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Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Vertriebsingenieur top oder flop??


Autor: Steffen (Gast)
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Hallo,

ich habe gerade mein Nachrichtentechnikstudium Fachrichtung 
Mikroelektronik (FH) erfolgreich abgeschlossen und bin dabei mich zu 
bewerben.
Ich möchte keinen reinen Programmierjob übernehmen und bereits viele 
Jahre nebenbei Computer und andere Hardware verkauft.

In vielen Stellenanzeigen wird ein Dipl.-Ing. als Vertriebsingenieur 
gesucht.
Was haltet Ihr davon als Einstiegsberuf?
Ich hab da immer so ein schlechtes Image im Kopf, alle anbetteln und 
ihnen was andrehen wollen/müssen, viel Druck eine bestimmte Menge zu 
verkaufen...

Kann mir wer von euch sagen, wie es wirklich als Vertriebsingenieur ist 
und ob ich mir nicht doch lieber einen normalen Bürojob suchen sollte?

Wäre für ein paar Erfahrungen sehr dankbar!

Autor: Kornfisch (Gast)
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Buerojob ? Was soll das ? Man sollte immer die 
Weiterentwicklungsmoeglichkeiten im Auge behalten. In den Verkauf zu 
wechseln scheint eine Einbahnstrasse zu sein. Dh, von der Entwicklung 
kommt man immer in den Verkauf, aber umgekehrt nicht. Daher kommt es nun 
drauf an, was du drauf hast, welche Ambitionen da sind. Ich denke nach 
dem Studium sollte man noch ein paar Jahre entwickeln. Spar dir den 
Verkauf fuer spaeter. Man hat als Entwickler einfach mehr 
Moeglichkeiten. Man kann auch Selbstaendig werden. Als Verkaeufer 
selbstendig werden kann man zwar auch, dh man verklopft die Arbeit 
anderer Leute und muss hoellisch aufpassen, dass die Schwierigkeit nicht 
an einem Klebenbleiben weil man etwas nicht ganz verstanden hat. Als 
Entwickler geht das einfacher.

Autor: Steffen (Gast)
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Hab mir fast schon soetwas gedacht. Ich arbeite eben lieber mit Leuten 
zusammen, als dass ich programmiere.
Soll doch nicht abwertend gemeint sein, da ich weiß, das Programmierer 
echt was drauf haben müssen!

Autor: Kornfisch (Gast)
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Auch Programmieren hat mit Leuten zu tun. Sehr viel sogar. Man 
unterschaetzt das vielfach. Einfach irgendwas zusammenzuhaemmern ist in 
der Regel der falsche Ansatz. Je nach Branche wird die Software vom Chef 
gekauft, aber vom Angestellten gebraucht. Den Chef zu beeindrucken ist 
nicht ueberaus schwer. Den Angestellten dagegen sehr. Gute Software 
beeindruckt sowohl den Chef wie auch den, der sie braucht. Dabei hat man 
viel mit Leuten zu tun. Die paar Zeilen reinhaemmern ist der kleine 
Teil.

Verkauf hat eher was mit Sozialkompetenz zu tun, eine Eigenschaft, die 
man erst mit 35 oder erkennt, und irgendwann nach 40 entwickelt. Super 
Duper Zeug, das guenstig im Ankauf ist, worum sich die Kunden reissen, 
das mit einer satten Marge weitergegeben wird zu verkloppen ist einfach. 
Wenn die Lieferanten Schrott produzieren, Lieferschwierigkeiten haben, 
die Kunden die Termine druecken, die Kosten druecken, verspaetet zahlen, 
das Haus selber Teile am Lager hatm, die ueber Nacht veraltet sind, usw. 
Dann wird es ploetzlich nicht mehr einfach. Je nach Branche wird es auch 
meist jemanden geben, der dasselbe, oder fast dasselbe ueber's Internet 
direkt an den Kunden verkloppt, und dann ist das Angebot deiner firma 
ahem, zu teuer.

Autor: Axel (Gast)
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Es hängt davon ab ob Dir das liegt. Wenn Du schon Erfahrungen im Verkauf 
hast und Dir das gefällt, spricht doch nichts dagegen.

Was den Druck angeht, ist der auch nicht anders als bei einem 
Entwicklerjob auch. Da müssen auch Zeitpläne etc. eingehalten werden, 
die man u. U. nicht selbst aufgestellt hat. Lediglich die Währung ist 
eine Andere, der eine wird nach Umsatz beurteilt, der andere nach 
Zeitplänen, Fehlern usw usf.

Und als Ingenieur verkaufst Du ja in der Regel keine 
Lebensversicherungen an Leute, die Dich nicht sehen wollen. 
Normalerweise hast Du auf der Käuferseite auch Ingenieure, die in der 
Regel ein Minimum an Manieren haben, und u. U. sogar etwas von Dir 
wollen. Drückerjobs gibt es zwar auch, aber denen muss man dann eben 
ausweichen.

Von daher würde ich nicht grundsätzlich sagen, dass das Eine oder das 
Andere besser ist. Die Frage ist, was Dir persönlich mehr Spass macht. 
Und in was für einem Laden Du arbeitest. Wenn dein Chef ein Arsch ist, 
hast Du Pech, aber da unterscheidet sich Vertrieb nicht von der 
Entwicklung.

Was allerdings sicher ist: Wenn Du gut bist, wird Dein Gehalt sehr 
schnell Regionen erklimmen, in die auch ein guter Entwickler erst viel 
später kommt.

Und die Konkurrenz durch den Vertrieb übers Internet kannst Du 
vergessen. Wenn Du anfängst, in diesen Stückzahlen zu verkaufen, kannst 
du dich erschiessen. Aber wer wirklich eine Serie bestücken will und 
einen Auftrag über eine Million erteilen, der will schon mal die Person 
sehen, die dahinter steht.

Gruss
Axel

Autor: König von Österreich (Gast)
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>Was allerdings sicher ist: Wenn Du gut bist, wird Dein Gehalt sehr
>schnell Regionen erklimmen, in die auch ein guter Entwickler
>erst viel später kommt.

Unverständlicherweise ist da so, ja. Es ist sogar so, daß selbst 
mittelmäßige Verkäufer oft deultlich mehr haben, als gute Entwickler. 
Das Ergebnis: Alle wollen planen, projektieren und verkaufen und es sind 
nur noch Anfänger in der Entwicklung.

Autor: Axel (Gast)
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"Unverständlicherweise ist da so,"

So unverständlich ist das nicht. Mir fällt immer wieder auf, wie viele 
Leute in der Entwicklung nicht in der Lage sind, einen Gedanken klar 
strukturiert auf eine Folie zu bringen und zu vermitteln.

Oder sich bei einem Kunden in einem vernünftigen Anzug anständig zu 
präsentieren/benehmen und keinen Scheiss zu erzählen.

Solche Leute sind eben relativ selten und werden entsprechend bezahlt.

Gruss
Axel

Autor: Unbekannter (Gast)
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>Oder sich bei einem Kunden in einem vernünftigen Anzug anständig zu
>präsentieren/benehmen und keinen Scheiss zu erzählen.

Genau anders herum: Die Vertriebsingenieure sind dazu da, den Kunden den 
größtmöglichen Scheiss zu erzählen und zu verkaufen.

Autor: Axel (Gast)
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Ist die Frage, wie man "Scheiss" definiert.

Gruss
Axel

Autor: Brutus (Gast)
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Hi. Nun muss ich auch was dazu sagen.
Wen du es richtig anpackst, ist der Vertrieb ein vorgespanntes 
Sprungbrett. aber es kommt auch darauf an, wo du hin willst. Ich bin 
direkt nach dem Studium in den Vertrieb für investitionsgüter gegangen.

Nachteil:
- Du verlierst den Bezug zur Technik
- Du musst für einen solchen Job gemacht sein
- Du bist auch mal für den Kunden der Rammbock wenn etwas nicht läuft 
(auch dein Arbeitgeber mag dich dann nicht immer )
- man gewöhnt sich schnell an viel Einkommen :-)

Vorteil:
- Der letzte Punkt der nachteile
- Du lernst schnell Entscheidungsträger auch in großen Firmen kennen und 
so kannst du schnell in andere Positionen rutschen.
- Dienstfahrzeug und andere Finanzielle benefits
- Wenn du gut bist, kannst du frei arbeiten.

Wenn du das gefühl hast, es mal ausprobieren zu wollen, mache es. Dein 
zukünftiger Arbeitgeber sieht es gerne (wenn du dich nicht gerade als 
Entwickler bewirbst)

Ach und der Sprung vom Entwickler zum Vertriebler ist sehr schwer. Wie 
schon gesagt, der hat mehr Probleme, kritischePunkte am eigenen Produkt 
geschickt zu umschreiben ;-)

Aber ich verstehe schon die Abneigung hier im Forum gegenüber 
Vertreiblern. Die haben bestimmt schon einige blöde erfahrungen mit uns 
gemacht.

Immer dran denken, der eine kann nicht ohne den anderen leben...

Brutus

Autor: Ingenieur (Gast)
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Ich kann seit Jahren sehr gut ohne Vertriebler leben und wenn es von 
einer gewissen Sorte drittklassiger Schwätzer in einer vormaligen Firma 
einige weniger gegeben hätte, ginge es mir noch dreimal besser. Die 
haben die Firma in die Pleite getrieben. Zuvor haben sie den einzigen 
wirklich guten Verkäufer kaltgestellt und abserviert. Vertriebler sind 
die Maden im Speck.

Autor: Mike (Gast)
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Ich für mich selber kann auch ohne Vertriebler leben, aber ich bin ja 
auch kein Unternehmen, welches seine Produkte verkaufen möchte.
Wäre ich eines, bräuchte ich einen guten Vertrieb. Ganz sicher. Aber auf 
jeden Fall auch eine gute Entwicklung. Ein guter Einkauf wäre natürlich 
auch nicht schlecht.
Was ich damit sagen will: Alles hat seine Berechtigung. Hier jeweils die 
andere Seite niederzumachen, zeugt nicht gerade von Weitsicht.

Autor: Betrachter (Gast)
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Ich denke hier kommt wieder der Neid mancher Personen zum Vorschein.

Autor: Timo (Gast)
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Ich denke, dass einzige, was man sich überlegen muss, ist ob einem 
dieser Job liegt und gefällt. Stellt man nach zwei Jahren fest, dass das 
doch nicht das richtige ist, ist der Weg in die Entwicklung praktisch 
unmöglich.

Wenn einem eine kaufmännische Richtung Spaß macht, warum nicht?

Autor: Brutus (Gast)
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@ Mike & Timo... Mein reden.
Ich muss in meinem jungen Vertreiblerleben uach immer wieder 
feststellen, das sehr viel verbrannte Erde zwischen der Technik und dem 
Vertrieb entstanden ist. Evtl. sollte das Teamdenken hier doch mal 
wieder Einzug finden.
Eine gewisse Streitkultur ist ja auch wichtig, aber das Bierchen nach 
Projektabschluss muss dann auch zusammen wieder schmecken.

Was denkt der Steffen den nun?
Konnten wir dir weiterhelfen oder bist du so schlau wie vorher.


Brutus

Autor: Mannheimer (Gast)
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>Ich muss in meinem jungen Vertreiblerleben uach immer wieder
>feststellen, das sehr viel verbrannte Erde zwischen der Technik
>und dem Vertrieb entstanden ist.

Da ist in den meisten Firmen so und hat seinen Grund: Entwickelst Du 
eine gute Idee, die die ganze Firma voranbringt, Kosten spart und für 
das Überleben alle wichtig ist, heisst es "das ist sein Job". Entwickler 
kriegen heutzutage nichtmal für die Patente ordentliche Prämien! Wenn 
aber ein Vertiebler gute Umsätze mit dem neuen Produkt macht, dann 
kriegt er richtig satte Bonuszahlungen, obwohl das Verkaufen ja auch 
sein Job ist.

>Ich denke hier kommt wieder der Neid mancher Personen zum Vorschein.

Da denkst Du sicher richtig und der Neid hat seinen Grund in genau dem 
Gesagten.

Ein richtiger Teamgedanke wäre zwar begrüßenswert, der kommt aber nur 
auf, wenn alle gleich an den Profiten beteiligt werden und nicht nur die 
Verkäufer.

Autor: Axel (Gast)
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Der Verkäufer bekommt aber in den meisten Firmen deutlich weniger Geld 
als der Entwickler, wenn er keinen Umsatz macht.

Aber das wird in der Euphorie dann gerne vergessen.

Davon abgesehen habe ich noch nie erlebt, dass das Problem das Geld ist. 
Das grösste Problem sind die unterschiedlichen Sichtweisen.

Die Verkäufer sehen das ach so tolle Produkt aus Sicht des Kunden. Die 
Entwickler sehen es aus Sicht des Technikers. Und die beiden Sichtweisen 
stehen nun mal häufig diametral gegenüber.

Das wird dann besonders spannend, wenn der Verkäufer/Kunde ein Feature 
haben will, was der Entwickler für überflüssig hält. Oder wenn der eine 
einen Zeitplan haben will, den der andere nicht realisieren mag/kann.

Und dann gibt es natürlich das Problem, dass die meisten Techniker 
glauben, sie wären eigentlich die viel besseren Verkäufer, nur weil sie 
mal beim Kunden ein Folgeprojekt aufgegraben haben.

Gruss
Axel, der beides gemacht hat und jetzt in der Mitte sitzt (Marketing).

Autor: Brutus (Gast)
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Axel, da spricht Erfahrung.
Der Punkt mit den Sichtweisen ist enke ich mal ein ganz wichtiger. 
Oftmals werden wirklich technisch brilliante Dinge entwickelt, die aber 
leider keiner kaufen möchte. Andere "Spielfunktionen" die der Entwickler 
/ Techniker für überflüssig hält (von seinem Standpunkt auch vollkommen 
begründet) möchte aber der Markt gerne haben.
Übriens bekommen bei uns z.B. auch die Servicetechiker provision, die 
einen Hotlead melden und es zum Vertragsabschluss kommt.

Brutus.


(Brutus übrigens nur, da Axel mir schon meinen Namen weggenommen hat :-)

Autor: Noch ein Axel (Gast)
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Na toll, der Servicetechniker sitzt an der Quelle und kriegt Provision. 
Das ist ein wieterer Anlass für Neid.

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