Hi,
Ich will einen Verstärker ein-/ausschalten, je nachdem, ob Musik läuft
oder nicht. Jetzt frage ich mich, ob ich das lieber mit einem Relais,
oder einem MOSFET mache.
Zum Verstärker: 24V, max. 3-4A
Wenn ich das Datenblatt von zB dem IRLZ44N richtig deute, kann ich damit
mit 3V schon über 10A schalten, das sollte ja eigentlich reichen...
Gibt es dennoch einen Grund, lieber ein Relais zu nehmen?
Die Größe Musik kann bisher leider weder unmittelbar ein Relais noch
einen Schalttransistor steuern. Oder gibt es einen Schalter? Dann geht
beides. (Wieso dann aber noch ein extra schaltelement?) Ich rate zum
Transistor.
abc schrieb:> Gibt es dennoch einen Grund, lieber ein Relais zu nehmen?
Beim Relais brauchst Du Dich nicht um das Bezugspotenzial zwischen dem
steuernden Teil (Musikerkennung) und dem gesteuerten Teil (Verstärker)
kümmern, da das beim Relais potentialgetrennt ist. Außerdem ist ein
Relaiskontakt robuster bei Überstrom/Überspannung.
Nachteil des Relais: Geräusche und Verschleiß.
Gruß Dietrich
Ahh, jetzt sehe ich, wo ihr mich nicht versteht. Ich will keine
Musikerkennung bauen. Die Musik wird über einen Pi abgespielt. Da kann
ich einfach per Software rausfinden, ob Musik läuft. Falls ja ->
Verstärker an, sonst -> Verstärker aus.
Also generell würde der o.g. MOSFET reichen, ja? Bin mir bei
Datenblättern oft nicht sicher, ob ich die richtig deute. Fig.1 sagt
quasi, bei 3V Steuerspannung kann ich fast 20A schalten, richtig? Warum
hören die Linien schon bei ~25V auf? Ich dachte, das Teil kann mit bis
zu 55V umgehen? Und was hat es mit der Pulsewidth auf sich? Heißt das,
die Werte stimmen nur, wenn ich 20uS lang Strom fließen lassen will? Ich
will ja durchgehend den Schalter schließen...
Viele Grüße
Vermutlich wird der Verstärker noch mehr oder minder große Kondensatoren
an seiner Versorgungsspannungleitung enthalten, die einen ganz
erheblichen Einschaltstrom verursachen. Relaiskontakte verschweißen da
gerne, Transistoren/MOSFETs brennen durch. Deswegen muss man entweder
den Einschaltstrom begrenzen oder den Schalter massiv
überdimensionieren.
Für solche Zwecke würde ich heutzutage eher auf einen vollintegrierten
Schalter mit Überlastschutz und Begrenzung der Anstiegsgeschwindigkeit
setzen, z.B. eine MOSFET-Halbbrücke Infineon BTN8982TA. Um die
Versorgungsspannung nicht kurzzuschließen, sollte man aber nicht mittels
IN schalten, sondern mittels INH.
wenn Du schon einen PI hast und damit Gleichspannung schalten willst,
ist in 99% der Fälle der MOSFET das Mittel der Wahl. Und bei 45 Cent pro
Stück (ab 10 Stück) ist der IRLZ44 auch biliger. Ggf. reicht aber auch
ein IRLZ34 ... da sparst Du nochmal 10 Cent pro Stück :-)
Ein n-Kanal-MOSFET wie der IRLZ44N wird vermutlich ungeeignet sein, da
man ihn nur dann als High-Side-Treiber einsetzen kann, wenn eine höhere
Spannung als die zu schaltende Spannung für die Ansteuerung des Gates
zur Verfügung steht. Schaltet man mit ihm jedoch die Masseleitung des
Verstärkers, zerstört man mutmaßlich dessen Eingangsstufe, die je nach
vorhandenem Koppelkondensatoren in ausgeschaltetem Zustand mit einer
deutlich negativen Eingangsspannung oder hohen Pulsspannungen beim Ein-
und Ausschalten belastet würde.
Daher entweder einen p-Kanal-MOSFET oder einen vollintegrierten
High-Side-Schalter bzw. eine Halbbrücke einsetzen.
>Für solche Zwecke würde ich heutzutage eher auf einen vollintegrierten>Schalter mit Überlastschutz und Begrenzung der Anstiegsgeschwindigkeit>setzen...
=> Ja, unbedingt! Sehr gut geeignet: Infineon BTS50085
Wo schaltest Du die (nominell) 3-4A?
In der Zuleitung zum Verstärker, bei den 24V? Dann muss der Schalter
noch die Einschaltstrom- Werte des Verstärkers vertragen. Da wirds dann
schon etwas kritisch.
Hinter den Ladekondensatoren der Stromversorgung, in der Versorgung des
Verstärkers, z.B. in den Kollektorleitungen der Endstufe? Dann wirds mit
der Potentialtrennung schwierig.
Technisch am saubersten, wäre es, wenn zuerst der Ton für den Verstärker
abgeschaltet würde und anschließend die Endstufe, etwa durch Umstellen
des Ruhestroms der Endstufe auf Null.
Vielleicht reichts aber, einfach den Ton wegzuschalten und den
Verstärker ohne Ansteuerung in einem Ruhezustand zu belassen.
Peter S. schrieb:> Sehr gut geeignet: Infineon BTS50085
Da dieser Baustein kennen Anschluss für ein Bezugspotential hat, muss
sein Eingang IN unbedingt mit einem Open-Collector- bzw.
Open-Drain-Ausgang beschaltet werden, der auch die volle
Betriebsspannung aushält. Dies wird nicht durch die üblichen
Microcontroller-Ports gewährleistet, so dass man da noch einen
NPN-Transistor, n-Kanal-MOSFET oder Treiberbaustein einfügen muss.
Der von mir aufgeführte BTN8982TA lässt sich jedoch direkt per
Logiksignal ansteuern.
Nachtrag:
Und im Gegensatz zum BRS50085 lässt sich beim BTN8982TA die Höhe der
Strombegrenzung durch einen externen Widerstand einstellen, so dass man
damit den Einschaltstromstoß auf einen deutlich geringeren Wert als das
Maximum des Bausteins einstellen kann, z.B. auf den doppelten Nennstrom
des Verstärkers.
Andreas S. schrieb:> Ein n-Kanal-MOSFET wie der IRLZ44N wird vermutlich ungeeignet sein, da> man ihn nur dann als High-Side-Treiber einsetzen kann, wenn eine höhere> Spannung als die zu schaltende Spannung für die Ansteuerung des Gates> zur Verfügung steht. Schaltet man mit ihm jedoch die Masseleitung des> Verstärkers, zerstört man mutmaßlich dessen Eingangsstufe, die je nach> vorhandenem Koppelkondensatoren in ausgeschaltetem Zustand mit einer> deutlich negativen Eingangsspannung oder hohen Pulsspannungen beim Ein-> und Ausschalten belastet würde.>> Daher entweder einen p-Kanal-MOSFET oder einen vollintegrierten> High-Side-Schalter bzw. eine Halbbrücke einsetzen.
Dazu hab ich mal ne Frage...
Ich wollte demnächst auch auf diese Weise meine alten Car-Audio
Endstufen weiter verwenden...
Also diese Amps nie Low-Side schalten?
Nein besser nicht.
Meistens sind die Cinch Buchsen (oder auch die für Klinkenstecker) mit
Masse verbunden.
Wenn Du dann die Masse der Versorgungsspannung wegschaltest "holt" sich
der Verstärker die Masse über Cinch. Und das besdeutet nix gutes für die
dünnen Kabel und Leiterbahnen...
Gruß
Matze
Dennis K. schrieb:> Car-Audio Endstufen weiter verwenden...
Wieso gibt es immer wieder diesen sehr deutlichen Zusammenhang
zwischen "Car-Audio" und mangelndem technischen Verständnis?
Wegen der schon erwähnten Probleme würde ich dir folgendes vorschlagen:
http://www.infineon.com/cms/en/product/power/smart-low-side-and-high-side-switches/high-side-switch/automotive-smart-high-side-switch-profet/BTS723GW/productType.html?productType=db3a3044134864390113494044af0014
Diesen oder einen ähnlichen Typen.
Das sind High-side switches mit integriertem Kurzschluss- und
Überlastschutz. Man kann sie beliebig parallel schalten. Bei einem
Kurzschluss werden sie nur heiß, gehen aber nicht kaputt. Zusätzlich
wird der Strom begrenzt. Das spart Sicherungen :-)
Für Überlast gilt das Gleiche, d.h. deine Kapazitäten sollten kein
großes Problem sein, weil quasi eine Art Sanftanlauf dadurch gegeben
ist.
Wenn man auf Nummer Sicher gehen will, prüft man die Spannung hinter dem
Schalter. Damit kann man die Erwärmung auch noch vermeiden, wenn man in
einem solchen Fall komplett abschaltet.
Zwingend ist das nicht für deinen Fall.
Wenn der RasPi sowohl das Schaltsignal als auch die Musik liefert, dann
ist ein n-Kanal MOSFET gerade nicht geeignet um den Verstärker ein-
bzw. auszuschalten. Denn GND des Verstärkers muß dann mit GND des RasPi
verbunden sein, weswegen ein MOSFET in der GND-Leitung des Verstärkers
nicht funktioniert.
Ein Relais würde funktionieren. Ein MOSFET müßte als H-Side Schalter
verwendet werden.
Ich habe ein ähnliches Problem. Relais fällt aus, da Spannung zu niedrig
(nur 1 Li-Ion Zelle - max 4,2V). Zu schalten sind max. 1A. Der BTN8982TA
ist mir zu "dick" und hat mir zu hohen Ruhestromverbrauch. Gibt's da
noch was kleineres? Problematisch ist auch die Beschaffung als
Privatperson.
Christian S. schrieb:> Ich habe ein ähnliches Problem. Relais fällt aus, da Spannung zu niedrig> (nur 1 Li-Ion Zelle - max 4,2V). Zu schalten sind max. 1A. Der BTN8982TA> ist mir zu "dick" und hat mir zu hohen Ruhestromverbrauch. Gibt's da> noch was kleineres? Problematisch ist auch die Beschaffung als> Privatperson.
Die üblichen MOSFET-Halbbrücken funktionieren nachweislich erst ab ca.
8V Versorgungsspannung, auch wenn die zur Ansteuerung verwendeten
Logiksignale 3V- oder 5V-kompatibel sind. Beim BTN8982TA steigt
unterhalb von 8V der Kanalwiderstand ganz gewaltig an.
Natürlich gibt es auch wesentlich kleinere Halbbrücken und
High-Side-Treiber zu durchaus passablen Kosten; Infineon hat da eine
ziemlich umfangreiche Übersicht. Allerdings sind fast alle Typen auf
12V- und 24V-Bordnetze in KFZ ausgelegt.
abc schrieb:> Zum Verstärker: 24V, max. 3-4A
Viele Verstärker haben einen Standby-Eingang mit dem sie sich abschalten
lassen, einfach mal nach dem verwendeten Verstärker-Chip gucken.
Zudem ist die genannte Stromaufnahme meist die MITTLERE Stromaufnahme,
die Spitzen können weit höher sien und ein Halbleiter als Schaltelement
muss den SPITZENstrom verkraften, denn er ist auch spitzenmässig schnell
kaputt.
> Wenn ich das Datenblatt von zB dem IRLZ44N richtig deute, kann ich damit> mit 3V schon über 10A schalten,
Nein, natürlich nicht, es gibt lediglich für 4V UGS eine Angabe daß der
RDSon nicht über 0.039 Ohm liegen wird.
Ob der MOSGFET bei 3V überhaupt noch leitet oder nicht, ist nicht
garantiert, denn das Digramm auf das du sich beziehst ist TYPISCH, d.h.
die notwenidge Gate-Spannung kann a 1.4 mal so hoch sien oder schon bei
0.7 den Effejt ergeben.
4V hast du aber nicht. Also müsstest du einen für 2.7V spezifizierten
MOSFET finden wie IRF3708. Aber N-Kanal ist sowieso unpassend, und high
side switches wurden genannt.
Aber die Anfrage war von Februar, das Thema ist also durch.
Christian S. schrieb:> Ich habe ein ähnliches Problem. Relais fällt aus, da Spannung zu niedrig> (nur 1 Li-Ion Zelle - max 4,2V). Zu schalten sind max. 1A. Der BTN8982TA> ist mir zu "dick" und hat mir zu hohen Ruhestromverbrauch. Gibt's da> noch was kleineres? Problematisch ist auch die Beschaffung als> Privatperson.
Um 1 A der positiven Leitung von 2.5V bis 4.2V zu schalten, reicht ein
P-Kanal MOSFET wie AO3423. TME ist ja wohl auch für Privatpersonen ok
http://www.tme.eu/gb/details/ao3423/tht-p-channel-transistors/alpha-omega-semiconductor/
Und FDN304 gäbe es bei Elpro.
Wie man auf einen völlig unpassenden 55A 8-18V BTN8982TA kommt, ist mir
komplett schleierhaft. Relais hingegen gäbe es viele für 3V.
https://www.luedeke-elektronic.de/de/Bauteile-und-Zubehoer/Relais/Relais-bis-3V/3V-DC-Miniaturrelais-max-2A-120V-AC---24V-DC.html
@MaWin
Danke für die Tipps. Den BTN8982TA hatte ich nur als Zitat von oben
genannt und suchte halt was vergleichbares in kleiner. Wie Du und
Andreas Schweigstill schon ausgeführt hatten, wird das nichts, daher
werde ich wohl einen P-Kanal MOSFET nehmen, wie von dir vorgeschlagen.
Danke auch für den Hinweis auf die Relais.
Christian