Viessmann Trimatik Reparatur

OP #7809528
Lesenswert?

Hallo,

da es aktuell kalt ist, muss natürlich die Heizung spinnen... Problem ist behoben, siehe Punkt 3. :)

Heizungssteuerung: Vissmann Trimatik 7410 160 (für die Suche 7410160, Trimatik MC, BWA, 7410 068, 7410068, vermutlich auch weitere)

Fehlerbild: Heizungspumpen werden nicht angesteuert, Heizkessel und Brauchwasserkessel warm (85°C). Obwohl der Temperatur des Brauchwasserspeichers weit über Sollwert (60°C) ist, ist laut Steuerung die Brauchwasseranforderung aktiv (zu erkennen an roter LED "BWA"). Die Ladepumpe fürs Brauchwasser läuft gefühlt durchgehend. Kessel ist zwischen 75°C und 85°C.

Da die Brauchwasseranforderung aktiv ist, werden die Heizungspumpen abgeschaltet, das erklärt das frostige Klima im Haus. (Das ist die Standardkonfiguration per DIP Schalter, kann auch parallel betrieben werden).

  1. Kontrolle der Fühler: Außenfühler und Brauchwasserfühler kontrolliert (beides Ni500): Außenfühler defekt, Brauchwasserfühler in Ordnung.

Ok, macht jedoch fürs Grundproblem keinen Sinn, da der Außentemperaturfühler nur die Heizkesseltemperatur vorgibt und die Brauchwassertemperatur an der Steuerung (unabhängig von der Außentemperatur) gesetzt wird. Daher hätte beim Ni500 ein kurzgeschlossener Sensor eine zu tiefe Temperatur vorgegaukelt und damit die BWA ausgelöst. Außentemperaturfühler wurde durch eine 510 Ohm Widerstand (entspricht etwa 4°C) ersetzt, was natürlich keine Verbesserung (aber eine Ausgangsbasis für die weiteren Arbeiten) brachte. Mit der Außentemperatur von 4°C und der eingestellten Heizkurve sollte die Heizkesseltemperatur max. 50°C betragen. Es stellte sich heraus, dass die hohe Kesseltemperatur auch nur durch den Temperaturwächter (TW) begrenzt wird. Die Kesseltemperatur wird also neuerdings komplett vom TW geregelt. Oo

  1. Vermutung: Relais zur Regelung klebt, daher regelt jetzt der TW Macht im Nachhinein eigentlich keinen Sinn, da BWA leuchtet, aber messen schadet ja nie. So eine Fehlersuche ist ja auch immer ein iterativer Prozess. :P

Ergebnis: Relais klebt nicht, wird angesteuert und ist bei abgeschalteter Heizung auch geöffnet. Die Messung brachte mich aber auf den richtigen Weg.

  1. Spannungsversorgung der Regelung

Beim Messen der Versorgungsspannung des Relais hatte ich jedoch gesehen, dass das Relais mit 18 V Gleichspannung versorgt wird, was mit dann etwas seltsam erschien, da 24 V= Relais. Die 18V= waren mit 8V~ Wechselspannung überlagert. Verbaut ist ein 1000µF Elko, welcher wohl einfach das Zeitliche gesegnet hat. In Ermangelung eines passenden Elkos in der Größe und Spannungsfestigkeit (man muss auch die Steuerung recht weit zum Auslöten des Alten zerpflücken) habe ich von hinten 220µF zur Unterstützung angelötet. Der originale Elko hat 1000µF und vermutlich ein RM von 7,5 mm.

Beim Suchen nach einer nicht funktionierenden Heizung auf die "kombinierte Nebenluftklappe" (falls verbaut) schauen, diese wird durch die Brenneranforderung erst geöffnet und gibt dann die Freigabe durch einen Endlagenschalter "Klappe offen". Diese musste ich auch schon ersetzen.

Sorry für viel Text, eventuell hilft es ja jemanden, der Sonntags auch im kalten Haus aufwacht. )=

Hat denn jemand einen Schaltplan der Viessmann Steuerungen? Also einen Richtigen, nicht den Anschlussschaltplan.

PS: Da Ni500 Sensoren wohl eine Sonderlocke sind/schon immer waren?, habe ich hier einfach einen Pt500 mitbestellt. Die Abweichungen sind bei niedrigen Temperaturen (wo ich ja die Heizung benötige) vernachlässigbar, bei hohen Temperaturen kann man sich streiten. Eventuell gibt es ja später noch einen Ni500.

1
T[°C]  | R(Ni500)[Ohm] | R(Pt500)[Ohm] | T(Ni500(R(Pt500)))[°C]
2
-20    | 447           | 461           | -19,8
3
+30    | 586           | 558           | 21

Grüße

#7809533
Lesenswert?

Wenn die Heizung überhaupt läuft ist es nicht die Klappe. Falls es die Klappe ist, einfach aus dem System abstecken. Die steckt dazwischen (einmal Stecker, einmal Buchse) kann man also bei ausstrecken und die verbleibenden Kupplungen zusammenstecken (Als Notbetrieb).

Hast du gemessen, das die Pumpe nicht angesteuert wird, oder ist die Pumpe evtl. defekt? Falls nicht defekt kannst du die auch an eine Zeitschaltuhr hängen (als Übergangslösung) um das Haus warm zubekommen.

OP #7809552
Lesenswert?

H. H. schrieb:

Bei dem Alter ist ein ausgetrockneter Elko ja nicht ungewöhnlich.

Klar, aber ehrlich gesagt kam ich auf diese naheliegende Idee nicht direkt.

Scyte R. schrieb:

Wenn die Heizung überhaupt läuft ist es nicht die Klappe. Falls es die Klappe ist, einfach aus dem System abstecken. Die steckt dazwischen (einmal Stecker, einmal Buchse) kann man also bei ausstrecken und die verbleibenden Kupplungen zusammenstecken (Als Notbetrieb).

Hast du gemessen, das die Pumpe nicht angesteuert wird, oder ist die Pumpe evtl. defekt? Falls nicht defekt kannst du die auch an eine Zeitschaltuhr hängen (als Übergangslösung) um das Haus warm zubekommen.

Der Hinweis mit der Klappe war eher, falls jemand den Thread liest und sich gar nichts tut, auch nicht mit Schornsteinfegerschalter/-Stift. Es sind zwei Heizungspumpen verbaut, beide tot und eine nur 1,5 Jahre alt. Daher war das sehr unwahrscheinlich. Durch die BWA hatte ich ja auch gar nicht erwartet, dass die an sind. Funktionieren jetzt aber natürlich wieder wie gewohnt.

J. S. schrieb:

Ich habe mehrere Viessmann Novamatik Mischersteuerungen, da waren auch diese Elkos drin und die waren ebenfalls ausgetrocknet. Dadurch zitterte der Motor für den Ventilantrieb nur noch, nach Austausch ok. Und da sind auch die Ni500 PTC verbaut.

Gut zu Wissen, habe ich jedoch nicht verbaut. Wenn man das so liest, dann könnte man ja empfehlen, die Spannungsversorgung über den Sommer zu kontrollieren und zumindest den Elko zu bestellen.^^

Grüße

#7809717
Lesenswert?

Ich hab dasselbe in Grün mit Buderus durch. Deren Ecomatic dürfte vom Baujahr der Trimatik entsprechen. Da hatte ich mal eine knusprige mit schnarrenden Relais zu "betreuen". Da das Gehäuse beim Ausbau der Karten zerbröselte, habe ich sie kurzerhand mit einer 10, 15 Jahre jüngeren Logamatic ausgetauscht. Also die ganze Kesselsteuerung.

Hat mechanisch wunderbar gepaßt, vor allem die sicherheitsrelevanten Elemente STB und der mechanische Thermostat. Den ganzen Elektronik-Zinnober, den die Hersteller im Lauf der Jahrzehnte drumherumgebaut haben, kann man auch durch einen Arduino oder ChatGPT oder eine alte Waschmaschinensteuerung mit Nockenschaltwerk ersetzen. Weil der Brenner ist entweder an oder aus (wenn man von im Privathaus wohl nicht vorkommenden Varianten wie zweistufiger oder gar modulierender Brenner absieht). Da ändert auch eine KI mit 4GHz-12Kern-CPU und 64GB RAM nichts dran.

Ni500-Fühler hatte ich mal aus solchen Anlagen aufgehoben. Wurden als Ebay noch funktionierte auch gerne gebraucht gekauft, besonders an Wochenenden im Dezember oder Januar. :) Aber ich weiß, daß ich meinen exotischen Fühlervorrat entsorgt habe. Es gibt aber mittlerweile Versender, Sensorshop oder ähnliche Namensgebung, wo man fast alles fertig in einer Hülse gepreßt mit Kabel dran bekommt. Ni 500 mit Gardena-Stecker. :)

TLDR:

Solche Steuerungen sind nach 20, 30 Jahren auf einem heißen Kessel einfach fertig. Elkos trocken, Relais abgebrannt, der Analogteil mit Kondenswasserkorrosion verstimmt, die Pufferbatterien an Schaltuhr und/oder CPU ausgelaufen, das LCD mit Segmentausfall.

Also lieber gleich auf eine guterhaltene Jüngere setzen statt noch an der Alten rumzuschrauben. ;)

#7809720
Lesenswert?

ich habe meine Trimatik vor 6 Jahren durch eine Vitotronic 200 ersetzt, Vorteil, sie fährt die Kesseltemperatur (BJ86!!) bei Nichtgebrauch herunter, spart enorm Öl. Die Trimatik zickte immer wieder hier und da und dort herum. Es ist zugegeben eine OP am offenen Herz den man nur im Sommer wagen sollte. Am besten ein "Bundel" mit allen Kabeln und T-Sensoren im Ebay schießen, den "Kesselkennlinienstecker" nach Anleitung austauschen/ anpassen, fertig. Seit dem Umbau NULL Problemo.

Meine Versuche vorher: Alles pauschal nachlöten und da war noch ein ausgenudeltes Relais für den Brennermotor und glaub ich die Einspritzdüsenheizung, dann war längere Zeit Ruhe bis die Schaltuhr dann starb.

#7809786
Lesenswert?

Wollvieh W. schrieb:

Also lieber gleich auf eine guterhaltene Jüngere setzen statt noch an der Alten rumzuschrauben. ;)

Elkos altern auch, wenn sie in der Schublade liegen. Bei meiner Trimatik hatte ich immer mal was ersetzen müssen. Auch im Gasfeuerungsautomaten (Robertshaw) muß man im Laufe der Jahrzehnte die 1 µF Elkos erneuern und die Relais' nachlöten. Das gehört dazu ;-)

#7810031
Lesenswert?

Christian M. schrieb:

Meine Versuche vorher: Alles pauschal nachlöten und da war noch ein ausgenudeltes Relais für den Brennermotor und glaub ich die Einspritzdüsenheizung, dann war längere Zeit Ruhe bis die Schaltuhr dann starb.

Es gab mal eine Machart von Zeitschaltuhr, die lange Zeit bei Ebay dreistellige Preise erzielte, auch in gebraucht und 30 Jahre alt. Weil die offenbar reihenweise kaputtging, ich nehme an, der Pufferakku und eventuell der Schaltkontakt. Und bevor man den Monteur kommen läßt, der schon für den Begrüßungshandschlag 150 Euro nimmt, versucht man es halt mal so. :)

Ich habe keinen Überblick über die ganzen Namen der Steuerungen und ihre Baujahre. Aber grundsätzlich war bis Ende der 80er noch "Mäusekino" angesagt: Jeder Heizkreis hatte seine eigene Karte mit einem halben Dutzend Schalter und Drehreglern, oft mit eigener Spannungsversorgung und einigen Relais. Dazu dann eine mechanische Hauptschaltuhr, und auch eine analoge oder gerade schon digitale "Zentrale", in der man mit Trimmern eine Heizkennlinie verschieben und verbiegen konnte.

Sowas würde ich heute auf jeden Fall raushauen, einfach weil unwartbar. Man hat z.B. keinen Überblick, ob und wie die Funktionen überhaupt laufen. Wenn ein Sensor sich alterungsbedingt um ein paar Grad verschoben hat, oder ein Relais zwar mechanisch schaltet, aber keinen zuverlässigen Kontakt gibt, kann man das nur mit hohem Aufwand herausfinden.

Ab den 90ern kamen dann LCD-Anzeigen mit Klartext und Drehrad raus. Die halte ich bis auf Details für ausentwickelt. Da kann man auch 40 Jahre später noch Relais tauschen sowie Versorgungsspannungen messen und mit frischen Elkos wieder stabilisieren. Man sieht relativ schnell, wenn ein Sensor spinnt. Oft gibt es Testfunktionen, so daß man die Relais einschalten und die Kontaktwiderstände durchmessen kann, ohne auf der Platine rumstochern oder gar -löten zu müssen.

So vor 10, 15 Jahren kam dann das Internet dazu. Heute kann jedes Kind über das Netz eine Heizungsanlage steuern. Auch wenn es gar nicht seine eigene ist. :) Weil die Hersteller zwar Blingbling, aber keine Sicherheit eingebaut haben. Diese Generation würde ich dann schon eher wieder meiden.

Zu den älteren Steuerungen gibt es meistens gute Montage- und Einstellanleitungen im Netz. Echte Schaltpläne der Innereien habe ich dagegen noch nie gesehen. Braucht man aber auch nur in seltenen Fällen. Wie neulich, als hier jemand eine Anlage hatte, bei der zwei Temperaturkanäle unterschiedliche Werte ergaben. Letztlich war ein passives Bauteil kaputt, was man ohne Schaltplan mit teils unbeschrifteten Kondensatoren und Widerständen etwas schwieriger herausfindet.

#7810301
Lesenswert?

Wollvieh W. schrieb:

Es gab mal eine Machart von Zeitschaltuhr, die lange Zeit bei Ebay dreistellige Preise erzielte, auch in gebraucht und 30 Jahre alt. Weil die offenbar reihenweise kaputtging, ich nehme an, der Pufferakku und eventuell der Schaltkontakt.

Dachte ich von meiner Uhr auch und habe mir eine "neue" Gebrauchte geholt welche zunächst dieselben Symptome zeigte. Es war aber so, dass man nach längerer Stromlosigkeit lediglich eine oder mehrere Tasten lange drücken musste um die Uhr wieder zur Mitarbeit zu bewegen.

Wegen dem 1000µF Elko, ja der war bei meiner Trimatik auch tot.

#7810485
Lesenswert?

B. schrieb:

Wäre es nicht guter Zeitpunkt die (dumme) Trimatic zu entfernen und eine schlauere Regelung (Bild) einzubauen?

Nein, der Zeitpunkt dafür ist vorbei. Wenn der Brenner sich irreparabel verabschiedet, war der ganze Aufwand für die Katz.

Ich denke, Du bist nicht der Entwickler; das Display ist nämlich potthässlich.

#7810509
Lesenswert?

Mit der Vitotronic gibt es ja eine modernere Steuerung von Viessman, bei unserem Kessel wurde das auch vor vielen Jahren umgebaut. Der Kessel ist aber inzwischen auch schon lange raus, die alten Raketenöfen sind einfach zu unwirtschaftlich. Nur die Mischer dürfen noch weiter werkeln.

#7810747
Lesenswert?

B. schrieb:

Wäre es nicht guter Zeitpunkt die (dumme) Trimatic zu entfernen und eine schlauere Regelung (Bild) einzubauen?

Faszinierende 14/16-Segment-Anzeige. Daß auch die Außensegmente "angespitzt" sind, läßt mich an Nosferatu seine Zähne und Fingernägel denken, wenn ich auch nicht so weit

Mi N. schrieb:

das Display ist nämlich potthässlich.

gehen würde. :)

Was man als Privatmann mit kleinem (Heiz-)Rohr nicht so auf dem Schirm hat: Eigentlich sind Kesselsteuerung und Heizungssteuerung zwei verschiedene Paar Stiefel. Nur sind sie in den Einfamilienhauskesseln meist zusammengefaßt und obendrauf genagelt.

Die Kesselsteuerung ist sicherheitsrelevant, weil sie den STB und (meist) den mechanischen Thermostat für die Kesseltemperatur enthält und auf den Kessel abgestimmt sein muß.

Die Heizungssteuerung danach kann eigentlich nix kaputtmachen und könnte tatsächlich durch beliebiges Privatgebastel ersetzt werden (von Vorschriften rede ich dabei nicht.)

In der Industrie ist es Standard, daß an den Kesseln nur ihre rudimentäre Steuerung dran ist. Der Rest ist dann abgesetzt im nächsten Schaltschrank, manchmal noch mit klassischen Bedienelementen als Notebene, meist aber eh ferngesteuert von der Leitwarte.

Hätte ich mit dem Luxus eines großen Hauses zu kämpfen, würde ich die Steuerung vom Kessel absetzen. Bzw. ein Modell wählen, das eine Fernsteuerung über Bedienteile in den Wohnräumen erlaubt.

Da kann man dann auch unabhängig vom Kesselhersteller ein Modell aussuchen, das einem zusagt. Und z.B. keine bizarren Nickel-Cadmium-4711-Sensoren braucht. :)

Mi N. schrieb:

B. schrieb:

Wäre es nicht guter Zeitpunkt die (dumme) Trimatic zu entfernen und eine schlauere Regelung (Bild) einzubauen?

Nein, der Zeitpunkt dafür ist vorbei. Wenn der Brenner sich irreparabel verabschiedet, war der ganze Aufwand für die Katz.

