen.

>Ich studiere an der FH Friedberg,
Selber Schuld

>einen ganz guten Ruf in Hessen hat.
***lol***

Autor: M. I. (seventh_son)
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@Kaspar

Da du ja an einer viel besseren Institution studiert hast, die sicher 
Wert auf hoch wissenschaftliche Abschlussarbeiten legt, du aber nicht 
falsifizierbare Dokumentationen anfertigst, wird deine Diplomnote 
dementsprechend schlecht gewesen sein.

Da bin ich ja froh dass ich im (unwissenschaftlichen) Friedberg gelandet 
bin.

Autor: Gaga (Gast)
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lol @Kaspar

Autor: Sehrwitzig ⌂⌂ (sehrwitzig)
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Kann mir mal einer erklären, warum irgendeine Arbeit widerlegbar sein 
MUSS?? Warum mache ich sie mir dann überhaupt??

Dass der tiefere Sinn wohl der ist, dass Aussagen bewiesen werden 
müssen, habe ich schon verstanden - nur der Zusammenhang mit diesem 
Begriff erschließt sich mir nicht...

Verwirrte Grüße...

Autor: TechInfo (Gast)
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Ich denke falsifizierbar heißt nicht widerlegbar, sondern angreifbar, 
nachprüfbar: (aus wikipedia)

Falsifizierbarkeit einer Aussage ist gegeben, wenn eine Beobachtung 
denkbar ist (formal: ein empirischer Beobachtungssatz), mit der sie 
angreifbar ist; die sie also widerlegen würde. Falsifizierbarkeit wurde 
in der Wissenschaftstheorie von Karl Popper als Kriterium für den 
empirischen Gehalt und wissenschaftlichen Charakter einer Theorie 
vorgeschlagen. „Morgen regnet es“ ist falsifizierbar, nicht jedoch 
„Morgen regnet es oder regnet es nicht“. Falsifizierbarkeit ist eine 
logische Eigenschaft von Aussagen und sagt nichts darüber aus, ob in der 
Praxis geeignete Experimente durchführbar sind („Heute in 1.000.000 
Jahren wird es regnen“). Man unterscheidet daher zwischen theoretischer 
und praktischer Falsifizierbarkeit.

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