Behalte die Gurke und fertig. Falls sie nicht mehr läuft, reparier sie
und ebenfalls fertig ;-)
Meine These: Ein Oszi ist fast ein Muss, auch für Hobby und Studium.
Ein DSO ist nice-to-have, wenn man das Geld dafür locker hat. Es
zeichnet einen guten Entwickler aus, wenn er auch mit eingeschänkter
Ausrüstung zum Ziel kommt. Und ein Analogoszi ist alles andere als
"eingeschränkte Ausrüstung". Die Anwendungsfälle, für die ein DSO
zwingend erforderlich ist, sind relativ selten. Warum?
Fast jeder Vorgang in der Elektronik ist reproduzierbar. Wenn nicht:
Da fehlende Reproduzierbarkeit generell der größte Feind erfolgreicher
Fehlersuche ist, macht man sich bei jeder ernsthaften Entwicklung
Gedanken, mit welchen zusätzlichen Maßnahmen die Reproduzierbarkeit
dennoch erzwungen werden kann. Damit hat man aber auch schon den
wesentlichen Grundstein für periodische Testabläufe gelegt, die sich
meist sehr gut mit einem Analogoszi sichtbar machen lassen.
Gerade im Zeitalter der Mikrocontroller und programmierbaren
Logikbausteine bestehen diese Maßnahmen oft nur ein paar zusätzlichen
Quellcodezeilen, um die zu messenden Signale analogoszigerecht
aufzubereiten. In anderen Fällen erzielt man vielleicht mit einer
kleinen Adapterschaltung oder mit einem mit einem zweiten Controller
aufgebauten Stimuligenerator eine bessere Beobachtbarkeit der Signale.
Hier ist einfach etwas Kreativität gefordert, die man aber von einem
(angehenden) Ingenieur ohnehin erwarten darf.
Ich selbst habe jahrelang fast nur mit Analogoszis gearbeitet, obwohl
ich mich primär eher mit "aperiodischen Anwendungen" beschäftige. Ich
hatte so gut wie nie einen Fall erlebt, wo ich ohne DSO absolut nicht
mehr weiter gekommen wäre.
Das soll jetzt nicht heißen, dass DSOs unnützes Zeug seien. Im
Gegenteil: Im industriellen Umfeld, wo dem Entwickler immer die
Time-to-Market im Rücken sitzt, ist es hilfreich, wenn man ein System
untersuchen kann, ohne dieses selbst oder dessen Umfeld speziell für
die Messungen anzupassen. Da zahlen sich dann teure, feature-reiche
Messgeräte sehr schnell aus. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die
Dokumentation von Messergebnissen, die nur mit speichernden Geräten
effizient machbar ist.
Aber für Hobby und Ausbildung tut's ein Analoges locker, zumal es auf
Grund seiner besonderen Eigenschaften (kaum Messrauschen, Abhängigkeit
der Strahlhelligkeit von dessen Gschwindigkeit usw.) einige Dinge
sichtbar macht, die im DSO-Bereich den Mittel- bis Oberklassegeräten
vorbehalten sind.