Fädeldraht-Halter

OP #6906602
Lesenswert?

Hallo,

ich bin auf der Suche nach einem Fädeldraht-Halter ähnlich zu dem hier:

https://www.conrad.de/de/p/pb-fastener-079-001732g-verdrahtungsstift-1-st-532630.html

Nur leider fehlt mir die Fantasie, warum sowas 40€ wert sein sollte. 
Gibts das auch günstiger?

Welche Fädeldraht / Kupferlackdraht-Stärke verwendet ihr für 
Feinarbeiten (z.B. bei mir aktuell ein abgebrochenes Lötpad auf einer 
Platine)? 0.15mm oder noch feiner?

Grüße und schönes WE
Gast #6906658
Lesenswert?

Der Reichelt-Fotograf ist mit dem Ding nicht klargekommen.
Das Teil ist einfachster Spritzguss.
Der Aufwand, den Draht durch die "Bremse" zu fummeln...
Er verschwindet doch wieder im Stift. Rausziehen, bremsen fummeln.
Für echtes Wire-Wrap möglicherweise brauchbar (keine Ahnung), um 
einzelne Lötverbindungen herzustellen verzichtbar.

Vielleicht könnte man einen stabilen, feinen Druckbleistift umbauen 
(Spule dran)..
Oder eine selbsthaltende Pinzette.

Achtung, der Lack-Rauch ist wohl giftig beim Abbrennen.
#6906718
Lesenswert?

Bisswegierig schrieb:
> Für echtes Wire-Wrap möglicherweise brauchbar (keine Ahnung), um
> einzelne Lötverbindungen herzustellen verzichtbar.

Fädeln und Wire-Wrap haben eigentlich nichts miteinander zu tun, außer 
das beide Draht verwenden. Schon das Reichelt das in die selbe Kategorie 
packt spricht nicht für Reichelts Kompetenz.

Beim Fädeln wird Lackdraht gelötet. Bei Wire-Wrap wird alleine durch 
mechanische Kräfte eine gasdichte Verbindung zwischen einem abisolierten 
Draht und speziellen Pfosten geschaffen.

> Vielleicht könnte man einen stabilen, feinen Druckbleistift umbauen
> (Spule dran)..

Das war früher einer der typischen Selbstbauwege. Druckbleistift, leere 
Kugelschreiber-Mine aus Metall, etc. Spulenhalter aus ein bisschen Draht 
und ein kleines Stück Schaumstoff als Bremse.

> Achtung, der Lack-Rauch ist wohl giftig beim Abbrennen.

Vero, eigentlich der einzige Hersteller der Fädeln propagierte und 
propagiert, hat das auch mal gemerkt und warnt seit dem vor dem eigenen 
Draht.
Gast #6906748
Lesenswert?

> Nur leider fehlt mir die Fantasie, warum sowas 40€ wert sein sollte.
> Gibts das auch günstiger?

DAs ist wohl Inflation. Ich meine so vor 25Jahren hat der mal 25DM 
gekostet und das fand ich damals schon teuer. Das Teil ist im uebrigen 
kacke weil die Spitze schmilzt wenn man den Faedeldraht irgendwo 
anloetet. Da muss man dann eine passende Aderendhuelse vorne ankleben.

Besser ist aber man baut es sich selbst. Und zwar indem man einen 
Druckbleistift umbaut. DAfuer kann man entweder irgendein Billigteil 
nehmen, oder wenn es krass werden soll dann einen Rotring 600:

https://www.rotring.com/de/feinminenstifte/290-rotring-600-feinminenstift-3501178523096.html

Ich hab da hinten ein Loch reingebohrt und den Draht nach vorne 
durchgefuehrt. Spule wird hinten aufgesteckt. Dann kann hinten den 
Daumen drauf halten um den Draht zu blockieren.

Duerfte dann aber aehnlich teuer werden. Immerhin haben die auch mal 
25DM gekostet. Aber wenigstens fuehlt man sich dann nicht verarscht. .-)

Olaf
#6906776
Lesenswert?

Max M. schrieb:
> Welche Fädeldraht / Kupferlackdraht-Stärke verwendet ihr für
> Feinarbeiten (z.B. bei mir aktuell ein abgebrochenes Lötpad auf einer
> Platine)? 0.15mm oder noch feiner?

0.15mm setze ich ein. Für höhere Ströme lege ich zwei Leitungen.
Als Fädelstift nutze ich einen von ROADRUNNER.

Drahtdurchmesser:
https://roadrunnerelectronics.com/wp-content/uploads/2021/06/Solderable-Enamel-Wire-Data-Sheet-Iss-3-03.12.20.pdf.pagespeed.ce.f3KF0ix13o.pdf

Anwendungstips:
https://roadrunnerelectronics.com/wp-content/uploads/2021/06/RAPIDW1.pdf.pagespeed.ce.FnYauSGTOd.pdf
Gast #6906782
Lesenswert?

Wenn du mit dem Lötkolben mal auch nur in die Nähe dieser Stifte kommst, 
ist er geschmolzen.
Hab mir damals (>30 Jahre) sowas aus Edelstahl fräsen lassen, vorne mit 
einem Konus auf den Injektionsnadeln passen. Irgendwo hab ich noch so 
einen zweiten Rohling (ohne Bremse und Rollenhalter) rum liegen.
Gast #6912962
Lesenswert?

Walter T. schrieb:
> Semi-OT: Wie arbeitet man mit dem Fädelstift? Welchen Vorteil hat das?
> Ersetzt das die Pinzette?

Naja du kannst an einem Punkt anlöten, die Verbindung zum nächsten Punkt 
ziehen, anlöten, wieder zum nächsten Punkt ziehen, usw…

Brauchen tut man sowas nicht, wenn man aber komplette Schaltungen auf 
Lochraster aufbaut, ist es eine enorme Erleichterung, weil nicht so oft 
das Werkzeug abgelegt werden muss.
Beitrag #6912972 wurde von einem Moderator gelöscht.
#6913022
Lesenswert?

Walter T. schrieb:
> René F. schrieb:
>> Naja du kannst an einem Punkt anlöten, die Verbindung zum nächsten Punkt
>> ziehen, anlöten, wieder zum nächsten Punkt ziehen, usw…

Dazu noch den Trick, dass man den ersten Pin einer Folge von Pins die 
man verbinden will nicht direkt lötet, sondern den Anfang des Drahtes 
irgendwo in der Nähe am Board oder einem Fädelkamm antüdelt.

Dann kann man den Draht bereits unter Spannung zum ersten Pin ziehen, 
optional drum wickeln und anlöten. Also so, wie man die weiteren Pins 
der Verbindung löten würde. Das Anfangsstück danach natürlich 
abschneiden.

Trotzdem braucht das Ganze Übung. Je nach Draht muss man ganz schön 
braten und es fehlt einem eine dritte Hand zum Halten des Lötzinns.
Gast #6913093
Lesenswert?

Walter T. schrieb:
> Semi-OT: Wie arbeitet man mit dem Fädelstift? Welchen Vorteil hat das?
> Ersetzt das die Pinzette?

Ja und man kann den Draht gut spannen, bzw. über die div. Fädelhilfen 
(Kämme etc.) führen, Und das allerbeste, es dauert nur ne halbe Sekunde 
um das 2-3x um die Pins zu wickeln.
Richtig angewendet verkokelt da auch die Spitze nicht, bzw. kommt nicht 
mal in Gefahr selbiges zu tun.
Gast #6919822
Lesenswert?

Uwe B. schrieb:
> Deswegen: Nur authentisch mit der Kugelschreiberspitze.

Naja gibt mehrere Hersteller von Fädelstiften, Roadrunner hat 
beispielsweise serienmäßig eine Metallspitze.

Den Stift von Roadrunner ohne Bremse gibt es bei Farnell unter der 
Eigenmarke übrigens für 12,45€ netto unter der Bezeichnung „MPRRP-103“ 
und die Variante mit Bremse für 15,95€ netto als „MPRRP-123“, die Preise 
auf der Roadrunner Website sind auch nicht wirklich höher.

Ich selbst besitze einen von Verowire und in der Abteilung in der Firma 
liegt einer von Roadrunner, in der Firma wird das Ding nur als 
Drahtspender benutzt und mein eigener schlummert ungenutzt neben 
Lochraster Platinen in der Schublade
Gast #6921549
Lesenswert?

Hermann W. schrieb:
> Ich verstehe gar nicht, wie man ohne Bremse arbeiten kann.

Ich verstehe nicht, wie man mit Fädelkämmen arbeiten kann.

Hohes Übersprechen der Leitungen, keine Verfolgbarkeit mehr, schwer 
unterzubringen wenn man nicht vorher die IC passend anordnet, und das 
Risiko sich Kurzschlüsse einzufangen, und all die Nachteile kosten auch 
noch Geld.

Vorteile sehe ich keine, hübscheres Aussehen ?
#6921582
Lesenswert?

MaWin schrieb:
> Vorteile sehe ich keine

Ich schon
- kein Routing (kostet Zeit)
- kein PCB (kostet Zeit)
- Kurzschlüsse habe ich noch nicht gehabt, würde auch keine Metallspitze 
nehmen
- schwer unterzubringen, warum? Bauteilplazierung überlege ich schon 
vorher
- kostet Geld, na ja, Kämme sind teuer geworden. PCB gibt es auch nicht 
umsonst.
- Übersprechen, na ja, kritische Leitungen verlege ich bedacht. Bei 
µC-Schaltungen habe ich noch keine Probleme gehabt.
Das Board ist mein AVR-Entwicklungsboard, siehe Bild. Es ist schon ein 
krasses Beispiel, da alle Portleitungen an alle Sockel gehen. Besonders 
der Quarz, er macht ab >5Mhz Probleme, 8MHz RC-Generator nicht. Das ist 
bisher das einzige Problem.
Ich finde die Technik genial. Ein Board ist in kürzester Zeit fertig.
Angehängte Dateien:
Gast #6921597
Lesenswert?

> Ich mache alle Prototypen mit der Technik, siehe zufälliges Beispiel.

Oh backe. Hast du schonmal einen Tastkopf, sagen wir mal an 
SPI-Leitungen gehalten und dir die Signale angeschaut?

> Ich verstehe nicht, wie man mit Fädelkämmen arbeiten kann.

Ich glaub das war bis 1985 oder so noch okay. Aber mitterweile arbeiten 
ja selbst STandardmicrocontroller mit 20-50Mhz (also entsprechend 
schnellen Flanken).

Olaf
#6921967
Lesenswert?

Olaf schrieb:
> Oh backe
Ich muss dich enttäuschen. Auch Schaltungen mit 20MHz-Quarz machen 
keinerlei Probleme. Ebenfalls funktionieren alle bisher eingesetzten 
digitalen Schnittstelle ohne Störung, z.B. SPI, I²C, RS232, RS485, GPIB 
und alle möglichen dig. Sensoren. Auch bei allen ADC-Anwendungen wackelt 
höchsten das letzte Bit an der Schwelle.
Ich bin mir natürlich über die Probleme bewusst und vermeide dumme 
Fehler.

MaWin schrieb:
> Wenn auch nur für einfache Signale und sehr fehleranfällig

Meinetwegen sind das alles einfache Signale. Wenn du mit fehleranfällig 
den mechanischen Aufbau meinst, mag das stimmen, wenn man damit 
rumwirft. Ich habe sehr viele Anwendungen, die schon seit Jahrzehnten 
laufen und keines hatte ein mechanisches Fädelproblem.
Aber ich will keinen überreden, man sollte schon Erfahrung und das 
richtige Werkzeug haben.
#6922002
Lesenswert?

MaWin schrieb:
> Wer sich da mal
> vertut...

hat keinen Plan!

Jede gelegte Leitung wird überprüft, gemessen auch die Nachbarpins, wenn 
OK dann wird die gelegte Verbindung im Plan abgemarkert (mit einem 
Marker von Anfang zu Ende der Verbindung)!
Es darf am Ende im Plan keine ungemarkerte Verbindung mehr existieren, 
sonst hätte man eine Verbindung vergessen, einer der meisten Fehler wer 
sich zu selbstsicher ist alles gelegt zu haben!
#6922272
Lesenswert?

Mit Fädelkamm arbeiten wohl vor allem Leute, die früher in einer 
Telefonvermittlungsstelle Dienst taten. Wenn da ein Kabel einen Fehler 
hatte, wurde es nicht aus den halbmeterdick belegten Kabelpritschen bis 
zur Fehlerstelle rausgefummelt, sondern vorne und hinten abgeschnitten 
und neu verlegt. :)

Die Sache mit dem Druckbleistift war mal eine Bauanleitung, ziemlich 
wahrscheinlich in Elektor Ende der 80er. Da die Drahtrolle mit den 
erwähnten 25 Mark aber der preisbestimmende Hauptbestandteil war - und 
Druckbleistifte damals teure Schreibgeräte und keine verschenkte 
Massenware waren - half mir das auch nicht weiter.

Nachdem ich mir dann Jahrzehnte später eine Rolle leisten konnte, mit 
dem bremstechnisch verkorksten Reichelt-Abroller, mußte ich festellen, 
daß sich der tolle Fädeldraht von seiner Lötbarkeit her nicht wesentlich 
von Lackdraht oder Lakritzschnecken unterscheidet. :)

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren