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Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Welcher Weg in welche Zukunft ?


Autor: Ratloser (Gast)
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Hallo,

es ist schwer einen richtigen Anfang zu finden, deshalb möchte ich 
zunächst einmal erwähnen worum es geht: die Frage, wie die Zukunft 
aussehen soll (Selbständigkeit / Angestelltenverhältnis) und wie man 
sich sinnvollerweise darauf vorbereitet.

Doch zunächst halte ich es für sehr wichtig, dass ich einiges zu meiner 
Person sage.

Ich bin zu Zeit Student der Elektrotechnik und Informationstechnik und 
habe das erste Semester mit leider nur sehr mäßigem Erfolg hinter mir 
(vermutlich 2 Klausuren nicht, oder wenn, dann nur sehr sehr knapp 
bestanden).
Dennoch denke ich nicht, dass ich das falsche Studium gewählt habe, da 
mir die Gründe für die Anfangsprobleme sehr wohl bekannt sind: ich habe 
sehr viel Zeit auf ein Projekt aufgewendet (hatte nichts mit 
Elektrotechnik zu tun), bei dem ich mich im Zeitaufwand verschätzt habe 
und welches ich unter keinen Umständen abbrechen konnte.
Dass ich rund 5 Jahre älter bin als die meisten meiner Mitkommilitonen 
liegt wohl an einem recht turbulentem Lebensweg, welcher in etwa so 
aussieht:

1. FOS-Versuch verhauen (War zuletzt nur noch Mittel zum Zweck um 
Unterhalt zu erhalten)
Während dieser Zeit aus einer spontanen Idee heraus ein Kleinunternehmen 
(Handel) gegründet und nach dem endgültigen FOS-Aus damit noch ein paar 
Monate über Wasser gehalten. Gescheitert ist es an mangelnder Erfahrung, 
und wie ich zugeben muss leider auch an mangelnder Disziplin.
Kaufmännische Ausbildung mit überdurchschnittlichem Abschluss
FOS mit Schwerpunkten auf Informatik und Wirtschaft mit 
überdurchschnittlichem Abschluss
nun das Studium

Vorlieben in der Elektrotechnik liegen derzeit in 
Mikrocontroller-Anwendungen und Programmieren vorzugsweise in 
Hochsprachen, für die Zukunft kann ich mir sehr gut noch die Bereiche 
„programmierbare Logik“ sowie Analogtechnik vorstellen.

Insgesamt, würde ich sagen, bin ich sehr interessiert an so ziemlich 
allen Dingen (mit den Schwerpunkten kreativ und handwerklich), die man 
noch selber bewerkstelligen kann.

Zudem, stelle ich jetzt einfach mal so hin,  bin ich in der Lage 
selbständig zu handeln / zu entscheiden (somit wurden mir auch in der 
Ausbildung gewisse Freiheiten gelassen) und natürlich auch eventuelle 
Fehler einzusehen und dafür gerade zu stehen :)

Doch 2 Charaktereigenschaften widersprechen sich einfach:

ich kann sehr zielstrebig sein
ich bin öfters mal stinkfaul

Letzteres bezieht sich vor Allem auf die unangenehmen Dinge. Dann hockt 
man lieber mal vor einem PC-Spiel, als gewisse Dinge zu erledigen, die 
Voraussetzung dafür sind, dass man andere Dinge tun kann, die eigentlich 
Spaß machen würden und den Ehrgeiz in einem wecken.

Das ist für eine eventuelle Selbständigkeit natürlich nicht die beste 
Voraussetzung, ich hoffe aber, das noch weiter unter Kontrolle zu 
bekommen und zusätzlich auf entsprechende A****tritte der Freundin, wenn 
es wieder einmal nicht vorangeht.


Man hört es vielleicht schon raus: Selbständigkeit interessiert mich 
mehr, aber ist es wirklich die bessere Lösung ?

Eine Richtung, die mir vorschweben würde, wäre das Komplettpaket von der 
Entwicklung über die Kleinserienfertigung bis zum Vertrieb.
Ideen für Produkte, teilweise sogar Marktlücken, sind bereits erste 
vorhanden.

Alternativ käme als Zusatz Auftragsarbeiten in Frage, um einen eventuell 
(temporär) zu geringen Gewinn aus dem Vertrieb eigener Produkte 
kompensieren zu können.


Doch der Rat, welchen Weg ihr für mich als sinnvoller erachten würdet, 
genügt mich noch nicht. Die Frage ist doch auch: wie kommt man dahin? 3 
Möglichkeiten fallen einem da spontan ein:

1)Stures Studium mit dem Ziel, optimale Leistungen zu erzielen. 
Praktische Dinge müssten aus Zeitgründen erst einmal außen vor bleiben.

2)Studium und hin und wieder einmal mit verschiedenen Projekten 
beschäftigen, damit der Spaß an der Sache nicht untergeht, man ein paar 
Erfahrungen sammelt, und später etwas vorzuweisen hat

3)Neben dem Studium immer mit dem Vorhaben im Hinterkopf handeln, dass 
man sich eventuell selbständig machen könnte. D.h. konkret in erster 
Linie natürlich in Richtung der geplanten Produkte zu entwickeln. 
Nebenbei Grundsteine legen für ein kleines Labor, Beschäftigung mit CAD 
(Gehäuseerstellung), Möglichkeiten ermitteln, was man wo, wie zu welchen 
Preisen fertigen lassen kann und natürlich Aspekte der eventuell 
möglichen, künftigen Vertriebsstrukturen durchleuchten.

An dieser Stelle vielen Dank für´s lesen und dann hoffe ich jetzt 
einfach auf gute Ratschläge eurerseits.



Grüße

Der, der seinen Namen wegen Paranoia nicht nennen will :)
Man möchte ja schließlich nicht so transparent sein, dass jemand in ein 
paar Jahren lesen kann, was man zum jetzigen Zeitpunkt gedacht hat.

Autor: Kevin K. (nemon) Benutzerseite
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1) macht dr das studium spaß?
2) kommst du in 3/4 der vorlesungen anständig mit?
3) fühlst du dich gefördert und nicht überfordert?


wenn du durch 2 klausuren von 5 im 1. semester durchfällst, ist das 
nicht wirklich ein beinbruch. das passiert sehr vielen. du musst aber 
selbst merken, dass das lernen alleine in der klausurzeit nicht 
ausreicht und ein elektrotechnikstudium eine 40stunden-woche ist. mit 
auf der faulen haut liegen ist da nicht viel. mein ratschlag: such dir 
kommilitonen, mit denen du persönlich klarkommst, die auch am besten 
etwas besser sind, als du und nimm dir 1-2 termine in der woche mit 
denen fest zum lernen vor, nicht zuhause bei jemandem, sondern in der 
uni irgendwo. wenn du auch in der vorlesungszeit am ball bleibst, kannst 
du dir durchaus auch mal nen netten abend in der kneipe gönnen. aber vor 
allem im studium gilt "erst die arbeit, dann das vergnügen". das ist 
nicht mehr schule, wo im prinzip jeder, der nicht total abdriftet, nen 
abschluss hinterhergeschmissen bekommt, hier musst du und nur du 
zusehen, dass du lernst.

was das hobby elektronik wärend des studiums angeht: gib es nicht auf, 
die vorlesungen haben nur äußerst wenig mit der hobbylöterei zu tun 
(wobei man irgendwann manche sachen etwas besser überdenkt). also immer 
mal wieder was interessantes nebenbei machen, aber du wirst auch tage 
haben, wo du nach vielen vorlesungen, üben und sonstigen lernen keinen 
lötkolben anfassen willst

Autor: Bernd G. (Firma: LWL flex SSI) (berndg)
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Bring Dein Studium durch den Vorgehensweg von nemon zu Ende (auch mit 
Knüppelei).
Selbständigkeit mit nur der Idee für tolle Produkte geht nicht, das muß 
man profimäßig aufziehen. Die Grundausstattung allein (Meßtechnik, 
Software, Werkzeug, Geschäftsstattung) liegt bei ca. min 50.0000 €. 
Bastlerausrüstung reicht nicht.
Bastlerwissen auch nicht.
Abgeschlossenes Studium, Berufserfahrung (min 10 Jahre), Geld, bereits 
geknüpfte Kontakte zu potentiellen Opfern, ganz konkreter erster Auftrag 
( min. 30.000 €), eiserne Disziplin, Rücklagen für eine zweijährige 
Hungerstrecke, unendliche Leidensfähigkeit (der Familienangehörigen) - 
dann kann man  v i e l l e i c h t  selbständig werden.
Laß den Quatsch.

Autor: Quatschkopf (Gast)
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> Laß den Quatsch.

Jau, las den Quatsch!

95% aller hier im Forum Anwesenden arbeiten in Firmen, deren Gründer 
diesen Quatsch gewagt haben.

Ausserdem kann ich keine Konkurrenz gebrauchen ;-)

Autor: Bernd G. (Firma: LWL flex SSI) (berndg)
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Quatschkopf wrote:
> 95% aller hier im Forum Anwesenden arbeiten in Firmen, deren Gründer
> diesen Quatsch gewagt haben.

So ist es.

Ich will mal bloß sagen, daß es nicht ganz einfach ist.

Ich weiß, wovon ich rede: www.gansert.eu

Der Weg zu den goldenen Bergen führt in den meisten Fällen immer noch 
über ein abgeschlossenes Studium.

Gruß an alle Kapitalisten hier im Forum :-))

Autor: Ratloser (Gast)
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>1) macht dr das studium spaß?
Ja und Nein. Man fragt sich schon, wozu man unbedingt die vollständige 
Induktion braucht aber grundsätzlich macht allein schon die 
Herrausforderung Spaß, wenn man die Ansätze verstanden hat.

>2) kommst du in 3/4 der vorlesungen anständig mit?
Schwer zu sagen. Wie oben erwähnt war ich dieses Semester zu 80% mit 
anderen Dingen sehr beschäftigt, was sich hoffentlich nicht so schnell 
wiederholen wird. Ob man auch ohne Vorarbeit und lernen etwas versteht 
hängt ein wenig vom Prof ab. Von einem, der in der ersten 
Gleichstromtechnikvorlesung versucht, den Studenten den elektrischen 
Strom anhand von Kräftewirkungen in einem Leiter zu erklären, kommt 
schon mal nur Kauderwelsch im Kopf an :)

>3) fühlst du dich gefördert und nicht überfordert?
Gefördert fühle ich mich, sobald mehr Praxis auf dem Plan steht. Vorher 
müssen eben die Grundlagen drin sein.

Etwas am Thema vorbei aber Danke für´s Mutmachen. Ein Abbruch kommt auch 
gar nicht in Frage, da ich einfach mit den bisherigen 
Herrausforderungen, wie ich sie im Berufsleben kennengelernt habe, nicht 
zufrieden war. Es wird einfach langweilig ...


>Selbständigkeit mit nur der Idee für tolle Produkte geht nicht, das muß
>man profimäßig aufziehen. Die Grundausstattung allein (Meßtechnik,
>Software, Werkzeug, Geschäftsstattung) liegt bei ca. min 50.0000 €.
>Bastlerausrüstung reicht nicht.

Da steckt ein guter Teil Wahrheit drin, ein wenig für übertrieben halte 
ich es dennoch. Es braucht meiner Meinung nach z.B. für die Entwicklung 
von Schaltungen, die später an einem externen Standard-Netzteil 
betrieben werden, kein High End - Labornetzgerät. Genauso wenig braucht 
es für einen Großteil der Anwendungen ein 10k€-Oszilloskop. Ein gutes 
Gebrauchtes für 1000,- Euro tut es in den meisten Fällen wahrscheinlich 
auch erst einmal. Selbst in Sachen Labormobiliar kann man sparen. Wozu 
benötigt man sündhaft teure Labortische, wenn man nicht 2 Linke Hände 
hat? Die Tischplatten mit dem speziellen Kunststoffüberzug gibt es so zu 
kaufen und ein Untergestell ist schnell geschweißt oder anderweitig 
gebaut. Anderes Mobiliar gibt´s bei Ikea, Rechner hat man einfach u.s.w.
Software aus dem kaufmännischen Bereich ist übrigens in den meisten 
Fällen noch lange nicht so teuer wie Software aus dem Elektronikbereich. 
Hier und da gibt es sogar Freeware-Anwendungen, die ihren Sinn und Zweck 
vollends erfüllen.
Ich denke einfach, dass man, wenn man genau überlegt was man braucht und 
was eigentlich Overkill ist und dazu noch einiges selber machen kann, 
sehr viel Geld einsparen kann. Wer sich natürlich eine 
Prestige-Hightech-Zentrale aufbaut braucht etwas mehr :)
Bei den Kosten für eine erste Serie eines Produktes gibt es natürlich 
nichts zu sparen, da müssten Möglichkeiten gefunden werden ...

In meinem Fall wäre es, sollte die Situation sich in den nächsten Jahren 
nicht grundlegend ändern kein Weltuntergang, wenn das Ganze noch einem 
halben Jahr noch keine satten Gewinne abgeworfen hätte. Durch das 
Zusammenleben mit der Freundin, die Vollzeit-Angestellte ist + meinem 
Nebenverdienst kann man zwar keine riesigen Sprünge machen aber lebt 
doch deutlich besser wie so mancher Student bei Brot und Wasser im 
1-Zimmer-Wohnklo :)

> Bastlerwissen auch nicht.
Dafür studiert man ja und bildet sich weiter

>Ich will mal bloß sagen, daß es nicht ganz einfach ist.
Das glaube ich gut und gerne. Es wird aber auch nie langweilig.

Doch noch einmal zu den 50 k€. Wie, Bernd Gansert, deine Form des 
Unternehmens aussieht ist es natürlich erforderlich, für so gut wie 
jeden nur denkbaren Auftrag gewappnet zu sein. Weiss man jedoch von 
vornherein, was man entwickeln wird, kennt man auch die Anforderungen an 
das notwendige Equipment und braucht nicht unbedingt von Allem das Beste 
sondern nur das, was ausreicht + ein wenig Reserve.

Bitte um Korrektur, wenn ich absolut daneben liege.

Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite
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Nein, Du liegst nicht daneben.

Man benötigt natürlich nicht automatisch 50.000 Euro für einen 
erfolgreichen Start.

> Selbständigkeit mit nur der Idee für tolle Produkte geht nicht, das muß
> man profimäßig aufziehen.

Wenn man aber Anfragen hat, dann ist das ein wunderbarer Einstieg. 
"Profimäßig" hilft nichts, wenn man keine Ideen hat.

> Die Grundausstattung allein (Meßtechnik,
> Software, Werkzeug, Geschäftsstattung) liegt bei ca. min 50.0000 €.

s.o. - je nach Schwerpunkt kommt man mit deutlich weniger aus.
Ich hab mir meine Tische bei ebay geholt, ein gebrauchtes Oszi tut es 
auch (wie Du schon schriebst). Labornetzteile gibt es auch schon 
günstig.
Meine gesamte Möbelausstattung des Büros hat z.B. keine 600 Euro 
gekostet (alles neu!). Mit etwas handwerklichem Geschick kann man da 
viel Geld sparen.

> Bastlerausrüstung reicht nicht.
Profiausrüstung gibt es gebraucht schon sehr günstig.

> Bastlerwissen auch nicht.
Ist aber essentiell, denn das lernt man nicht im Studium - praktische 
Erfahrung ist sogar Gold wert.

> Berufserfahrung (min 10 Jahre)
Nein - man braucht gute Ideen und ein gutes Konzept.

> bereits geknüpfte Kontakte zu potentiellen Opfern
Das schadet nie.

> ganz konkreter erster Auftrag (min. 30.000 €)
Das mag für Dich gelten. Je nach Sparte benötigt man auch gar keinen 
Auftrag, weil man erstmal Kleinkrams an Endkunden verkauft.
Nicht jeder will ein Ingenieurbüro eröffnen.

> eiserne Disziplin
Und Hacken zusammen ...
Man sollte Durchhaltevermögen haben (ja, das kann man lernen!) und vor 
allem auch Sachen an andere vergeben können (das ist mein Problem - 
aber es ist schon deutlich besser geworden :-)

Es ist alles nicht so dramatisch, wie es gerne dargestellt wird. Man 
braucht und sollte seine Auszeiten nehmen - jeden Tag! Kreativität lässt 
sich nicht erzwingen.
(halbe Stunde Rasen mähen .. und schon ist der Kopf wieder frei :-)

> Rücklagen für eine zweijährige Hungerstrecke
Kommt darauf an - je nach Auftragslage zum Start des Unternehmens. Ich 
hatte Rücklagen für 12 Monate.

> unendliche Leidensfähigkeit (der Familienangehörigen)
Sie müssen vor allem mitziehen.

> dann kann man  v i e l l e i c h t  selbständig werden.
Man muss den Mut haben, das zu tun - mit vielleicht und aber ist 
noch kein Unternehmen erfolgreich gewesen.

> Laß den Quatsch.
Nein, halte Dir das auf jeden Fall offen!
Insbesondere, weil Du schon selbstständig warst, also jetzt aus Deinen 
Fehlern gelernt haben solltest und weisst, was auf Dich zukommt.

Ich würd das Studium durchziehen, aber nebenher klein anfangen.

Den Mutigen gehört die Welt!

Christoph

Autor: 6638 (Gast)
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Das mit dem Selbstaendig/Angestellt sein sollte man nicht so eng sehen. 
Etwas flexibel sein. Vielleicht hast du dich mal mehrere Jashre in ein 
Gebiet eingearbeitet, sieht grosses Potential fuer das Gebiet, resp ein 
spezielle anwendung daraus, die firma, in welcher Du arebitetest, sieht 
das vieleicht nicht so, und du denkst dass du lieber diese Idee 
verfolgen solltest - dann mach das. Vielleicht klappt es mit reich 
werden nicht so ganz, dann lass dich wieder anstellen...

Autor: Ratloser (Gast)
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>Vielleicht klappt es mit reich
>werden nicht so ganz, dann lass dich wieder anstellen...

Um das reich werden geht es gar nicht, aber ein vernünftiger 
Lebensunterhalt, im Durchschnitt mindestens auf dem Niveau einer 
Festanstellung, sollte nach einer ausreichend langen Anlaufphase schon 
drin sein.

Autor: Gast (Gast)
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>>95% aller hier im Forum Anwesenden arbeiten in Firmen, deren Gründer
>>diesen Quatsch gewagt haben.
Klar, das ist aber nur der Bruchteil, der es geschafft hat. Von denen, 
die mit dem Versuch einer Firma in den Urin ... äh ... Ruin geschippert 
sind, erfährt man bei derlei Statistikführung natürlich nix. ;)

Autor: Bernd G. (Firma: LWL flex SSI) (berndg)
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@ Ratloser
@ Christoph D.

Hier entwickelt sich ja eine ungemein spannende Diskussion. Hier ist zu 
sehen, was die Selbständigkeit bringen kann - oder eben auch nicht.

Ich versuche mal, Antworten zu formulieren, die natürlich nicht auf 
jeden und auf alles passen können, dazu sind die Aufgaben, Ansprüche und 
Menschen doch zu unterschiedlich.

> Doch noch einmal zu den 50 k€. Wie, Bernd Gansert, deine Form des
> Unternehmens aussieht ist es natürlich erforderlich, für so gut wie
> jeden nur denkbaren Auftrag gewappnet zu sein. Weiss man jedoch von
> vornherein, was man entwickeln wird, kennt man auch die Anforderungen an
> das notwendige Equipment und braucht nicht unbedingt von Allem das Beste.

Ich bin leider nicht für jeden nur erdenkbaren Auftrag gewappnet. Ich 
mache im wesentlichen digitales Fernsehen als Spezialgebiet und sog. 
"Kleinkram" im allgemeinen. Ich mußte auch schon Aufträge ablehnen, weil 
mir einfach die Ausrüstung dazu fehlt. Es wäre eine Katastrophe, 
Aufträge zu übernehmen, die man nicht sachgerecht zur vollen 
Zufriedenheit des Kundebn erledigen kann. Von allem das Beste habr 
ich´zu meinem Leidwesen auch nicht.

> "Profimäßig" hilft nichts, wenn man keine Ideen hat.

Gute Ideen sind selbstverständlich eine Grundvoraussetzung.

> Profiausrüstung gibt es gebraucht schon sehr günstig.

Instrumex und Rosenkranz ziehen Dir das Fell über den Kopf!>

> Berufserfahrung (min 10 Jahre) - ich zitiere mich selbst...
> Nein - man braucht gute Ideen und ein gutes Konzept.

Ich hatte bereits eine 15-jährige Berufserfahrung als Entwickler auf 
allen
dabei möglichen Hierarchieebenen, als ich 1991 mit meiner ersten Firma 
anfing (Bin damit also schon ein uralter Knochen, der sowieso nur dummes 
Zeug schwätzt - deshalb also meine Einlassungen zu dem Thema nicht 
verabsolutieren und keinesfalls ernst nehmen!).
Berufserfahrung schadet nicht, sie erleichtert das Hineindenken in das 
Problem  des Kunden und in den Gegenüber selbst.
Ein gutes Konzept braucht man selbstverständlich ganz nebenbei.

> Es ist alles nicht so dramatisch, wie es gerne dargestellt wird. Man
> braucht und sollte seine Auszeiten nehmen - jeden Tag! Kreativität lässt
> sich nicht erzwingen.
> (halbe Stunde Rasen mähen .. und schon ist der Kopf wieder frei :-)

Nein es es nicht so schlimm, ich arbeite von 8 - 17 Uhr, was man bis 
dahin nicht geschafft hat, kriegt man in Nachtschichten sowieso nicht 
mehr hin (ist ein Erfahrungswert). Sonnabends und Sonntags mache ich 
einen großen Bogen um die Firma.
Aber - Der verehrte Kunde hat Deine Rechnung über 30.000 € verschlampt 
und hat nach sechs Wochen noch nicht gezahlt, obwohl Du das Geld fest 
eingeplant hattest (Er zahlt ja ansonsten nach 3 Tagen - wegen des 
Skonto).
Du zahlst also Deine Krankenversicherung erstmal nicht - nach 14 Tagen 
steht der Kuckuckskleber vor der Tür und will den Schotter in bar auf 
die Hand sehen.
Man braucht zur Umgehung solcher und ähnlicher dramatischer Momente ein 
dickes Fell.

Kreativität läßt sich wirklich nicht erzwingen. In vielen Fällen braucht 
man sie auch garnicht - wenn eíne Arbeit einfach nur mal gemacht werden 
muß.

> eiserne Disziplin
> Und Hacken zusammen ...

Wir Preußen und Berliner Buletten sind ebend so.... :-)

> Den Mutigen gehört die Welt!

Jawoll, aber erst überlegen! Und dann  aber richtig!

> Um das reich werden geht es gar nicht, aber ein vernünftiger
> Lebensunterhalt, im Durchschnitt mindestens auf dem Niveau einer
> Festanstellung, sollte nach einer ausreichend langen Anlaufphase schon
> drin sein.

Reich bin ich nicht geworden, aber ich bereue nichts und mir macht es 
Spaß.
... auf dem Niveau mindestens einer Festanstellung wird es auch nur 
punktuell klappen, außer Du bist der geborene Unternehmertyp (ja das ist 
unzweifelhaft eine angeborene Begabung, die man sich nur unter Mühen 
antrainieren kann).

Trost: Man muß sich nicht mit seinen hirntoten Chefs rumärgern.

Kopf hoch, studiere zu Ende, auch wenn es mühsam ist.

Autor: Bernd G. (Firma: LWL flex SSI) (berndg)
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@ 6638 (Gast)

> Vielleicht klappt es mit reich
> werden nicht so ganz, dann lass dich wieder anstellen...

Wieder anstellen lassen, funktioniert in der Regel nicht, weil:

1. der Einstellende keine solchen Eigenbrötler und Individualisten, in 
seinem Sprachgebrauch Versager und Besserwisser, mag,

2. Derjenige, der sich (eigentlich gegen seinen Willen) einstellen 
lassen will,durch seine gehabte Freiheit nicht mehr resozialisierbar im 
Sinne der dienstlichen Unterordnung ist.

Ich habe auch dieses Erlebnis bereits hinter mir, falls mich jemand 
belehren möchte :-)

Bernd

Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite
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Bernd Gansert wrote:
> @ Ratloser
> @ Christoph D.
>
> Hier entwickelt sich ja eine ungemein spannende Diskussion. Hier ist zu
> sehen, was die Selbständigkeit bringen kann - oder eben auch nicht.

Ja :-)

> Ich versuche mal, Antworten zu formulieren, die natürlich nicht auf
> jeden und auf alles passen können, dazu sind die Aufgaben, Ansprüche und
> Menschen doch zu unterschiedlich.

Ich denke, das ist der Knackpunkt. Jede Selbstständigkeit ist anders, 
insbesondere in den kreativen Berufszweigen (zu denen ich uns jetzt 
einfach mal rechne). Wo der eine hochwertiges Equipment benötigt, kommt 
der andere mit einfachen Mitteln aus. Man kann durchaus auch klein und 
mit einfachsten Mitteln anfangen, insbesondere wenn man noch keine 
Familie zu versorgen hat.

> Ich bin leider nicht für jeden nur erdenkbaren Auftrag gewappnet. Ich
> mache im wesentlichen digitales Fernsehen als Spezialgebiet und sog.
> "Kleinkram" im allgemeinen. Ich mußte auch schon Aufträge ablehnen, weil
> mir einfach die Ausrüstung dazu fehlt. Es wäre eine Katastrophe,
> Aufträge zu übernehmen, die man nicht sachgerecht zur vollen
> Zufriedenheit des Kundebn erledigen kann. Von allem das Beste habr
> ich´zu meinem Leidwesen auch nicht.

Da bin ich auch in einer etwas anderen Situation als Du, da ich 
praktisch keine Entwicklung per Auftrag durchführe, sondern (bisher 
zumindest) immer etwas entwickelt habe, was andere dann erst kaufen. 
Dazu gehört natürlich, dass man seinen Kunden genau zuhört und 
Marktlücken/Bedarf erkennt. Das gibt mir natürlich die Freiheit, mir das 
herauszusuchen, was ich gerne mache, denn Bedarf ist an allen Ecken und 
Enden.

Das meine ich beileibe nicht als Abwertung derer, die nach Aufträgen 
entwickeln, es ist einfach anders. Jeder nach seinem Gusto :-)

> Nein es es nicht so schlimm, ich arbeite von 8 - 17 Uhr, was man bis
> dahin nicht geschafft hat, kriegt man in Nachtschichten sowieso nicht
> mehr hin (ist ein Erfahrungswert). Sonnabends und Sonntags mache ich
> einen großen Bogen um die Firma.

Interessant. Ich handhabe das anders: Normale Geschäftszeiten sind von 
9-13 und 14-19 Uhr, samstags von 10-13. In dieser Zeit arbeite ich aber 
nicht immer voll sondern gönne mir auch mal Auszeiten. Ich kann z.B. 
auch gut abends arbeiten, ein anderer Kollege von mir arbeitet 
vorzugsweise von abends um 8 bis 2 Uhr nachts - eine Eule eben :-)
Freie Zeiteinteilung gehört zu den wichtigsten Vorzügen der 
Selbstständigkeit (zumindest bei kleinen Unternehmen).

> Aber - Der verehrte Kunde hat Deine Rechnung über 30.000 € verschlampt
> und hat nach sechs Wochen noch nicht gezahlt, obwohl Du das Geld fest
> eingeplant hattest (Er zahlt ja ansonsten nach 3 Tagen - wegen des
> Skonto).
> Du zahlst also Deine Krankenversicherung erstmal nicht - nach 14 Tagen
> steht der Kuckuckskleber vor der Tür und will den Schotter in bar auf
> die Hand sehen.
> Man braucht zur Umgehung solcher und ähnlicher dramatischer Momente ein
> dickes Fell.

Deswegen kann man es nicht oft genug sagen: Rücklagen, Rücklagen, 
Rücklagen! Ich habe mittlerweile so viel "auf die hohe Kante" gelegt, 
dass ich zwei Jahre ganz ohne Einnahmen überbrücken könnte.

Und das zeigt auch, dass es gefährlich sein kann, auf wenige große 
Kunden zu setzen - wenn es da Probleme gibt, wird es schnell eng. Ich 
hab im Moment ein Portfolio von kleinen Kunden, die mir kontinuierlichen 
Umsatz gewährleisten und aquiriere (nein, ist das falsche Wort: 
eigentlich kommen die zu mir :-) jetzt langsam die größeren 
Industriekunden.

> Kreativität läßt sich wirklich nicht erzwingen. In vielen Fällen braucht
> man sie auch garnicht - wenn eíne Arbeit einfach nur mal gemacht werden
> muß.

Genau. Auch hier hilft es, wenn man sein eigener Chef ist: Wenn mein 
Kopf leer ist, dann gibt es genug zu tun: bestücken, Buchführung, 
aufräumen, Rechnungen schreiben, Einkauf, am Internetauftritt feilen 
usw.
Ich kann jederzeit eine Arbeit unterbrechen und woanders weitermachen.

>> eiserne Disziplin
>> Und Hacken zusammen ...
>
> Wir Preußen und Berliner Buletten sind ebend so.... :-)

Hehe :-) Aber man sollte es nicht militärisch sehen - ich würde 
"Disziplin" durch "Durchhaltevermögen" ersetzen, das klingt etwas 
milder.

>> Den Mutigen gehört die Welt!
>
> Jawoll, aber erst überlegen! Und dann  aber richtig!

Ganz wichtig! Ich habe mich vor der Selbstständigkeit ein Jahr schlau 
gemacht, was ich wo zu beachten habe (IHK usw.), den Internetauftritt 
vorbereitet und den Markt sondiert.
Bereite Dich unbedingt gut und langfristig vor!

>> Um das reich werden geht es gar nicht, aber ein vernünftiger
>> Lebensunterhalt, im Durchschnitt mindestens auf dem Niveau einer
>> Festanstellung, sollte nach einer ausreichend langen Anlaufphase schon
>> drin sein.

Mach Dein Hobby zum Beruf - dann bist Du automatisch gut und dann 
verdienst Du auch gut.
Auf den Verdienst zu schielen, ist meines Erachtens nach die falsche 
Herangehensweise. Entwickle Deine Idee und zieh diese mit viel Spaß an 
den Aufgaben durch.
Das Geld kommt dann als Konsequenz aus diesem Vorgehen - nicht 
umgekehrt!
Nach einer Anlaufphase, in der Du weniger verdienst, wirst Du irgendwann 
das Break-Even erreichen und hast dann im Gegensatz zum fest 
Angestellten  nach oben hin kein Limit: Dein monatliches Einkommen ist 
nicht nach oben hin beschränkt!
Man sollte diese Tatsache nicht vergessen, wenn andere wieder mal 
erzählen, dass Sie gerne höher hinaus möchten, aber aufgrund der 
Unternehmensstrukturen nicht können.

Ansonsten gilt das von Bernd gesagte:
"... aber ich bereue nichts und mir macht es Spaß."

Christoph

Autor: oli (Gast)
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Hi Ratloser,

ich habe fertig studiert und Stand die letzten Wochen vor der selben 
quälenden Entscheidung wie du. Mit den vielen kleinen Kontakten die ich 
habe, etwas anfangen und selbstständig Projekte durchziehen bzw. 
Produkte entwicklen. Oder eben erstmal eine Festanstellung mit 
vernünftigem Gehalt.
Auch persönlich würde mich ziemlich genauso so beschreiben, wie du dich.
Also viele Ideen, aber manchmal fehlt einfach "der Drive"...

Ich habe mich jetzt erstmal für die Festanstellung entschieden. Ich sehe 
das aber auch nicht so starr als endgültige Richtung. Ich denke mir, 
selbstsändig kann ich immer noch werden. Aussedem kann ich jetzt erstmal 
ein kleines Geldpolster sammeln.
Da ich ein nettes, eher kleines Unternehmen (ca. 30 MA, Entwicklung mit 
eigener Fertigung) gefunden habe, ist man dort später einmal sicher so 
entgegenkommend, dass man mir lieber einen Tag die Woche freigeben wird, 
anstatt mich ganz zu verlieren, nur weil ich selbstständ etwas nebenbei 
ausprobieren/aufbauen möchte.

Ich kann dir nur raten, während dem Studium noch ein paar 
Bastel-Projekte nebenbei durchzuführen oder noch besser, wenn's zeitlich 
drin ist, einen Tag die Woche als Werkstudent zu arbeiten. Bei mir ging 
das ganz gut, ich hab aber auch nicht rein E-Technik studiert.

Lass dir lieber ein oder zwei Semester (bei mir warens drei) mehr Zeit 
und schnupper dafür in Firmen mit - für dich - technisch anspuchsvollen 
und interessanten Tätigkeiten rein. So kannst du dir noch ein besseres 
Bild darüber machen, wie "schlimm" es als Angestellter wirklich ist und 
gleichzeitig viel Erfahrung sammeln! Am besten sogar du wechselst nach 6 
bis 12 Monaten immer den Werkstduentenjob und hast dafür am Ende schon 
viel gesehen.
In meinem Fall hat das jetzt regelmäßig glitzernde Augen beim Gegenüber 
in den Vorstellungsgesprächen hervorgerufen... :-)

Und nicht vergessen: Nicht zuviel drüber grübeln, sondern lieber einfach 
mal ausprobieren. Man kann sicher auch immer irgendwie von der 
Selbständigkeit wieder zurück in die Festanstellung. Da würde ich keine 
Pauschalurteile als unumstössliches Faktum ansehen...

so long, oli

Autor: Jürgen F.K. (snipor)
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@ Christoph D. könntest du bitte mal die Website deiner Firma posten 
bzw. mir per Mail zusenden?

Danke

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