Hallo Leute!
Ich habe mal eine Frage bezüglich kermaischer Kondensatoren. Ist es
generell so, dass man eigentlich komplett auf Tantal verzichten kann,
seit es größere keramische Cs gibt? Ich mein, Tantal war ja eigentlich
die gute Lösung für große Kapazität bei guter Reaktion auf Lastsprünge.
Jetzt macht man ja oft z.B. 10u + 100n an einen IC (nur als Beispiel) -
der 10u speist den 100n und der 100n den IC.
Was ist denn jetzt wenn ich nurnoch keramische Cs nehme? Reicht es dann
direkt die 10u an den IC zu packen?
(Die Nachteile von wegen Kapazität ist spannungs- und temperaturabhängig
jetzt mal außen vor gelassen)
Kleinere sind "schneller" (haben eine geringere Induktivität),
letztlich direkt an der Baugrösse abzulesen.
Daher sind viele grosse Kerkos nicht besser als Tantals
aber meist billiger.
MaWin schrieb:> Kleinere sind "schneller" (haben eine geringere Induktivität),> letztlich direkt an der Baugrösse abzulesen.
Allerdings gibt es 10 µF auch als 0603. Wo ist da der Baugrößenvorteil
zu einem 100 nF mit der Größe 0603.
-Spannungsfestigkeit
-Keramikmaterial
Es gibt Materialien, die haben deutlich höhere Dielektrizitätskonstanten
als andere. Grob kann man sagen, je höher die ist, umso schlechter die
anderen Parameter (Temperaturabhängigkeit, Spannungsabhängigkeit, ESR
u.a)
Das heisst aber, für "bessere" Kondensatoren braucht man "bessere"
Materialien -> bei gleicher Kapazität grösser.
Ganz gut zum Verständnis:
http://de.wikipedia.org/wiki/Keramikkondensator
Ansonsten kann man sagen, ein Kondensator hat mehr Kennwerte als
Kapazität und Spannungsfestigkeit :-)
Keramik-Hans schrieb:> Ist es> generell so, dass man eigentlich komplett auf Tantal verzichten kann,> seit es größere keramische Cs gibt?
Ja und nein. Es gibt so manchen Spannungsregler, linear wie schaltend,
der mit rein keramischen Kondensatoren am Ausgang nicht klar kommt. Der
niedrige ESR ist dann meist das Problem. Und in den Datenblättern der
Veteranen unter den Spannungsreglern findet man häufig keinerlei Hinweis
zu diesem Problem, da es damals kaum C's mit so niedrigem ESR gab.
Zum Beispiel: In einem von 5 Datenblättern zum LM337 gibt es einen
Hinweis, dass der Regler besser nicht mit reinen Folienkondensatoren am
Ausgang benutzt werden soll. Die anderen Datenblätter enthalten rein gar
nichts zu dem Thema. Die traurige Realität? Manche LM337 schwingen mit
Keramik-C's. Die Lösung wenn man trotzdem keine Tantal-C's einsetzen
möchte: Serienwiderstand in Reihe zum großen Keramik-C.
"Serienwiderstand in Reihe zum großen Keramik-C."
-> könnte man auch mit miesem Layout hinkriegen :-)
Nachdem alle wichtigen technischen Dinge jetzt dastehen könnte man noch
den ethischen Aspekt bringen. Der Rohstoff aus dem Tantal gewonnen wird,
Coltan, wird im Kongo mit nicht ganz einwandfreien Methoden abgebaut.
Man sollte also versuchen mit Keramik hinzukommen. Wenn halbwegs Platz
ist sollte das bei einem neuen Design funktionieren.
Gruß, Holger
Alexander Schmidt schrieb:> Allerdings gibt es 10 µF auch als 0603. Wo ist da der Baugrößenvorteil> zu einem 100 nF mit der Größe 0603.
Wieviel dQ/dU hat der 10µF/0603 bei 10V Bias noch? Die Nennkapazität
wird mit Wechselspannung gemessen, z.B. 1Vpp bei 1kHz. Bei angelegter
Gleichspannung sinkt die Kapazität der High-Epsilon-Materialien gewaltig
ab.
Mit entsprechendem Derating (10µF/50V) ist der Baugrößenvorteil dahin.
Keramik hat allerdings den großen Vorteil, nicht brennbar zu sein. Damit
kann man die Teile auch dort verwenden, wo Tantalverbot herrscht.
Bei dem Thema der Spannungsabhängigen Kapazität: Ein einfacher Tiefpass
aus R und Keramik-C müsste doch den am Eingang angelegten Sinus
verzerren da bei z.B steigender Spannung (0-90°) die Kapazität sinkt und
damit auch das Frequenzverhalten des Filters. Dadurch ist doch auch die
Ausgangsspannung nicht mehr sinunsförmig, oder ?
> Allerdings gibt es 10 µF auch als 0603. Wo ist da der Baugrößenvorteil> zu einem 100 nF mit der Größe 0603.
Die Ursprungsfrage war anders.
Bei gleicher Baugrösse ist zu erwarten daß auch die Induktivität und
damit die Geschwindigkeit sehr ähnlich ist, allerdings kann die
Strombelastbarkeit anders sein und die Resonanzfrequenz ist es
sicherlich.
Dennoch kann es ok sein, statt 100nF dicht am IC und 10uF entfernt
Tantal, heute 10uF KerKo direkt am IC an derselben Stelle wie früher die
100nF als ausreichend anzusehen.
Die Bedeutung Afrikas als Rohstofflieferant sollte nicht überschätzt
werden.
Und solange es unaufwändiger ist, die erforderlichen Mittel für den
ständigen Waffennachschub von der Entwicklungshilfe naiver westlicher
Gutmenschen abzuzweigen, anstatt sie selbst zu erwirtschaften, wird sich
das nicht substanziell ändern.
@holger_sha (Gast)
>Hi Alexander,> .... und aus was werden aktuell die Masse der Tantals gefertigt? Aus>dem noch (?) teuren Niob oder aus dem noch (?) billigen Coltan?
Weist Du überhaupt, was Tantal, Niob, Coltan überhaupt sind? Wie soll
Tantal aus Niob hergestellt werden können? Wir sind doch nicht bei den
Alchemisten .... Höchstens durch Kernspaltung/Fusion o.ä. könnte man
sowas vielleicht hinbekommen.
Hier http://en.wikipedia.org/wiki/Coltan findet sich übrigens eine
Aufstellung der am meisten nach Ta/Nb schürfenden Länder - Kongo ist
nicht unbedingt führend, aber wohl am berüchtigsten ...
>Und in den Datenblättern der Veteranen unter den Spannungsreglern findet>man häufig keinerlei Hinweis zu diesem Problem, da es damals kaum C's>mit so niedrigem ESR gab.
Du mußt schon zwischen LDOs und normalen Reglern unterscheiden.
Foliencaps haben übrigens auch sehr niedrige ESRs.
>Zum Beispiel: In einem von 5 Datenblättern zum LM337 gibt es einen>Hinweis, dass der Regler besser nicht mit reinen Folienkondensatoren am>Ausgang benutzt werden soll.
Das habe ich noch nie gelesen. Das mußt du uns jetzt aber zeigen, wo du
das gelesen hast!
>Die traurige Realität? Manche LM337 schwingen mit Keramik-C's.
Das habe ich noch nie gesehen. Höchstens, wenn jemand dachte, daß 100nF
reichen, ein Fehler, der bei negativen Reglern häufig gemacht wird.
Ungläubiger schrieb:>>Zum Beispiel: In einem von 5 Datenblättern zum LM337 gibt es einen>>Hinweis, dass der Regler besser nicht mit reinen Folienkondensatoren am>>Ausgang benutzt werden soll.>> Das habe ich noch nie gelesen. Das mußt du uns jetzt aber zeigen, wo du> das gelesen hast!>http://www.linear.com/product/LT337A
Datenblatt Seite 7, "Capacitors and Protection Diodes"
"High Q capacitors, such as Mylar, are not recommended because they tend
to reduce the phase margin at light loads. ..."
>>Die traurige Realität? Manche LM337 schwingen mit Keramik-C's.>> Das habe ich noch nie gesehen. Höchstens, wenn jemand dachte, daß 100nF> reichen, ein Fehler, der bei negativen Reglern häufig gemacht wird.
Da war ein 1µF Keramik dran. Es hat jahrelang funktioniert, bis nach
Einkauf der X.ten Rolle auf einmal ein guter Teil der LM337 angefangen
hat zu schwingen. Aber nur in einem Produkt, in anderen nach wie vor
unproblematisch. Vorläufiger Fix war der Wechsel auf Tantals. Das zeigt
mir, das der LM337 nicht ausreichend zuverlässig mit nur-keramischen
läuft. Hersteller war in unserem Fall National, der übrigens keine
Anmerkungen wie LT im Datenblatt hat.
>Datenblatt Seite 7, "Capacitors and Protection Diodes">"High Q capacitors, such as Mylar, are not recommended because they tend>to reduce the phase margin at light loads. ..."
Gut, jetzt glaube ich dir!
>Da war ein 1µF Keramik dran. Es hat jahrelang funktioniert, bis nach>Einkauf der X.ten Rolle auf einmal ein guter Teil der LM337 angefangen>hat zu schwingen. Aber nur in einem Produkt, in anderen nach wie vor>unproblematisch. Vorläufiger Fix war der Wechsel auf Tantals. Das zeigt>mir, das der LM337 nicht ausreichend zuverlässig mit nur-keramischen>läuft. Hersteller war in unserem Fall National, der übrigens keine>Anmerkungen wie LT im Datenblatt hat.
Danke, habe wieder etwas gelernt!
verzerrer schrieb:> Bei dem Thema der Spannungsabhängigen Kapazität: Ein einfacher Tiefpass> aus R und Keramik-C müsste doch den am Eingang angelegten Sinus> verzerren da bei z.B steigender Spannung (0-90°) die Kapazität sinkt und> damit auch das Frequenzverhalten des Filters. Dadurch ist doch auch die> Ausgangsspannung nicht mehr sinunsförmig, oder ?
Richtig. Deshalb setzt man (high-epsilon) Keramik nicht im Signalweg
ein, zumindest nicht wenn mit größeren Amplituden ausgesteuert wird.
Bei den hochkapazitiven Keramik darf man den Piezo-Effekt auch nicht
vernachlässigen. Bei hochempfindlichen Messgeräten so einen für das
Abblocken eines Referenzelements zu verwenden ist keine so gute Idee.