NXP übernimmt Freescale:
http://www.nxp.com/news/press-releases/2015/03/nxp-and-freescale-announce-40-billion-merger.html
Der größte Überlapp zwischen den beiden Firmen scheint das
Mikrocontrollergeschäft zu sein. Das heisst hier wird langfristig nur
eine Produktlinie überleben. Kinetis oder LPC?
Mit scheint, dass die Freescale-Linie doch etwas besser etabliert ist.
Oder liege ich hier falsch?
Strategische Themen interessieren hier natürlich keinen.
Wenn Ihr die NXP-Aktie zum Zeitpunkt meines Posts gekauft hättet, hättet
Ihr jetzt 16% Gewinn.
Doch mich interessiert es.
Bin auch der Meinung, dass die Freescale Controller etwas etablierter
sind. Allerdings wurde eben Freescale von NXP gekauft...
Denke auch es wird weitere Konsolidierungen in diesem Bereich geben.
Wenn man bedenkt, dass die Übernahme gerade mal 11,8 Milliarden Dollar
gekostet hat. Samsung baut für den Preis mal eben ne neue Fab.
Die haben das natürlich extra nach der Embedded erst verkündet, damit
man auf der Messe die Leute nicht genau auf das Thema anspricht...
Solange bis die sich äußern ob Kinetis oder LPC weiterentwickelt wird,
würde ich für Neuentwicklungen STM32 (oder was anderes) nehmen.
NXPvsFreescale schrieb:> Das heisst hier wird langfristig nur> eine Produktlinie überleben.
Ist nicht der erste Merger. Renesas könnte Anschauungsmaterial bieten,
angesichts dessen, was an Redundanzen zusammen kam. Hat jemand einen
Überblick, wie es dort lief und läuft?
Na wunderbar :-/
Jetzt hab ich mich gerade so schön mit den Kinetis-Controllern
angefreundet daß es anfängt Spaß zu machen und jetzt zieht schon wieder
eine dunkle Wolke der Ungewissheit auf.
Na das nenne ich doch mal einen Kracher!
Gerd E. schrieb:> Solange bis die sich äußern ob Kinetis oder LPC weiterentwickelt wird,> würde ich für Neuentwicklungen STM32 (oder was anderes) nehmen.
Genau das läßt meine Hoffnung steigen, daß die sich bald dazu äußern
werden. Wenn wegen der Ungewißheit im professionellen Umfeld kaum einer
sich für einen der beiden entscheiden wird, da man mit beiden hinten
runterfallen kann...
Herrje! Wenn die jetzt subito reinen Wein einschenken, dann sind sie die
Kundschaft auf der falschen Seite der Waage ebenso subito los. Und
wahrscheinlich ohne sie mit der anderen Waagschale wieder einzufangewn.
Selbstverständlich werden sie beide Linien weiter pflegen und
weiterentwickeln. Ganz sicher, versprochen, mit Ehrenwort.
Hi
Natürlich werden sie das nicht tun :-)
Überrascht hat mich die Aktion schon. Mit dem Zusammenschluss hätte ich
nicht gerechnet.
Ich denke es wird so laufen: Bestehende Produkte werden
weiterproduziert. Und neue Derivate bekommen das beste aus beiden
Welten. Und mal ehrlich: Heute sollte es kein Problem sein von einem STM
auf einen Kinetis oder von einem TI Cortex M4 auf einen Spansion M4 zu
wechseln wenn die Peripherie einigermaßen passt und die Software sauber
strukturiert ist.
Matthias
Ist auf Dauer auch eine Frage der adressierten Märkte. NXP ist im Markt
für "Kleinkram" recht rege. Bei Freescale habe ich nicht unbedingt
diesen Eindruck.
Stimmt. Mit ein Grund ist da bestimmt schon die Webseite von freescale.
Ich hab noch keine Seite gefunden bei der ich alle Kinetis nach
Eigenschaften durchsuchen kann. Bei allen anderen nennenswerten Cortex M
Kandidaten ist das kein Problem.
Μαtthias W. schrieb:> Ich denke es wird so laufen: Bestehende Produkte werden> weiterproduziert.
klar.
> Und neue Derivate bekommen das beste aus beiden> Welten.
So einfach ist das nicht. Z.B. ein Timer oder ein USB-Interface sind
spezielle IP-Cores, entweder zugekauft und angepasst oder selbst
entwickelt. Und da kannst Du halt nur entweder den einen oder den
anderen nehmen. Die beide zusammenzuführen dürfte mehr Aufwand sein als
die neu zu entwickeln.
> Und mal ehrlich: Heute sollte es kein Problem sein von einem STM> auf einen Kinetis oder von einem TI Cortex M4 auf einen Spansion M4 zu> wechseln wenn die Peripherie einigermaßen passt und die Software sauber> strukturiert ist.
Das gilt aber nur wenn Du Dich auf die Standardfunktionen der Peripherie
verlässt. Kaum machst Du Dir die Vorzüge des einen Controllers zu nutze,
hast Du es schwer zu migrieren.
Hatte gerade so einen Fall: Migration von LPC zu STM32, dort gibt es
kein GIMA und Event Router. Da mussten wir den Wakeup dann komplett
anders lösen.
Μαtthias W. schrieb:> Heute sollte es kein Problem sein von einem STM> auf einen Kinetis oder von einem TI Cortex M4 auf einen Spansion M4 zu> wechseln
Das verursacht jedesmal Kosten und Zeit und Ärger und Zeit und Kosten
und Stress bis das alles wieder fertig ist und getestet und dokumentiert
und läuft und danach hat man wieder ne neue Hardwareversion und noch nen
neuen Zweig im Code-Repository und alles was sonst noch mit dranhängt
das man nicht einfach wegwerfen und vergessen kann (als ob man nicht
schon genug davon hätte) weil das alte Zeug noch irgendwo bei den Kunden
draußen rumschwirrt oder sonstwo eingebaut ist etc. Niemand wünscht sich
das.
Gerd E. schrieb:>> Und neue Derivate bekommen das beste aus beiden Welten.>> So einfach ist das nicht. Z.B. ein Timer oder ein USB-Interface sind> spezielle IP-Cores, entweder zugekauft und angepasst oder selbst> entwickelt. Und da kannst Du halt nur entweder den einen oder den> anderen nehmen. Die beide zusammenzuführen dürfte mehr Aufwand sein als> die neu zu entwickeln.
Das ist schon klar. Auch ein UART wird sicher nicht zusammengefummelt.
Da nimmt man dann halt die NXP IP und beim Ethernet die Freescale IP.
Fertig. Ist beim neuen Derivat dann halt so und der kleine Entwickler
hat sich anzupassen. Der Automobiler wird denen einfach sagen welche IP
er will.
Gerd E. schrieb:> Das gilt aber nur wenn Du Dich auf die Standardfunktionen der Peripherie> verlässt. Kaum machst Du Dir die Vorzüge des einen Controllers zu nutze,> hast Du es schwer zu migrieren.
Auch klar. Das Problem stellt sich bei einem neuen Derivat aus der
gleichen Reihe aber unter Umständen auch wenn der Hersteller was an der
Peripherie geändert hat. Hatten wir auch mal. Neues Derivat -> neuer CAN
Controller. Macht halt immer Arbeit geht aber wenn die Abhängigkeit
ordentlich gekapselt ist.
NXPvsFreescale schrieb:> Wenn Ihr die NXP-Aktie zum Zeitpunkt meines Posts gekauft hättet, hättet> Ihr jetzt 16% Gewinn.
Hättest du HochTief gekauft, hättest du 35% Gewinn.
Glücksspiel ist Scheisse.
Hinterher weiss man es immer besser.
MaWin schrieb:> Hättest du HochTief gekauft, hättest du 35% Gewinn.>> Glücksspiel ist Scheisse.>> Hinterher weiss man es immer besser.
Ich hatte erheblich mehr als 16% Gewinn, da ich NXP schon lange halte.
Der Vorteil des Deals ist recht offentsichtlich:
1) Aktientausch - damit sind FSL und NXPI effektiv gekoppelt.
2) Die Steuerbelastung des Unternehmens sinkt durch den Wechsel der
Firmenzentrale von den USA in die Niederlande von ~35% auf 25%.
Das konnte man schon heute Morgen um 7:00 nachlesen. Ich bin erstaunt,
dass der Kurs in D so langsam gestiegen ist.
NXPvsFreescale schrieb:> da ich NXP schon lange halte.> ...> Das konnte man schon heute Morgen um 7:00 nachlesen. Ich bin erstaunt,> dass der Kurs in D so langsam gestiegen ist.
Also eigentlich haste das hier nur gepostet um den Kurs zu pushen.
Soso ;-)
Μαtthias W. schrieb:> Stimmt. Mit ein Grund ist da bestimmt schon die Webseite von freescale.> Ich hab noch keine Seite gefunden bei der ich alle Kinetis nach> Eigenschaften durchsuchen kann. Bei allen anderen nennenswerten Cortex M> Kandidaten ist das kein Problem.
Aber wenn man die findet, will man keine anderen mehr...
www.freescale.com/kinetis und dort auf Kinetis Product Selector gehen
oder direkt zu
http://www.freescale.com/webapp/sps/site/overview.jsp?code=KINETIS-PRODUCT-SELECTOR
da ist nach allem selektierbar von Familie, Core, mit/ohne FPU bis zu
Pin-Abstand etc. ;)
Arc Net schrieb:> da ist nach allem selektierbar von Familie, Core, mit/ohne FPU bis zu> Pin-Abstand etc. ;)
aber weder einfaches multiselect, noch min/max für die parameter.
wenigstens brauchen sie kein flash dafür
A. K. schrieb:> Ist nicht der erste Merger. Renesas könnte Anschauungsmaterial bieten,> angesichts dessen, was an Redundanzen zusammen kam. Hat jemand einen> Überblick, wie es dort lief und läuft?
Naja, guck mal nach Fujitsu: Die hatten mit der FR-Reihe auch einen
schnuckligen 32 Bitter. Nun haben sie die ganze Sparte an Spansion
verkauft und der ganze Kram wird Stück für Stück abserviert.
Bernd K. schrieb:> Jetzt hab ich mich gerade so schön mit den Kinetis-Controllern> angefreundet daß es anfängt Spaß zu machen und jetzt zieht schon wieder> eine dunkle Wolke der Ungewissheit auf.
Dann kannst du mir mal auf die Sprünge helfen.
Die Dokus von Freescale (Datasheet's und Refman's) finde ich zum Kotzen.
Es ist alles auseinandergezerrt, viel Gelaber ohne erkennbare Zuordnung,
selbst dort, wo die mal ein Schema zeichnen (z.B. Taktversorgung),
schaffen sie es nicht, dranzuschreiben, welches Bit in welchem Register
für welche Weichenstellung von Signalen denn nun zuständig ist. Und im
gleichen Kapitel wird das Ganze garantiert nicht erklärt, da ist man
ständig am Suchen, an welcher Stelle man die nötigen Zusatzinfos findet.
Wo schaltet man den Oszillator ein? Im Kapitel über den Oszillator
steht's nicht. Wo stellt man die Port-Optionen ein? (was für ne
Funktionalität OPT0..7 an welchem Pin einen angrinst) Im Kapitel über
die Ports (PORT) steht's nicht - jedenfalls bei der MKE06Z Reihe.
Also, Freescale hat einen Riesensack von Familien, Unterfamilien,
Varianten und Untervarianten von Cortexen, aber die Chips scheinen mir
nicht wirklich durchdacht zu sein, sondern eher von Freaks
zusammengeschustert, wo keiner mit dem anderen geredet hat und ein jeder
nur sein engeres Feld gesehen hat.
Und die Doku ist grottenschlecht.
Also ich wäre dafür, die µC von Freescale in die Tonne zu drücken und
mit den LPC weiterzumachen. Das ist ja bei Philips nicht das erte Mal.
Von Sharp hatten sie die BlueStreaks eingekauft und nach ner Weile auf's
Abstellgleis geschoben. Aber wie man ein benutzbares TFT-Interface in
die Chips einbaut, das hat NXP bei dieser Gelegenheit gelernt.
Vielleicht läuft das jetzt ähnlich.
W.S.
W.S. schrieb:> A. K. schrieb:>> Ist nicht der erste Merger. Renesas könnte Anschauungsmaterial bieten,>> angesichts dessen, was an Redundanzen zusammen kam. Hat jemand einen>> Überblick, wie es dort lief und läuft?>> Naja, guck mal nach Fujitsu: Die hatten mit der FR-Reihe auch einen> schnuckligen 32 Bitter. Nun haben sie die ganze Sparte an Spansion> verkauft und der ganze Kram wird Stück für Stück abserviert.
Der Tod der FR Reihe war schon zum Zeitpunkt der CortexM Einführung von
Fujitsu absehbar. Von Spansion war da noch nix zu hören.
Matthias
W.S. schrieb:> Dann kannst du mir mal auf die Sprünge helfen.> Die Dokus von Freescale (Datasheet's und Refman's) finde ich zum Kotzen.
Also im Moment kann ich mich nur zur L-Serie äußern.
Ich finde mich eigentlich ganz gut zurecht, ich finde alles mehr oder
weniger auf Anhieb und ich empfinde es als klar und strukturiert:
Jedes Peripheriegerät hat ein eigenes Kapitel, jedes dieser Kapitel hat
die exakt selbe Struktur. Die meiste Zeit verbringe ich in dem "Memory
map / Register definitions" des jeweiligen Peripheriegerätes. Hinzu
kommt dann noch jeweils SIM und PORT.
Also mal ein Beispiel: Ich will bei einem MKL05Zxxyyyy mittels des
Timers an mehreren Pins PWM-Signale erzeugen. Dann nehm ich mir das
Reference manual:
http://cache.freescale.com/files/32bit/doc/ref_manual/KL05P48M48SF1RM.pdf
und dann schlag ich die folgenden Seiten auf:
* Signal-Multiplexing (Pinout Tabelle und Pinout-Bild ausgedruckt,
Alternate-Funktionen noch ins Bild reingemalt zwecks Übersicht und an
die Wand genagelt)
* SIM (um die Takte für den Timer einzuschalten, Bustakt für Timer und
Portpins und Zähltakt für den Timer [OK, letzteres hat ein bisschen
länger gedauert, musste erst suchen, ersteres ist jedoch bei allen
Peripherals immer gleich])
* PORT (um die Pin-Multiplexing-Zuordnung eintzustellen, unter
Zuhilfenahme der Tabelle die an der Wand hängt stellt man die
gewünschten Alternate-Funktion am gewünschten Pin ein so daß der Pin auf
einen der TPMx_CHx gemappt wird.
* TPM um den Timer zu konfigurieren, hier schau ich also wieder in der
Registermap welche Bits in welchem Channel ich setzen muss damit er tut
was ich will. Die Register sind sehr gut dokumentiert.
Fertig.
In allen drei letzteren Kapiteln ist es jeweils das Unterkapitel "Memory
map / Register definitions" in dem Du die meiste Zeit verbringen wirst,
dort steht wirklich alles drin, jedes einzelne Bit ist ausreichend(!)
erklärt (nachdem Du einmal den Rest des betreffenden Kapitels gelesen
und verstanden hast)
Schwierig ist es nur erstmal zu Beginn den Gesamtzusammenhang zu
erblicken, aber das brauchst Du nur einmal.
Du wirst dann später immer wieder nur jeweils die oben genannten wenigen
Register aus den Kapiteln SIM, PORT und dem des jeweiligen Peripherals
brauchen: SIM zum Einschalten, PORT und zum Mappen der Pin-Funktionen
(zusammen mit dem Bild an der Wand) und zuletzt das Kapitel des
jeweiligen Peripherals selbst. Und dort meist wirklich jeweils nur die
Registerbeschreibungen, der Rest ergibt sich aus dem einmal gewonnenen
Verständnis. Die ersten paar Tage sind schwierig, dann wirds rapide
einfacher.
