Hallo elguerro.
Elguerrero schrieb:
Ich entwickle ein batteriebetriebenes Unterwasser-Antriebssystem für
Wassersport, das einen DC-Bürstenmotor nutzt. Wie bekannt, erzeugen
DC-Bürstenmotoren durch Bürstenfeuer und Schaltvorgänge erhebliche
hochfrequente Störungen (HF/EMI).
Solche Motore sind relativ einfach zu entstören. Verdrosseln und Abblockkondensatoren, geschickte Leitungsführung.
Aber besser sind BLDC-Motoren. Vermeiden auch das Wartungsproblem mit den Bürsten. Du must jedesmal danach das Gehäuse dicht kriegen.....
Im realen Betrieb befindet sich das gesamte Antriebssystem jedoch
vollständig unter Wasser. Wasser (insbesondere Süß- und Salzwasser)
wirkt aufgrund seiner elektrischen Eigenschaften stark dämpfend auf
elektromagnetische Abstrahlung.
U-Boot Modellbauer senden mit ihrer Funkfernsteuerung auch in Süßwasserseen.
Trick dabei: Fahrzeugantenne und Sendeantenne sind Unterwasser, die Grenzfläche Wasser/Luft erzeugt wegen des großen Unterschiedes in den relativen Dielektrizitätskonstanten eine Totalreflexion. Die Antennenlänge muss/kann dabei auf die langsamere Wellenausbreitung im Wasser angepasst werden, und kann dadurch deutlich kürzer ausfallen. Süßwasser hat einen sehr kleinen Leitwert, und dämpft HF nur wenig.
Salzwasser hat einen deutlich höheren Leitwert und dämpft dadurch stärker.
Du musst also die EMV Entstörungen auch für den Fall dass das ganze Unterwasser ist mit berücksichtigen.
Noch ein Grund dafür: Dein Antriebssystem soll sich auch nicht selber stören.
Du wirst auch dort Elektronik haben, und wenn es nur Dein eigenes Batteriemanagementsystem des Antriebes ist. Das willst Du auch nicht stören.
Wenn Du dann noch Sensorik für irgendwas anderes hast, die soll auch nicht gestört werden.
Wäre es aus regulatorischer oder technischer Sicht denkbar, das System
so auszulegen, dass:
- der Motor nur bei erkanntem Wasserkontakt freigegeben wird (z. B. über
Drucksensor, Wassersensor),
- und das System bei EMV-Messungen in Luft automatisch im
Motor-Aus-Zustand verbleibt?
Damit würde der geprüfte Zustand dem tatsächlich zulässigen
Betriebszustand entsprechen und somit die EMV Grenzen einhalten.
Mich interessiert, ob jemand Erfahrungen mit ähnlichen Konzepten oder
Rückmeldungen von EMV-Laboren hat.
Nein. Das ist unrealistisch. Du möchtest eventuell auch außerhalb des Wassers testen, ob die Schraube dreht. Du machst Wartung und willst etwas testen, auch außerhalb des Wassers.
Woran willst Du sicher erkennen, ob Du außerhalb des Wassers bist?
Schwimmer oder Pilotrohr? Luftblasen oder starker Wellengang/Luftsprünge können diese Erkennung gut stören. Wenn die Erkennung über die Benetzung erfolgen soll, langt ein Spritzer, und es dauert dann bis zum vollständigen trocknen, dass wieder "ausserhalb des Wassers" erkannt wird.
Temperatur bzw. Wärmeabfuhr durch das Wasser ist auch problematisch. Du fährst durch stark unterschiedlich warmes Wasser, und Dir geht der Motor aus.
Setz Dich hin und entstöre das Teil. Das ist weniger schwer als Du denkst.
Mit freundlichem Gruß:
Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de