Hallo,
der integrierte NF-Verstärker TDA7231 (s. Anhang) ist angeblich ein Soft
Clipper, soll wohl heißen, dass er eher weich begrenzt im Gegensatz zu
gängigen Halbleiterverstärkern.
Was mich mal interessieren würde:
Wann clipp der IC denn eigentlich und wie? Da wird ja sicher auch ein
Zusammenhang bestehen zwischen Ub und Uin, sprich, bei kleiner
Betriebsspannung wird er schneller übersteuern als bei großer.... ob das
auch eine Auswirkung auf die Form der Verzerrung hat?
Hat sich hier schon mal jemand näher damit beschäftigt oder hat eine
Vermutung, welcher interne "Schaltungskniff" dieses weiche
Übersteuerungsverhalten bewerkstelligt?
Wenn sich der Hersteller nicht einmal die Mühe gibt, im Datenblatt näher
darauf einzugehen, dann solltest du nicht allzuviel davon erwarten. Eben
nicht der Rede wert...
Typisch SGS mal wieder.
Kai Klaas
Ich habe eine...
Udo_U schrieb:
> Vermutung, welcher interne "Schaltungskniff" dieses weiche> Übersteuerungsverhalten bewerkstelligt?
Mir fällt da spontan die stückweise Approximation ein, so wie sie z.B.
verwendet werden kann, um aus einer Dreiecksfunktion einen Sinus zu
erzeugen. Siehe Tietze/Schenk, Kapitel 11.7.4.
Stephan
Kai Klaas schrieb:
> Wenn sich der Hersteller nicht einmal die Mühe gibt, im Datenblatt näher> darauf einzugehen, dann solltest du nicht allzuviel davon erwarten.
Das "Soft" bezieht sich nicht auch das Clipping, sondern auf dessen
Spezifikation ;-)
doch, das ding zeigt schon ein vergleichsweise weiches
übersteuerungsverhalten.
mhh schrieb:
> Beim Softclipping wird beim Erreichen eines oberen bzw. unteren> Schwellwertes die Verstärkung verringert.
ja aber wie geht das??
Hier konkret weiß ich es nicht. Das Einfachste aber sicherlich.
Intern die Eingangsspannung über Serienwiderstand/ Transistor zu
verkleinern oder den Basisstrom der Endstufentransistoren abzuleiten
wären Möglichkeiten.
Hallo mhh,
>Nur das die Ansteuerung von Q10 und Q11 nicht über die>Emitterwiderstände der Endstufentransistoren erfolgt, sondern von der>Restspannung über diesen.
Was dein Bild zeigt, ist aber nur ein normaler SOAR-Schutz, oder?
@Udo
>ja aber wie geht das??
Im einfachsten Fall begrenzt du das Eingangssignal einfach mit zwei
antiparallelen Siliziumdioden, denen du einen Widerstand zur
Strombegrenzung voran stellst. Das erzeugt am Ausgang dann "Rechtecke"
mit runden Ecken.
Kai Klaas
Kai Klaas schrieb:
> Was dein Bild zeigt, ist aber nur ein normaler SOAR-Schutz, oder?
Er wollte nur das Prinzip der Ableitung des Basisstromes wissen. Ich
habe auf die schnelle nichts anderes gefunden.
Hallo mhh,
>Er wollte nur das Prinzip der Ableitung des Basisstromes wissen. Ich>habe auf die schnelle nichts anderes gefunden.
Sollte kein Vorwurf sein. Wollte nur wissen, ob ich jetzt vollends auf
dem Schlauch stehe...
Kai Klaas
Danke für die Grafik!
Kai Klaas schrieb:
> Im einfachsten Fall begrenzt du das Eingangssignal einfach mit zwei> antiparallelen Siliziumdioden, denen du einen Widerstand zur> Strombegrenzung voran stellst. Das erzeugt am Ausgang dann "Rechtecke"> mit runden Ecken.
wenn das beim TDA7231 so gemacht würde, würde er nur bei einer
bestimmten Betriebsspannung softclippen, ansonsten bei sehr niedriger
+Ub gar nicht, weil die harte Endtransistorpaar-Übersteuerung dann schon
einsetzen würde, bevor die Dioden zum Zuge kämen...
Olli schrieb:
> wenn das beim TDA7231 so gemacht würde, würde er nur bei einer> bestimmten Betriebsspannung softclippen, ansonsten bei sehr niedriger> +Ub gar nicht, weil die harte Endtransistorpaar-Übersteuerung dann schon> einsetzen würde, bevor die Dioden zum Zuge kämen...
oder irgendwas intern passt den signalpegel an die betriebsspannung
an...!?
Udo_U schrieb:
> oder irgendwas intern passt den signalpegel an die betriebsspannung> an...!?
Das macht insofern keinen Sinn, weil man ja den Verstärker nicht immer
volle Pulle betreibt.
Udo_U schrieb:
> oder irgendwas intern passt den signalpegel an die betriebsspannung> an...!?
Vielleicht nun doch per stückweiser Approximation?!
http://prof.beuth-hochschule.de/uploads/media/Funktionsgeneratoren.pdf
Seite 3, Abbildung "Sinusformer mit Dioden-Widerstandsnetzwerk". Das
Bild stammt aus dem Tietze/Schenk, Teile des Textes auch. Man beachte
den Textabsatz direkt unter der genannten Abbildung.
Die Knickpunkte der Kennlinie des gezeigten Widerstands/Dioden-Netzwerks
sind durch die Teilspannungen U_{1,2,3} festgelegt, die wiederum
proportional zur Betriebsspannung sind. Damit hätte man ein Clipping,
das einerseits weich ist (im Sinne einer glatten
[Spannungs-]Übertragungsfunktion, vgl. Tietze/Schenk) und andererseits
proportional zur Betriebsspannung.
Die Glattheit entsteht durch das "weiche" Einsetzen der Stromleitung der
Dioden, da die Stromleitung nicht abrupt für Uf > 0 einsetzt, sondern
für Uf > 0 (exponentiell) glatt ansteigt.
Stephan
Stephan M. schrieb:
> Die Knickpunkte der Kennlinie des gezeigten Widerstands/Dioden-Netzwerks> sind durch die Teilspannungen U_{1,2,3} festgelegt, die wiederum> proportional zur Betriebsspannung sind. Damit hätte man ein Clipping,> das einerseits weich ist (im Sinne einer glatten> [Spannungs-]Übertragungsfunktion, vgl. Tietze/Schenk) und andererseits> proportional zur Betriebsspannung.
Danke für den Beitrag, das scheint mir auf jeden Fall eine gute Idee zu
sein!!!
Udo_U schrieb:
> Danke für den Beitrag, das scheint mir auf jeden Fall eine gute Idee zu> sein!!!
Vergess aber nicht, daß Eingangssignal vorher in eine Dreieckspannung
umzuwandeln. Außerdem darf die Gegenkopplung nicht nach diesem Umformer
angeschlossen werden. Da wird die Umformung nämlich wieder beseitigt.
:)
Hier ist die Innenschaltung eines anderen Verstärkers zu sehen, der
ebenfalls "soft clipping" macht:
http://www.datasheetcatalog.org/datasheet/unisonic/TEA2025.pdf
Interessant erscheint mir, daß die Treiber-Transistoren mit einer
geringeren Versorgungsspannung betrieben werden als die
Endstufen-Transistoren...
Kai Klaas
Kai Klaas schrieb:
> Interessant erscheint mir, daß die Treiber-Transistoren mit einer> geringeren Versorgungsspannung betrieben werden als die> Endstufen-Transistoren...
Schau mal die 100µF zum Ausgang ...
(Bildchen darüber)
Ich werde mal ketzerisch: Die Teile sind bei der Slewrate so
schnarchlangsam, daß es als Feature angepriesen wird.
Die können einfach kein Rechteck am Ausgang.
kann man den TDA7231 wohl auch als "normalen" operationsverstärker
benutzen, wenn man die beinchen 3 und 5 bis 8 auf -Ub legt?
(z.b. um eine gegentaktendstufe zu treiben)
ah ja, pin3 auf masse, danke!
meine irgendwo mal was gelesen zu haben, dass roboterforscher von der
uni rostock ihre rollrobotermotoren per tda7231 ansteuern (als
differenzverstärker?!)