Ich denke in der gegenwärtigen Situation bekommt man beliebige gebrauchte Brenner zur Selbstabholung zum Benzinpreis für die Anfahrt. :) Also egal wie kaputt er geht, holt man einen baugleichen funktionierenden.

#7979020
Lesenswert?

Hallo zusammen, ich bin auf diesen Thread gestossen weil ich ebenfalls meine Trimatik repariert habe. Es handelt sich allerdings um eine Trimatik-MC 7450260. Vielleicht helfen die Daten aber trotzdem irgendjemandem weiter. Als Referenz ist im Anhang ein Foto der Regelung. Im Laufe meiner Basteleien habe ich mir einen Stromlaufplan erstellt, den habe ich auch mal angehängt. Dazu habe ich jede Menge Details zu den verfügbaren Schnittstellen, damit habe ich mir einen einfachen HTML-Monitor gebastelt.

Gibt es hier noch andere die in die gleiche Richtung basteln?

Angehängte Dateien:
#7979097
Lesenswert?

Habe ein Olypus Kessel, die Sicherheitskomponeten belassen und die Steuerung mit einer UVR16x2 gemacht. https://www.ta.co.at/x2-frei-programmierbare-regler Technisch gesehen gibt es bein originalen Regler auch nur einen Relaiskontakt, der den Brenner einschaltet. Wir haben sie selber programmiert und mit Home Assistant verbunden. Wenn man sich eingearbeitet hat, ist das eine universelle, ausbaufähige und mächtige Steuerung. TA programmiert auf Wunsch auch solche Steuerungen. Editz: Auch die Mischerbaugruppen werden vom UVR gesteuert.

: Bearbeitet durch User
#7979150
Lesenswert?

Ein sehr guter und schöner Ansatz. Einziger (sehr) kleiner Nachteil ist die fehlende Unterstützung für die originalen Viessmann Sensoren. Für Vorlauf und Aussen setzt Viessmann sehr spezielle Ni500 Sensoren ein ("NL", 5000ppm/K). Die sind aber glücklicherweise leicht zu erreichen und auszutauschen. Warmwasser und Kessel (PT500) werden direkt unterstützt. Also, das Teil wäre eine gute Wahl. Danke für den Tipp.

Aber das ist nicht mein Weg. Ich möchte ganz bewusst die Trimatik beibehalten und nur ein wenig aufpeppen und über den Zustand informiert sein. Und die Bus-Signale zu dekodieren betrachte ich dabei als Challenge :)

Und ich wollte Hilfestellungen anbieten für die akut Hilfesuchenden und auch die "hopeless romatics" die ihre alte Anlage am Leben halten wollen.

#7979784
Lesenswert?

Noch ein Wort zu den Sensoren in den alten Trimatik-MC Steuerungen. Viessmann hat damals 2 unterschiedliche PTC-Typen eingesetzt:

  • Platin (Pt500), für Warmwasserspeicher- und Kesseltemperatur
  • Nickel (Ni500), für Vorlauf- und Aussentemperatur

Der Pt500 ist ein ganz normaler Platin-Sensor ohne Überraschungen.

Beim Ni500 (Nickel) sieht es ganz anders aus. Der hat eine spezielle Kennlinie mit 5000ppm/K. Diese Sorte ist kaum zu bekommen. Es wird noch kurioser. Im Gehäuse des Aussensensors sitzen zusätzliche Festwiderstände zur Anpassung der Kennlinie. Meine Vermutung ist dass Viessmann sich irgendwann mal auf die 5000ppm festgelegt hat und die Software in der Regelbox fest darauf ausgelegt wurde. Kurz danach musste auf einen anderen Ni500-Typ gewechselt werden..

Die alte Steuerung funktioniert übrigens auch heute noch sehr gut, wenn sie intakt ist und richtig eingestellt. Eine neue kann auch keine erhebliche Menge Energie sparen weil der Wäremebedarf des Hauses gleich bleibt. Oder?

Um die Elektronik laufsicher zu machen (bzw zu reparieren) haben sich bei mir die folgenden Stellen herausgestellt:

  • Der 1000uF Elko im Netzteil trocknet aus. Austauschen. Er hat seine Lebensdauer in allen heutigen Anlagen bereits seit Jahrzehnten überschritten.
  • Die Relaiskontakte sind abgenutzt. Austauschen.
  • Die Drehschalter in der Frontplatte enthalten Silber, oxidieren und machen keinen Kontakt mehr. Da hilft nur Aufmachen und reinigen. Alle Exemplare auf dem Markt sind uralt und haben das gleiche Problem.
  • Der Schornsteinfegerschalter versagt gerne mal. Austauschen. Der sitzt in der Versorgungsleitung der Spulen der Relais und mag das wohl nicht wirklich..

Der Feuerungsautomat (bei Gas) ist so ein Kapitel für sich.. Aber da befindet man sich sofort im sicherheitsrelevanen "Gas-Bereich" und sollte einen Fachmann rufen.

Einen Fachmann zu rufen, und zu hoffen das er die o.g. Details der Steuerung kennt, ist übrigens illusorisch. Und niemand gibt danach auf sowas wiederbelebtes, gebasteltes irgendeine Gewährleistung.

Angehängte Dateien:
#7979795
Lesenswert?

Christian schrieb:

Der Feuerungsautomat (bei Gas) ist so ein Kapitel für sich.. Aber da befindet man sich sofort im sicherheitsrelevanen "Gas-Bereich" und sollte einen Fachmann rufen.

Hier bin ich ;-) In dem Teil mußte ich (bei mir Robertshaw) wie schon erwähnt die 1 µF / 50 V / 105 °C Kondensatoren erneuern. Über diese (+ Schalttransistoren) wird 50 Hz Wechselspannung zum Schalten der Relais' geleitet. Geschaltet werden zwei Relais' in Reihe - eins als Schliesser und eins als Öffner. Bei allen Relais' mußte ich die Löstellen auf der Leiterplatte nachlöten. Für das Timing werden uralte CMOS ICs (CD4xxx) verwendet - alles keine Raketentechnik, die wir nicht neu entwickeln sondern nur reparieren müssen. Wenn am Sonnabend im kalten Winter die Heizung nicht startet, muß man Sachen machen, die ein Mann eben machen muß ;-)

Danke für Deine Ausführungen zum PTC. Die exakte Temperaturmessung finde ich nicht so entscheidend, da man die Kennlinien sowieso individuell einstellen muß.

#7979824
Lesenswert?

Oh, sehr schön jemanden vom Fach dabei zu haben :)

Mit der Kennlinie hast du recht, aus der Perspektive habe ich das noch nie betrachtet..

In meiner Anlage ist ein LGA52.171B27 als Feuerungsautomat verbaut. Da drin möchte (selbst) ich nicht herumbasteln. Den gibt es nur noch sehr selten und dann nur zu Mond-Preisen zu kaufen. Gibt es dafür einen modernen Ersatz? Oder bespricht man sowas besser nicht öffentlich?

#7979871
Lesenswert?

Christian schrieb:

Gibt es dafür einen modernen Ersatz? Oder bespricht man sowas besser nicht öffentlich?

Also ich habe schon erlebt, dass solche Themen, da von einigen Überempfindlichen als sicherheitsrelevant eingestuft, einfach zugemacht werden "um Gebastel" zu vermeiden. Ähnlich wie bei manchen Fahrzeugthemen. Selbst wenn es am Ende nur auf Nachlöten hinauslaufen würde.

Christian schrieb:

Meine Vermutung ist dass Viessmann sich irgendwann mal auf die 5000ppm festgelegt hat und die Software in der Regelbox fest darauf ausgelegt wurde. Kurz danach musste auf einen anderen Ni500-Typ gewechselt werden..

Das würde mir erklären warum ich, seit Tausch der Reglerbox, das Gefühl habe, dass sich meine Heizung etwas anders verhält... Die neue gebrauchte Box hatte, bei gleichem Erscheinungsbild und Schalterkonfiguration, eine geringfügig andere Herstellerbezeichnung und funktioniert auch gleich.

#7979897
Lesenswert?

Christian schrieb:

In meiner Anlage ist ein LGA52.171B27 als Feuerungsautomat verbaut. Da drin möchte (selbst) ich nicht herumbasteln. Den gibt es nur noch sehr selten und dann nur zu Mond-Preisen zu kaufen. Gibt es dafür einen modernen Ersatz? Oder bespricht man sowas besser nicht öffentlich?

Lass Dir doch von Bettnässern nicht den Mund verbieten! Für Warmduscher gibt es nicht viele Möglichkeiten, wobei der Nachkauf von alten Geräten auch keine dauerhafte Lösung sein wird, egal ob es teuer oder billig war. Daher auch mein Antrieb, doch mal selber nachzusehen.

Na klar gibt es moderen Ersatz: siehe Gebäudeenergiegesetz. Auch, wenn es jetzt wieder in der Diskussion ist, die Zeiten ändern sich und wir müssen uns darauf einstellen. Hinter dem Ofen zu sitzen, geht nicht mehr und auf dem Mond zu leben, überlassen wir doch gerne den Leuten aus Af-f-enDödelhausen.

#7980207
Lesenswert?

Die alten Trimatik-Steuerungen hatten keinerlei Vorbereitungen für irgendwelche Schnittstellen für Endnutzer. Als erste Lösung habe ich mir deshalb einen ESP-Adapter gebaut der direkt die Sensoren und Relais anzapft und die Daten als Webseite ins Heimnetz stellt. Danach fand ich eine wesentlich simplere und elegantere Lösung um an die Daten zu kommen.

Es gab zu jener Zeit 2 unterschiedliche Designs für die Schaltuhr. Im Bild:

links: alt, 9509 259 (SuperCap als Laufreserve)

rechts: neu, 951 524 (Lithium-Batterie als Laufreserve)

Die neue Variante ist die "richtige". Sie ist am zusätzlichen "?"-Taster zu erkennen. Mit ihr kann man per Taster die internen Temperaturen abfragen. Und noch schöner, sie kommuniziert über eine serielle Verbindung mit der Regelbox über die Schaltkanäle A und B (1200,8,1,odd).

Auf Kanal B sendet die Regelbox ihre Anfragen und Zustandsdaten (Relaiszustände, Temperaturwerte, Fehlerzustände, etc) an die Uhr. Auf Kanal A sendet die Uhr ihre Antworten zurück an die Regelbox. Das sind die Zustände der Schaltkanäle. Die Übertragung dieses Blocks läuft im Raster von 3,4s. Es gibt 7 Blöcke die zyklisch durchlaufen. Nach ~24s sind alle Daten übertragen und der Zyklus beginnt neu.

Die Daten auf Kanal B habe ich dekodiert und lasse mir die Temperaturangaben und Relaiszustände anzeigen. Für mich ist das mehr als ausreichend um "vom Sessel aus" zu erkennen ob die Anlage sauber läuft.

Wenn man diesen Ansatz weiterverfolgt, und auch noch Daten auf Kanal A zurück sendet, dann könnte man die Schaltzeiten der Anlage fernsteuern..

Das ganze funktioniert allerdings nur wenn man auch eine zur "neuen" Uhr passende Regelboxen verwendet: 7408 217, 7408 421 oder 7814 549. Ältere Boxen hatten diese Option noch nicht.

Diese Steuerungsmöglichkeiten sind nach heutigen Masstäben nicht gerade umfangreich. Man könnte sie kombinieren und erweitern mit der Fernbedienungs-Schnittstelle auf Stecker 58. Und darüber auch noch die Soll-Temperaturen vorgeben. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag ..

Angehängte Dateien:
: Bearbeitet durch User
#7980355
Lesenswert?

Hi

Das heißt, das Grundgerät ist immer dasselbe und wenn ich eine aktualisierte Reglerbox sowie Uhr einstecke gibts die ganzen "zusätzlichen Funktionalitäten"? Ich hatte nämlich einige Zeit suchen müssen bis ich eine so alte Reglerbox gefunden hatte. Mit der originalen Reglerbox hatte ich das Problem, dass ie Brenneransteuerung immer wieder für weniger als eine Sekunde wegging was der Feuerungsautomat nicht registrierte. Daraufhin spritze der Brenner wieder Öl ein ohne dass erneut gezündet wurde was immer wieder zum Fumpen führte...

Gruß Armin

#7980382
Lesenswert?

Christian schrieb:

Die neue Variante ist die "richtige". Sie ist am zusätzlichen "?"-Taster zu erkennen. Mit ihr kann man per Taster die internen Temperaturen abfragen. Und noch schöner, sie kommuniziert über eine serielle Verbindung mit der Regelbox über die Schaltkanäle A und B (1200,8,1,odd).

Vielen Dank für diese Informationen. Meine Schaltuhr ist eine 'neuere' von 1993 (Sommerzeit noch nicht taggenau einstellbar) und ich hatte sie nie näher angesehen, sondern immer nur Elkos, Relais' und vorletzten Sommer sogar einen 100 nF MKS erneuert. Letzterer hatte schön gestunken und geraucht, daß er schnell zu finden war ;-) Auf der Hauptplatine ist ein 8051 Derivat, was sicherlich gegen Auslesen geschützt ist und mich deshalb vor Programmänderungsversuchen abgeschreckt hatte. Die seriellen Daten sehe ich mir bei Gelegenheit mal näher an.

#7980386
Lesenswert?

(@Armin X) Ja, genau. Wie beschrieben benötigst du eine der neueren Regelboxen (7814 549 scheint die letzte Revison gewesen zu sein) und die "Fragezeichen"-Uhr (951 524).

Die Trimatik-MC-Reihe, und ihre Verwandschaft, basieren auf der gleichen sog. Grundleiterplatte (Nr 7814 433). Die besteht aus dem Netzteil, den Relais, Steckverbindern und so weiter. Das "Gehirn" ist die aufgesteckte Regelbox. Die kann man austauschen.

Von den Boxen gibt es die "alten" Typen: 7403 530, 7403 613, 7403 690, 7403 956, 7408 119,

und die neueren: 7408 217, 7408 421, 7814 549

Dazu noch ein paar Exoten mit "Fuzzy-Logik": 7408 209, 7408 427, 7814 550. (alles ohne Gewähr..)

Ab Mitte der 90er kam dann die Trimatik-MC/B ins Programm und die Regelbox verschwandt und ihre Funktion wanderte auf die Hauptplatine.

Ob dein Problem wirklich durch die Regelbox verursacht wurde ist schwer zu sagen, auch wenn es durch den Tauschvorgang abgestellt wurde. Nach meiner Beobachtung haben die Fehler üblicherweise andere Ursachen (wie ein paar Beiträge vorher beschrieben). Oxidierte Kontakte, z.B., könnten von den Boxen unterschiedlich kritisch erkannt werden?

Ich wiederhole mich, aber ich kann immer nur dringend empfehlen die Drehschalter zu reinigen. Eine springende Zieltemperatur oder ein wackelnder Modus führen zu "Überraschungen". Die gute und "knackige" Mechanik ist irreführend und hat nichts mit den Schaltereigenschaften zu tun!

#7980390
Lesenswert?

Der Code der Regelbox wäre sehr interessant. Ich befürchte aber auch dass man den nicht einfach auslesen kann.

Die Box sendet auf 3 Kanälen, die ich kenne, irgendwelche Daten (X4 auf der Grundleiterplatte, Stecker 58 und zur Schaltuhr). Die haben sich damals also schon ordentlich Gedanken über sowas gemacht und es würde mich nicht wundern wenn da irgendwo ein komplettes Steuer-Interface verborgen ist.

Angehängte Dateien:
#7981802
Lesenswert?

Hat jemand eine Idee welche Kodierung das Signal auf dem Bild im Anhang hat? Die Zahlenangaben sind die Impulsbreiten in us. Es liegt am Stecker X4 und läuft von dort direkt zu den Rx/Tx Pins vom 80C52 Prozessor.

[1]=Tx, das Signal auf dem Bild [2]=Rx, [3]=GND, [4]=5V [2] und [3] sind über eine Drahtbrücke fest verbunden.

Der Konnektor X4 wird in keiner Dokumentation erwähnt. Er sitzt am linken Rand der Grundleiterplatte.

Angehängte Dateien:
#7982247
Lesenswert?

Für eine Bitbreite habe ich mal ca 320us ansetzt und die kürzeren Impulse (150..190us) als Trennzeichen betrachtet. Dann ergeben sich 2 Gruppen mit jeweils 18 Bit.

110101101000100001 110101111111111111

Ein solches 18-Bit Format habe ich auch an der "Stecker-58"-Schnittstelle beobachtet. Wenn man dort eine Fernbedienung anklemmt dann sendet die Trimatik dort auch immer 18-Bit Anworten (die blaue Linie). Diese beiden Bit-Pattern tauchen dort aber nicht auf.

Der X4-Stecker ist vmtl eine alte Service/Entwicklungsschnittelle über die man keine weiteren Details mehr herausbekommt. Eine Sackgasse.

Am "Stecker-58" könnte man eine Fernbedienung emulieren und die Anlage darüber Fernsteuern. Das ist dummerweise eine KM-Bus ähnliche Schnittstelle mit unhandlichen Format und Pegeln.

Am praktischsten ist die "Schaltuhr-Schnitsttelle". Mit einem simplen UART kann man eine Schaltuhr emulieren, die wichtigsten Zustände auslesen und die Schaltzeiten kontrollieren.

Angehängte Dateien:

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren