Welche Elkos taugen was?

OP #8089227
Lesenswert?

Hallo,

in einem kleinen Wechselrichter für 12V sind eingangsseitig zwei Elkos mit 3300µF/50V verbaut und parallel geschaltet. Der eine ist kerngesund, der andere (jeweils rechts im Bild) ist aufgebläht, 2mm höher und hat noch schlappe 41pF, siehe Fotos. Interessant ist, dass es den Hersteller "Ruelioon" gar nicht gibt, offensichtlich werden für bestimmte Geräte extra Bauteile mit Phantasienamen gelabelt.

Was muss ich kaufen, wenn ich wirklich hochwertige und langlebige Kondensatoren möchte, denn das Gerät ist gerade mal etwas mehr als 2 Jahre alt. Und ich möchte das Gerät nicht nochmal auseinander rupfen müssen. Low-ESR muss sein.

Bei Nichicon fand ich einen (3300µF/50V (D25, H30, RM10) LGU1H332MELA), kann aber im Datenblatt keine Angaben zum ESR finden. Hat jemand eine andere Empfehlung?

Gustav

Angehängte Dateien:
: Bearbeitet durch User
Beitrag #8089244 wurde vom Autor gelöscht.
#8089265
Lesenswert?

Gustav K. schrieb:

Interessant ist, dass es den Hersteller "Ruelioon" gar nicht gibt

Das Schriftbild ist auch kein Zufall, da will ein China-Nachbaupfuscher mit Rubicon verwechselt werden und ist damit nicht alleine. Daneben sind hoffentlich Trimmpotis "BAOTER" im selben blau und gleicher Typennummer wie Bourns.

Wenn Du passende Nichicon gefunden hast, baue die ein. Du darfst natürlich auch, wie hier üblich, wochenlang über Wenn und Aber palawern anstatt einfach mal zu machen.

#8089268
Lesenswert?

Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass (zumindest ein Hersteller) nur 6 Jahre Haltbarkeit auf seine Kondensatoren gibt. Ob man das auf alle anwenden kann, weiß ich nicht. Aber dann stelle dich drauf ein, dass das evtl. nochmal repariert werden muss. Und reichen die 50V oder sind die schon auf der Kante? Ich persönlich habe ganz gute Erfahrung mit Panasonic gemacht. Langzeit kann ich jetzt nicht mal genau sagen, aber die Werte waren immer ziemlich genau und alles was ich eingebaut habe, lebt heute noch.

#8089269
Lesenswert?

Manfred P. schrieb:

Gustav K. schrieb:

Interessant ist, dass es den Hersteller "Ruelioon" gar nicht gibt

Das Schriftbild ist auch kein Zufall, da will ein China-Nachbaupfuscher mit Rubicon verwechselt werden und ist damit nicht alleine.

Hehe. Ein Kumpel hat mal auf einer Asienreise eine Armbanduhr der Weltmarke "Olashütte" erstanden. Absichtlich. Er fand das witzig.

Wer weiß, was wir für Fehler machen würden, wenn wir chinesische Schriftzeichen kopieren würden.

#8089299
Lesenswert?

Nevs schrieb:

Nö das hat nichts mit Markenrechten zu tun sonden mit der Dummheit der Leute die das dann kaufen.

Doch, aber ist das nicht in Grenzen das Gleiche.

Geh mal auf den Kanarischen Insel oder der Türkei durch die Asia-Shopping Meilen. Viel schlimmer als bei Ali, Shein oder Temu.

Da gibt es auch Pamu ( Der Name wurde abschlichtlich verdreht ) Turnschuhe mit drei Streifen. Oder T-Shirt mit Bäckenhauer ( oder so ähnlich ) drauf.

HolgerR

#8089304
Lesenswert?

Manfred P. schrieb:

Das Schriftbild ist auch kein Zufall, da will ein China-Nachbaupfuscher mit Rubicon verwechselt werden und ist damit nicht alleine.

Mama: "Nein Manfred, wir haben Rubycon Zuhause".

Rubycon Zuhause:

Axel S. schrieb:

Wer weiß, was wir für Fehler machen würden, wenn wir chinesische Schriftzeichen kopieren würden.

Das gibt es extrem häufig bei Tattoos. https://www.youtube.com/watch?v=lQB4OXSoFN8

: Bearbeitet durch User
(Firma: Starfleet) #8089343
Lesenswert?

der Name soll wohl eher Ruelicon sein, nicht Ruelioon - vielleicht extra für den Schweizer Markt aufgelegt?!

Habs mal gedreht und Kontrastverstärkt damit man den Aufdruck besser lesen kann. Wenn allerdings die Schaltung und deren Aufbau reichlich suboptimal ist (bspw. zu heiss, heftige Spannungspulse) wird auch ein Qualitäts-Bauteil nicht lange überleben können.

Angehängte Dateien:
#8089347
Lesenswert?

Gustav K. schrieb:

Was muss ich kaufen, wenn ich wirklich hochwertige und langlebige Kondensatoren möchte,

Am besten einen ordentlichen Wechselrichter eines renommierten Herstellers bei einem seriösen Händler. Nämlich deswegen:

Bradward B. schrieb:

Wenn allerdings die Schaltung und deren Aufbau reichlich suboptimal ist (bspw. zu heiss, heftige Spannungspulse) wird auch ein Qualitäts-Bauteil nicht lange überleben können.

Die verbauten Halbleiter werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht das gelbe vom Ei sein. Usw. usf.

(Firma: Starfleet) #8089353
Lesenswert?

Vielleicht Elkos kaufen, die fuer Satellitenanwendungen spezifiziert sind?

Naja für "Rocket-Science" haste hier nicht die Zuhörerschaft:

Von der Liquidität bzgl. speziell gefertigter Space-Bauteile ganz zu schweigen, hier geht nur COTS.

Wer weiß, was wir für Fehler machen würden, wenn wir chinesische Schriftzeichen kopieren würden.

Der Spaß reicht in beide Richtungen der Übersetzung:

: Bearbeitet durch User
#8089386
Lesenswert?

Frank O. schrieb:

Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass (zumindest ein Hersteller) nur 6 Jahre Haltbarkeit auf seine Kondensatoren gibt.

Es kann auch deutlich weniger sein. 500 Stunden sind keine drei Wochen.

Die Hersteller geben die Lebensdauer in Stunden bei einer Bezugstemperatur an. Z.B. 500 h bei 125°C, 2000 h bei 105°C oder 10.000 h bei 85°C. Das kann man dann auf die Betriebstemperatur umrechnen. Die exakten Formeln gibt es vom Hersteller (gegen NDA), die Faustregel "zehn Grad weniger hält doppelt so lange" passt aber für die meisten Anwendungen ganz gut.

D.h. Du nimmst Dein Lebensdauer-Lastprofil, z.B. "2 Jahre bei 45°C plus 200 Stunden bei 65°C plus 10 Stunden bei 85°C", rechnest alles auf die obere Grenztemperatur um und addierst die Werte. Das ergibt die Lebensdauer, für die der Elko spezifiziert sein muss.

Die Hersteller-Formeln berücksichtigen auch noch den Ripplestrom.

Eine Temperaturangabe ohne zugehörige Lebensdauer ("105C LOW ESR") ist völlig sinnlos, da beides voneinander abhängt. Sowas ist nur China-Marketing. Genau wie "low ESR". ESR ist ein Parameter und hat einen Zahlenwert. Zu niedrig ist genauso falsch wie zu hoch.

#8089389
Lesenswert?

Keks F. schrieb:

Axel S. schrieb:

Wer weiß, was wir für Fehler machen würden, wenn wir chinesische Schriftzeichen kopieren würden.

Das gibt es extrem häufig bei Tattoos. https://www.youtube.com/watch?v=lQB4OXSoFN8

"I don't know. I don't speak Chinese" LOL.

Aber du hast recht. Das ist kanonisch: https://www.youtube.com/shorts/IdLvaDNvJG8

: Bearbeitet durch User
#8089402
Lesenswert?

Soul E. schrieb:

Es kann auch deutlich weniger sein.

Das war damals nicht aus einem Datenblatt. Das war irgendwo "im vorbei lesen".
Da man heute viele Defekte durch Kondensatoren sieht und auch oft nach relativ kurzer Zeit, ist es anzunehmen, dass die Qualität nicht mehr so toll ist. Natürlich liegt es auch an anderen Bedingungen, wie immer mehr Schaltnetzteilen.
Insgesamt schon ein unbefriedigender Zustand und deshalb ist der Wunsch des TO durchaus verständlich. Daher war mein Hinweis natürlich richtig, dass es durchaus noch zu weiteren Reparaturen kommen kann.

#8089428
Lesenswert?

Frank O. schrieb:

Da man heute viele Defekte durch Kondensatoren sieht und auch oft nach relativ kurzer Zeit, ist es anzunehmen, dass die Qualität nicht mehr so toll ist.

das liegt daran, dass die meiste Elektronik durchseucht ist mit miesen Billig-Elkos aus China - die Elkoseuche von Anfang der 2000er (https://de.wikipedia.org/wiki/Capacitor_Plague) wird von den Billigherstellern weiter am Leben gehalten

Die Datenblätter helfen da auch nur bedingt weiter - bei der Lebensdauer untertreiben die Japaner maßlos und ebenso übertreiben die Chinesen maßlos ...

Bei den großen Elkos fehlt gern die Angabe des ESR, dafür ist Tangens Delta angegeben - bei 0,3 ist der ESR des genannten ca. 100mOhm; kleinerer Tangens Delta = geringerer ESR; bzw. als Auswahlhilfe kann man auch den Ripplecurrent heranziehen - je größer, desto kleiner der ESR

#8089431
Lesenswert?

Beispiel dazu (Powerline-Adapter devolo):
die frühen dlan550WiFi / dlan550Wifi+ und die dlan-Adapter ohne Wifi laufen gerne >10Jahre - damalige Bestückung mit Rubycon Elkos Serie ZLH;

erst ab der Verwendung von SamXon-Elkos vor einigen Jahren sterben die Adapter nach wenigen Jahren (hab viele davon repariert) mit Fehlerbild: verbindet nicht/blinkt nur rot oder kpl. tot;

es betrifft die Elkos sekundär – je nach Modell 2x1000uF/10V oder 1000uf/10V + 470uF/6,3V; p.s. das betrifft nicht die großen Adapter (1200 oder Magic-Serie)

hier die Ausbeute an defekten SamXon von devolo-Adaptern:

Angehängte Dateien:
: Bearbeitet durch User
(Firma: Starfleet) #8089479
Lesenswert?

das liegt daran, dass die meiste Elektronik durchseucht ist mit miesen Billig-Elkos aus China - die Elkoseuche von Anfang der 2000er (https://de.wikipedia.org/wiki/Capacitor_Plague) wird von den Billigherstellern weiter am Leben gehalten

Nöö, in dem verlinkten Artikel ist deutlich die Rede davon, das heutige Ausfälle eher auf unfähige Schaltungsdesigner zurück zu führen ist, nicht auf das Elektrolyt wie 1999:

"Gründe für Elko-Ausfälle nach 2007 ... Die Ausfallbilder, geplatzter Elko, hochgedrückter Gummistopfen, ausgelaufener Elektrolyt sind mit denen aus der Produktion mit dem „falschen“ Elektrolyten identisch. Es kann also, wenn jetzt nach dem Jahre 2007 noch Ausfälle dieser Art auftreten, nur durch eine sorgfältige Nachberechnung der gesamten Schaltung mit allen Randbedingungen für den Kondensator wie Temperatur- und Rippelstrombelastung ermittelt werden, ob es sich um ... einen Fehler bei der Auslegung der Schaltung handelt. ... auf eine nicht korrekt durchgeführte Berechnung der Elko-Belastung und der Elko-Lebensdauer zurückführen."

#8089518
Lesenswert?

Bradward B. schrieb:

Nöö, in dem verlinkten Artikel ist deutlich die Rede davon, das heutige Ausfälle eher auf unfähige Schaltungsdesigner zurück zu führen ist, nicht auf das Elektrolyt wie 1999:

wie erklärst du dann den massenhaften Ausfall der SamXon in der gleichen Applikation nach 3 Jahren vs. Lebensdauer der Rubycon von >10Jahren? und das ist nur ein Beispiel - da gibts noch tausende andere

: Bearbeitet durch User
(Firma: Starfleet) #8089550
Lesenswert?

wie erklärst du dann den massenhaften Ausfall der SamXon in der gleichen Applikation nach 3 Jahren vs. Lebensdauer der Rubycon von >10Jahren?

gleiche Applikation bedeutet jetzt nicht unbedingt gleiches PCB, da werden gern unterschiedliche PCB-Revisionen gemacht, bei denen dann auch andere Bauteile getauscht sein können (auch wg. Abkündigungen).

Und 3 Jahre dauerbetrieb (es geht doch hier um Netzwerkequipment?!) sind schon ne anständige Hausnummer für Consumergeräte, die eher auf "ein paar Stunden am Werktag" Betrieb ausgelegt werden, statt auf 24/7 Dauerbetrieb.

Generationswechsel wäre auch noch ein Thema, also da plant man beispielsweise auf 10 Jahre bevor man sowieso das Gerät wegen technischen Fortschritt (bspw. im WLAN-Protokoll) auswechseln muss. Klar daß die in den ersten Jahren produzierten Geräte mehr Jahre in Betrieb sind als die am Ende des Produktionszykluses (sogenannte Auslaufmodelle). Diese Auslaufmodelle sind dann eher auf (Niedrige Produktions)Kosten optimiert und nicht auf Zuverlässigkeit wie die für die Markteinführung gefertigten.

Und die genannten Parameter wie 10V und 6.3V deuten ohnehin auf ein (wegen Miniaturisierung?) "auf Kante" konstruiertes Design.

: Bearbeitet durch User
#8089558
Lesenswert?

Bradward B. schrieb:

gleiche Applikation bedeutet jetzt nicht unbedingt gleiches PCB

doch, exact gleiches PCB und gleiche Daten

die SamXon müssten lt. DS bei geschätzten Tu 65°C der Elkos mind. 18 Jahre halten

Bradward B. schrieb:

Und die genannten Parameter wie 10V und 6.3V deuten ohnehin auf ein (wegen Miniaturisierung?) "auf Kante" konstruiertes Design

Blödsinn - frag mal den dt. Hersteller dazu

Beitrag #8089572 wurde vom Autor gelöscht.
#8089576
Lesenswert?

Peter K. schrieb:

->lohnt mMn nicht, daß man dafür das Firmen-Image aufs Spiel setzt

Bei entsprechenden Stückzahlen sind 2ct pro Bauteil eine Menge. Da wurde auch schon für weniger der Lieferant gewechselt.

Was ist die angepeilte Lebensdauer des Produktes? 30 Monate? Overengineering kann sich heute keiner mehr leisten. Ich freue mich auch über meine historischen Computer mit Elkos von 1978, die immer noch wie am ersten Tag funktionieren. Bezahlen will sowas heute aber keiner mehr. Da bestellt man dann lieber beim Chinesen, denn der kann es überraschenderweise ja zu einem Bruchteil des Preises.

#8089579
Lesenswert?

Peter K. schrieb:

H. H. schrieb:

Rubycon ZLH

Viel zu teuer! ;-) <------

2000 Stk ZLH 1000uF/10V (8x16) kosten bei Mouser 0,12€ - devolo zahlt vielleicht 0,06€ der kleine 470u/6,3V die Hälfte (Mouser 0,065€) das gibt sich nicht so viel gg. SamXon - (bei TME 8x16 SamXon 0,085$); ->lohnt mMn nicht, daß man dafür das Firmen-Image aufs Spiel setzt

Übersehen?

: Bearbeitet durch User
#8089615
Lesenswert?

Mein Gott, was für ein Aufstand für den Schrott-Ab-Werk-"Kondensator".
Bau einfach einen ein von einem Markenhersteller ein.
Wenn dir das nicht genug ist, dann schätz den ripple current ab (50% Tastverhältnis, Leistungsaufnahme -> Eingangsstrom).
Immer noch nicht genug? Dann halt noch ein 1µ Keramik dazu.

Man kann es auch übertreiben ...

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren