Mahlzeit,
ich habe eine serielle Schnittstelle mit 115k in Betrieb und würde gerne
über RS-485 differentiel Übertragen. Es liegt bereits CAT7 Kabel quer im
Haus und denke mal, dass so 500-700m Kabel zwischen liegen (fragt nicht
warum....laut Verlegeplan ist es so...)
Laut den Datenblättern sollte dies funktionieren, jedoch ist bei ca.
150-200m Ende. Kann mir jemand erklären, warum dies nicht geht?
Als RS-485 Bausteine verwende ich MAX483 und haben die Leitungen mit 100
Ohm abgeschlossen.
Über Tipps wäre ich sehr Dankbar
Gruß
Bob
Leitungskapazität und -induktivität machen Dir ab einer bestimmten Länge
zu schaffen. Dann hilft nur noch, die Datenrate zu senken oder den Strom
durch die Leitung zu erhöhen.
150-200m ist sehr wenig. Du scheinst irgendwelche andere Probleme zu
haben:
Ist 100 Ohm gleich der Wellenwiderstand der Leitung?
Sind Deine Treiber galvanisch getrennt, oder fließen parasitäre Ströme
über Deine Leitungen?
Empfangen Deine Leitungen Störsignale von lokalen Störern?
Ist Deine Leitung als Linie aufgebaut (besitzt also keine Sternstruktur
oder ähnliche Unschönheiten)?
Kabellängen von 500-700m sollten bei fehlerfreier Übertragung bei Deiner
Datenrate problemlos möglich sein.
Hast Du ein verdrilltes Adernpaar des CAT7 Kabels gewählt? Also nicht
Pin1 und Pin2 der Netzwerkdose ;-)
Ist das Kabel in einem Stück verlegt oder gibt es Anschlussstellen
dazwischen?
Mit freundlichen Grüßen
Guido
@ Guido (Gast)
>Hast Du ein verdrilltes Adernpaar des CAT7 Kabels gewählt? Also nicht>Pin1 und Pin2 der Netzwerkdose ;-)
Wieso?
Pin 1&2 sind bei der RJ45 Standardbelegung ein verdrilltes Paar.
Ich tippe auf Masseverschiebungen, die irgendwann die +/-12V
überschreiten und damit die Tranceiver aus ihrem Arbeitsbereich bringen.
MFG
Falk
> Wieso?> Pin 1&2 sind bei der RJ45 Standardbelegung ein verdrilltes Paar.
Stimmt, ich weiß auch nicht wie ich darauf gekommen bin. Ich habe wohl
an Pin3&4 gedacht und von Pin1&2 geträumt...
Mit freundlichen Grüßen
Guido
Hallo Zusammen:
vielen Dank erstmal an alle, die sich gemeldet haben :).
Also die Signalmasse übertrage ich nicht (warum auch, ist das
differentiel).
Ich habe für die Übertragung ein verdrilltes Adernpaar (Pin 3/6)
verwendet und sind nicht galvanisch getrennt. Ich werde den Tipp mit den
TI Transceivern und den galvanischen Trennen mal probieren.
Mal schauen ob es da "bringt"
Gruß
Bob
Nochwas. Der Gleichtaktbereich der Treiber und Empfaenger ist begrenzt.
Standard sind 7V. Wenn der GND auf der einen Seite zum GND auf der
anderen Seite mehr Spannung aufweist gibt es Kommunikationsprobleme oder
allenfalls geht etwa kaputt. Daher zieht man den GND durch, deshalb darf
man aber darueber keinen Strom fliessen lassen.
Also das mit der Masse hab ich gerade getestet, jedoch sieht es dann
genauso aus!
Ich hoffe ich kann morgen die TI Treiber anschauen, dann hab ich auch
ein Ossi und kann mir ein Bild von den Signalen machen. Vielleicht geht
auch bei CAT7 nicht mehr. Es gibt ja "spezielles" RS-485 Kabel....nur
das kann ich nicht verlegen, vielleicht erreicht man nur dann solche
Kabellängen.
Muss ehrlich sagen, dass ich ein wenig mehr von RS-485 erhofft habe...
Hat den hier irgendjemand RS485 mit CAT7-Kabel über 500m übertragen
können?
Hallo Bob,
>Muss ehrlich sagen, dass ich ein wenig mehr von RS-485 erhofft habe...
Ich würde eher sagen, daß bei deiner Verkabelung irgend etwas nicht
stimmt. Bist du sicher, daß da nur ein Kabel dran hängt? Oder gibt es da
vielleicht irgendwelche Verzweigungen?
Was ist mit deiner Signalmasse? Ist die vieleicht beidseitig geerdet und
du hast eine Erdschleife?
Kai Klaas
Oder die haben für die Strecke noch eine 500-mtr.-Trommel mit in die
Leitung eingeschleift!
Und wie bekommt man dann so ein Längenergebnis präsentiert, oder wurde
das meßtechnisch ermittelt?
Da hat man selbst schon die dollsten Meßwerte zu hören bekommen, bei
einem Abstand von Quelle zum Ziel von ca. 700 mtr. und meßtechnisch dann
2,5 km.
Ich habe das letztens mit normalen abgeschirmten Kabel getested. Noch
nicht mal verdrillt.
500m war ueberhaupt kein Problem mit 115 KBaud.
Das muss irgendwas anders nicht in Ordnung sein.
Gruss Helmi
Hast Du aktive Sender/Empfänger im Einsatz, oder Balun-Übertrager?
Aktiv sollte bis 1200m gehen, aber die passiven Dinger schaffen das i.d.
Regel nicht.
guude
ts
Könnt ihr mir bitte erklären, warum die Masse mit angeschlossen werden
muss?
Annahme:
Ich habe eine zweiadrige symmetrische Leitung auf der ein
differentielles Signal läuft. Bei binärer Übertragung muss der Empfänger
nun lediglich "überprüfen", ob die Spannung zwischen den Drähten der
Leitung positiv oder negativ ist. Natürlich darf die maximal zulässige
Gleichtaktspannung am Empfänger bzw. dessen Differenzverstärker nicht
überschritten werden. Jedoch sollte, wenn diese Bedingung erfüllt ist,
alles im grünen Bereich sein. Oder?
Mit freundlichen Grüßen
Guido
@ Guido (Gast)
>Könnt ihr mir bitte erklären, warum die Masse mit angeschlossen werden>muss?
Stichwort Gleichtaktsignal bzw. Gleichtaktaussteuerbereich.
>Ich habe eine zweiadrige symmetrische Leitung auf der ein>differentielles Signal läuft. Bei binärer Übertragung muss der Empfänger>nun lediglich "überprüfen", ob die Spannung zwischen den Drähten der>Leitung positiv oder negativ ist. Natürlich darf die maximal zulässige>Gleichtaktspannung am Empfänger bzw. dessen Differenzverstärker nicht>überschritten werden.
AHA! Und wie soll das gemessen bzw. festgestellt werden ohne Masse?
Klar, "irgendwie" kommt die Masse schon von A nach B, meist unbemerkt
über den Schutzleiter. Kann klappen, muss aber nicht.
> Jedoch sollte, wenn diese Bedingung erfüllt ist,>alles im grünen Bereich sein. Oder?
Nimm deine extra Ader, welche du für Masse verwendet hast. An einem Ende
an Masse am Tranceier, am anderen Ende offen. Schalte dort ein
Multimeter im Spannungsmessbereich ein. Damit kannst die die
Masseverschiebung deiner zwei Tranceiver messen. Miss DC und auch AC!
Bei mehr als +12/-7V hast du mit normalen Tranceivern verloren. Da hilft
nur Galvanische Trennung.
MFG
Falk
@Falk
Danke für die Antwort.
> AHA! Und wie soll das gemessen bzw. festgestellt werden ohne Masse?
Eigentlich benötige ich die Masse doch nicht. Ich kann die Spannung
mittels Differenzverstärker messen. Im schlimmsten Fall, wenn die Daten
seeeeehr langsam kommen mittels Multimeter (eher theoretische
Überlegung).
> Klar, "irgendwie" kommt die Masse schon von A nach B, meist unbemerkt> über den Schutzleiter. Kann klappen, muss aber nicht.
Ist ja nicht so, dass ich die Masse nicht mitschleifen möchte ich
versuche nur die Sache etwas besser zu verstehen.
> Nimm deine extra Ader, welche du für Masse verwendet hast. An einem Ende> an Masse am Tranceier, am anderen Ende offen. Schalte dort ein> Multimeter im Spannungsmessbereich ein. Damit kannst die die> Masseverschiebung deiner zwei Tranceiver messen. Miss DC und auch AC!
An Ermangelung einer geeigneten Übertragungsstrecke kann ich das leider
derzeit nicht tun. Es wäre aber sicher interessant dies einmal
durchzumessen.
> Bei mehr als +12/-7V hast du mit normalen Tranceivern verloren. Da hilft> nur Galvanische Trennung.
Zusammenfassen lässt sich folglich sagen, dass der "Knackpunkt" der
Gleichtaktaussteuerbereich der Transceiver ist.
Mit freundlichen Grüßen
Guido
@ Guido (Gast)
>Eigentlich benötige ich die Masse doch nicht. Ich kann die Spannung>mittels Differenzverstärker messen.
Auch ein Differenzverstärker braucht einen Massebezug!
> Im schlimmsten Fall, wenn die Daten>seeeeehr langsam kommen mittels Multimeter (eher theoretische>Überlegung).
Das ist aber keine differentielle Messung.
>An Ermangelung einer geeigneten Übertragungsstrecke kann ich das leider>derzeit nicht tun. Es wäre aber sicher interessant dies einmal>durchzumessen.
Häää? Und mit was hast du die ganze Zeit getestet?
>Zusammenfassen lässt sich folglich sagen, dass der "Knackpunkt" der>Gleichtaktaussteuerbereich der Transceiver ist.
Wahrscheinlich. Es kann aber auch ein anderes Problem sein.
MFG
Falk
@Falk
> Häää? Und mit was hast du die ganze Zeit getestet?
Entschuldige bitte, falls es hier zu einem Missverständnis kam. Ich bin
nicht der Thread-Starter. Dennoch finde ich das Thema Interessant. Lasst
mich nicht dumm sterben ;-)
Mit freundlichen Grüßen
Guido
Falk Brunner schrieb:
> Auch ein Differenzverstärker braucht einen Massebezug!
Wenn der Differenzverstärker keinen Massebezug hat und durch seine
externe oder interne Schaltung die Eingänge sanft in Richtung Mitte
Vcc/GND zieht, dann stellt sich der Massepegel ganz allein ohne
mitgeführte Masseleitung passend ein. Wie störunempfindlich das ist, das
ist eine andere Frage.
Wenn Du mehr als 2 Teilnehmer hast dürfen die 100 Ohm nur an den beiden
Leitungsenden gesetzt werden.
Bisher hat auch niemand erwähnt, dass Du vermutlich auch noch ein
Pull-Up/Pull-Down Paar an einem der Teilnehmer benötigst, die für
definierten Pegel sorgen, wenn keiner der Teilnehmer gerade etwas
sendet. (Ausnahme: Es wird immer nur in einer Richtung gesendet und der
Treiber steht dauerhaft auf 'Senden').
Masse:
Prinzipiell ginge es auch ohne Masseverbindung. Eine gute Idee ist das
aber trotzdem nicht:
Wenn die Bezuggspotentiale der angeschlossenen Geräte eine Verbindung zu
ihrem lokalen (!) Schutzleiter haben, hast Du eben doch eine Verbindung
der Massen. Problem: Diese Verbindung ist mechanisch völlig anders
verlegt als die Datenleitungen. Folge: Auf 700m Länge bekommst Du
riesige Leiterschleifen zwischen den Datenleitungen und der
Schutzleiterverbindung. In diese Schleife werden eigentlich immer
Störungen induziert (ich habe zwischen zwei Schutzleitern im selben
Gebäude schon 70V gemessen).
Die Geräte sehen dann also gegenüber ihrer persönlichen Masse die 50Hz
Störungen auf den Datenleitungen. Bis +/-5V ist das kein Problem - das
können die RS485 Bausteine - sobald aber der Bereich -7 .. +12V
gegenüber der Gerätemasse verlassen wird, setzt die Funktion aus (die
Bausteine haben das Recht zu sterben und nutzen das auch beherzt aus).
Aus meiner Sicht gibt es nur eine gute Lösung:
Maximal einer der Teilnehmer hat eine galvanische Verbindung zum
Schutzleiter, dessen Masse wird als Bezugspotential zu den anderen
verwendet.
> Wenn die Bezuggspotentiale der angeschlossenen Geräte eine Verbindung zu> ihrem lokalen (!) Schutzleiter haben, hast Du eben doch eine Verbindung> der Massen. Problem: Diese Verbindung ist mechanisch völlig anders> verlegt als die Datenleitungen. Folge: Auf 700m Länge bekommst Du> riesige Leiterschleifen zwischen den Datenleitungen und der> Schutzleiterverbindung. In diese Schleife werden eigentlich immer> Störungen induziert (ich habe zwischen zwei Schutzleitern im selben> Gebäude schon 70V gemessen).
Das überzeugt mich. Danke für den Hinweis.
Mit freundlichen Grüßen
Guido