Hi Jungs,
welcher Kondensator-Typ hat die kleinste Selbstentladung bzw. den
kleinsten Kondensatorverlust?
Hintergrund, ich lade einen Kondensator über eine Hysterese-Regelung
zwischen 3,5 Volt auf. Der auf 3,5 Volt aufgeladene Kondensator, soll
die Spannung so lange wie irgendwie möglich halten können. Er wird nicht
aktiv entladen. Sinkt die Spannung auf 2,5V ab lädt die
Hysterese-Regelung den Kondensator wieder auf. Dieses Nachladen soll
aber so selten wie irgendmöglich passieren.
Würde mich über eine rege Diskussion freuen,
Sebastian
Sebastian schrieb:> Hintergrund, ich lade einen Kondensator über eine Hysterese-Regelung> zwischen 3,5 Volt auf.
wozu soll das gut sein?
Wie groß ist der Kondensator?
Halte das ganze auch für ziemlich sinnlos, aber Styroflex
(Polystyrol-Dielektrikum) kommen dem Ideal schon recht nahe. Leider kaum
noch erhältlich. Und wenn, nur in bescheidenen Kapazitäten.
Der Leckstrom eines modernen "Low Leakage" Elektrolytkondensators ist,
einige Minuten nachdem er an die Spannung angelegt wurde, im
einstelligen µA Bereich. Er berechnet sich wie folgt:
I = k * Kapazität/µF * Spannung/V
k ist je nach Qualität 0,002 bis 0,03.
Bei 1000 µF und 4 Volt ergibt das 8 - 120 µA.
Allerdings ist der Leckstrom stark Temperaturabhängig und wird mit
wachsender Temperatur größer.
Sebastian schrieb:> Hysterese-Regelung zwischen 3,5 Volt [...] 2,5V
Also 1 Volt Spannungsdifferenz, das ist eine Zeitkonstante von 125
Sekunden bei 1000 µF.
Schau dir mal von Vishay 013 RLC an.
Ich halte die Frage vor allem deswegen für albern, weil ein in der Luft
hängender Kondensator zu nichts nütze ist, ergo am Ende doch irgendwo
angeschlossen sein muß. Selbst wenn das z.B. ein OPV mit FET-Eingängen
ist: ein bisschen Leckstrom fließt immer. Der Kondensator muß also "nur"
einen Leckstrom der gleichen Größenordnung haben. Wenn der Kondensator
besser ist, bringt das herzlich wenig, weil eben der externe Leckstrom
dominiert.
XL
Ohne die Anwendung ist das Ganze ein Furz. Es geht nicht um
Zeitkonstanten, dh Analoge Verzoegerung um lange Zeiten, denn sonst
waere das Nachladen nicht so wichtig.
Fur solche Anwendungen, Polystyrol, mit einem JFet als Spannungs Sensor
geht in die Monate.
Und wenn was gespiesen weerden soll, dann dominiert dessen stromaufnahme
die Entladung. Daher : Worum geht's. Uns wieviel Strom vord abgezogen.
Daraus koennen wir die erforderliche Kapazitaet und auch den Typ des
Kondensers abschaetzen.
Hallo zusammen,
danke für Eure Tipps. Ich denke, dass ich von WIMA einen MKP4-Typ
verwende.
Die sind noch einen Tick besser als die Polystyrol.
VG,
Sebastian
Harald Wilhelms schrieb:>> Dieses Nachladen soll aber so selten wie irgendmöglich passieren.>> Das ist wirklich eine sehr präzise Zeitangabe.
Das seltenste wie irgendmöglich ist -> einmalig und dann nie wieder
Hochohmige Schaltungen sind immer kritisch im Aufbau und in der
Zuverlässigkeit.
Wenn man wüßte, wozu das ganze nütze sein soll, gäbe es bestimmt
erheblich bessere Lösungen.
Ansonsten:
Ich würde einen 1F Goldcap empfehlen. Der versorgt meine RTC bei
Netzausfall etwa eine Woche.
Peter
Hallo,
Sebastian schrieb:> Ich denke, dass ich von WIMA einen MKP4-Typ> verwende.
und dann am besten die Spannungsfestigkeit des Kondensators weit höher
nehmen als eigentlich benötigt (z.b. 1000V-).
Das senkt auch die Leckströme.
Wenn es eine hohe Kapazität sein soll ginge auch ein "Flüssig-Tantal".
Sind aber extrem Teuer die Dinger.
Das beste was mal als Dielektrikum bekommen kann ist (neben Luft)
Teflon.
siehe Polytetrafluoräthylen-Kondensator (PTFE-Cap).
Aber auch nicht Billig und schwer zu bekommen in größeren
Kapazitätswerten.
Gruß
Marcus
Sebastian schrieb:> Er wird nicht aktiv entladen.
Was hängt denn dran?
> Der auf 3,5 Volt aufgeladene Kondensator, soll> die Spannung so lange wie irgendwie möglich halten können.
Sekunden, Tage, Jahre?
> die Spannung so lange wie irgendwie möglich halten können.
Miss die Spannung und schreib sie auf ein Blatt Papier. Mit einem Poti
kannst du die Sannung komfortabel nachregeln...
Manchmal ist es einfacher, einen uC mit ADC und EEPROM und PWM sowas
machen zu lassen...
Der kann sich den Spannungswert sogar nach dem Wiedereinschalten merken.
Soll heißen: eine/jede Beantwortung der Frage ist absurd, solange die
Anwendung und das Drumrum nicht bekannt ist.
Sebastian schrieb:> Er wird nicht aktiv entladen. Sinkt die Spannung auf 2,5V ab lädt die> Hysterese-Regelung den Kondensator wieder auf.
Er wird schon aktiv entladen und zwar durch die Messschaltung deiner
Regelung.
Hi Jungs,
es geht tatsächlich um ein RTC Pufferung, wie vom Peter schon vermutet.
Der RTC nimmt kleiner 600nA auf, also fast nichts ;-).
Die Überbrückungszeit möchte ich mit einem GoldCap möglichst maximieren.
Idee GoldCap auf 5,5 Volt aufladen. Einen zweiten deutlich kleineren
Kondensator (Typ???) auf 3,5 Volt zyklich mit einer Komparator-Schaltung
aus dem 5,5V GoldCap nachladen. Der RTC hängt an dem kleinen Kondensator
und wird somit immer im Bereich seiner Nennspannung betrieben. Die
Komparatorschaltung nimmmt in der Simulation nur 300nA im Standby auf.
Mit Schaltreglern oder ähnlichen bin ich immer schlechter dran, oder?
Fazit:
* In 5,5V GoldCap bekomme ich deutlich mehr Energie unter.
* Die Komparator-Schaltung ist meiner Meinung nach am effizientesten, um
in den Nennspannungsbereich des RTCs zu kommen.
* Der RTC wird direkt vom GoldCap gespeist, wenn dessen Spannung im
Nennbereich des RTC liegt.
Hat jeamnd noch einen besseren Vorschlag?
VG,
Sebastian
Sebastian schrieb:> auf 3,5 Volt zyklich mit einer Komparator-Schaltung> aus dem 5,5V GoldCap nachladen.
Hallo,
ich würde mal behaupten, dass der MKP-Kondensator in deinem System
dasjenige Bauteil ist, das am wenigsten Einfluss auf die Pufferzeit hat,
jedenfalls weniger als der Verbrauch und die Entladung des Goldcaps.
Gruss Reinhard
Lohnt sich der ganze Aufwand denn? Einerseits gegenüber einem
entsprechend grösseren Goldcap. Andererseits gegenüber einer
Lithium-Batterie.
Der Grundansatz sollte vorneweg die benötigten Zeiten definieren. Also
nicht "möglichst lange bis ewig" sondern sowas wie "3 Tage
Überbrückungszeit und 10 Jahre Lebensdauer". Dann kann man die
verschiedenen Ansätze einander gegenüber stellen. Goldcaps sind übrigens
auch nicht frei von Alterungseffekten.
Sebastian schrieb:> es geht tatsächlich um ein RTC Pufferung, wie vom Peter schon vermutet.
Es wäre besser, du hättest dies gleich am Anfang geschrieben.
> Die Überbrückungszeit möchte ich mit einem GoldCap möglichst maximieren.> Idee GoldCap auf 5,5 Volt aufladen. Einen zweiten deutlich kleineren> Kondensator (Typ???) auf 3,5 Volt zyklich mit einer Komparator-Schaltung> aus dem 5,5V GoldCap nachladen.> Hat jeamnd noch einen besseren Vorschlag?
Einen Linearregler mit sehr geringem Selbstverbrauch, wie den LT3008
oder den TPS78223. Ersterer braucht 3 µA, letzterer 0,5 µA. Bei einem
GoldCap mit 1 F ergibt dies einschließlich des Verbrauchs der RTC 8 Tage
bzw. 26 Tage.
Wie A.K. schon geschrieben hat, ist eine Lithiumbatterie hier die
bessere Alternative, denn so ein GoldCap hält auch nur ein paar Jahre
durch. Auch von den Kosten und der Baugröße ist eine Batterie kleiner.
Eine CR2032 beispielsweise hält bei 3,6µA knapp 7 Jahre durch.
Sebastian schrieb:> Einen zweiten deutlich kleineren> Kondensator (Typ???) auf 3,5 Volt zyklich mit einer Komparator-Schaltung> aus dem 5,5V GoldCap nachladen.
Beim Umladen von Kapazitäten verpufft die halbe Energie. Bitte auch
darüber nachdenken!
fuer einen RTC wuerd ich bei moeglicher Nachladung
zB
per Solar im Sommer einen TPS62056 stepdown
per Peltier im winter einen LTC3108 stepup
und falls beides grad nicht tut eine 300mA LiPo.
Die volle LiPo bringt bei einem uA Verbrauch 10+ Jahre.
Wie lange sollte das Teil laufen ?
Ein guter Marken Gold Cap hat bei Nennspannung (5-6V) < 3uA Leckstrom.
Nach ca. 10 Minuten. Chinesische locker mehrere 100uA bis mA.
Gerade bin ich wieder drauf reingefallen. Ein DCS5R5224 0,22F von
"Korchip" zieht ohne rot zu werden um 300uA. Nagelneu, oder
Ausschussware(?). Und der Hersteller spezifiziert aber bis 200uA als
normal.
Das ist dann lustig, wenn eine Langzeitbatterie, 3,6V, parallel zur
Datenerhaltung dran hängt und zügig entladen wird.
Also "ins Klo gegriffen" und 2 x kaufen.
Und, kurzschliessen kann man einen Goldcap ohne Probleme. Der ist
hochohmig genug und es entladen sich nicht alle Kondensatorzellen auf
einmal. Der erholt sich nach dem Kurzschluss auch noch.
Sebastian schrieb:> Idee GoldCap auf 5,5 Volt aufladen. Einen zweiten deutlich kleineren> Kondensator (Typ???) auf 3,5 Volt zyklich mit einer Komparator-Schaltung> aus dem 5,5V GoldCap nachladen.
Such mal nach "Kondensatorparadoxon".