Hallo,
Welche Elektronik wird eigentlich in Flugzeugen verwendet?
Handelt es sich dabei um spezielle Chips (asics ?)?
Oder kommen auch handelsübliche Chips zum Einsatz?
Man könnte doch z.B. eine Quadcoptersteuerung auf einen uC basieren
welcher auch in Flugzeuge verwendung findet. Somit hätte man schon einen
großen Gewinn an funktionaler Sicherheit.
Oder ist solche Elektronik nicht erwerblich als Privatmensch?
mfg
Die Elektronik is speziell veraltet. Denn der lange und teure
Zertifizierungsprozess verhindert Innovation. Der Flugfunk zwischen den
fliegern und dem Tower ist AM moduliert, in einer grauenhaften
Qualitaet.
Wenn du mal eine Buechse zertifizieren konntest, wirst du sie die
naechsten 20 Jahre produzieren wollen.
Abgesehen davon sind groessere Strukturbreiten weniger empfindlich fuer
Strahlung.
Vereinfacht : Du wuerdest die Elektronik nicht wollen.
> Man könnte doch z.B. eine Quadcoptersteuerung auf einen uC basieren> welcher auch in Flugzeuge verwendung findet. Somit hätte man schon einen> großen Gewinn an funktionaler Sicherheit.
Wird dann aber ein großer Quadcopter. Airbus verwendet m.W. in der
Flugsteuerung 3 verschiedene Systeme verschiedener Hersteller aus der
dann per Mehrheitsentscheid gesteuert wird.
rotax schrieb:> Welche Elektronik wird eigentlich in Flugzeugen verwendet?
Kommt drauf an, wie kritisch das System ist. Für z.B. Engine-Controller
muß man sich Gedanken machen, ob etwa durch Höhenstrahlung Bitkipper im
Speicher vorkommen könnten, das muß abgefangen werden.
Für weniger kritische Sachen findet man alles Mögliche wie etwa 8051,
ARM7TDMI oder auch Cortex-M.
> Handelt es sich dabei um spezielle Chips (asics ?)?> Oder kommen auch handelsübliche Chips zum Einsatz?
Der Vorteil von handelsüblichen, gut abgehangenen Chips ist der, daß die
Errata bekannt sind.
> Man könnte doch z.B. eine Quadcoptersteuerung auf einen uC basieren> welcher auch in Flugzeuge verwendung findet. Somit hätte man schon einen> großen Gewinn an funktionaler Sicherheit.
Das Problem ist nicht so sehr der Controller, sondern daß die Software
nach entsprechenden Standards entwickelt, reviewed und getestet werden
muß. DEN Aufwand macht keiner für eine Spielzeugdrohne, weil das viel zu
teuer wäre. Ach ja, und die Hardware muß natürlich auch ernsthafte
EMI-Tests bestehen, was privat niemand bezahlen würde.
In Opensource-Projekten wird das erst recht nicht gemacht, weil
OSS-Projekte normalerweise ohnehin schlecht dokumentiert sind. Doku
schreiben macht halt keinen Spaß, anders als hacken, weswegen Leute eben
unbezahlt in ihrer Freizeit keine Doku schreiben.
Hallo Rotax!
Treffender Name!!! :-)
Kommt wohl drauf an, von welchen Flugzeugen Du redest.
In kleinen Sportmaschinen, ULs, Segelflieger, Motorsegler etc. ist ganz
normale, konventionelle Elektronik im Einsatz.
Wie es im Bereich der großen kommerziellen Luftfahrt ausschaut, da muss
ich passen. Ich weiß nur, dass wichtige Systeme (Stromversorgung,
Datenbusse etc.) redundant aufgebaut sind. OB diese Elektronik jedoch
eine spezielle für Avionik ist bzw eine 100%ige Baumusterprüfung haben,
entzieht sich meiner Kenntnis.
Fliegergruß
Nighty
rotax schrieb:> Handelt es sich dabei um spezielle Chips (asics ?)?
Vermutlich teils-teils.
> Oder kommen auch handelsübliche Chips zum Einsatz?
Natürlich. Die Frage ist nur wo: Im Entertainmentsystem wirst du so
ziemlich die gleiche Hardware haben wie auch zuhause. Ist nicht so
sicherheitskritisch.
In der Steuerung etc. gelten dann aber schon wieder andere Regeln!
Zumindest in der Raumfahrt weiß ich, dass ASICs oftmals zum Einsatz
kommen. Die sonstigen ICs sind auch noch extra geprüft und erfüllen
höhere Qualitätsanforderungen. Je nach Bedarf sind sie auch in anderen
Gehäusen, die du als "Normalbastler" vermutlich noch nie gesehen hast.
Bereits auch im Automobilbereich werden ICs bei der Fertigung viel
ausführlicher und länger getestet als beispielsweise der Atmega8, den du
beim Reichelt kaufen kannst ;-)
> Man könnte doch z.B. eine Quadcoptersteuerung auf einen uC basieren> welcher auch in Flugzeuge verwendung findet. Somit hätte man schon einen> großen Gewinn an funktionaler Sicherheit.
Jein. Theoretisch natürlich schon. Allerdings vergisst du hier
vollkommen die Software, die dann auch nach hohen Standards geschrieben
sein muss.
Also nicht nur Implementieren, sondern zuvor erst mal Software Design
planen, danach dann auch Testen, Testen, Testen und Dokumentieren. Das
Implementieren an sich nimmt nur einen sehr kleinen Teil des ganzen
Entwicklungsprozesses ein.
>> Oder ist solche Elektronik nicht erwerblich als Privatmensch?
Da gibts zwei Probleme:
1. Exportbeschränkungen. (Stichwort ITAR). An US ICs kommst du eventuell
schlecht als Privatperson heran.
2. Kosten. Zumindest die Raumfahrt-ICs sind Größenordnungen(!) teurer
als die normalen. Rechne mal mit ein paar hundert Euro für einen OpAmp.
Luftfahrt sollte da wohl auch in der Gegend unterwegs sein preislich (da
hier mehr Risiko besteht, da nicht nur Elektronik sondern auch Menschen
transportiert werden)
rotax schrieb:> Somit hätte man schon einen> großen Gewinn an funktionaler Sicherheit.
Richtig. Damit kann der Quadcopter nicht mehr abheben und bleibt sicher
am Boden.
Stell Dich auf Backblech-große Boards mit M68030-Systemen ein.
Mindestens 3 Stück.
Die notwendige Stromversorgung führt zu weiterer Freude.
Gruß
Jobst
rotax schrieb:> Man könnte doch z.B. eine Quadcoptersteuerung auf einen uC basieren> welcher auch in Flugzeuge verwendung findet. Somit hätte man schon einen> großen Gewinn an funktionaler Sicherheit.
Weißt du was funktionale Sicherheit bedeutet?
Ist es nicht vielleicht so, dass das eigentliche Know-How doch eher in
der Software liegt und nicht in einem µC, der einen Temperaturbereich
von -50° bis 200° abdeckt, besonders robust gegen Höhenstrahlung ist und
für den entsprechende Rahmenbedingungen vom Hersteller garantiert werden
(z.B. Life Time)?
Da kommen heute zum teil noch 80286-80486 zu einsatz. Manche sachen
werden in Logick erschalgen und vieles ist redundant ausgeführt.
Bei den kleinen µCs in den Quadrocoptern würde schon ein Watchdog eine
verbesserung sein.
Nop schrieb:> Kommt drauf an, wie kritisch das System ist. Für z.B. Engine-Controller> muß man sich Gedanken machen, ob etwa durch Höhenstrahlung Bitkipper im> Speicher vorkommen könnten, das muß abgefangen werden.
Spricht etwas dagegen, die Elektronik einfach mit entsprechenden
Metallgehäusen abzuschirmen? Okay, das zusätzliche Gewicht vielleicht.
Hallo nop.
Nop schrieb:> Das Problem ist nicht so sehr der Controller, sondern daß die Software> nach entsprechenden Standards entwickelt, reviewed und getestet werden> muß.
Trozdem geht immer noch gelegentlich was schief:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ariane_V88https://de.wikipedia.org/wiki/Mars_Climate_Orbiter
Ein interessanter Fall in der terrestischen Luftfahrt könnte auch dieser
sein: http://www.havkom.se/assets/reports/SRL-2016_01e.pdf Allerdings
wird ein endgültiges Ergebnis erst nächsten Monat erwartet.
Zusätzlich sollten mehrere paralelle Systeme verwendet werden, deren
Software nicht identisch ist, und am besten noch unterschiedliche
Hardware mit unterschiedlicher Architektur. Damit der gleiche Bug nicht
gleichzeitig in allen Systemen auftreten kann.
> In Opensource-Projekten wird das erst recht nicht gemacht, weil> OSS-Projekte normalerweise ohnehin schlecht dokumentiert sind. Doku> schreiben macht halt keinen Spaß, anders als hacken, weswegen Leute eben> unbezahlt in ihrer Freizeit keine Doku schreiben.
Das ist ein Gerücht. Ich denke, das Open Source in punkto Doku über
alles gemittelt genauso gut oder schlecht ist wie kommerzielle Software.
Lediglich die Schwerpunkte werden bei kommerzielle Software etwas
verschoben. Schliesslich muss ja der Chef überzeugt werden, der den Kram
kauft und nicht der Anwender der damit arbeiten muss. ;O)
Ein Gegenbeispiel zu Deiner These wäre die Wikipedia. Die ist
genaugenommen nur Doku. Eine Enzyklopäedie ist selber von der Idee her
ein kommentierter Katalog über die Dokumentation von vielen
verschiedenen Dingen, und die Wikipedia wird von vielen Freiwilligen
ohne Entgelt geschrieben.
Abgesehen davon bedeutet Open Source keinen unbedingten Widerspruch zu
Kommerzialität. Open Source bedeutet zuerst einmal, dass der Quellcode
offengelegt ist, so dass er von jedem kontrolliert und bewertet werden
kann.
Schau Dir doch als Beispiel einmal QNX an:
https://de.wikipedia.org/wiki/QNX
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
Hallo Jobst.
Jobst M. schrieb:>> mit entsprechenden Metallgehäusen>> Also Blei.
Ich habe mal vor über 25 Jahren sowas in der Hand gehabt, und da war auf
jedem IC ein Stück Blech aufgeklebt. Wegen der bunten Anlauffarben
vermute ich mal Titan.
Genaueres wollte oder konnte mir damals keiner sagen.
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
rotax schrieb:> Oder ist solche Elektronik nicht erwerblich als Privatmensch?
Wofür?
Um Flugzeuge zu konstruieren?
Für Privatmenschanwendungen sind die Anforderungen für den zivilen
Luftverkehr überflüssig.
Bei Quadcoptern liegt das Problem nicht an der Elektronik, sondern an
dem, der das Ding steuert.
> Welche Elektronik wird eigentlich in Flugzeugen verwendet?
Kochen alle nur mit Wasser und man nimmt an Bauteilen was eben
langzeitverfügbar ist.
Die Auslegung ist nicht am Rand der Tasse sondern kann mit einem weiten
Temperaturbereich und harschen Umgebungsbedingungen umgehen.
Flugkritsche Systeme sind redundant aufgebaut und wie bereits erwähnt
wurde, verhindert das komplexe und exorbitant teure Zulassungsprocedere
eine schnelle Produktevolution.
Ein Quadcopter ist aufgrund seiner Konzeption sowas von nicht redundant
das es schlichtweg nichts bringt ordentlich Zusatzmasse an hochgradig
reduntanten Systemen mitzuschleppen wenn dann der Ausfall eines von 4
Antrieben ausreicht um das Teil binnen Sekunden in den Boden zu bohren.
Michael K. schrieb:> Ein Quadcopter ist aufgrund seiner Konzeption sowas von nicht redundant> das es schlichtweg nichts bringt ordentlich Zusatzmasse an hochgradig> reduntanten Systemen mitzuschleppen wenn dann der Ausfall eines von 4> Antrieben ausreicht um das Teil binnen Sekunden in den Boden zu bohren.
Deswegen gibt es ja auch z.B. Octocopter :-)
A. K. schrieb:> Anja zoe C. schrieb:>> Deswegen gibt es ja auch z.B. Octocopter :-)>> Gibts die auch mit redundanter Elektronik?
Zumindest bei den Empfängern ist es üblich, Redundanz einzubauen (also
zwei Empfänger, doppelte Stromversorgung etc). Wie es mit der Steuerung
(Kreisel, GPS etc) aussieht weiß ich allerdings nicht. Zumindest der
Ausfall eines Motors ware bei einem octo abgesichert.