Aber jeder hat halt seine eigene Art Dokumente zu lesen oder Information
aufzunehmen oder zu verarbeiten, deshalb bevorzugt jeder ein anderes
Format oder mancher empfindet etwas als übersichtlich was ein anderer
als unstrukturiert empfindet oder umgekehrt. Bei mir war es jedenfalls
so dass das Freescale-Manual und mein Gehirn sofort kompatibel waren, es
spricht anscheinend genau meine Sprache, YMMV.
Freescale macht nicht nur in ARMs sondern ist auch ganz groß im PowerPC
Geschäft. Interessant daran ist, dass FSL zusammen mit STM, die auch
PPCs im Portfolio haben, Peripheriemodule entwickelt haben. Ich kenne
Manuals von beiden Unternehmen in denen es bis auf's Wort gleiche
Beschreibungen gibt.
Bleibt die Frage was der Zusammenschluß von FSL mit NXP für STM zu
bedeuten hat? Muss STM jetzt seine PPC Peripheriemodule alleine
entwickeln... ?
Von den Geschäftsfeldern passt der Merger recht gut. NXP ist eher im
Low-Performnce Segment aktiv, während FSL schon recht potente
Multicore-Rechenkisten hat. Vom Bauchgefühl her würde ich sagen FSL hat
mehr Know-How im Bereich der
Mikroprozessor-/Mikrocontroller-Entwicklung. Man denke an so legendäre
Kisten wie die 68000er Familie oder (Entwicklungs-Beteiligung im
PPC-Segment. Soweit ich weiß hat NXP nie wirklich einen Prozessor selbst
entwickelt. Philips hat den 8051 von Intel gekauft nun setzten sie auf
ARM (also auch zugekauft).
Von daher denke ich die beiden passen recht gut zusammen. Sicherlich
wird man das ein oder andere Produkt vom Markt nehmen um sich keine
Konkurrenz im eigenen Haus zu schaffen aber im Großen und Ganzen denke
ich nicht dass es große Änderungen am Portfolio geben wird.
>Wo wird denn bei Neuentwicklungen PowerPC verwendet?
Zum Beispiel im Automotive Bereich wo ASICs auf PPC-Basis verwendet
werden.
FSL gehört da u.a. zu den ganz Großen im PPC Geschäft. Und obwohl heute
in vielen Consumer-Produkten ARM-Cores zu finden sind, gibt es doch noch
genügend Gerätschaften mit PPCs nicht nur im Consumer-Bereich (Router,
Receiver, Drucker, ...) sondern auch in Avionik-, Raumfahrt-,
Rüstungs-Systemen.
siehe z.B. Portfolio auf der FSL-Webseite:
http://www.freescale.com/webapp/sps/site/homepage.jsp?code=POWER-ARCHITECTURE
Bernd K. schrieb:> Schwierig ist es nur erstmal zu Beginn den Gesamtzusammenhang zu> erblicken, aber das brauchst Du nur einmal.
Erstmal besten Dank für deinen Beitrag.
Aber meine ersten Erfahrungen sind eher, daß man sich totblättert.
Jedenfalls für den Anfang. In den RefMan's werden tonnenweise
Abkürzungen verwendet, die man sich erstens nicht merken kann und die
man zweitens grundsätzlich nur ganz wo anders mal ausgeschrieben findet
als dort, wo sie verwendet werden.
Das gilt übrigens auch für die MKxxx.h Files von Freescale. Herrje, was
werden dort für Makro-Affentänze zelebriert und tausende von
Namensdefinitionen kreiert, die man sich nie merken kann und die m.E.
auch völlig überflüssig sind. Hier mal ein Beispiel:
#define ADC_SC2_ACFGT_MASK 0x10u
#define ADC_SC2_ACFGT_SHIFT 4
#define ADC_SC2_ACFE_MASK 0x20u
#define ADC_SC2_ACFE_SHIFT 5
#define ADC_SC2_ADTRG_MASK 0x40u
#define ADC_SC2_ADTRG_SHIFT 6
#define ADC_SC2_ADACT_MASK 0x80u
Wer den ADC einrichten will und sich seinen Treiber dafür baut, muß
sowieso die Nase ins RefMan stecken und da sind solche define's einfach
nur überflüssiger Ballast. Konsequenterweise mache ich mir deshalb meine
*.h zum konkreten µC selber und bringe dort nur das hinein, was im
RefMan definiert ist.
Ich hatte zu allererst mal das Refman der MKL46 gelesen, wegen eines
Eval-Boardes von der letzten Embedded. Die Festlegung der Pinfunktionen
(ALT0..7) ist dort mit jeweils einem Register pro Pin (PORTx_PCRy)
richtig gut gelöst. Dafür ist die Taktversorgung ein Chaos.
Aber das hab ich erstmal beiseite gelegt, um mir die mich eigentlich
interessierende MKE04 und MKE06 Reihe anzusehen.
Bescheuerterweise gibt es dort die PORTx_PCRy Register überhaupt nicht.
Kommentar vom Freescale-Kundendienst: Das geht automatisch, je nachdem
welche Peripherie gerade aktiviert ist. Mit den PINSEL0 und PINSEL1
Registern kann man lediglich Belegungs-Alternativen wählen, aber NICHT
zwischen den ALT0..7. Klasse, jetzt muß man also zum Zurücksetzen des
Chips nach Faults o.ä. alle peripheren Cores abklappern.. Ich hoffen
nur, daß das Takt Ein/Ausschalten gleichbedeutend ist mit dem Aktivieren
des betreffenden Peripherie-Cores. Wenn nicht, geht die Suche nach den
diversen E/A-Schaltern nochmal los.
Es hat auch ne Weile gedauert, bis ich für den Takt den Hinweis gefunden
habe, daß deren FLL sowohl einen festen Multiplikator von 1280 als auch
einen zulässigen Eingangsfrequenzbereich von nur 32..39 kHz hat. Geht
ja, aber man muß es erstmal herauskriegen.
Eigentlich müßte man sich deren RefMan's komplett ausdrucken und dann
von einem Aha-Moment zum anderen mit roter Tinte die gewonnenen
Erkenntnisse als Randbemerkungen eintragen. Aber bei rund 1000 Seiten
tun mir die sibirischen Wälder leid.
Naja, ich ackere mich da durch. Wenn erstmal Pinzuweisungen, Oszillator
und Taktversorgung so stehen wie gewünscht, dann geht's flotter weiter.
Es wäre nicht der erste µC, bei dem ich die Firmware noch vor der ersten
Leiterplatte fertig habe.
Aber eines muß man sagen: Die Dokus von NXP sind deutlich lesbarer und
informativer.
W.S.
W.S. schrieb:> Das gilt übrigens auch für die MKxxx.h Files von Freescale. Herrje, was> werden dort für Makro-Affentänze zelebriert und tausende von> Namensdefinitionen kreiert, die man sich nie merken kann und die m.E.> auch völlig überflüssig sind. Hier mal ein Beispiel:> #define ADC_SC2_ACFGT_MASK 0x10u> #define ADC_SC2_ACFGT_SHIFT 4
Find ich nicht Überflüssig, ganz im Gegenteil, das empfinde ich als
einen wahren Segen und es ist wirklich konsequent umgesetzt. Wie
würdest Du die Bits stattdessen benennen?
Stell Dir vor Du willst das ADCFGT Bit im ADC0->SC2 Register setzen, wie
sollte das denn anders benannt sein? Bei der schieren Anzahl an
Registern und deren Bits braucht man ein striktes und konsequentes
Namensschema und da muss der Name des Registers ein Teil des Namens des
Bits sein.
Das kann auch helfen Fehler zu vermeiden. Es kann sogar helfen nicht so
oft im Handbuch nachschlagen zu müssen: Zum Beispiel weißt Du daß um das
clock gating für Port B einzuschalten muss irgendein Bit in irgendeinem
der SIM->SCGCx Register gesetzt werden (SCGC4 oder 5 oder 6 oder 7) aber
Du hast vergessen in welchem. Du schreibst einfach SIM_SCGC_ und drückst
Shift-Leertaste und dann siehst Du eine Liste aller clock gating bits,
eins davon heißt SIM_SCGC5_PORTB. Jetzt weißt Du daß es ins
SCGC5-Register gehört (und nicht etwa ins SCGC4 oder SCGC6) und wie das
Bit heißt weißt Du auch ohne im Handbuch nachschauen zu müssen.
Kannst Du Dich noch erinnern wie es damals war bei AVR? Da gabs zum
Beispiel für den Timer ein WGM02 bit und ein WGM01 und ein WGM00 aber
für welche Register? Oder gar für welches Gerät? Und zu allem Überdruss
hat man da nur den shift definiert, die Maske hat man sich dann noch
jedesmal selber zusammenstoppeln müssen mit endlosen Orgien von (1 <<
WHATEVER). Kannst Du Dich noch erinnern wie das war?
Es hat schon seinen Charme, nur die Bits zu benennen. Ob man die Maske
daraus mit explizitem 1<< gewinnt, oder per Makro, ist sekundär. Der Weg
jedenfalls ist trivial.
Doof allerdings ist es, in den Includes nur die Maske anzugeben (STM32).
Denn ab und zu braucht man die Bits zur Maske, und der Weg in diese
Richtung ist nicht direkt trivial.
Offizielle Aussage von FSC zu o.g. Thema
"The two companies' portfolios overlap primarily in only one area, RF
power products. In this case, NXP has decided to sell their RF power
portfolio and keep the industry-leading Freescale RF portfolio. All
other product families are expected to complement each other very
nicely. For instance, the Freescale Kinetis MCU combination with NXP's
leadership in connectivity and security is an easy and obvious fit. The
same is true for NXP's FM tuners and Freescale's i.MX and Infotainment
systems. Another is NXP's leadership in secure ID and Freescale's secure
Digital Networking processors. We see these natural junctions in each
product group and we look forward to exploring more with you.
Once the merger is complete, our plan is to keep the NXP Semiconductors
name and operate as one company under the NXP brand. We are committed to
our growth product lines and look forward to becoming the largest
automotive semiconductor company on the planet and the fourth largest
semiconductor supplier in the world. The focus of both companies has
always been high-growth markets and focusing on our customers' needs and
this will not change."
Bernd K. schrieb:> Find ich nicht Überflüssig, ganz im Gegenteil, das empfinde ich als> einen wahren Segen und es ist wirklich konsequent umgesetzt. Wie> würdest Du die Bits stattdessen benennen?
Entweder exakt so, wie sie im RefMan benannt sind oder ersatzeshalber
GARNICHT! Es ist nach meinem Verständnis für die meisten
Peripherie-Cores besser, dafür geeignete Peripherie-Treiber zu schreiben
und selbige ordentlich zu kapseln, als 1000 eigene Namen und nochmal
1000 eigene Masken-Namen zu erfinde, damit jeder in der
Applikations-Ebene seiner Firmware darin herumdaddeln darf.
Sieh dir mal meine CDC-USB-Treiber an. Deren Schnittstelle zur App-Ebene
ist völlig frei von hardwarespezifischen Details - das schafft nebenher
eine gute Portabilität. Für sowas braucht man im "dieser_prozessor.h"
lediglich die Register-Definitionen, aber keinerlei aufgedunsene
Bitgruppen-Pfriemelei.
W.S.
W.S. schrieb:> Entweder exakt so, wie sie im RefMan benannt sind
Sind sie doch! Exakt so wie im Refman!
> oder ersatzeshalber> GARNICHT!
Das geht ja mal gar nicht. Wie sollen die Leute die sich mit dem
Schreiben der Treiber vergnügen die Register benutzen wenn keine Defines
mit vernünftigen Namen für selbige existieren, wie soll der Treibercode
denn aussehen?
Mir ist heute etwas aufgefallen: Für ein neues Produkt bin ich auf der
Suche nach einem Cortex M0 und die von Freescale sind bei Mouser
unheimlich günstig. War das schon immer so? Ich kann das leider nicht
beurteilen, da ich in dem Bereich zu wenig Erfahrung habe. Kla, 8kB
Flash ist sehr wenig aber für 68 Cent das Stück (Stückpreis)?
Hier die Herstellernummer: MKL03Z8VFG4