Ich habe gesehen das es mittlerweile recht billige Class-D Audio
Verstärker Boards mit ordentlich Leistung gibt.
Dabei ging mir durch den Kopf ob es nicht reichen würde einen Trafo an
den Ausgang zu hängen um einen Wechselrichter für 220V zu bekommen? Oder
müßte man den Ausgang nachregeln? Oder gibt es noch weitere Probleme,
z.B. mit einem Power Faktor < 1?
Könnte mir schon vorstellen, dass das geht. Jedoch ist zu beachten,
dass die Primärwicklung des Trafos wahrscheinlich einen ohmschen
Widerstand von kleiner 4 Ohm hat. Die meisten Audioendstufen sind eben
auf 4 bzw. 8 Ohm ausgelegt. Hier spreche ich auch von eventuell
vorhandenen Strombegrenzungsschaltungen. Hinzukommt dann noch die doch
recht große Induktivität der Primärwicklung. Wegen Phasenverschiebung
oder plötzlichem Lastabwurf kann es an den Endstufentransistoren zu
großen Spannungspitzen oder zu ungünstigen Kombinationen von Spannung
und Strom (und damit hohen Verlusten) kommen. Stichwort SOA.
Markus B. schrieb:> Könnte mir schon vorstellen, dass das geht. Jedoch ist zu beachten,> dass die Primärwicklung des Trafos wahrscheinlich einen ohmschen> Widerstand von kleiner 4 Ohm hat. Die meisten Audioendstufen sind eben> auf 4 bzw. 8 Ohm ausgelegt. Hier spreche ich auch von eventuell> vorhandenen Strombegrenzungsschaltungen. Hinzukommt dann noch die doch> recht große Induktivität der Primärwicklung. Wegen Phasenverschiebung> oder plötzlichem Lastabwurf kann es an den Endstufentransistoren zu> großen Spannungspitzen oder zu ungünstigen Kombinationen von Spannung> und Strom (und damit hohen Verlusten) kommen. Stichwort SOA.
Du kennst das Schaltungskonzept, daß sich hinter dem Begriff "Class D"
verbirgt aber schon, oder?
MiWi
Class D ist ja nichts anderes als PWM, die auch in modernen
Wechselrichtern angewendet wird. Vermutlich wird man beim Antreiben
eines Trafos sich sogar fast alle Siebmittel im Ausgang der Endstufe
sparen können, wenn die Anschlüsse kurz gehalten werden.
Man speist also am Eingang den 50Hz Sinus ein, den man am anderen Ende
des Trafos haben möchte.
Der Trafo sollte bei 50Hz die Impedanz haben, die die Endstufe treiben
kann.
Das ist zwar theoretisch möglich (das Prinzip ist sehr ähnlich),
praktisch macht das aber keinen Sinn.
Warum:
Ein Klasse-D-Amp schaltet üblicherweise mit sehr viel höherer Frequenzen
als ein WR. Damit hat man höhere Schaltverluste. Schließlich muss ein
Klasse-D-Amp einen 5kHz Sinus ohne hörbare Oberwellen erzeugen, der
AC-Motor dagegen braucht weder 5kHz Sinus noch stören ihn die
Oberwellen. Dazu kann man den mit Frequenzen im hörbaren Bereich quälen
(oder muss es sogar).
Schalten kostet Energie. Man Verschenkt Leistung im Verstärker.
Dazu kommt: Der Motor hat noch das große Problem, dass er für so hohe
PWM-Frequenzen wenig gut geeignet ist und daher zusätzlich mit höheren
Verlusten zu rechnen ist (oder man filtert). Da ist ein geblätterter
Eisenkern drin.
Dann hat ein FU nicht ohne Grund eine Menge Parameter. Jene, die man
braucht, wird man in Software irgendwie nachbilden müssen. Z.B. die f/U
- Kurve dürfte zwingend sein, wenn dir dein Verstärker lieb ist.
Ein Frequenzumrichter ist mit höherer Leistung, besseren Eigenschaften,
angepasster Software und besserem Wirkungsgrad in kleinerem Gehäuse zu
einem kleineren Preis zu bekommen.
Oft hat der dazu noch sinnvolle, Industrieübliche Schnittstellen drin,
wie für Geber oder 4-20mA oder 0-10V. Auch die müstest du nachbilden.
Einschränkung:
Ich spreche hier von 230VAC Wechselrichtern für AC-Motore.
Bei kleinen DC-Motoren kann das manchmal tatsächlich sinnvoll sein.
Tatsächlich hat mir ein Halbleiterhersteller für einen
24V-DC-Motortreiber einen Klasse-D-Amp angeboten. Der war sogar halbwegs
passabel geeignet, hatte aber keine Stromregelung.
Das alles erinnert mich stark an einen Beitrag, wo jemand eine SPS durch
einen µC ersetzen wollte :-)
Wechseln und Drehen schrieb:> Oder gibt es noch weitere Probleme, z.B. mit einem Power Faktor
Eigentlich nicht, Blindstrom sollte ein Class-D können. Aber
Rückspeisung könnte die Betriebsspannung unzulässig anheben ohne
Bremschopper.
Müsste gehen, allerdings stellt bei dieser Variante der 50Hz-Trafo den
Kostenfaktor dar. Je nach dem, was man unter "ordentlich Leistung"
versteht, wird sowas groß und im Vergleich zur Endstufe teuer.
Zum Thema nachregeln: Ja, müsstest Du eigentlich, wenn Du eine konstante
Ausgangsspannung haben willst. Dein Trafo (und evtl. Filter am Ausgang
der Endstufe) haben neben dem ohmschen Widerstand einen
(höchstwahrscheinlich) induktiven Blindwiderstand, der auch abhängig vom
Strom zu einem Spannungsabfall über Trafo/Filter führt. Diesen müsstest
Du ausregeln.
In der Praxis könnte es auch sein, dass man bei Deinem Trafo für die
benötigte Leistung der Spannungsabfall klein genug bleibt, dass die
Ausgangsspannung in den für die Anwendung vertretbaren Grenzen bleibt.
Thomas F. schrieb:> Je nach dem, was man unter "ordentlich Leistung"> versteht, wird sowas groß und im Vergleich zur Endstufe teuer.
Lohnen tut sich sowas, wenn man einen dicken Trafo schon hat. Es ist ja
nichts neues, einen WR mit Trafo aufzubauen, mein alter Trace
Engineering macht mit so einem Trumm etwa 1500 Watt. Der Trafo ist
allerdings auch eine beeindruckende Sammlung Eisenblech und Kupfer mit
alleine etwa 10-12kg Gewicht.
Allerdings ist der Aufwand einer echten Class-D für WR Zwecke im
Allgemeinen viel zu hoch, denn WR Endstufen können deutlich einfacher
aufgebaut werden als welche für Audio.
Ein Trafo hat eine Ausgangsleistung bei einer bestimmten
Eingangsfrequenz. Wenn man die Eingangsfrequenz erhöht, sinkt die
Leistung, da primärseitig der induktive Widerstand mit der Frequenz
steigt. Da bei einem Wechselstrommotor die Leistung bei steigender
Frequenz(Umdrehung) sinkt, muss die Spannung erhöht werden für einen
erhöhten Spulenstrom im Motor.
Also ist bei der geplanten Kombination Class-D Verstärker, Trafo und
Wechselstrommotor kein Blumentopf zu gewinnen.
Gruß,
dasrotemopped.
dasrotemopped schrieb:> Ein Trafo hat eine Ausgangsleistung bei einer bestimmten> Eingangsfrequenz. Wenn man die Eingangsfrequenz erhöht, sinkt die> Leistung, da primärseitig der induktive Widerstand mit der Frequenz> steigt. Da bei einem Wechselstrommotor die Leistung bei steigender> Frequenz(Umdrehung) sinkt, muss die Spannung erhöht werden für einen> erhöhten Spulenstrom im Motor.
Es ging mir nicht um einen Frequenzumrichter.
Wechseln und Drehen schrieb:> Matthias S. schrieb:>> Allerdings ist der Aufwand einer echten Class-D für WR Zwecke im>> Allgemeinen viel zu hoch, denn WR Endstufen können deutlich einfacher>> aufgebaut werden als welche für Audio.>> Die Endstufen gibt es fertig und günstig zu kaufen:> http://store3.sure-electronics.com/audio/audio-amplifier-board
Das kannst du ja mal mit der 500W Endstufe in meinem 3-Phasenumrichter
vergleichen:
https://www.mikrocontroller.net/articles/3-Phasen_Frequenzumrichter_mit_AVR
Selbst wenn man die Endstufe 3 mal aufbauen muss, wenn man alle Phasen
braucht, ist das immer noch billiger als jede gekaufte Endstufe mit
ähnlicher Leistung.
Ein Klasse-D-Endverstärker ist zwar nicht ungeeignet für einen WR, und
man kann sowas mit 50Hz-Trafo realisieren - aber dabei gibt´s halt schon
ein paar Hürden (von denen viele schon genannt wurden).
Aber wenn Du gar nicht (wie ich bisher annahm) einen schon vorhandenen
Audio-Amp mangels besserer Verwendung dahingehend umrüsten, sondern
allein zu diesem Zweck tatsächlich einen oder mehrere Amps *neu
kaufen* willst...
Hm.
Wegen des günstigen Preises? Dann wär´s m. E. klüger, mal auf diese
Seite zu gucken... (etwas scrollen, bitte)
http://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40&_trksid=p2050601.m570.l1313.TR0.TRC0.H0.Xir2110.TRS0&_nkw=ir2110&_sacat=0
...und die Endstufe alleine sollte wirklich jeder selbst zusammenlöten
können, der mit sowas rumspielen will.