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Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik kleiner Messebericht


Autor: MooseC (Gast)
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Moin,

möglicherweise war ja von Euch auch jemand bei der Hausmesse von
Spoerle/Arrow in Hannover und kann gegebenfalls ergänzen oder
korrigieren.

Nun:
Spoerle hatte zwar schon länger Atmel im Programm aber ja bekanntlich
keine AVRs. Das ist ab sofort anders. Die AVRs sind jetzt auch über
Spoerle zu beziehen. (Nur für die Gewerblichen unter Euch)

Ab Q1/2004 wird es bei den Microconvertern von ADI Zuwachs geben.
Neben dem 8052-1Cyc und 12Cyc gibt es dann auch den ARM7 als Converter
Core. Samples gibt es wohl jetzt schon. Das wurde inoffiziel mitgeteilt
- wow geheime Kommandosache.

Die dsPICs haben ein neues Silicon der Rev.B. Alle 49 Erratas und work
arounds der Rev.A sind gelöst - wurde mir jedenfalls versichert. Also
wer sich überlegt, dort ein Demoboard oder einen Controller zuzulegen,
sollte auf Rev.B achten.

Ein netten Vortrag über bleifreies Löten der Firma EPCOS gab es auch
noch. War ein lockerer Vortrag eines Chemikers, der die Sache mit
seinen Augen rüberbrachte. Gleich zu Anfang der erste Slide - ein
Tortendiagramm über den Anteil um den es bei der Geschichte sich dreht.
Der Weltbleianteil der Elektronik war der geringste mit 0.5%, der
größte hingegen mit 88% unserer geliebten Autos (Akku)...



MooseC

Autor: Peter Dannegger (peda)
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"Der Weltbleianteil der Elektronik war der geringste mit 0.5%, der
größte hingegen mit 88% unserer geliebten Autos (Akku)..."

Ja, hübsch, was so alles für "grüner" populistischer Unsinn
verbrochen wird.

Früher haben die Leute von Bleigeschirr gegessen und das Wasser in
meiner alten Wohnung floß durch Bleirohre.


Der Prozeß der Bleigewinnung und Entsorgung ist gelöst, die
Nebenwirkungen von Blei sind bekannt, der Prozeß der Bleilötung ist
optimiert und dessen Zuverlässigkeit und Lebensdauer ist auch bekannt.
Auch die Nebeneffekte der Löttemperatur z.B. auf IC-Gehäuse ist auch
erforscht.

All das trifft aber für keinen einzigen der Ersatzstoffe zu !!!

Wenn sich diese später als noch giftiger oder schlechter zu entsorgen
oder unzuverlässiger herausstellen sollten, dann ist es zu spät.


Peter

Autor: MooseC (Gast)
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ja, völlig richtig.

Die Prozesse werden gerade erst erarbeitet und bedeuten gegen die
100Jahre Bleierfahrung ein unbekanntes Risiko.

Schön war auch, das die Verteufelung so weit ging, das komplett alles
Blei aus den Bauteilen verbannt werden sollte - auch da wo es
funktionell einen Platz hat. In Piezos z.B. wird es verwendet.

Auch nett war der Hinweis auf Zinn/Wismut (Bi) Legierungen. Wenn diese
mit Blei in Berührung kommen, kann es zu einer neuen Legierung kommen
die dann schon bei 70..80°C schmilzt - Dann ist Niedrigenergielöten
möglich - hoffentlich greift das nun keiner auf, der an zu großen
grünen Tisch sitzt.


Das wird noch was auf uns zukommen...


MooseC

Autor: Peter Dannegger (peda)
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Irgendwann wird dann ein Fernseher ganz groß als 100% bleifrei
angepriesen und unten im Kleingedruckten steht:

- Da noch keine Langzeiterfahrungen vorliegen ist die Garantie auf 1/2
Jahre herabgesetzt.
- Bis zum Vorliegen von Langzeitstudien in Bezug auf Ausdünstungen der
Ersatzstoffe ist der Fernseher nur bei geöffneten Fenster zu
betreiben.

Da freut sich doch der Kunde, daß er nicht mehr König ist, sondern nur
das Zugpferd vor dem "grünen" Karren.


Peter

Autor: Andreas Schwarz (andreas) (Admin) Benutzerseite Flattr this
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Peter, die Gewaehrleistung auf Neuware ist 2 Jahre, und keine Sekunde
weniger.

Es gibt Hersteller in Japan die schon vollstaendig bleifrei geloetete
Elektronikprodukte produziert haben (AFAIK Notebooks), es funktioniert
also offensichtlich. Vielleicht noch nicht so toll wie mit Blei, aber
es wird ja nicht von heute auf morgen ein Bleiverbot geben, so dass es
doch moeglich sein sollte die industriellen Loetprozesse rechtzeitig zu
optimieren. Das Nachsehen wird wohl eher der Bastler haben der kein gut
von Hand loetbares Lot mehr bekommt...

Autor: MooseC (Gast)
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Wobei Langzeitprobleme der Mediaware zwar nicht schön aber ja nicht als
lebenwichtig anzusehen sind.
Wenn ich dagegen die Medizintechnik, Flugtechnik oder gar das normale
Auto sehe, wird mir etwas unwohl.
Lötstellen werden wohl härter werden und Vibrationen bzw.
Thermalbewegungen stärker an die Bauteile weitergeben. Da ja bedrahtet
langsam verschwindet, sind auch keine Anschlußdrähte mehr da, die die
Bewegungen abfedern.
Was auch beim Vortrag zu sehen war, die Bauteile und die Platinen
altern durch das andere Temperaturprofil in neuen Dimensionen.



MooseC

Autor: Sven (Gast)
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Tolle Polemik! Mit dieser Argumentation könnt'ste glatt Politiker
werden...

>>Früher haben die Leute von Bleigeschirr gegessen und das Wasser in
meiner alten Wohnung floß durch Bleirohre.

Früher hatten die (reichen) Leute (die sich Blei-Leitungen legen lassen
konnten) deswegen auch verstärkt Haarausfall. Ist schon von den ollen
Römern bekannt. Und ob das Blei im Autoakku oder im Piezo vor sich
hinschlummert oder bei etwas um 300°C verflüssigt wird, ist ja wohl
nicht vergleichbar.

Sven

Autor: Peter Dannegger (peda)
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@Sven,

"Tolle Polemik! Mit dieser Argumentation könnt'ste glatt Politiker
werden...

>>Früher haben die Leute von Bleigeschirr gegessen und das Wasser in
meiner alten Wohnung floß durch Bleirohre."


da hast Du mich aber völlig mißverstanden.

Ich wollte damit nur ausdrücken, daß Blei schon sehr lange in
allgemeinem Gebrauch ist und daher gut erforscht wurde und nicht etwa,
daß es ungefährlich ist.



Peter

Autor: MooseC (Gast)
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Na Du bist ja ein ganz schlauer.

Das Blei in den Piezos ist chemisch gebunden, nicht gediegen


MooseC

Autor: Visitor (Gast)
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@MooseC
ich weiß nicht, ob ich den Beitrag richtig verstanden habe, aber
chemisch gebunden heißt nicht automatisch ungiftig!! So wurde
Bleiacetat früher gerne zur "Beseitigung" unerwünschter
Personen verwendet. Ob die Ersatzstoffe vom technischen Gesichtspunkt
vergleichbar sind (Qualität der Lötstellen etc.) weiß ich nicht. Die
problematischen toxikologischen Eigenschaften von Blei
sind sehr gut bekannt. Die toxikologischen Eigenschaften der
metallischen Ersatzstoffe wie Wismut und Zinn etc sind ebenfalls
bekannt. So gilt für Blei und Verbindungen ein Grenzwert von 0,1mg/m3,
für anorganische Zinnverbindungen von 2mg/m3 Luft (TRGS 900 1997).
Immerhin ein Unterschied um den Faktor 20.
Das Problem der Handhabung von Schwermetallen ist, daß diese biologisch
nicht abbaubar sind (Abbauprozesse mit Kenumwandlung sind bisher nicht
bekannt). Einmal in der Umwelt freigesetzt verbleiben diese hier. Die
Bleigewinnung der Römer lässt sich übrigens sogar an den Polen im
Ewigen Eis dokumentieren (steigender Bleigehalt). Auch das Recycling
ist nicht unproblematisch, da es prinzipiell immer Verluste gibt. So
ist Blei sogar flüchtig und kann destilliert werden, mit entsprechenden
Problemen bei der Rauchgasreinigung.

Autor: MooseC (Gast)
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>> Nicht automatisch ungiftig << völlig richtig
Es kommt eben darauf an, wie gebunden

Bestimmt hast Du dabei übersehen, dass Bleiacetat (Salz der Essigsäure)
löslich in wässrigen Medien ist. Dadurch ist die unbemerkte
Verabreichung so einfach. Im Magen dann die Salzäure führt leider auch
nicht zur Ausfällung, da auch Bleichlorid löslich ist.
Ein Piezo ist hingegen eine Keramik und recht schwer löslich, so das Du
Deine Grenzwerte sicherlich nicht erreichen wirst.

Chlor ist auch schön giftig - und die MAK-Werte oder sonstige
Grenzwerte sind mit Sicherheit niedrig angesetzt. Aber an Dein Essen
streust Du das ein oder andere mal NaCl. Klar gebunden ist es hier
sogar lebenswichtig für Deinen Ionen-Haushalt.

Blei ist giftig - ohne Frage.

Aber im Grunde geht es hier nicht um die Giftigkeit von Blei oder ob es
Irrsinn ist Blei weiterhin zu verwenden, sondern das ohne Verstand
Entscheidungen getroffen werden, von Leuten die entweder schlecht
beraten sind oder schlichtweg von der Materie nicht berührt wurden.

Ich möchte auch kein Blei futtern oder einatmen ( egal ob sublimiert,
gestäubt oder als Ion ) - Doch meine ich, dass es ganz andere Dinge
gibt, die weitaus riskanter sind. Aber was soll's. Warum macht man
sich denn überhaupt Gedanken darum? In einer Zeit, in der Leute
freiwillig rauchen, mit Gummiseilen von Brücken springen, mit 100km/h
im Nebel fahren, gentechnische Fertignahrung essen etc..

peace

MooseC (ex CTA)

Autor: Joerg Wunsch (Gast)
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Jaja, die Diskussion gab's auch schon in de.sci.electronics zur
Genüge.  Die 88 % Bleianteil der Autobatterien mögen ja noch den
Vorteil haben, daß sie sich einigermaßen gut recyclen lassen.  Größter
Umweltvergifter mit Blei sind wohl die Jäger, die lassen ihren
Bleimüll völlig ungestraft in der Botanik liegen -- und das praktisch
ohne vernünftigen Grund, da sie den Enten genauso gut Stahlkullern in
den Hintern pusten könnten...  Aber die haben die bessere Lobby.
Naja, vielleicht hat ja auch die Montan-Industrie (Lothersteller) die
bessere Lobby, wer weiß...

Autor: Sven (Gast)
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>>Größter Umweltvergifter mit Blei sind wohl die Jäger, die lassen ihren
Bleimüll völlig ungestraft in der Botanik liegen -- und das praktisch
ohne vernünftigen Grund,

Genau, und dass es Alternativen gibt, haben uns ja die Amis gezeigt.
Außerdem findet man Uran-Geschosse im Dunkeln besser... ;-)

Sven

Autor: Joerg Wunsch (Gast)
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An diese Jäger hatte ich noch gar nicht gedacht. ;-)  Die schießen
übrigens schon lange nicht mehr mit Blei sondern mit Stahl (also in
den
normalen Geschossen, nicht diese U235-Entsorgung).

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