Hallo,
gibt es eventuell in LTSpice die Möglichkeit ein NOR-Gatter im
Einschaltmoment zu simulieren?
Mit BV-Quellen kann ich ja den Ausgang und Eingang simulieren, aber das
Innenleben ist ja quasi perfekt, selbst mit einer Angabe von Trise,
Tfall und Td.
Mein Problem ist, dass ich in echt die Spannung über einen
Längstransistor linear herunterregle und aufgrund der Ausgangskapazität
geschieht der Spannungsanstieg natürlich recht langsam (> 10 ms). Ich
habe schon eine Autoresetschaltung mit PNP-Transistor vorgesehen, wie
sie in https://www.elektronik-kompendium.de/public/schaerer/rsff1.htm zu
finden ist, aber ich würde gerne das ganze durchsimulieren.
Grüße
Willi
Willy C. schrieb:> gibt es eventuell in LTSpice die Möglichkeit ein NOR-Gatter im> Einschaltmoment zu simulieren?Ein NOR Gatter? Gibt es nur eins?
Aber klar geht das: besorge dir die Innenschaltung deines NOR-Gatters
und bau damit deine Spice-Simulation. Ein fertiges Modell wirst du dafür
nicht finden, weil das außer dir keiner braucht.
Willy C. schrieb:> Mein Problem ist, dass ich in echt die Spannung über einen> Längstransistor linear herunterregle und aufgrund der Ausgangskapazität> geschieht der Spannungsanstieg natürlich recht langsam (> 10 ms).
CMOS-Gatter haben einen Spannungsbereich am Eingang, in dem die korrekte
Funktion nicht garantiert ist. Das ist zwischen
und
.
Diesen Bereich sollte die Spannung nur schnell durchlaufen, da z.B. das
Gatter dann einen deutlich erhöhten Stromverbrauch hat, es den Ausgang
schnell hin- und herschalten kann etc.
Wenn man Gatter mit Schmitt-Trigger verwendet, wird das Verhalten in
diesem Fall etwas besser. Wirklich gut ist es aber immer noch nicht.
Wenn man da wirklich sauber definiertes Verhalten mit sehr langsamen
Anstiegszeiten braucht, dann wäre zu überlegen einen Komparator (mit
Hysterese beschaltet) zu verwenden und dessen Ausgang dann auf das
Logikgatter zu schalten.
Axel S. schrieb:> besorge dir die Innenschaltung deines NOR-Gatters
In den TTL-Zeiten gab es diese Informationen noch. (Und 74LS02 wird
immer noch gebaut.)
Heutzutage sagt das Datenblatt nur "bei Versorgungsspannung unterhalb
der Recommended Operation Conditions darf der Chip machen, was er will".
Wenn du verhindern willst, das ein Ausgang eines modernen
CMOS-Logikgattets beim (langsamen) Anschalten verrückt spielt, brauchst
du einen Chip mit /OE-Pin.
> Wenn man da wirklich sauber definiertes Verhalten mit sehr langsamen
Anstiegszeiten braucht, dann wäre zu überlegen einen Komparator (mit
Hysterese beschaltet) zu verwenden und dessen Ausgang dann auf das
Logikgatter zu schalten.
Das klappt aber nur, wenn der an einer Versorgungsspannung hängt die
vorher schon da ist. Ansonsten hat auch der Komparator das Problem, dass
das Verhalten bei zu kleiner Versorgungsspannung nicht spezifiziert ist.
Es gibt aber Reset-Bausteine deren Verhalten beim hochfahren von deren
Versorgungsspannung spezifiert ist. Damit wäre man dann auf der sicheren
Seite.
Clemens L. schrieb:> Axel S. schrieb:>> besorge dir die Innenschaltung deines NOR-Gatters>> In den TTL-Zeiten gab es diese Informationen noch. (Und 74LS02 wird> immer noch gebaut.)
Innenschaltungen gab es auch nach TTL noch. Für ein CMOS-NOR gibt es
eine kanonische Schaltung, davon wird kein Hersteller abweichen (die ist
nicht vereinfach- oder verbesserbar). Aber natürlich weiß nur der TE,
welches NOR Gatter er da am Wickel hat.
> Heutzutage sagt das Datenblatt nur "bei Versorgungsspannung unterhalb> der Recommended Operation Conditions darf der Chip machen, was er will".
Ja. Und es wäre sinnvoll, wenn man die eigene Schaltung drum herum so
aufbauen würde, daß es auch für die gilt.
Gerd E. schrieb:> CMOS-Gatter haben einen Spannungsbereich am Eingang, in dem die korrekte> Funktion nicht garantiert ist
Dem TE ging es wohl um die Versorgungsspannung.
Axel S. schrieb:> Für ein CMOS-NOR gibt es> eine kanonische Schaltung, davon wird kein Hersteller abweichen (die ist> nicht vereinfach- oder verbesserbar).
Ist doch längst passiert, als nämlich die CD4000-Serie durch die
Schaltungen mit dem Suffix B ergänzt wurde.
Danach wurden die ursprünglichen ungepufferten Gatter auf "UB"
umgetauft.
Diese "A" oder "UB" Schaltungen gibt es, bis auf ein oder zwei
Ausnahmen, heute kaum noch zu kaufen.
Ausserdem gibt es mittlerweise viele CMOS-Schaltungen, deren
Eingangsstufen TTL-kompatibel ausgelegt sind, z.B. HCT vs. HC.
Natürlich erfordert auch das eine Schaltungsänderung.
Entscheidend ist eben "was hinten rauskommt". ;-)
Logik-ICs haben kein definiertes Einschaltverhalten, daher kann es dafür
auch keine Simulation geben.
Wenn Du ein definiertes Einschaltverhalten brauchst, nimm einen MC mit
Brown Out Reset.
Auch komplexere CPLDs/FPGAs haben einen Einschaltreset.
Axel S. schrieb:> Dem TE ging es wohl um die Versorgungsspannung.
Da bin ich mir nicht so sicher, ob er mit "Spannung" die Versorgungs-
oder Signalspannung meinte.
Aber das ist auch relativ unwichtig, denn in beiden Fällen ist das
Verhalten außerhalb der im Datenblatt angegebenen Betriebsbedingungen
unbekannt.
Hallo,
vielen Dank für die Antworten.
das Problem ist in der Tat die Versorgungsspannung, die solange braucht
beziehungsweise brauchen kann, bis sie die 5 V erreicht hat. Ich muss
das Problem auf jedenfall abfangen.
Ich wollte eigentlich NOR-Gatter vom Typ 74HC02 nehmen.
Ich kenne das Ganze noch von einem Umrichterprojekt, da war es immer so,
dass man über den Mikrocontroller vor Aufruf des Hauptprogramms das
NOR-FF einmal künstlich resettet hat, die Verriegelung hat da aber
schlimmeres verhindert.
Ein Mikrocontroller ist leider keine Option für mich, weil die Schaltung
aus nicht programmierbaren Bauteilen bestehen muss.
Hp M. schrieb:> Axel S. schrieb:>> Für ein CMOS-NOR gibt es>> eine kanonische Schaltung, davon wird kein Hersteller abweichen (die ist>> nicht vereinfach- oder verbesserbar).>> Ist doch längst passiert, als nämlich die CD4000-Serie durch die> Schaltungen mit dem Suffix B ergänzt wurde.
Das ist die kanonische Innenschaltung eines NOR Gatters. 4000A gibts
heute gar nicht mehr. Die Innenschaltung der 4000A Gatter ist das, was
man Studenten zeigt. Weil es so simpel ist.
> Ausserdem gibt es mittlerweise viele CMOS-Schaltungen, deren> Eingangsstufen TTL-kompatibel ausgelegt sind
Klar. Und vielleicht ist es ja auch gar kein CMOS, was der TE da hat.
Logikfamilien gibt es viele.
Peter D. schrieb:> Logik-ICs haben kein definiertes Einschaltverhalten, daher kann es dafür> auch keine Simulation geben.
Dieses folgt nicht aus jenem. Natürlich kann man das (analoge) Verhalten
eines Logikgatters simulieren. Und wirklich "undefiniert" ist das auch
nicht. Eher "unbrauchbar als Logikschaltung". Allein schon weil die
Pegel bei Betriebsspannung außerhalb der Norm nicht mehr stimmen. Aber
man braucht halt die richtige Innenschaltung und nicht nur das Gatter
als digitale Black Box.
Willy C. schrieb:> Ich wollte eigentlich NOR-Gatter vom Typ 74HC02 nehmen
Na bitte. Geht ja doch. 74HC ist da eigentlich sehr entspannt. Das
funktioniert nämlich (garantiert!) schon ab Vcc=2V. Die meiste
Peripherie, die bei noch kleineren Spannungen "komische" Logikpegel
kriegen könnte, funktioniert da sowieso nicht. Und irgendein
Einschalt-Reset brauchst du ja sowieso, wenn deine Schaltung nicht
ausgesprochen trivial ist.
Willy C. schrieb:> das Problem ist in der Tat die Versorgungsspannung, die solange braucht> beziehungsweise brauchen kann, bis sie die 5 V erreicht hat. Ich muss> das Problem auf jedenfall abfangen.
Das geht prinzipiell mit Resetbausteinen oder Linear-Reglern, die erst
bei z.B. 4.5V einschalten.
> Ein Mikrocontroller ist leider keine Option für mich, weil die Schaltung> aus nicht programmierbaren Bauteilen bestehen muss.
Wie ist das gemeint? ich kann Dir einen 6-Pinner liefern, dessen
Typenschild ich abgefeilt habe und der mit entsprechenden Widerständen
beschaltet das NOR erst nach bestimmten Zeiten aktiviert und vorher
einen Default hat.
Willy C. schrieb:> Ein Mikrocontroller ist leider keine Option für mich, weil die Schaltung> aus nicht programmierbaren Bauteilen bestehen muss.
Es gibt doch genug Resetbausteine verschiedener Hersteller.
Oder Netz auf Batterie-Umschalter.
A. S. schrieb:> das NOR erst nach bestimmten Zeiten aktiviert und vorher> einen Default hat.
Nur kannst du dich auf den "Default" nicht verlassen, wenn die
Betriebsspannung noch nicht im gültigen Bereich ist.
Es ändert also nichts, ob du einen µC oder sonst ein Gatter benutzt, es
sei denn, das Verhalten ist auch unterhalb der minimalen
Betriebsspannung garantiert. Aber wo findet man sowas?
Willy C. schrieb:> das Problem ist in der Tat die Versorgungsspannung, die solange braucht> beziehungsweise brauchen kann, bis sie die 5 V erreicht hat. Ich muss> das Problem auf jedenfall abfangen.
Was ist denn eigentlich "das Problem"? In welcher Schaltung laut welchem
Plan tritt "das Problem" auf? Wie stellst du "das Problem" fest, wie
wirkt es sich aus? Warum meinst du, "das Problem" mit Gebastel abstellen
zu können?