Hallo Miteinander,
Ich habe ein Reson TC4013 Hydrophon und würde dieses super Ding gerne
über eine DSP->DAC->Tiefpass->Verstärker Kette ansteuern und als
Schallprojektor für Ultraschallfrequenzen von 30kHz bis 90kHz verwenden.
Nun habe ich so etwas noch nie gemacht und bin unsicher, was das Design
eines geeigneten Leistungsverstärkers anbelangt und mit welchen
Signalpegeln ich das Hydrophon ansteuern sollte. Der Ausgang des
Tiefpasses ist ein AC-Signal mit 2.5V DC-Offset und etwas weniger als
2.5V Amplitude, kann ich dieses "Single-ended"-Signal über den
Verstärker direkt auf das Hydrophon geben oder sollte es zuerst in ein
differenzielles Signal umgewandelt werden? Und was wäre ein passender
Verstärkertyp?
Über jegliche Hilfe wäre ich sehr dankbar!
Liebe Grüsse,
Elias
PS.
Datenblatt des Hydrophons:
http://www.reson.com/%5Cgraphics%5Cdesign%5CSpec%20sheets%5CHydrophones%20-%204000%20series/TC4013%20-%20US.pdf
Ja, das ganze ist kapazitiv. Das Hydrophon selbst besitzt eine Kapazität
von 3.4nF, dazu kommen 600pF Kabelkapazität, was eine Gesamtkapazität
von 4nF ergibt.
Ich würde den Projektor gerne mit 5-10Watt betreiben, möglicherweise
reichen aber auch schon geringere Leistungen ...
Das mit dem Chirp senden soll schlussendlich das Ziel sein. Mein Problem
liegt aber mehr darin, dass ich nach einer geeigneten
Verstärkungsmethode für mein Signal suche und nicht weiss, was das
Piezoelement für Spannungsformen benötigt (unipolare oder bipolare
Wellen).
Der Tiefpass ist hauptsächlich dazu gedacht, die Spiegelfrequenzen aus
dem Signal rauszufiltern, um ein so reines Spektrum wie möglich zu
erhalten. Meinst du dies ist nicht nötig?
Ach ja, so ein Hydrophon kostet um die 800 Euro ...
Sicherlich kann man mit einem NF Verstärker und einer Soundkarte damit
auch schöne Ergebnisse erhalten. Aber dieses Hydrophon kann mehr als
eine Soundkarte.
Spiegelfrequenzen sind kaum zu erwarten. Man könnte z.B. mit 200 kHz mit
dem DA Wandler arbeiten. Die 3. harmonische ist dann bei 600 kHz und
kann nicht mehr Unfug treiben.
Als Generator der besseren Wahl würde ich einen
Arbiträr-Funktionsgenerator nehmen. (Bei Laboranwendung)
Oder eine Multifunktionskarte von National Instruments mit Zähler für
das Ausgangssignal - z.B. DAQ6062. das erfordert aber danach einen
Verstärker.
XC des Hydrophons:
Das XC ist aus den 200kHz und 4nF zu berechnen. (ca 200 Ohm)
Je nach Spannung (bzw. gewünschter Leistung) ist der Strom zu
berechnen.
@Maximilian
Das Hydrophon soll Teil eines Kommunikationssystemes sein, bei welchem
sowohl auf Sender wie auf Empfängerseite ein DSP die Signalverarbeitung
übernimmt - einen Funktionsgenerator zu verwenden ist deshalb nicht gut
möglich. Zudem sind die DSPs bereits vorhanden, ich sollte also wenn
irgend möglich mit diesen arbeiten.
Aus diesem Grund bin ich auch auf den Tiefpass auf Senderseite gekommen:
Nehmen wir an, das zu sendende Signal besitzt Frequenzanteile bis 100kHz
und wird mit 200kHz umgesetzt. Dann setzen unmittelbar nach der 100kHz
Schranke die Spiegelfrequenzen ein, was beim Abtasten auf Empfängerseite
zu wesentlich grösseren Schwierigkeiten führt, als wenn das gesendete
Signal keine Frequenzanteile über 100kHz besitzen würde.
Nun aber nochmals zum Verstärker:
Leider kenne ich mich da wirklich viel zu wenig aus und ich habe zwei
grundsätzliche Fragen.
1. Wenn ich die Impedanz des Hydrophones nehme (1/jwC) und als
Sendeleistung 10 Watt annehme, erhalte ich über P=I^2*R I=10W*jwC, also
einen komplexen Strom. Kann ich für den benötigten Strom dann schlicht
den Betrag dieses Ausdrucks nehmen?
2. Gibt es eine einfache Verstärkerschaltung mit z.B. einem Transistor,
die mir solch einen Strom liefert?
@Aha
Bei APEX habe ich zwei Verstärker gefunden, die u.a. für Hydrophone
ausgelegt sind. Allerdings sind diese nur für Frequenzen bis 2kHz
ausgelegt. Habe ich da etwas übersehen?
Wenn ich mich recht erinnere, ist im Buch
"The Art of Electronics" von Horowitz/Hill
eine solche Schaltung/Anwendung gegeben. Hab's leider nicht zur Hand,
steht im Büro.
Falls Montag noch Interesse besteht, so schaue ich gern nach.
Ja, der Strom ist kapazitiv, dh 90 Grad voreilend. Bei 90kHz ist die
Impedanz 1/(i*omega*C) = 442 Ohm. Wenn wir da 10W drauflassen wollen, so
ist die Spannung 66V, der Strom 150mA. Auf AC bezogen sind das nun RMS
werte, somit suchen wir einen Verstaerker, der 200Vpp mit 200mAp bringt.
Die Fullpower bandwidth benoetigen wir mind. 100kHz. Die Slewrate ist
nun 2*pi*Vp*BW = 62V/us. Bei Apex gibt es nun zB den PA69. Der macht
zwar nur 60mA, aber 200V/us, 200kHz an +-100V Speisung. Der muesst man
nur noch mit einem Emitterfolger aufbohren. Falls man sich diese Arbeit
sparen will, waere der PA96 passend. 300V, 1.5A, 250V/us, mit 175MHz
GBW. Der passt sicher, wird auch sauteuer (vorher den Stuhl zur Hand
haben) sein. Im TO3 Gehause kann der 80W abbraten. Ruf mal da an.
Guenstiger geht's nicht. Selbermachen ist viel teurer. Ist leider so.
1. Die Annahme, die Impedanz eines Hydrophons aus seiner Kapazität
berechnen zu können, ist generell falsch - es handelt sich hier nicht um
einen Kondensator sondern um eine (aktive) Piezokeramik - daher ist die
tatsächliche Impedanz in der Regel niedriger als die rein aus C
errechnete.
Da Hydrophone wegen der gewünschten flachen OCV Charakteristik
mechanisch stark bedämpft sind, kann das trotzdem einigermaßen passen -
die richtige Quelle sind aber die entsprechenden Diagramme im Datenblatt
(Resistance, Reactance, Impedance) - diese sind im individuellen
Kalibrierblatt in hoher Auflösung enthalten.
2. Bei 5-10W rms cw Sendeleistung stirbt dieses Hydrophon einen
schnellen Tod.
3. Um das in einem vernünftigen Rahmen preiswert anzusteuern, tut es
auch ein OPA544 (oder ähnlich) - notfalls 2 in Brückenschaltung.
Vielen Dank für eure bisherige Hilfe!
@Lars
Ich werde zwar nächste Woche fort sein und erst am Samstag schauen
können, die Schaltung würde mich aber trotzdem sehr interessieren.
@Markus
Ich bin gerade etwas erschrocken, als ich deinen Beitrag gelesen habe.
Ich war überzeugt, dass 10 Watt weit unter der Belastungsgrenze des
Hydrophons liegen, auch wenn im Datenblatt dazu keine Angaben gemacht
werden. Bei diversen anderen Transducern war als maximale Sendeleistung
jeweils mindestens 100 Watt angegeben. Wie kann ich denn bestimmen,
welche Leistung das Hydrophon sicher noch verträgt?
Dein Vorschlag mit dem OpAmp ist mir sehr sympathisch, allerdings
besitzt der von dir vorgeschlagene Verstärker eine etwas geringe
Slew-Rate. Ich habe mir deshalb den AD8131 rausgesucht, der deutlich
günstiger ist und die Anforderungen an Slew-Rate und GBP bei weitem
übertrifft, dafür aber einen maximalen Ausgangsstrom von nur 60mA
besitzt. Dies würde bei +-5V Spannungsversorgung zu einer rms Leistung
von 0.15 Watt führen. Wäre das genügend, um ein akustisches Signal ca.
100m sphärisch zu verbreiten?
Was mir immer noch nicht klar ist: Kann (oder muss) ich das Hydrophon
mit bipolaren oder unipolaren Spannungen ansprechen?
Und zum Schluss noch eine dumme Frage (kommt mir zumindest so vor): Wie
würde ich den OpAmp mit einer bipolaren Spannung versorgen? Indem ich
eine 10V Spannungsquelle mittels einem Spannungsteiler in zwei Hälften
teile und GND in die Mitte setze?
Bezüglich der Belastbarkeit: Die Transducer die mit mehreren 100 Watt
Belastbarkeit spezifiziert sind, haben ganz andere Dimensionen und sind
ja auch speziell für den Sende- und Empfangsbetrieb optimiert - Das
TC4013 ist aber primär für den Betrieb als Hydrophon und nicht als
Projektor ausgelegt - die Keramik im TC4013 wiegt vielleicht 1-2g - hier
gibt es schnell thermische Probleme - ausserdem kann es zu Delamination
der Vergussmasse oder bei großen Amplituden zur Depolarisation der
Kermaik kommen. - Ich würde mal von einer Dauerbelastbarkeit von
höchstens 1 Watt ausgehen - im gepulsten Betrieb etwas höher.
Zur Ansteuerung: Stimmt - die Slew-Rate des 544 ist für den angestrebten
Frequenzbereich bei höheren Amplituden etwas niedrig.
Die Ansteuerung des Hydrophons mit einem Signal ohne
Gleichspannungsanteil ist bei größeren Amplituden vorzuziehen (bei
kleineren Amplituden ist es völlig egal).
Markus, gut, dass wir nun einen Spezialisten zur Hand haben. Ich komm
von den mechanischen Piezos her. So ein 1-2g Teil vertraegt natuerlich
keine 10W CW. Moeglicherweise aber einen kurzen Chirp mit dieser
Leistung. 10 Perioden oder so. Die Kopplung von Piezos an das Medium
ergeben eine zusaetzliche ohmsche Komponente. Die mechanischen Piezos
duerfen in der Regel nicht umgepolt werden, dh werden mit nur einer
positiven Spannung betrieben. Das Problem mit Piezos als
Sender-Empfaenger ist das sehr verschiedene Spannungniveau in den beiden
Betriebszustaenden. Wenn man dem Sender 20V zum Senden draufgibt, kommen
nachher 2mV zurueck, und das Rauschen der offenen Senderendstufe kann
das Echo mit Rauschen zudecken. Das mag bei einem festeren Medium, wie
Wasser etwas besser sein.
So, nachgeguckt:
Seite 168 ff. -> 200W amplifier to drive a piezoelectric underwater
transducer at 200kHz.
Ist ausgelegt für 1kV und max. 2 Amp. für Piezos mit einer Kapazität
kleinergleich 10nF.
Und falls Du das Buch nicht zur Hand hast, so schau mal bei g-books, da
ist es vorhanden und die Seiten online "anschaubar"....
Viel Erfolg.