Kurze Klärung bei Diagnose eines Technics X-PX 103

OP #4856709
Lesenswert?

Hallo zusammen,

ich habe ein defektes Digitalpiano Technics X-PX 103 (M) bekommen und 
wollte mit meinen rudimentären Kenntnissen schauen, ob ich es noch 
retten kann.
In den Netztrafo geht die Netzspannung noch rein (Mist, es war nicht die 
Sicherung), aber aus diesem kommt kaum was raus (mein Spielmultimeter 
sagt 0,5 V). Deswegen wollte ich das Ding probehalber mal mit Strom aus 
1 oder 2 Labornetzteilen versorgen um zu schauen, ob der Trafo das 
einzige Problem ist.
Dazu gibts hier ein Servicemanual: 
http://elektrotanya.com/technics_sx_px103.pdf/download.html

aus dem ich das angehängte Bild gemacht habe. Verstehe ich dieses Bild 
richtig, dass an Pins 1 und 3 vom Stecker CN5 jeweils +20 Volt anliegen 
müssen?
Angehängte Dateien:
#4856715
Lesenswert?

Ja das hast du richtig verstanden.
Normalerweise werden dort vom Trafo 2 AC Spannungen eingespeist mit 180° 
Phasenversatz bzw. umgekehrter Polarität.
Willst du das Gerät mit 2 Labornetzteilen (DC) versorgen musst du das 
Gerät deshalb mit + 20 V und -20 V versorgen.
Welche Polarität du dabei jeweils an Pin 1 und 3 anschließt ist jedoch 
gleichgültig.
Gast #4856746
Lesenswert?

Christian P. schrieb:
> Verstehe ich dieses Bild richtig, dass an Pins 1 und 3 vom
> Stecker CN5 jeweils +20 Volt anliegen müssen?

Nein.

Dort liegt jeweils Wechselspannung mit effektiven 20V~ an um 180 Grad 
phasenverschoben, daraus macht der Brückengleichrichter +28V und -28V.

Wegen D1 und D2 funktioniert das nicht mit Gleichspannung.
#4856781
Lesenswert?

Hallo,

Christian P. schrieb:
> In den Netztrafo geht die Netzspannung noch rein (Mist, es war nicht die
> Sicherung), aber aus diesem kommt kaum was raus (mein Spielmultimeter
> sagt 0,5 V).

Widerstand der Primärwicklung hast Du gemessen?
Falls der Trafo eine Thermosicherung in der Wicklung hat kann auch die 
defekt sein.

Ausgangsspannung hast Du auch mal mit abgezogenen Stecker CN5 gemessen 
falls ein Kurzschluß dahinter ist?

Gruß aus Berlin
Michael
Gast #4857811
Lesenswert?

Morgen allerseits!

Da Du bisher noch keine Fehlerbeschreibung geliefert hast, gehe ich mal 
davon aus, daß quasi "Nichts" mehr geht - eine genaue Beschreibung wird 
aber trotzdem noch gerne angenommen ;-)

In solchen Fällen ist eine Hauptfehlerquelle dieser Technics-Klaviere 
ein aus Altersgründen leckgeschlagener GoldCap. (Ein GoldCap ist ein 
besonderer Kondensator (ein "Doppelschichtkondensator"), der hier so 
ähnlich wirkt wie ein Akku. Er dient dazu, daß das Piano seine 
Einstellungen etc. für ein Weilchen im Kopf behalten kann, auch wenn die 
Kiste ausgestellt ist.) Im Defektfall zerstört der ausgetretene Inhalt 
peu à peu die Leiterbahnen der Umgebung, was dann zu allerhand 
Fehlfunktionem bis zum völligen Ausfall des Klaviers führen kann.

Andere Fehlerquellen sind (auch mangels Fehlerbeschreibung) noch 
keineswegs außen vor - vielleicht hat ja jemand einfach mal die 
Blumenvase reingekippt, und 'ne Flasche Bier hinterher ;-) , aber diese 
Kondensatorsache sollte man jedenfalls abklären.

Dazu wäre es gut, wenn Du ein paar wirklich scharfe Bilder mit reichlich 
Licht und aus mehreren Blickwinkeln vom Bereich um den C26 machen 
könntest (der große rote Kreis sollte scharf sein). Damit könnte man 
u.U. sehr schnell einschätzen, ob dieser GoldCap auch in Deinem Fall die 
Wurzel des Übels ist. Die ganze Wahrheit sieht man allerdings leider 
gelegentlich auch erst dann, wenn das Teil ausgelötet ist.
Angehängte Dateien:
OP #4858569
Lesenswert?

Hi,

ja, sorry, die Fehlerbeschreibung ist ein wenig dünn.
Aber richtig geraten, es geht (fast) nichts. Die Power-LED. Und das wars 
auch schon.
Nun zum Gold Cap: Es folgt der Twist der Stunde! Da ist nix!
Ich kann nicht wirklich einschätzen, ob da mal was war, aber eigtl. 
sieht es zu sauber dafür aus. Es steht auch kein C26 auf der Platine, 
nur das Kondensatorzeichen ist zu sehen.
Ich hab auch nochmal ein Bild von der ganzen Platine gemacht.
Angehängte Dateien:
Gast #4859016
Lesenswert?

Wo hast Du das Gerät denn her? Vom Metzger? Der Vorbesitzer hat ja ganz 
schön herumgeschlachtet ;-)

Im Ernst:
Als CPU hat Technics bei diesen Klavieren meines Wissens ausschließlich 
NEC V25-Derivate verbaut. Das sind "vermikrocontrollerisierte" 
8088-Klone. Das interne 8k große ROM ist grundsätzlich "reserved" und 
kann nicht genutzt werden.
D.h. also:
ohne den gesockelten, externen ROM-Baustein (und ganz nebenbei auch ohne 
den Supercap) hätte das Klavier wohl kaum jemals die Fabrik verlassen - 
und garantiert auch noch nie einen einzigen Ton von sich gegeben, selbst 
wenn Brendel und Gulda es gemeinsam vierhändig versucht hätten :-)

Du kannst zur Sicherheit ja nochmal schauen, welcher Prozesor verbaut 
ist. Irgendwo auf dem Chip sollte NEC und V25 oder was mit D70320 
stehen.
Außerdem könntest Du eher spaßeshalber zur Kontrolle den /EA-Pin messen 
(Pin 63, ab der Schräge gegen den Uhrzeigersinn gezählt). Dieser Pin muß 
auf low liegen, damit das externe ROM zum Einsatz kommt. Im 
Service-Manual ist das sinnvollerweise natürlich auch so eingezeichnet.

Fazit:
ohne den Inhalt des ROMs weiß der Prozessor nichts mit sich und der Welt 
anzufangen. Wenn der Chip also nicht wieder auftaucht, kannst Du das 
Klavier ebenfalls versenken. Sehr schade :-(
Gast #4859051
Lesenswert?

Diodenes schrieb:
> hätte das Klavier wohl kaum jemals die Fabrik verlassen -
> und garantiert auch noch nie einen einzigen Ton von sich gegeben, selbst
> wenn Brendel_ und _Gulda es gemeinsam vierhändig versucht hätten :-)

Wollen wir wetten? Bin sicher, daß bei

https://pjayenglish.wikispaces.com/file/view/grendel-1.JPG/127522435/328x474/grendel-1.JPG

und

https://encrypted-tbn2.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcRyOlP59vGB2utGX9kbcp_RUQlApEfbNhT8x18O-RHPJbW4pgRk

zumindest eine hohe Chance besteht, daß die beiden aus so gut wie 
allem (äh - jedem halt) so ein, zwei Töne herauslocken - wenn sie´s 
ernsthaft versuchen.

Ablauf und Methodik unbestimmt: a.) Erst weichpföteln, dann hartkrallen, 
b.) Gleichzeitig vierpfotkrallig c.) Erst mal "gut zupfen", dann schön 
"B..t tupfen".
OP #4859500
Lesenswert?

Oh je, das sind ja schlechte Nachrichten.

Sehr komisch, ich habe das Teil von einer braven Omi geschenkt bekommen, 
die zu 99,999% nichts dort rausgeholt hat. K.A. ob sie es mal hat 
reparieren lassen und derjenige hat es ihr dann ausgeschlachtet, aber so 
wirklich kann ich mir das ja auch nicht vorstellen, oder sind die beiden 
Bauteile Gold wert auf dem Markt?!
Gast #4859707
Lesenswert?

Diodenes schrieb:
> Fazit: ohne den Inhalt des ROMs weiß der Prozessor nichts

Welcher Typ wird benötigt, was kostet er und wo werden die benötigten 
Daten gebrannt? Das allein garantiert aber noch kein gesundes Piano. 
Sonst wäre nur der nur der Weg in eine geeignete Werkstatt die 
Alternative.
OP #4860731
Lesenswert?

Hallo zusammen,

die Situation hat sich geklärt, die Tochter der Vorbesitzerin, die mir 
das Teil geschenkt hat, hat nachgefragt, und das Ding war mal in 
Reparatur und der Herr hat sowohl den Chip (oxidiert) und den GoldCap 
(ausgelaufen) entfernt. Das erklärt also den aktuellen Zustand.
GoldCap wäre ja kein Problem, aber der Aufwand einen gefüllten ROM-Chip 
zu bekommen, ist mir zu hoch. Damit ist das Projekt leider für mich 
abgeschlossen.
Ich danke jedem Beitrager hier für die Hilfe!
Gast #4860994
Lesenswert?

Christian P. schrieb:
> und der Herr hat sowohl den Chip (oxidiert)

oxidiert - d.h. da hat der Goldcap - wie befürchtet - bereits ganze 
Arbeit geleistet. Das sind genau die ganz typischen Fälle, die bei 
diesen Technics-Klavieren im Umfeld der Goldcaps immer wieder auftreten. 
Mal sind es Leiterbahnen, mal Dukos, mal Nachbarteile, mal alles 
zusammen.

Aber vielleicht kann der Herr den Chip ja noch in seiner Schatzkiste 
finden?
Mit einem guten "Oxidlöser" wäre da vielleicht durchaus noch was zu 
machen.
Evtl. müsste man noch den IC-Sockel auswechseln, was in jedem Repaircafe 
oder beim Radiotechniker allenfalls eine kleine Fingerübung wäre.

Die Leiterbahnen selbst sehen nämlich gar nicht schlecht aus.

Schmeiss das Klavier nicht voreilig weg. Vielleicht ergibt sich bei 
intensiverer Suche im Internet doch noch preiswerter Ersatz für den 
fehlenden Baustein.
Gast #5229093
Lesenswert?

Ich technics Forum kann man solche Dinger sicher günstig als Restposten 
erwerben und mit einem Gebrauchtgerät weiterspielen und das eigene als 
Ersatzteil nutzen. Mache Ich mit einer aufgefrischen 5000er so.
Gast #5229303
Lesenswert?

Dieter W. schrieb:

> Einige Broker bieten den fehlenden Baustein für etwas über 30$ an und
> behaupten, der wäre auch im Panasonic SXPX101 Klavier verbaut.

Die ...3C020 in der Typenbezeichnung legt nahe, dass es sich um 
Masken-Variante des EPROMs 27C020 handelt. 
https://web.stanford.edu/class/ee183/datasheets/27c020.pdf

So einen Chip brennen ist eine Sache weniger Minuten -- wenn man das 
passende Hexfile mit dem Inhalt hat. Oder ein Original zum Auslesen.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren