Konfusion bei (bleifreiem) Lötzinn

Gast #877753
Lesenswert?

hallo Gemeinde,

ich möchte nach einigen Jahren Pause wieder einmal anfangen etwas zu 
Basteln und stelle mir gerade meine Austattung bei reichelt zusammen.

Daß inzwischen Lötzinn bleifrei zu sein hat, ist nicht an mir 
vorbeigegangen. Privat auch? Dachte nur industriell - jedenfalls gibts 
den früher jahrzehntelang gekannt und geschätzen Lötzinn nicht mehr. 
(hatte immer Stannol)

Nur meine Frage, was bezeichnet eigentlich SC xyz, SAC xyz und co. ? Die 
Buchstaben scheinen in meinen Augen den Zinn Anteil darzustellen?

Was gibt denn halbwegs mühelos 'schöne' Lötstellen bei handlötung und 
sind die Preisunterschiede gerechtfertigt?

danke euch
Gast #877780
Lesenswert?

Das ist unserere "Öko"-Prämisse:

Lieber Geräte alle 3 Jahre austauschen, weil sie angeblich "veraltet" 
sind, Hauptsache, die "Neuen" sind mehr "Öko", weil z.B. bleifrei 
gelötet ( es gibt auch noch andere Schadstoffe ... ), als dafür zu 
sorgen, dass nur noch technische Geräte mit z.B. 20 Jahren 
Gebrauchsdauer hergestellt und verkauft werden dürfen ...

Schmeisst die alten Geräte bloss weg, neu ist "in" ...
Hauptsache, die Wirtschaft wächst ...

Ich habe eine Art Dauer-Leasing-Vertrag mit einem grossen Anbieter:
Alle meine Haushaltsgeräte werden sofort nach Erreichen einer neuen 
A++++...-Stufe ausgetauscht, begünstigt mit 10% Rabatt.

Die Umwelt profitiert mit jeder neuen Gerätegeneration; leider jeweils 
erst 10 Jahre später;
ich profitiere ( gewissensmässig: "ich tu' was für die Umwelt", 
geldmässig: "ich weiss, investieren lohnt sich immer" ),
und die Wirtschaft profitiert ( und baut die Produktion der "weissen 
Ware" in Zentral-Europa noch weiter aus, hoffentlich gibt es genug 
Fachkräfte ... ) ...


Das ist die Lösung ! / Gruss
#877815
Lesenswert?

Gerade mal nachgeschaut, ich verwende hier Edsyn (FSW34,SU5250), den 
gibts aber nicht mehr bei Reichelt. Da steht drauf "Umweltfreundlich", 
aber offensichtlich bezieht das nur darauf, dass das Flussmittel dieses 
Lötdrahts keine Halogene enthält, also sozusagen noch mal "Glück" 
gehabt.

Das ist eine 250g Rolle mit 0,5 mm Drahtdurchmesser und der 
Zusammensetzung L-Sn60PbCu2 (-> Sn60  Pb38  CU2) und lässt sich meiner 
Meinung nach sehr gut verlöten.

Das entspricht von der Zusammensetzung her am ehesten diesem bei 
Reichelt erhältlichen Lötdraht:

Artikel-Nr.: LÖTZINN 34-0,525

http://www.reichelt.de/?;ACTION=3;LA=2;GROUP=D25;GROUPID=557;ARTICLE=28601;START=0;SORT=order_col_artnr_besch;OFFSET=16;SID=27fgb4YawQARsAAEa0JcE4fa2c35e364e44f9c9c293ac5d37735b

Den gibts auch noch mit 40% Blei, (lässt sich vielleicht noch besser 
löten), aber wie gesagt, auch mit dem 38% Blei Lötzinn hatte ich bisher 
keine Probleme.
Gast #877824
Lesenswert?

> Daß inzwischen Lötzinn bleifrei zu sein hat, ist nicht an mir
> vorbeigegangen. Privat auch?

Nein.

> jedenfalls gibts den früher jahrzehntelang gekannt und geschätzen Lötzinn nicht 
mehr. (hatte immer Stannol)

Deine Brille brauche ein Upgrade. Reicht 1kg für den Anfang?

Stannol von Conrad, 813168 - 62.

Preiswerter bei Reichelt, aber nicht Stannol:

http://www.reichelt.de/?;ACTION=3;LA=2;GROUPID=557;ARTICLE=10990

> Nur meine Frage, was bezeichnet eigentlich SC xyz, SAC xyz und co. ?

Nichts, SC ... und SAC ... sind Artikelnummern eines Herstellers / 
Importeurs (Edsyn).

Wenn du allerdings Sn, Pb, Ag, Cu und ähnliches meinst, dass sind 
chemische Elemente. Sn = Zinn, Pb (Plum-Bum) = Blei, Ag = Silber, Cu = 
Kupfer.

Wenn du F-SW ... meinst, dass sind Flussmittelmischungen.

> Was gibt denn halbwegs mühelos 'schöne' Lötstellen bei handlötung

Bleihaltiges Lötzinn.
Gast #878014
Lesenswert?

Ich hab bei der Arbeit auch eine Rolle bleifreies. Davon hab ich im 
letzten Jahr etwa 10cm verbraucht. Viel lieber nehme ich von der 
"mitBlei-Rolle" aus meinem Keller.
Die Lötstellen mit dem bleifrei-Lot sehen immer aus, als hätte man zum 
ersten Mal einen Lötkolben in der Hand gehabt...
Gast #878026
Lesenswert?

> Nichts, SC ... und SAC ... sind Artikelnummern eines Herstellers /
Importeurs (Edsyn).

Quatsch mit Sosse...
Es bezeichnet die Legierung und ist allgemein üblich, z.B. SAC = Sn, Ag, 
Cu, also Zinn mit Silber und Kupfer.

@  Neueinsteiger:
Geh doch mal auf die Webseite deines heissgeliebten (passt doch 
irgendwie gut..) Stannol, da wird das sicher erklärt.

Wer löten kann (kann ja schliesslich jeder..LOL) und halbwegs 
vernünftiges Gerät (besser als Brateisen vom Discounter für 3,99€) hat, 
hat mit bleifrei keine Probleme- ansonsten viel üben.
Gast #878035
Lesenswert?

> Wer löten kann (kann ja schliesslich jeder..LOL) und halbwegs
> [...] hat mit bleifrei keine Probleme- ansonsten viel üben.

Ich als Nichtskönner verneige mich demütig vor dem Können und der 
Weißheit der Superlöter!
Gast #878053
Lesenswert?

> Quatsch mit Sosse...
> Es bezeichnet die Legierung und ist allgemein üblich, z.B. SAC = Sn, Ag,
> Cu, also Zinn mit Silber und Kupfer.

Du Superheld, dann erklär doch mal, was die Zahlen dahinter bedeuten. 
Na?

> Wer löten kann (kann ja schliesslich jeder..LOL) und halbwegs
> vernünftiges Gerät (besser als Brateisen vom Discounter für 3,99€) hat,
> hat mit bleifrei keine Probleme- ansonsten viel üben.

Angeber.
Gast #878119
Lesenswert?

Liquiduslinie, im Zustandsdiagramm von Legierungen ist diejenige Linie, 
oberhalb derer alle Legierungsbestandteile flüssig sind. (Soliduslinie)

Bei LsSn 60 soll da wohl der tiefste Schmelzpunkt sein (60% Zinn 40% 
Blei).
Andere Legierungen haben natürlich andere Schmelzpunkte was sich auf die 
Schönheit der Löststellen auswirken wird.
Gast #878124
Lesenswert?

> Quatsch mit Sosse...
> Es bezeichnet die Legierung und ist allgemein üblich, z.B. SAC = Sn, Ag,
> Cu, also Zinn mit Silber und Kupfer.

Du Superheld, dann erklär doch mal, was die Zahlen dahinter bedeuten.
Na?

Vielleicht die Legierungsanteile in Prozente? Dachte, da kommt jeder 
drauf- hab mich wohl getäuscht.....

> Wer löten kann (kann ja schliesslich jeder..LOL) und halbwegs
> vernünftiges Gerät (besser als Brateisen vom Discounter für 3,99€) hat,
> hat mit bleifrei keine Probleme- ansonsten viel üben.

Angeber.

Ich kenn KEINEN, der behauptet, er könne schlecht löten (oder 
autofahren...). Aber da hab ich wohl jemandem auf den Schlips 
getreten... egal.
Gast #878144
Lesenswert?

Habe hier zwei Sorten bleifreies Lötzinn, die mit einem gewöhnlichen 
ERSA 30W verarbeitet werden. Beide Sorten sind von EDSYN (Reichelt), 
FSW34.

Das billige SnCu0,7 geht fast garnicht, das wesentlich teurere 
Sn95,5AgCu0,7 lässt sich ebenso gut löten wie das alte verbleite.

Nice week,
Zardoz
Gast #878151
Lesenswert?

> Das billige SnCu0,7 geht fast garnicht,...

Das muss aber schon sehr BILLIGES Zeug sein. Wir verwenden SN100C, das 
hat 0,7% Cu und noch ein paar Atome Ni und Ge, das geht super, 
Temperatut etwa 20° höher als PbSn.
Gast #878165
Lesenswert?

Hast recht, wenn das Brateisen Zeit hat, heizt es auch auf 400° und 
mehr. Ist also für jede Art von Elektronik unbrauchbar. Abgesehen davon, 
gibt's bei bleifrei ein  Problem mehr: Es verzundert stärker als 
Bleizinn, daher sollte man eine möglichst niedrige Temperatur einstellen 
und auch einhalten !!! - auch deine Bauteile werden's dir danken.
Gast #878172
Lesenswert?

> Zerbröseln die Lötstellen im Kalten mit Sn(bleifrei)-Lot eigentlich auch
durch die Zinnpest oder wird das durchs wenige Kupfer verhindert?

Ich hab noch keine kalte Lötstelle gehabt....

Kalte Lötstellen und Zinnpest haben im übrigen nichts miteinander zu 
tun. Aber gleich kommt der nächste mit dem Schlagwort "Whisker"...hihi
Gast #878198
Lesenswert?

> Hast recht, wenn das Brateisen Zeit hat, heizt es auch auf 400° und
> mehr. Ist also für jede Art von Elektronik unbrauchbar.

Kann ich für den ERSA nicht bestätigen. Wenn man die Lötspitze zu weit 
herauszieht, reicht die Temperatur auch nach Stunden nicht mal zum 
Schmelzen des Lötzinns.

> Abgesehen davon, gibt's bei bleifrei ein  Problem mehr: Es verzundert
> stärker als Bleizinn, daher sollte man eine möglichst niedrige Temperatur
> einstellen und auch einhalten !!!

Seit ich Lötzinn mit Silberanteil verwende habe ich damit ja auch kein 
Problem mehr.

Nice week,
Zardoz
Gast #878559
Lesenswert?

Hallo

Vielleicht brauche ich wirklich ne neue Brille, habe recht verzweifelt 
bei den reichelts auf der homepage gesucht. :-( Nun ja.

Sollte es dennoch irgendwie einmal auf etwas bleifreies herauslaufen: 
entnehme ich der 30W Aussage, daß 20 Grad höhere Spitzentemperatur 
i.d.R. notwendig sein mögen, DANN aber ganz annehmbare Ergebnisse zu 
erhoffen sind?

danke euch
Gast #878700
Lesenswert?

> Sollte es dennoch irgendwie einmal auf etwas bleifreies herauslaufen:
entnehme ich der 30W Aussage, daß 20 Grad höhere Spitzentemperatur
i.d.R. notwendig sein mögen, DANN aber ganz annehmbare Ergebnisse zu
erhoffen sind?

Ja, aber meist ist das kein Problem. Eher ist die Temperatur im Leerlauf 
zu hoch. Als Richtwert für den Anfang empfehle ich 100° über der 
Schmelztemperatur. Bei guter Temperatur sind die Ergebnisse nicht 
annehmbar, sondern hervorragend.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren