Ein paar Fragen zum Schwungrad

Gast #6177347
Lesenswert?

Ich hätte da einmal ein paar Fragen dazu:

Annahmen:

Ein funktionsfähiges Schwungrad mit einer Masse von 10.000 kg
Breite maximal ein Meter
Durchmesser 10 Meter
Umdrehungszahl Max. 10.000 U/min



Und nun meine Fragen dazu:

Welche Abmessungen können konkret erreicht werden?

Wie viel Energie kann es aufnehmen und kann man es sinnvoll wieder 
entnehmen? Könnte es auch schneller drehen? Würde es sich als 
Pufferspeicher eignen?
Beitrag #6177352 wurde von einem Moderator gelöscht.
#6177371
Lesenswert?

https://de.wikipedia.org/wiki/Zentrifuge#Anwendungen

"Extrem große Zentrifugen mit einem Füllgewicht von bis zu 1.750 kg 
werden in der Zuckerindustrie eingesetzt. Außerdem werden 
Großzentrifugen beispielsweise zur Entwässerung von Klärschlamm in 
kommunalen Kläranlagen, in der chemischen Industrie oder im Bergbau zum 
Trennen von Mineralien eingesetzt."

Das sind vergleichbare Größenordnungen, aber 10m Durchmesser und 10 
Tonnen würde das noch übertreffen. Wenn sich das losreißt, gibt es kein 
Halten mehr.

Interessanter finde ich sie Speicheridee mit einem künstlichen Ayers 
Rock der auf einen unterirdischen Wasserspeicher drückt. Sieht sicher 
beeindruckend aus.
Gast #6177376
Lesenswert?

> Welche Abmessungen können konkret erreicht werden?
Die Frage verstehe ich nicht, die Abmessungen hast Du doch vorgegeben?


> Wie viel Energie kann es aufnehmen und kann man es sinnvoll wieder
> entnehmen?
Bei den Angaben:

Annahme: Das Schwungrad ist eine Scheibe aus Vollmaterial. 
(Wikipediatabelle Fall C)
https://de.wikipedia.org/wiki/Tr%C3%A4gheitsmoment

J = 1/2  m  r² = 0,5*10000kg * (5m)² = 125000kgm²

Energie:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwungradspeicherung

E = 1/2  J  w² = 0,5 * 125000 kgm²  2 pi * 100000/60 s
E = 65,44 MJ = 18,2kWh

Das sind also um die 18kWh. Das sind knapp 2l Diesel.

> Könnte es auch schneller drehen?
Ja, warum nicht. Wenn das die Lager können. Die Umlaufgeschwinduigkeit 
am Rand sind ca. 5km/s. Das ist tüchtig schnell, aber bis zum 
therotischen Maximum ist noch viel Platz.

> Würde es sich als
> Pufferspeicher eignen?
Kommt auf die Randbedingungen an. Gehen tut vieles.
Wie lange soll gespeichert werden?
Kurzer Leistungsbedarf oder Langzeitspeicherung?
Lebensdauer der Lager?
Gast #6177414
Lesenswert?

Prometheus schrieb:
>> Welche Abmessungen können konkret erreicht werden?
> Die Frage verstehe ich nicht, die Abmessungen hast Du doch vorgegeben?
>
>> Wie viel Energie kann es aufnehmen und kann man es sinnvoll wieder
>> entnehmen?
> Bei den Angaben:
>
> Annahme: Das Schwungrad ist eine Scheibe aus Vollmaterial.
>


Schwungscheiben bestehen eben nicht aus einer Scheibe Vollmaterial!
Gast #6177417
Lesenswert?

OMk schrieb:
> Prometheus schrieb:
>>> Welche Abmessungen können konkret erreicht werden?
>> Die Frage verstehe ich nicht, die Abmessungen hast Du doch vorgegeben?
>>
>>> Wie viel Energie kann es aufnehmen und kann man es sinnvoll wieder
>>> entnehmen?
>> Bei den Angaben:
>>
>> Annahme: Das Schwungrad ist eine Scheibe aus Vollmaterial.
>>
>
> Schwungscheiben bestehen eben nicht aus einer Scheibe Vollmaterial!

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schwungrad#/media/Datei%3ASchwungrad02.jpg
Gast #6177449
Lesenswert?

OMk schrieb:
> Schwungscheiben bestehen eben nicht aus einer Scheibe Vollmaterial!

Um das Massenträgheitsmoment zu erhöhen (= Fähigkeit Energie besser zu 
speichern), sollte man bei einer vorgegebener Masse, diese möglichst 
außen am Umfang platzieren und den inneren Teil des Schwungrades in 
Nabennähe mit leichten Speichen konstruieren.
Gast #6177488
Lesenswert?

Jürgen von der Müllkippe schrieb:
> Schwungscheiben

Vorsicht mit Behauptungen...

Beim Fusions-Experiment ASDEX Upgrade wird ein Schwungrad-Generator von 
400 Tonnen Gewicht verwendet, der einige Minuten benötigt, um von 800 
auf 3000 Touren hochzufahren, um dann die gespeicherte Energie innerhalb 
von Sekundenbruchteilen zum Aufheizen des Plasmas abrufen zu können.

Quelle Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwungrad
#6177505
Lesenswert?

Ich hab diesen Pumpspeicher wiedergefunden:

https://www.wiwo.de/technologie/green/pumpspeicher-riesenbatterie-soll-kohlekraftwerke-ersetzen/13549178.html
"50 Meter tiefe Betonwanne mit einem Durchmesser von 200 Meter"

und eine Konkurrenzidee sogar "600 bis 800 Meter tiefes Loch mit einem 
Durchmesser von acht Meter...Der Deckel aus Beton für diesen Schacht 
soll 300 bis 400 Meter hoch sein, also die Hälfte des Loches ausfüllen."

wenn das undicht wird...

Bei dem Lanz-Traktor gibt es soweit ich weiß keinen Rückwärtsgang. Man 
wirft einfach das Schwungrad anders herum an.
#6177530
Lesenswert?

OMk schrieb:
> Schwungscheiben bestehen eben nicht aus einer Scheibe Vollmaterial!

Prometheus hat das für dich gerechnet. Das war gratis. Wenn man Oak 
liest vielleicht auch umsonst.
Selber rechnen macht schlauer.
Oak musst halt nur das Massenträgheitsmoment des konkreten Körpers 
bestimmen. Das kann man heute mit finite Element Metode machen. Damals 
machte man das mit Näherungsformeln, weil numerische Integration mit 
Rechenschieber ein Grauen ist.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Trägheitsmoment

Alles überhalb Mach 1 an Tangentialgeschwindigkeit sollte man 
überdenken.

Lagern kann man das schwimmend wenn man will. Der Leckstrom des Fluids 
kühlt dann auch die Imperfektionen des Lagers weg.

Wenn man Schwungräder kuppeln will kann man das vielfältig machen. Man 
muss sich nur vorher überlegen was für den Einsatzzweck geeignet ist.
- Riementriebe
- el. Wirbelströme
- hydrodynamisch (aka Föttinger-Prinzip)
- ...

Damals(R) als man noch Wellentriebe durch Fabrikhallen hatte, war das 
ein allgegenwärtiges Problem. Da hat man viele Lösungen gefunden.
Gast #6177534
Lesenswert?

Marek N. schrieb:
> OMk schrieb:
>> Durchmesser 10 Meter
>> Umdrehungszahl Max. 10.000 U/min
>
> Ich überschlage als Tangentialgeschwindigkeit knapp 100-fache
> Schallgeschwindigkeit. Ist das plausibel???

rechne mal neu, nicht überschlagen...

Rotierende Masse

Mit Materialien wie z. B. faserverstärkten Kunststoffen (GFK, CFK) kann 
mehr Elektrizität gespeichert werden. Aufgrund ihrer Festigkeit halten 
sie eine extrem schnelle Rotation aus – bis zu 100.000 U/min sind 
denkbar. Der begrenzende Faktor sind die Umfangsgeschwindigkeiten, sie 
liegen heute bei 700 bis 1.000 m/s – bis zu 2.000 m/s gelten als 
erreichbar, allerdings nur unter Vakuum-Bedingungen. Wichtig ist auch 
ein „gutmütiges“ Berstverhalten, wenn es denn einmal soweit kommen 
sollte.

Quelle: 
http://www.bine.info/publikationen/projektinfos/publikation/kinetische-speicherung-von-elektrizitaet/kinetisches-prinzip/
Gast #6177541
Lesenswert?

In den 90er Jahren wurden in München und Bremen Busse mit 
Schwungradspeichern eingesetzt.[5] Diese Busse bezogen ihre Energie für 
den Elektroantrieb ausschließlich von einem Schwungrad (Speicherinhalt 
9,15 kWh). Sie konnten ohne Verbindung mit dem Stromnetz etwa 20 
Kilometer zurücklegen. Dann mussten sie an Haltepunkten jeweils an das 
Stromnetz andocken
Quelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwungrad

Alte Technik neu entdeckt!
#6177567
Lesenswert?

Bei Achterbahnen mit Abschuss gibt es auch Schwungradspeicher um die 
Lastspitzen abzufedern. So muss der Betreiber keine neue Stromleitung 
ein seinen Park legen. Die Rekordbahnen hingegen arbeiten mit 
Hydraulikmotoren und Stickstoffspeicher der zwischen den Abschüssen 
komprimiert und über die Motoren entladen wird.

"Der LSM-Antrieb von Formule X benötigt während des zweisekündigen 
Launchs eine Spitzenleistung von 450 Kilowatt, die aufgrund des 
mechanischen Energiespeichers jedoch nicht vom Stromnetz des Parks 
bereitgestellt werden muss. Stattdessen bringt ein 125 Kilowatt-Motor 
ein vier Tonnen schweres Schwungrad auf die Nenndrehzahl von 1500 
Umdrehungen pro Minute. Während des Starts wandelt ein Generator die 
Rotationsenergie des Schwungrades in elektrische Energie um und liefert 
einen Spitzenstrom von 750 Ampere"

http://www.coastersandmore.de/rides/formulex/formulex.php

Es gab in den 70ern schon Anlagen die rein mechanisch die Energie vom 
Schwungrad auf den Achterbahnzug übertragen haben:

http://schwarzkopf-coaster.net/ESshuttlelooptyp2GF.htm

Das Problem war allerdings die Haltbarkeit der Kupplung. Bei der Anlage 
auf den Fotos in Belgien roch es im Starttunnel immer dezent nach 
verbrannter Kupplung. Mittlerweile wurde diese Anlage auf lineare 
Induktionsmotoren umgerüstet.
Gast #6177581
Lesenswert?

OMk schrieb:
> rechne mal neu, nicht überschlagen...

OK neuer Versuch

Durchmesser d := 10 m
=> Radius r = d/2 = 5 m
Drehzahl n := 10000 min^-1

Drehzahl in "pro Sekunde" umrechnen: n = 10000 min^-1 / (60 s / min) = 
166,67 s^-1
Winkelgeschwindigkeit omega = 2  pi  n = 1046,7 rad/s

Tangentialgeschwindigkeit v_t = omega * r = 1046,7 rad/s * 5 m = 5233 
m/s

Schallgeschwindigkeit c_s := 340 m/s

=> Machzahl Ma = v_t / c_s = 15,4

OK, irgendwo einen Faktor 2 pi zuviel reingeschmuggeln, als ich knapp 
100 Mach überschlagen hatte, sorry.

Aber Mach 15 ist trotzdem böse!
#6177741
Lesenswert?

Christoph db1uq K. schrieb:
> wie sind die Busse um die Ecke gekommen? Hatten die zwei gegenläufige
> Schwungräder?

Vielleicht verlief die Drehachse senkrecht und die Busse waren nur in 
der Ebene unterwegs. Oder das Schwungrad war kardanisch gelagert...so 
viele Möglichkeiten...

Zitat Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gyrobus
"Das um eine senkrechte Achse rotierende Schwungrad bewirkt bei 
Änderungen der Steigung der Straße Kippkräfte auf das Fahrzeug. Durch 
Verwendung zweier gegenläufiger Schwungräder lässt sich dieser Effekt 
jedoch aufheben."
Gast #6185178
Lesenswert?

> Alles überhalb Mach 1 an Tangentialgeschwindigkeit sollte man
überdenken.

der die Schallgeschwindigkeit wegmachen. Mit Vakuum. Bei Normaldruck hat 
man einfach einen Luefter.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren