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Forum: Platinen Prozesssicherheit Wellenlöten (bleifrei)


Autor: Mario Hagen (djacme)
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Mich interesieren eure Erfahrung beim Wellelenlöten. Den Prozess mal als 
ganzes gesehen - Bestückter lötrahmen kommt rein, gelötete Platine kommt 
raus.
Müsst Ihr die Platinen danach generell nochmal anfassen, nacharbeiten, 
schiefe Bauteile geradesetzten usw. oder aus der Maschine rausnehmen und 
ohne Sichtkontrolle und Nacharbeiten verbauen. Prozentsatz der 
Nachabreit?

-> Alles unter der idealen Annahme das es keine Bestückungsfehler gibt 
und die Bauteile zumindest beim Einfahren der Maschine alle Bündig auf 
der Platine auflagen.

Es steht nicht in Frage das es natürlich auch auf die komplexität der 
Platine ankommt. Ich beziehe meine Frage auf etwas 
durchschnittliches...Eurokartengröße, kein SMD auf der Lötseite, 
kleinster zu lötender Pinnabstand 2,54mm, ca 100 bedrahtete Lötstellen 
weiterhin ca 100 Via's, ein paar 6² Kabel und einige TO247 Halbleiter.


Hintergrund: Ich komme auf der Industrieelektronik, bei uns wurde 
grundsätzlich jede Platine ausführlich gesichtet und entsprechend 
Nachgearbeitet. Hat keinen gestört, die Platinen wurden für so viel Geld 
verkauft - das war einfach drin. Ich sammel gerade Erfahrungen bei der 
Herstellung von "weißerWare", hier soll jede Platine fertig aus der 
Lötmaschine kommen, absolut keine Nacharbeit.

ich suche jetzt einfach mal vergleiche wie gut ein Prozess sein kann.

Autor: ex-mentor-user (Gast)
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Welle ist für RoHS nicht so toll. Es gibt vermehrt die berüchtigten 
Whiskers, selbst bei rm2,54. Allerdings spielt da die Erfahrung der 
Bestücker mit rein, und auch bei 'Bleifrei' gibts mehrere Lote die 
verwendet werden können.
Ich mach nur noch smt, tht wird selektiv gelötet.

Autor: Bensch (Gast)
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> Welle ist für RoHS nicht so toll. Es gibt vermehrt die berüchtigten
Whiskers,

Ach ja, und Spinat hat 10mal soviel Eisen wie anderes Gemüse....
Das mit den Whiskers solltest du schnellstens vergessen.

Zum OP:
Wellenlöten, ob verbleit oder bleifrei, hat immer die Gefahr von 
Lötbrücken an kritischen Stellen, die man manchmal auch durch gutes 
Design nicht ganz vermeiden kann. Unsere Erfahrung ist, dass nach der 
Umstellung auf bleifrei diese Probleme weniger geworden sind. Hangt aber 
auch damit zusammen, dass wir jetzt mit einer nagelneuen Maschine 
fahren.
Einzige Nacharbeit ist das Trennen von Brücken, bei den meisten 
Baugruppen 1 Brücke pro 50 Platinen, bei einer (Doppeleuro und altes 
Design) haben wir im Schnitt 2 Brücken pro Platine.

Ausser diesen Brücken gibt's keine weitere Nacharbeit, Kontrolle ist ja 
eh notwendig, gibt ja auch Bestückungsfehler gelegentlich.

Autor: Mario Hagen (djacme)
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Die Firma für die ich nun arbeite ist frisch ins Lötbussines 
eingestiegen, zusammen mit bleifreien Lot (Irgendwas mit 2% Silber und 
etwas Kupfer von Alpha, Typenbezeichnung reiche ich nach), einer neuen 
ERSA EWS330 (kein Stickstoff), beste Ergebnisse mit Flussmittel 
Interflux 2005C.

Wir verwenden Lötrahmen mit Masken, speziel auf die jeweiligen Boards 
angepasst um Dierektsteckverbindungen am Rand abzudecken, von oben Kabel 
zu fixieren usw.

Zurzeit ist es in etwa jede 10. Platine die Nacharbeit erfordert. 
Kurzschlüsse sind seltener als das mal ein paar pins nicht ordentlich 
benetzt sind. Häufig sind es schiefe Bauteile* und optisch unschöne 
Lötstellen. Ich frage mich ob ich die QS Masstäbe für letztere beiden 
"Fehler" zu hoch gesetzt habe.
-> Wenn man jetzt z.B. nur 40. Platine nacharbeiten soll sind schiefe 
Bauteile und unschöne Lötungen Ok, solange die Elektrische Funktion 
gegeben ist???<-

Das ist der Ansatz über den ich im Moment nachdenke, daher interesiert 
mich wie andere Firmen die Nacharbeit handhaben.

Autor: Bensch (Gast)
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> schiefe Bauteile* und optisch unschöne Lötstellen.

Naja, ob das bei weisser Ware eine Rolle spielt? Die 
Geiz-und-Geil-Fraktion kann nicht auch noch perfekte Qualität verlangen 
für das bisschen Kohle ....

Als Lot würde ich auch aus Kostengründen das SN100C empfehlen. Hat zwar 
eine etwas höhere Schmelztemperatur, aber ansonsten optimale 
Eigenschaften.

Nicht benetzte Pins sind teiweise ein Problem des Bauteilherstellers, 
Wechsel könnte helfen. Ich hab auch schon einige rausgeworfen, die ihre 
Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht haben. Könnte aber auch an der 
Höhe der Welle oder am Flussmittel liegen, einfach mal rumprobieren.

Autor: Gast (Gast)
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>Ach ja, und Spinat hat 10mal soviel Eisen wie anderes Gemüse....
>Das mit den Whiskers solltest du schnellstens vergessen.

Das wuerde ich nicht so sehen. Bei uns gibt es aktuell ziemliche robleme 
deswegen.
Allerdings kommen diese vor, wenn - in userem Fall - Steckverbinder nach 
dem Platinenloeten in die entsprechend kleineren Loecher gepresst 
werden. Aus dem Lot, was da weggedrueckt wird, kommen dann im Zeitrahmen 
einiger Monate diese Whiskers. Ich habe die Mikrobilder der Uni gesehen, 
die das fuer den Hersteller - unseren Zulieferer - untersucht hat.

Gast

Autor: Bensch (Gast)
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> Aus dem Lot, was da weggedrueckt wird,

Das ist dann aber kein Lot, sondern irgendein anderes Material. 
Möglicherweise REIN-Zinn, da können Whisker entstehen, aber nicht beim 
Lot, denn das ist niemals Reinzinn.

Autor: Peter .. (solderingexpert)
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Mario Hagen wrote:
> Häufig sind es schiefe Bauteile* und optisch unschöne
> Lötstellen. Ich frage mich ob ich die QS Masstäbe für letztere beiden
> "Fehler" zu hoch gesetzt habe.
> -> Wenn man jetzt z.B. nur 40. Platine nacharbeiten soll sind schiefe
> Bauteile und unschöne Lötungen Ok, solange die Elektrische Funktion
> gegeben ist???<-
>
> Das ist der Ansatz über den ich im Moment nachdenke, daher interesiert
> mich wie andere Firmen die Nacharbeit handhaben.

Nach welchen Normen / Standards, intern und extern, produziert Ihr denn 
oder habt bisher produziert? US Löt-Normen? Six-Sigma im QM?

Wenn keine besonderen Ansprüche an Ausfallsicherheit /-Horizonte gesetzt 
werden und die elektr. Sicherheit & EMV nicht gefährdet sind: Schiefe 
Bauteile sind egal, solange es hält.

"Optisch unschön" ist ggf. ein Mangel - je nachdem wie "optisch unschön" 
aussieht und je nach Norm.

Aber du solltest vorher noch prüfen, ob es evtl folgenden Punkten 
widerspricht:
Markenauftritt  Produktphilosophie  (evtl. langjährige) 
Garantieversprechen  kalkulierte MTBF  Schwing&Rütteltest und andere 
Prüfungen  QM-Vorgaben  Zertifizierungen / ... ?

Whiskers sind immer in Bezug auf Zinn, der Begriff wird aber nicht immer 
in diesem Zusammenhang benutzt.
Fotos zu whiskers: http://www.cinemag.biz/rohs.html

Autor: Mario Hagen (djacme)
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>Nach welchen Normen / Standards, intern und extern, produziert Ihr denn
>oder habt bisher produziert?

Grundsätzlich nach IPC-A-610D. (was wir bisher bekommen haben war 
meistens deutlich besser. Die IPC ist ja eher eine Liste die es erlaubt 
Schrott als brauchbar zu qualifizieren)

Prozess:
Wie haben extern bisher alles in verbleit bekommen (wird dürfen noch 
bleifrei verkaufen), sind aber mit der Fertigung im eigenen Haus in 
bleifrei eingestiegen.
Als Lot verwenden wir das SACX® 0307 von Alpha (SN100C 
istvergleichsweise zu teuer, die lassen sich einfach nur das Patent auf 
die Rezeptur bezahlen)

>> schiefe Bauteile* und optisch unschöne Lötstellen.
>
>Naja, ob das bei weisser Ware eine Rolle spielt? Die
>Geiz-und-Geil-Fraktion kann nicht auch noch perfekte Qualität verlangen
>für das bisschen Kohle ....

Richtig, allerdings waren unsere bisherigen(verbleiten Platinen optisch 
schön und Bauteiltechnisch gerade -> die wurden von Firmen gefertigt die 
"eigendlich" für die Industrieelektronik fertigen, da gelten auch die 
optischen Merkmale. Wie schon im ersten Posting angedeutet komme ich 
ursprüunglich aus diesem Bereich und muss jetzt kompromisse zwischen 
"geiz ist geil" und schön treffen.

Es ist (leider) so das unsere eigenen Platinen mit den externen 
verglichen werden und ich den Leuten klar machen muss das es entweder 
schön oder schnell gibt. Nach allem was ich kenne halte ich es für 
absolut OK jede 10. Platine nacharbeiten zu müssen. Aber das weicht 
jetzt zu sehr vom ursprünglichen Thema ab, mich interesieren einfach die 
Aussagen in welcher Brange wieviele Platinen absolut einsatzfertig aus 
der Welle kommen (Bestückungsfehler mal ausgeschlossen).

Autor: Bensch (Gast)
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> ls Lot verwenden wir das SACX® 0307 von Alpha (SN100C
istvergleichsweise zu teuer,

Kann ich mir nicht vorstellen, dass ein silberhaltiges Lot billiger ist 
als SN100C- trotz Lizenzgebühren. Hast du einen Preis parat?

Zum Aussehen: bei uns gibt's optisch KEINEN Unterschied zwischen Blei 
und bleifrei.

Autor: Mario Hagen (djacme)
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>Hast du einen Preis parat?
Ich werde am Dienstag unseren Einkauf mal fragen ob die das Angebot von 
Balvar noch haben.

Keinen unterschied zwischen verbleit und bleifrei SN100C?
Ich war im Dezember für ne Woche im ISIT, da hben wir lötversuche mit 
verschiednene bleifreien Legierungen gemacht - auch mit SN100C - welches 
auch vergleichsweise wenig glänzende Lötstellen hinterlies und etwas 
schlechteres Durchstiegsverhalten hatte als Lote mit höherem 
Silberanteil(letzte dann aber wieder deutlich mattere Lötstellen 
vorfolge hatten)

Autor: Bensch (Gast)
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Also, hab mir gerade nochmal Platinen mit Bleizinn und SN100C angesehen. 
Wenn ich's nicht wüsste, könnte ich nicht entscheiden, welche jetzt was 
ist. Auch das Durchstiegsverhalten ist bei beiden identisch, auch 
kritische Steckerleisten sehen oben bei beiden gleich aus.
Natürlich ist ein einwandfreies Ergebnis von den Lötparametern abhängig, 
bleifrei ist in der Beziehung wesentlich kritischer. Aber wie man bei 
uns sieht, geht das.

Ich hab früher Baugruppen löten lassen in Ermangelung einer eigenen 
Maschine, da hat ich z.B. bei einer Firma, die für den 
Sicherheitsbereich produziert, enorme Probleme. An Steckerleisten war 
das Lot nicht aufgestiegen, was teilweise zum Bruch der 
Durchmetallisierung geführt hat, wenn der Kunde den Stecker etwas 
unsensibel aufgesteckt hat. Und das zu Zeiten des Bleizinn. Die steigen 
übrigens gerade auf bleifrei um und holen sich jetzt Tipps bei mir....

SN100C bei Balver kann nicht teurer sein als silberhaltiges, sollte mich 
doch sehr wundern, dann haben die mich besch...en. Je nach Menge dürfte 
das jetzt bei 13€/kg liegen.

Autor: Alex W. (a20q90)
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Ich kram den Thread mal aus seinem Grab!

Falls Bensch noch mitliest, könnte er mir villeicht sagen welches 
Flussmittel er benutzt?

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