Tach,
wieso sind manche Masseflächen wabenartig strukturiert?
Um Kupfer zu sparen? Dass Masseflächen eine Impedanz haben ist klar, nur
ist mir nicht klar wie diese Struktur das beeinflussen könnte.
Grüße
Bert
Tach,
die wabenartigen Strukturen lassen sich einfacher herstellen, weil das
Kupfer gleichmäßiger auf der Platine verteilt ist. Insbesondere beim
Selberätzen ist das vor Vorteil - Laserdrucker haben in großen
Masseflächen oft Löcher, Tintenstrahldruckern kann dort die Tinte
verlaufen oder sich das Transparentpapier wellen.
Auch wenn die Leiterplatte starken Temperaturschwankungen ausgesetzt
wird haben die Waben Vorteile - es können sich dann keine (mechanischen)
Temperaturspannungen bilden, d.h. eine einseitige Leiterplatte verhält
sich dann nicht wie ein Bimetall.
Grüße
Nicolas
Es geht noch um mehr. Eine wabenartige Masse hat weniger Kapazitaet, die
Leitung hat dann eine hoehere Impedanz. Beim Selberaetzen kann man auch
beidseitig volle Masse haben.
Bert schrieb:> wieso sind manche Masseflächen wabenartig strukturiert?
Kenn ich eigentlich ausschliesslich bei (Starr-)Flexplatinen, hier dient
es der Mechanik. Eine Flexplatine mit Wabenförmigen Flächen (das kann
auch Vcc sein)läßt sich leichter biegen, bei einer Starr-Flex Platine
ist die mech. Belastung am Starr-Flex Übergang deutlich kleiner.
Nicolas S. schrieb:> Auch wenn die Leiterplatte starken Temperaturschwankungen ausgesetzt> wird haben die Waben Vorteile - es können sich dann keine (mechanischen)> Temperaturspannungen bilden, ...
Jede Platine ist mehr oder weniger starken Temperaturschwankungen
ausgesetzt. Temperaturbedingtes Verziehen der Platine entsteht meist
beim Löten (Reflow od.ä) oder Aufbringen von HAL Oberflächen und wird
durch ungünstige Cu-Verteilung (eine Seite wenig Cu, andere Seite große
Cu-Flächen) noch begünstigt.
Bei Starren Platinen würde ich auf Wabenförmige Flächen verzichten, hier
entsehen eher Nachteile (hauptsächlich bei Impedanzen und bei
Power-Planes).
> ... d.h. eine einseitige Leiterplatte verhält sich dann nicht wie ein> Bimetall.
Ein Bimetall besteht, wie der Name es bereits sagt aus 2
unterschiedlichen Metallen (die Oberfläche wie z.B. ch. Zinn der LP-
lass ich mal aussen vor, die ist zu dünn). Zwei Cu-Flächen, die isoliert
voneinander gegenüberstehen haben nix mit einem Bi-Metall zu tun.
Gruss Uwe
Ha-jetzt Aber schrieb:> Eine wabenartige Masse hat weniger Kapazitaet, ...
Das ist ein Nachteil für Power-Planes, die dürfen (sollen) gerne viel
Kapazität haben (vorrausgesetzt, GND und Vcc liegen sich nicht allzu
entfernt voneinander).
> ... die Leitung hat dann eine hoehere Impedanz.
Auch nicht gewünscht, vor allem lässt diese sich nicht wirklich
berechnen und die Wirkung auf die Signalintegrität kaum vorhersehbar/
simulierbar.
Also Finger weg von Wabenförmigen Strukturen auf Starren Platinen, bei
Flex-Platinen kommt man gelegentlich nicht drumherum.
Gruss Uwe
Bert schrieb:> Hast wohl auch beruflich damit zu tun wenn du so viel darüber weißt?Uwe N. schrieb:> Ein Bimetall besteht, wie der Name es bereits sagt aus 2> unterschiedlichen Metallen (die Oberfläche wie z.B. ch. Zinn der LP-> lass ich mal aussen vor, die ist zu dünn). Zwei Cu-Flächen, die isoliert> voneinander gegenüberstehen haben nix mit einem Bi-Metall zu tun.
Hallo zusammen,
nein, ich habe beruflich gar nichts damit zu tun, komme aus einer ganz
anderen Richtung.
@Uwe:
hast Du schonmal gesehen, wie sich eine erwärmte Leiterplatte verbiegt?
Sehr eindrucksvoll ist das bei einseitigen Hartpapierleiterplatten mit
großen Masseflächen zu sehen. Das Basismaterial hat eben einen anderen
Temperaturausdehnungskooeffizienten als das Kupfer, das Kupfer
allerdings die größere Dehnsteifigkeit. Oder wenn ganz billiges
Hartpapier naß wird - gleicher Effekt. Eben wie beim Bimetall.
Ha-jetzt Aber schrieb:> Es geht noch um mehr. Eine wabenartige Masse hat weniger Kapazitaet
Danke, den Effekt habe ich vergessen. Allerdings glaube ich, ehrlich
gesagt, daß in mehr als 90% der Fälle dieser Effekt nicht bewußt genutzt
wird sondern aus einem Akt der Esotherik heraus eingebracht wird.
viele Grüße
Nicolas
>> ... die Leitung hat dann eine hoehere Impedanz.
Auch nicht gewünscht, vor allem lässt diese sich nicht wirklich
berechnen und die Wirkung auf die Signalintegrität kaum vorhersehbar/
simulierbar.
Aha. Sowas... Also es gibt Anwendungen wo man Signale mit hoher Impedanz
hat, zB pH zellen oder so, da moechte man keine Kapazitaeten mehr
umladen, aber trotzdem die Schirmwirkung geniessen. Natuerlich kann man
Leitungen ueber einer Stuktur rechnen. Wenn unten nur ein viertel Kupfer
ist, so ist die Kapazitaet naeherungsweise auch ein Viertel.
Ha-jetzt Aber schrieb:> ..., zB pH zellen oder so, ...
Was bitte ??
> Natuerlich kann man> Leitungen ueber einer Stuktur rechnen. Wenn unten nur ein viertel Kupfer> ist, so ist die Kapazitaet naeherungsweise auch ein Viertel.
Du täuscht dich, das ist mathematisch komplexer und komplizierter als du
meinst. Aber du kannst gerne das Verfahren erläutern - mit solchem Know
How kannst du dich bei z.B. Polar Instruments als Programmierer oder
Mathematiker bewerben. Die Jungs haben wirklich Ahnung von der Materie -
aber für dieses Problem noch keine Lösung - du aber scheinbar. LOL.
Hallo,
die Empfehlung für strukturierte Masselagen stammt aus einer Zeit, als
auf Platinen Bleizinn aufgebracht und dann der Lötstopplack darüber
gedruckt wurde - beim Löten schwamm der Lötstopplack auf dem flüssigen
Zinn und zerriss dabei oft auf grösseren Masseflächen. Die
Unterbrechungen in der LSM boten dem Lötstopplack Halt auf dem
FR4-Material.
Da niemand mehr solche Platinen fertigt, hat sich das erledigt,
durchgehende Masselagen sind elektrisch vorteilhafter. Wahrscheinlich
hat sich die Musterung von Flächen auch deswegen gehalten, weil solche
Platinen für den Laien so professionell aussehen, obwohl das überhaupt
nicht zutrifft.
Bei Flex ist das was anderes, aber auch da ist die Strukturierung rein
elektrisch von Nachteil, man muss also einen Kompromiss schliessen.
Zweifellos liesse sich eine LP am besten biegen, wenn garkeine
Massefläche drauf wäre, aber das lässt halt die (elektromagnetische)
Physik nicht zu.
Gruss Reinhard
Nachtrag:
Kapazitäten näherungsweise ermitteln ist (meistens) ok, bei Impedanzen
ist dies kritischer. Bei Polar arbeitet man AFAIK an diesem Problem. Die
erschlagen das Problem zur Zeit mit Korrektur-Faktoren - ist also nicht
so genau wie gehofft.
Hallo Reinhard,
> Wahrscheinlich hat sich die Musterung von Flächen auch deswegen> gehalten, weil solche Platinen für den Laien so professionell aussehen, > obwohl
das überhaupt nicht zutrifft.
Bei Xilinx gibt es offenbar immer noch diese Vorstellung ;-), siehe
http://www.xilinx.com/products/devkits/EK-S6-SP601-G.htm
Ich glaube aber eher, hier geht es um eine möglichst gleichmässige
Erwärmung und Wärmeabgabe der Platine beim Löten, um ein Verziehen des
Multilayers weitgehend zu vermeiden.
Komisch ausschauen tut es trotzdem.
Gruss Uwe
Reinhard Kern schrieb:> Da niemand mehr solche Platinen fertigt, hat sich das erledigt,> durchgehende Masselagen sind elektrisch vorteilhafter.
Für's Selberätzen mach' ich das zuweilen aus o. gen. Gründen
(gleichmäßigerer Tonerauftrag beim Laserdrucker) trotzdem nach wie
vor so.
Für eine gefertigte Platine müsste es schon gute Gründe geben, es
so machen zu lassen.
> Wo wird denn da gespart? :-)
Wird bei "professionellen" Platinen jenseits 2lagig nicht nur mit einer
dünnen Kupferschicht (17u oder so) gearbeitet, wo nach dem Ätzen die
Restmenge noch galvanisch aufgebracht wird? Dann spart man wirklich...
Uwe N. schrieb:> Kapazitäten näherungsweise ermitteln ist (meistens) ok, bei Impedanzen> ist dies kritischer.
Impedanzen sind nur komplexe Widerstände, du meinst wohl
Kapazität/Induktivität ;)
Bert schrieb:> Impedanzen sind nur komplexe Widerstände, du meinst wohl> Kapazität/Induktivität ;)
Nein - ich schrieb von Impedanzen, weil ich die auch meinte.
In der Praxis wird seltenst eine bestimmte Kapazität der Power Plane
spezifiziert, es ist immer die Impedanz der Signale, die mit +/-10%
Genauigkeit gefordert wird.
Hast du schon mal mit definierten Impedanzen (z.B. 50 Ohm) gearbeitet ?
>Eine wabenartige Masse hat weniger Kapazitaet, die>Leitung hat dann eine hoehere Impedanz.
wieso höher ? aus dem Bauch würd ich sagen die wird geringer.
>stammt aus einer Zeit, als>auf Platinen Bleizinn aufgebracht und dann der Lötstopplack darüber>gedruckt wurde
Wieso wurde das früher so gemacht ?
Laborsauron
Wenn das als Plotterdatei abgespeichert wird, brauchen Waben weniger
Speicherplatz, das könnte früher mal ein Grund gewesen sein. Oder der
Plotter braucht nicht so lange zur Ausgabe.
Reinhards Argument stimmt aber auch, die Verzinnung wird gleichmäßiger,
und der Lötstoplack bekommt nicht die "Orangenhaut".
Die Leitungsimpedanz ist Induktivitaetsbelag (nH/m) dividiert durch
Kapazitaetsbelag (nF/m). Dh mit einem Kapazitaetsbelag gegen Null steigt
die Impedanz.
Den Kapazitaetsbelag kann man rechnen. Man muss die Feldverteilung mit
finiten Elementen rechnen - das war's. Eventuell mal bei CST
vorbeischauen. Ich arbeit da mit der Mikrowellensimulation und es gibt
auch eine Simulation die fuer Frequenzen gegen Null geht. Die
Gleichungen sind nicht wirklich schwierig. Ich sollt diese Polar-Leute
beraten...
@ Hacky:
Ich sprach NICHT vom Kapazitätsbelag, den rechnet das Polar Tool auch
aus.
Es ging um Impedanzberechnungen mit einer Wabenförmigen Masse-Struktur
als Referenz. Und das schafft auch CST nur Näherungsweise.
Michael Sauron schrieb:>>Eine wabenartige Masse hat weniger Kapazitaet, die>>Leitung hat dann eine hoehere Impedanz.>> wieso höher ? aus dem Bauch würd ich sagen die wird geringer.
Dein Bauch sagt falsch. Die Kapazität ist ein komplexer Leitwert, kein
Widerstand. Deswegen heissts ja auch Xc=1/jwC!
Michael Sauron schrieb:>>stammt aus einer Zeit, als>>auf Platinen Bleizinn aufgebracht und dann der Lötstopplack darüber>>gedruckt wurde>> Wieso wurde das früher so gemacht ?
Hallo,
soweit ich mich erinnere, das war wohl so 1980, 1990: die damalige
Glanzzinntechnologie war massiv problembehaftet, v.a. grosse Überhänge
von Zinn nach dem Ätzen, die wegbrachen und Kurzschlüsse verursachten,
und selektiv verzinnen oder bleiverzinnen war zu aufwendig. Bleizinn als
Ätzreserve und LSM drüber war am billigsten. Deswegen hat man das für
billige Versionen auch noch lange beibehalten, aber eigentlich müsste
ROHS der Methode den Garaus geacht haben, weil man meines Wissens
bleifreie Lötlegierungen nicht galvanisch aufbringen kann.
Heute nimmt man als Ätzreserve Zinn oder Nickellegierungen, die diese
Nachteile nicht haben und die auch nicht unter der LSM schmelzen. Oder
man entfernt die Ätzreserve ganz, druckt LSM aufs (ev. schwarzoxidierte)
Kupfer und die noch offenen Pads werden heissluftverzinnt (je nach
Anforderung mit oder ohne Blei = ROHS). Nennt sich HAL, ist üblich und
auch ziemlich optimal.
Gruss Reinhard
Uwe N. schrieb:> Ein Bimetall besteht, wie der Name es bereits sagt aus 2> unterschiedlichen Metallen (die Oberfläche wie z.B. ch. Zinn der LP-> lass ich mal aussen vor, die ist zu dünn). Zwei Cu-Flächen, die isoliert> voneinander gegenüberstehen haben nix mit einem Bi-Metall zu tun.
Um die geht es ja auch nur in 2. Linie, der Effekt tritt auf zwischen
Materialien verschiedener thermischer Ausdehnung, völlig unabhängig
davon ob es sich um Metalle handelt - in dem Fall zwischen Kupfer und
FR4-Material. Es sei denn, er wird ausgeglichen durch eine gleiche
Kupferfläche auf der anderen Seite - das ist dann sozusagen ein
BiBi-Material. Dadurch wird auch verständlich, warum die
Kupferbelegungen symmetrisch sein müssen.
Dass eine Wabenstruktur die Biegung komplett vermeidet ist auch nur ein
Gerücht. Geringer wird sie schon.
Das mit der Isolierung ist wohl eine Verwechslung mit thermoelektrischen
Effekten und hat hier nichts zu suchen.
Gruss Reinhard
Reinhard Kern schrieb:> weil man meines Wissens> bleifreie Lötlegierungen nicht galvanisch aufbringen kann.
Nö, Reinzinn (was ja durchaus auch als "bleifreie Lötlegierung"
gelten kann, zumindest ist es RoHS-kompatibel und beliebig mit
einem normalen bleifreien oder bleihaltigen Lot kombinierbar)
dürfte sich deutlich einfacher galvanisch aufbringen lassen als
eine Blei-Zinn-Mischung. Metallmischungen sind in der Galvanik
immer ein Problem.
Jörg Wunsch schrieb:> Reinhard Kern schrieb:>> weil man meines Wissens>> bleifreie Lötlegierungen nicht galvanisch aufbringen kann.>> Nö, Reinzinn (was ja durchaus auch als "bleifreie Lötlegierung"> gelten kann, zumindest ist es RoHS-kompatibel und beliebig mit> einem normalen bleifreien oder bleihaltigen Lot kombinierbar)> dürfte sich deutlich einfacher galvanisch aufbringen lassen als> eine Blei-Zinn-Mischung. Metallmischungen sind in der Galvanik> immer ein Problem.
Hallo,
da geht was komplett durcheinander. An der Stelle geht es um eine
Metallschicht als Ätzreserve, und da bilden sich immer Überhänge an den
Flanken, bei Zinn sogar recht grosse. Daher MÜSSEN solche Schichten
umschmolzen werden, sowohl um die Überhänge zu beseitigen (die führen
sonst zu Kurzschlüssen) als auch um die sonst offenen Flanken zu
schützen. Das geht mit Zinn nun mal nicht, bzw. das Material würde die
nötigen Temperaturen nicht überstehen. Umschmelzen geht praktisch nur
mit Legierungen. Eben deshalb wird heute ja auch heissluftverzinnt,
natürlich nicht mit Zinn, sondern mit einer geeigneten und
ROHS-konformen Legierung, und zwar aus dem gleichen Grund: es heistt
zwar heissluftverzinnen, aber mit Zinn geht es nicht. Und auch nicht mit
Nickel, Silber oder Gold.
Natürlich gehe ich hier nicht auf irgendwelchen Murks ein wie das
Entfernen von Ätzüberhängen mit der Wurzelbürste (wer hat schon eine 100
µ Wurzelbürste), sondern nur auf bewährte Prozesse.
Gruss Reinhard
Sorry, so ganz habe ich dich hier noch nicht verstanden.
Hast du vielleicht einen Link auf irgendeinen Artikel, der das mal
etwas detaillierter beschreibt? (Während meiner Technologie-
Ausbildung hat noch nichtmal jemand von RoHS geträumt. ;-)
Jörg Wunsch schrieb:> Sorry, so ganz habe ich dich hier noch nicht verstanden.> Hast du vielleicht einen Link auf irgendeinen Artikel, der das mal> etwas detaillierter beschreibt?
Hallo,
es gibt Hersteller, die ihren Herstellungsprozess beschreiben, aber
nicht, WARUM sie das so machen - ist ja auch in Teilen
Betriebsgeheimnis. Ich fürchte ich müsste das selber schreiben, aber
wozu? Es käme fast von selbst ein Buch über LP-Technologie heraus, und
dafür gibt es nicht genug Kunden.
Was vielleicht noch nicht klar ist: HAL ist der letzte Prozessschritt,
nach Ätzen, Galvanik und LSM drucken. Da kannst du also kein
galvanisches Zimm mehr aufbringen, weil ja Pads und Leiterbahnen schon
getrennt sind und keinen Stromanschluss mehr haben. Allenfalls ginge
chemisch Zinn, aber die Bäder sind teuer, und galvanisch abgeschiedenes
Metall ist aufgeschmolzenem nicht gleichwertig wegen der eingebauten
Spannungen.
Für einen Bastler kann chemisch Zinn attraktiv sein weil eine HAL-Anlage
mehrere 100 kEUR kostet und mehr Strom braucht als ein Haushalt
normalerweise hat.
Gruss Reinhard
Reinhard Kern schrieb:> Was vielleicht noch nicht klar ist: HAL ist der letzte Prozessschritt,> nach Ätzen, Galvanik und LSM drucken.Das ist mir schon klar. Aber warum diese Schicht kein reines Zinn
ist, die da vorher (galvanisch) aufgebracht wird, ist mir nicht klar.
Ein reines Metall ist doch (so zumindest das, was man mir mal
beigebracht hat ;) in der Galvanik immer einfacher handhabbar als
eine Mischung von Metallen (von "Legierung" kann man ja da noch
nicht sprechen), und der Unterschied im Schmelzpunkt zwischen den
üblichen Bleifrei-Loten (217 °C) und reinem Zinn (232 °C) ist ja nun
nicht gerade riesig.
Was mir auch nicht ganz klar ist ist, was du mit "Ätzreserve" meinst.
Ich dachte, dass die Schicht sogar als Ätzresist benutzt wird. Wie
gesagt, LP-Technologie habe ich irgendwann Mitte/Ende der 1980er
Jahre das letzte mal gehört bzw. auch im Praktikum selbst gemacht.
Jörg Wunsch schrieb:> Was mir auch nicht ganz klar ist ist, was du mit "Ätzreserve" meinst.> Ich dachte, dass die Schicht sogar als Ätzresist benutzt wird.
Hallo,
einigen wir uns auf Ätzresist, das meine ich ja auch. Ich zitiere mich
mal selbst: "An der Stelle geht es um eine Metallschicht als Ätzreserve,
und da bilden sich immer Überhänge an den Flanken, bei Zinn sogar recht
grosse."
Das kann man nicht so lassen, aber wenn du darauf hinweist, dass man das
mit etwas höheren Temperaturen ja umschmelzen könnte, läufst du genau in
die Falle, die wir gerade umgangen haben: dann schmilzt dir das Zeug
eben auch beim Löten unter der Maske. Die Gefahr ist heute sowieso viel
grösser als zu Bleizinn-Zeiten, weil die Löttemperaturen generell höher
geworden sind. Damals konnte man sich noch darauf verlassen, dass
Reinzinn beim Löten nicht schmilzt, würde ich heute nicht mehr.
Man kann also Zinn als metallischen Ätzresist verwenden, ist auch nicht
unüblich, aber das wird nach dem Ätzen entfernt. Nebenbei braucht man
fürs Ätzen nur recht dünne Schichten.
Die LSM ist am besten auf schwarzoxidiertem Kupfer untergebracht. Wenn
du dir z.B. Motherboards anschaust, sind die Leiterbahnen meistens
dunkelbraun bis schwarz. Damit ist die Haftung optimal, wie auch bei
ML-Innenlagen.
Falls jetzt jemand der Meinung ist, Leiterplatten herstellen sei ja ganz
primitiv - das ist nur ein kleiner Ausschnitt der technologischen
Fragen.
Gruss Reinhard
Es gibt noch einen Grund warum wabenartige Masseflächen nach Möglichkeit
nicht verwendet werden sollten. Unser Platinenhersteller hat uns gebeten
nach Möglichkeit bei Masseflächen Gitterstrukturen zu vermeiden.
Der Grund ist, dass gewisse CAM Gerber Ueberpruefungen seitens der PCB
Firma nicht komplett von einem CAM Programm durchgeführt werden können
und die Gitterstrukturen visuell sehr ermüdend sind, hauptsächlich weil
Leitungsstrukturen im Meer der Linien untergehen.
Ich unterhalte mich ab und zu mit den Leuten von der CAM Abteilung und
es wurde mir beschrieben wie der Arbeitsablauf vom CAM Editing vor sich
geht. Dabei wurde mir erst klar welchen Arbeitsaufwand solche Strukturen
diesen Leuten verursachen können.
Ich bin der Meinung dass man unseren Kollegen in anderen Firmen nicht
vorsätzlich das Leben schwer machen sollte, auch wenn sie nicht
unmittelbar Kollegen der eigenen Firma sind.
Ich kann hier nur von der Firma sprechen die unsere Prototypen Platinen
fertigt. Inwieweit dieses Problem andere PCB Firmen betrifft kann ich
nicht beurteilen und es ist möglich dass viele andere Firmen wenig
Probleme damit haben.
mfg,
Gerhard