Hallo Peter F.
Peter F. schrieb:
Form follows Funktion. Das Konzept des Klappstuhls ist eben ziemliche
ausgereizt.
"Form follows Funktion" ist hier das Stichwort, richtig. Dieses Motto, dem wohl schon seit Anbeginn der Menschheit aus praktischen Gründen gefolgt wurde, und das irgendwann im 19. JHd. ausformuliert wurde und seine bisher radikalste Ausbildung in der Kunstströmung des Bauhaus hatte, beschreibt die Situation sehr gut.
Das Bauhaus legte bei der Interpretation von "Funktion" ein erhebliches Gewicht auf "Herstellbarkeit unter industriellen Bedingungen", während die alten Vorbilder das Gewicht auf eine Herstellbarkeit bei Handwerklicher- oder Manufaktur-Produktion legten.
Das Konzept ist uralt, und schon in der Antike sind Klappstühle aus Reliefs und auch durch archäologische Funde bekannt. Luxusausführungen waren aus Bronze.
Wer sich so ein Teil leisten konnte, konnte sich auch den Sklaven leisten, der ihm das schwere Teil hinterher trug.
Auch das oben erwähnte mittelalterliche Modell war eine Luxusausführung, weil Eisen war auch damals kein billig Werkstoff, und Tauschierungen als Verzierungen
sind sehr zeitaufwändig.
In diesem Zusammenhang wäre auch interessant, ob der Rahmen massiv ist oder ein Rohr, und wenn Rohr, wie dick die Wandung ist. Dickwandige Eisenrohre wurden als Flintenläufe erst ab dem 15. Jhd. hergestellt, aber man möchte keinen Klapphocker aus Arkebusenläufen herumschleppen. ;O)
Neben diesen seltenen Beispielen dürfte es Unmengen von Exemplaren aus Holz für den Alltagsgebrauch gegeben haben, die aber wegen der mangelnden Haltbarkeit der Materialien im archäologischen Kontext nicht auftauchen.
Eine Weiterentwicklung eines solchen einfachen Konzeptes kann nur durch die Verwendung von neuartigen Materialien erfolgen. z.B. durch die Verwendung von dünnwandigen Metallrohren oder von Leichtmetall oder Faserverbundwerkstoffen beim Rahmen und von synthetischen Stoffen bei der Bespannung.
Alte Beispiele:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurulischer_Stuhl
https://de.wikipedia.org/wiki/Dagobert-Thron
Ganz altes Beispiel (3400 Jahre alt):
https://de.wikipedia.org/wiki/Klapphocker_von_Daensen
Noch einfacher, dabei kompakter aber fummeliger und etwas unbequemer ist ein dreibeiniger Falthocker. Der besteht aus der dreieckigen Sitzfläche aus Stoff oder Leder. In die Ecken des Dreiecks sind Taschen eingearbeitet, in die (Holz)Stäbe als Beine eingesteckt werden. Die Beine werden dann in der Mitte durch einen Dreibund zusammengebunden. Beine, Sitzfläche und die Schnur für den Dreibund lassen sich platzsparend zusammenlegen.
Dreibund: https://www.scout-o-wiki.de/index.php/Knoten_und_B%C3%BCnde#Dreibeinbund
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de