Yamaha HS7 – Hochtöner defekt durch seltenen Fehler am OP‑Eingang (Mini‑Induktivität L403 hochohmig)

OP #8007934
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Hallo zusammen, ich möchte hier einen ungewöhnlichen Fehler an einem Yamaha HS7 Studio‑Monitor dokumentieren. Vielleicht hilft es jemandem, der ein ähnliches Fehlerbild hat. 🔧 Fehlerbild • Tieftöner funktioniert normal • Hochtöner komplett stumm • Nach dem Ersetzen: Eingeschaltet: lautes Knacken • Verdacht auf Gleichspannung am Hochtöner • Beim ausgetauschten Hochtöner: weiterhin Zischen/Rauschen am OP‑Ausgang Der alte Hochtöner selbst zeigte einen klaren thermischen Schaden an der Schwingspule. 🔍 Erste Diagnose • Netzteil: ±30,7 V stabil • Endverstärker‑IC LM3886TF: Spannungen korrekt • Kein offensichtlicher Defekt nach Service‑Manual erkennbar • Schaltplan im Manual enthält nicht alle Bauteile, insbesondere keine Induktivitäten. Darum habe ich anhand der Platinenbeschriftung einen eigenen Schaltplanausschnitt rekonstruiert. 📉 Ursache: Mini‑Induktivität L403 hochohmig (11 MΩ!) Die beiden Induktivitäten L403 und L404 sitzen direkt an den OP‑Amp‑Eingängen und dienen als HF‑Stopper. Messung: • L404: 0,425 Ω → normal • L403: 11 Megaohm → praktisch offen Damit war der nichtinvertierende Eingang des OP‑Amps elektrisch offen. Das Eingangspotential war undefiniert → der OP‑Amp ging beim Einschalten in die Sättigung. Ergebnis: • Am OP‑Ausgang lagen kurzzeitig ±30 V Gleichspannung • Der Hochtöner wurde dadurch thermisch zerstört Ein seltener Fehler — eine Mini‑Drossel, die hochohmig wird, sieht man fast nie. 🛠️ Reparatur • L403 durch passende Ersatzinduktivität ersetzt • Hochtöner erneuert • Mehrfaches Ein‑/Ausschalten getestet → kein DC‑Peak mehr • Oszilloskop: keine HF‑Schwingungen • Gerät arbeitet wieder einwandfrei 💬 Fazit Ein klassischer „kleiner Fehler mit großer Wirkung“. Der Defekt einer winzigen Induktivität führte zu einem massiven Folgeschaden. Vielleicht hilft dieser Beitrag jemandem, der ein ähnliches Problem mit der HS‑Serie hat. Fragen beantworte ich gern. Viele Grüße Johannes

: Verschoben durch Moderator
#8008148
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Karl B. schrieb:

Hat der kein Relais, da erst nach Verzögerung dann die Lautsprecher aufschaltet?

Das nützt halt nichts, wenn der OPA-Eingang in der Luft hängt und dadurch dauerhaft Gleichspannung am Verstärkerausgang anliegt. Ich frage mich nur, wie so eine Induktivität im Kleinsignalzweig kaputtgehen kann. Bruch durch mechanische Belastung der Platine?

OP #8008403
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Hallo zusammen, ich wollte mit meinem Beitrag eigentlich nur einen Hinweis geben: Beim HS7 sollte man sich nicht ausschließlich auf den Schaltplan im Servicemanual verlassen, sondern unbedingt auch die realisierte Platine betrachten. Der Grund ist einfach: Das Servicemanual ist gut, aber der Schaltplan enthält mehrere Zweige, die für andere Modelle der Serie gedacht sind. Auf der Platine tauchen dann Bauteile auf, die im Plan nicht eingezeichnet sind. Das erzeugt zunächst Misstrauen gegenüber der Dokumentation. Darum habe ich die Untersuchung kurz unterbrochen und mir angesehen, was tatsächlich auf der Platine verbaut ist und welche Teile für das Fehlerbild relevant sind. Aus Schaltplan + Platinenbeschriftung habe ich mir dann einen kleinen, auf den HF‑Zweig reduzierten Schaltplanausschnitt erstellt. Damit wurden die beiden Induktivitäten sofort logisch einordbar. (Ich hänge den Ausschnitt im Thread an.) Zu einigen Kommentaren: Zur Zuverlässigkeit der Bauteile: Auch ich war überrascht, dass eine SMD-Induktivität dieser Qualität hochohmig wird. Der Hinweis auf statistische Ausreißer ist aber plausibel. Zusätzlich arbeitet die Elektronik in einer Box natürlich immer unter mechanischer Belastung durch Schwingungen. Zum Schutzkonzept: Der LM3886 hat einen MUTE-Eingang, und Yamaha nutzt eine Power-On-Mute-Schaltung. Eine echte DC-Schutzschaltung wie im PA-Bereich wäre vermutlich zu teuer bzw. für diese Klasse unüblich. Zu den Bauteilwerten: Bei SMD-Induktivitäten ist es ohne Mikroskop oder Aufdruck schwierig, den Wert zu bestimmen. Im Servicemanual gibt es dazu tatsächlich keinen Hinweis (auch nicht in den japanischen Teilen). Ich habe Pin 9 des ICs ausgelötet, um L404 zu isolieren, und dann mit einer Messbrücke zumindest die Größenordnung ermittelt. Die Genauigkeit war dabei zweitrangig — wichtig war nur, dass L403 elektrisch praktisch offen war. Über die Frage „einfach überbrücken“: Ja, das wäre eine Möglichkeit gewesen. Danach hätte man aber mit Rechtecksignalen prüfen müssen, ob die Stufe stabil bleibt. Das setzt eine definierte Last voraus — ein Hochtöner mit Ferrofluid ist dafür nicht geeignet, weil sein dynamisches Verhalten die Messung verfälschen kann. Das geht dann über mein Wissen hinaus, daher habe ich mich für den Austausch entschieden. Gruß, Johannes Meyer

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