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Forum: Offtopic Kamera mit Wasserschaden - Chancen?

Autor: Steffen Hausinger (Gast)
Datum: 14.05.2008 00:10

Hallo zusammen,

ich habe hier eine Digitalkamera, die mir unglücklicherweise ins Wasser
gefallen ist. Ich habe den Akku sofort rausgenommen und die Kamera
versucht zu trocknen. Seitdem sind ca. 2 Wochen vergangen.

Weil die Kamera nach dem Trocknen (fast) kein Lebenszeichen mehr von
sich gab, habe ich sie auseinandergebaut und die Platinen (es sind zwei)
in Isopropanol eingelegt. In diesem Bad lagen sie zweieinhalb Tage lang.
Währenddessen habe ich versucht, die Bauteile mehrfach vorsichtig mit
einer Zahnbürste zu reinigen.

Nach dem Trocknen und Zusammenbauen funktioniert die Kamera aber leider
immernoch nicht. Beim Einschalten tut sich nichts. Nur wenn man sehr,
sehr, sehr genau hinschaut, erkennt man einen dünnen vertikalen Balken
auf dem Display (Hintergrundbeleuchtung funktioniert nicht). Dieser
Balken ist aber sofort da, sobald man den Akku reinsteckt. Also auch,
wenn man den Ein-/Aus-Knopf noch gar nicht gedrückt hat.

Ich kann in der Kamera neben der Batteriespannung noch eine weitere
Spannung zu 3,0V messen. Der Akku ist übrigens in Ordnung (Ersatzakku).

Tja, was kann ich jetzt noch machen? Habt ihr irgendwelche Tipps oder
Ratschläge für mich? Ich möchte die Kamera nur äußerst ungerne
abschreiben, weil sie ein Geschenk war und außerdem immernoch recht
teuer ist (~300€). Außerdem hoffe ich, dass die Bilder auf der Kamera
noch erhalten sind.

Was kann ich tun?

Grüße
Steffen
Autor: JensG (Gast)
Datum: 14.05.2008 00:20

was die Bilder angeht: versuche doch mal die Speicherkarte mit einer
Kammera von der Verwand- und Bekanntschaft zu lesen (oder Computer mit
entsprechenden Kartenslot). Wenn's da noch geht, sollte sich so noch was
retten lassen.
Allerdings weiß ich nicht, was die Testkammera dazu sagt, wenn die Karte
auch schon einen Schuß weg hat (könnte ja theoretisch auch die
Testkamera irgendwie schädigen).

Was Deine Kamera angeht: wenn alles schön trocken ist, keine Salzflecken
sich gebildet haben usw., und trotzdem geht nichts weiter, dann isses
wohl schlecht um deine Kamera bestellt. Da kannste die wohl nur noch
verschrotten ...
Autor: Steffen Hausinger (Gast)
Datum: 14.05.2008 12:17

Hallo

Irgendeine weitere Lösung muss es doch für mein Problem geben.

Wie kann man die Platinen noch weiter reinigen? Klappt das vielleicht
mit Ultraschall? Hat das schonmal jemand von Euch probiert?

Gibt es vielleicht ein etwas aggressiveres Mittel, um auch die
Ablagerungen zwischen den BGA zu lösen? Irgendetwas vergleichbares wie
Säure o.ä.?
Autor: MM (Gast)
Datum: 14.05.2008 12:46

Das Problem wird nicht sein, daß die Platine durch Ablagerungen nicht
mehr funktioniert sondern daß es durch das Wasser zahlreiche
Kurzschlüsse
gegeben hat die wiederum die Bauteile auf den Platinen zerstört haben.

So etwas ist in aller Regel ein Totalschaden.

Gruß, Marcus
Autor: Dirk S. (fusebit)
Datum: 14.05.2008 13:36

Die Kamera wirst Du abschreiben müssen. Was nach dem Trocknen nicht
wieder funktioniert ist fast immer Elektroschrott...
Autor: Jonas G. (jonny)
Datum: 14.05.2008 13:48
Dateianhang: mp3.jpg (63,3 KB, 226 Downloads)
preview image for mp3.jpg

Passt nicht ganz aber mein MP3 Player hat schon eine 90° Wäsche
überlebt.
Er funktionierte direkt, bzw. war noch an als ich ihn raussuchte :)

Nach ca. 4 Tagen war dann auch das Wasser zwischen Display und Gehäuse
weg :D
Autor: Johannes Stratmann (jojos)
Datum: 14.05.2008 14:00

Ich hatte ein Renault-Navi das nach offenem Schiebedach und heftigem
Regen im Wasser stand. Zündung eingeschaltet und das wars dann. Ich habe
den Steuerrechner ausgebaut, nachgesehen und gereinigt aber es ging nix
mehr. Nach einigem Messen habe ich gefunden das auf der Oberseite der
Platine keine Spannung ankam: Als Märtyrer hat sich einfach eine
Durchkontaktierung geopfert und ist im Bohrloch verbrannt. Kurzes
Drahtstück eingelötet - fertig. Das Steuergerät hätte von Renault ca.
2000€ gekostet...
Und vor kurzem hat mein Vater seinen elektronischen Mercedes Schlüssel
über Nacht im Regen liegen gelassen. Auch erst mit Iso gereinigt, aber
trotzdem tot. Dann habe ich mich an mein Navi errinnert, gemessen und
siehe da: das Gleiche! Kleine Drahtader durch die Duko gelötet, fertig.
Wieder 200€ gespart.
Also versuche mal die Dukos ab der Versorgung zu messen.
Autor: Steffen Hausinger (Gast)
Datum: 14.05.2008 14:53

Meint ihr wirklich, dass es da zu nennenswerten Kurzschlüssen kommt?
Wasser leitet zwar, aber so gut nun auch wieder nicht. Ich schätze eher,
dass sich da nur die Arbeitspunkte verschoben haben. Mehr nicht.

DuKo's prüfen könnte schwierig werden. Alles feinste SMD-Technik und die
meisten DuKo's gehen noch nicht einmal durch, sondern nur auf die
inneren Layer.

Tja, sowas dummes. Dann bleibt mir jetzt nur übrig, eine identische
Kamera zu kaufen und nur die defekten Baugruppen zu tauschen?
Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
Datum: 14.05.2008 15:00

Du glaubst gar nicht, wie wenig Spannung man für eine Elektrolyse
benötigt.  Das Wasser ist an sich schon hinreichend verdreckt,
irgendwelche Flussmittelreste etc. tun ein übriges.

Ich habe mal das Außenthermometer von der Funkthermometeranlage
meiner Eltern öffnen dürfen, dass aus Versehen ein paar Tage im
Regen stehengeblieben war.  Spannungsversorgung: eine LR03.  Die
Hälfte der Leiterzüge war komplett weg.
Autor: Johannes Stratmann (jojos)
Datum: 14.05.2008 15:03

ich meinte nicht alle Dukos messen, das wäre sicher aussichtslos. Aber
die den Batterie/akkukontakten am nächsten sitzen und wo der höchste
Strom durchfliest.
Und eine neue Kamera zerlegen und Garantie weg nur um eine alte wieder
fit zu bekommen? Das kann auch nicht dein Ernst sein, Ersatzteile wie
einzelne Platinen wird es kaum geben.
Autor: Steffen Hausinger (Gast)
Datum: 14.05.2008 16:30

Nein, natürlich keine neue Kamera, sondern eine gebrauchte. Denn die
brauche ich ja sowieso wieder, weil ich im Moment ja keine mehr habe.

Leider ist die Packungsdichte auf den beiden Platinen so hoch, dass ich
kaum etwas löten kann. Die DuKos haben auch keinen Lötring o.ä., wo sich
Lötzinn festhalten kann. Ich werd's trotzdem gleich mal probieren.
Allerdings nicht bei der Versorgung, denn die funktioniert ja scheinbar
problemlos.

Elektrolyse ist ja wieder ein ganz anderes Thema als ein Kurzschluss.
Aber Du hast Recht, Jörg, daran habe ich noch gar nicht gedacht.
Allerdings glaube ich nicht, dass ich hier das Problem liegt, weil ich
den Akku gleich nach dem Vorfall aus der Kamera genommen habe.
Autor: Benedikt K. (benedikt)
Datum: 14.05.2008 17:29

Falls sich der Blitzelko irgendwo in die Elektronik entladen hat, dann
kann einiges kaputt gegangen sein. Immerhin sind hier >300V drauf. ist
aber nur reine Vermutung.
Autor: JensG (Gast)
Datum: 14.05.2008 18:59

Sicherlich wird da auch ein oder mehrere Quarze drauf sein (o.ä.), die
die IC's zur Taktung brauchen. Wenn Du einen Oszi hast, dann prüfe doch
mal mit der 1:10 Meßspitze, ob da überhaupt ein Sinus zu sehen ist an
einem der beiden Anschlüsse.
Falls Spannungsregler zu sehen sind, messen, was rein, und was raus
geht, und abschätzn, ob das Gemessene auch so sein kann, wie es gerade
ist.
Aber generell denke ich, daß der Controller einen Knacks weg hat.
Suche von den IC's, die da drin sind, die Datenblätter (falls
auffindbar), dann weist Du auch, wo z.B. die Spannungs-, Reset-Pins u.
evtl. andere markante Pins sind, an denen man schon mal messen kann, ob
dort die Pegel so sind, wie zu erwarten. Wenn nicht, könnten
irgendwelche externen Bauteile hin sein (normale IO-Pins brauchste aber
wohl nicht weiter prüfen).
Wenn aber die Spannungen erstmal soweit stimmen, und könnte man noch mit
nem Oszi schauen, ob z.B. beim Display irgendwelche Leitungen Takte bzw.
Impulse fuhren (sollte man dort erwareten können) - wenn nicht, dann
wohl mit großer Wahrscheinlichkeit tot.
Autor: Ulrich (Gast)
Datum: 14.05.2008 21:26

Anfällige Stellen sind auch Steckkontakte und Schalter. Das Wasser kann
da die Korosion beschleunigen.
Zum Testen/Auslesen der Speicherkarte sollte ein Kartenleser am PC
gehen. Auch eine defekte Speicherkarte sollte da eigentlich keinen
Schaden anrichten.
Autor: Steffen Hausinger (Gast)
Datum: 15.05.2008 11:40

Ok, also es gibt Neuigkeiten:

Ich habe mir die Platinen nochmal sehr genau angeschaut und einige
kritische Stellen mit Isopropanol bearbeitet. Dann habe ich meine
Heißluftlötstation genommen und Stück für Stück die Platinen damit
bearbeitet. Die gerade zu bearbeitenden Stellen habe ich mit ordentlich
Flussmittel getränkt. Das Mittel ist auch schön unter die BGAs gelaufen.

Außerdem habe ich entdeckt, dass ich einen Steckverbinder noch weiter
auseinandernehmen konnte. Die freigewordenen Stellen habe ich natürlich
auch noch einmal gereinigt.

So, und nach all diesen Arbeiten gab die Kamera endlich erste
Lebenszeichen von sich!! Also alles nochmal wiederholt, noch ein
Quentchen gründlicher (obwohl ich vorher auch schon wahnsinnig gründlich
war) und siehe da - es hat sich gelohnt!

Bis auf eine Ausnahme funktioniert jetzt alles: Die Kamera kann
scheinbar die Position des Objektivs nicht ermitteln. Jedenfalls fährt
das Objektiv raus, wieder rein und bricht dann mit einer Fehlermeldung
ab. Da hatte ich gestern Abend aber nicht mehr die Muße dazu, den Fehler
weiter zu suchen.
Autor: eProfi (Gast)
Datum: 15.05.2008 12:44

So lange in Alkohol legen... da habe ich schlechte Erfahrungen gemacht.

Dennoch liest man es immer wieder, auch z.B. bei Handys mit
Wasserschaden.

Ich empfehle eher mehrfach mit destilliertem Wasser waschen und dann
längere Zeit in den Trockenschrank, zur Not Backofen bei 40°C (mit
Thermometer prüfen).
Ein professioneller Klimaschrank mit Luftentfeuchter wäre das Optimum.

Die Feuchtigkeit erzeugt meist Kriechströme.
Autor: Steffen Hausinger (Gast)
Datum: 15.05.2008 17:53

Was für Erfahrungen hast Du denn gemacht? Meine sind ja wie oben
beschrieben richtig gut! Alle frei erreichbaren Ablagerungen sind weg.

Kann destilliertes Wasser denn auch die Ablagerungen lösen?
Autor: HildeK (Gast)
Datum: 15.05.2008 18:46

Ich hätte auch Alkohol und Wasser zunächst genommen, aber die Kamera
nicht längere Zeit darin gebadet, sondern mit einem Pinsel bearbeitet.
Danach möglichst schnell wieder trockengelegt.
Destilliertes Wasser ist besser und sollte zumindest nach der
Wasseranwendung nochmals angewendet werden, um Ablagerungen zu
vermeiden.
Explizite Trocknung sollte IMHO auch sein - man kann hier auch Druckluft
zur Unterstützung verwenden, zumindest um das gröbste wieder zu
entfernen und dann in den Backofen.
Sehr hilfreich zur Reinigung ist auch Videospray (Kontakt-Chemie). Dies
löst vor allem fetthaltigen Schmutz und trocknet sehr schnell.
Autor: Unbekannter (Gast)
Datum: 15.05.2008 20:49

Wasserschäden spüle ich auch immer mit dest. Wasser, danach mit Iso-Prop
und dann ab zum trocknen in den Backofen.

Aber einlegen ist Mist, egal ob Wasser oder Iso-Prop oder Alkohol.

Leiterplattenmaterial nimmt Wasser auf, verschiedene Bauteile auch. Wenn
da mit kleinen Spannungen gearbeitet wird, ist ein hoher Wasseranteil in
der Platine tödlich.

Aber die Kammera wird eh kaputt sein, genauer der Sensor. Wenn der nass
war, dann war's das.
Autor: Unbekannter (Gast)
Datum: 15.05.2008 20:50

Achso, vergessen: Möglichst sofort und unmittelbar nach dem
Wasserschaden mit der Prozedur anfangen. Jede Stunde korrodiert
irgendetwas ein bischen mehr.
Autor: Artur F***** (artur-f)
Datum: 16.05.2008 09:50

Habe mal in der Glotze gesehen, dass man son Gerät in eine Plastiktüte
voller Reis einbuddeln soll, luftdicht verschließen und paar Tage liegen
lassen. Der Reis saugt die Feuchte auf.

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