Aber vielleicht geht es mit Hardware doch einfacher:
J. V. schrieb:
Ein Waveshare Teil aus Amazon habe ich hier auch rumliegen,
weis aber nicht ob es da eine passende SW auf der Gegenseite gibt.
Gibt es nicht, aber eine passende HW auf der Gegenseite. Das hat mich jetzt vor dem compilieren des Kernels gerettet.
Ich hatte die Teile mal zum Ausprobieren von MQTT bei Eckstein-Komponente bestellt. Der Shop klingt zwar deutsch, ist aber aus Shenzen und wird von Kung Xiang betrieben. Die Methoden zur Eindeutschung haben sich in China bereits großflächig rumgesprochen. Es ist jetzt nicht nur bei Klavieren und Schliessanlagen in Mode gekommen einen ausserordentlich deutsch klingenden Namen draufzuschreiben. (Schliessanlagen Laudmann, Klaviere Zimmermann, Linden usw. ) Entgegen aller Befürchtungen war sogar eine ordentliche Rechnung mit ausgewiesener Mwst dabei und der Preis von 29 Euro ist mehr als fair.
Das Zeugs blieb während Corona aber in den Containern stecken und konnte nicht geliefert werden. Als es dann doch gekommen ist, wurde es in der untersten Schublade eingelagert. Es handelt sich um die Hutschienenversion im Plastikgehäuse. Davon gibt es auch eine Version ohne POE. Zwischenzeitlich habe ich das Teil auch unter dem Label „Luckfox“ gesehen. Ob es dabei einen Unterschied gibt weis ich nicht.
https://eckstein-shop.de/WaveShare-Industrial-Serial-Server-with-POE
Das PDF Manuel ist auf der Waveshare Webseite gut versteckt. Ebenso die zur Inbetriebnahme benötige Konfigurationssoftware vircom_en.exe. Die gibt es leider nur für Windows aber man muß froh sein daß es sie auch auf Englisch gibt. Es gibt zudem ein serielles Terminal sscom.exe zum Debuggen.
Tatsächlich hat das Teil auch einen Webserver mit Oberfläche zum Einstellen. Die IP Adresse wird aber in der Auslieferungseinstellung nicht über DHCP bezogen und ist im PDF Manual falsch beschrieben. Bei mir stand sie auf 192.168.1.201 und der Default nach Reset ist 192.168.1.200. Bei der Installation von chinesischer Software die dann unter Windows auch noch einen Firewall Port aufmachen möchte ist mir grundsätzlich nicht wirklich wohl.
Hat man die IP Adresse aber mal erfolgreich erraten, geht der Zugriff auch über http, aber nicht https. Die chinesische Oberfläche vom Webserver kann man auf Englisch umschalten. Das Ändern des Device-Name ist mir nicht gelungen. DHCP hat aber sofort funktioniert und im Router erscheint als „Active Host Name“ die MAC Adresse.
Es gibt einen „Virtual Serial Port Mode“ wozu man allerdings (Windows) Treiber installieren muß. Somit hat sich diese Betriebsart bei Linux auch erledigt. Das exe der vircom Einstellumgebung kann man ohne Installation direkt starten.
Außer der eigenen IP muß man mindestens eine „Destination IP“ einrichten. Das ist das die Gegenstelle am Ethernet, wobei serielle Daten hier offensichtlich auch an mehrere Gegenstellen verteilt werden können. Zu einer transparenten Kopplung braucht man jedenfalls nichts anderes tun, als die IP Adressen kreuzweise einzutragen und auszuwählen ob man die Übertragung per TCP oder UDP haben möchte. Bei einer erfolgreichen Ethernet Paarung ändern sich die Link LEDs beider Partner von grün auf blau. Das Teil hat außerdem eine Bootzeit von gefühlten 0 Sekunden.
Ein weiteres Schmankerl ist die native Unterstützung des Modbus Protokolls was ich aber trotz Modbus nicht ausgewählt habe. In diesem Fall tut die Ethernet Seite so, als ob sie ein Modbus TCP Client wäre. Man kann dann als Anwendung einen Modbus TCP Server laufen lassen und direkt auf die serielle Hardware zugreifen. Leider kann das mein Venus nicht, zumal ABB ja auch nur Zähler mit Modbus RTU und nicht Modbus TCP baut.
Die Hardware zeigt auch überraschend ordentliche Merkmale. Im Innern werkelt ein STM32. Die galvanische Trennung ist mit gefrästem Schlitz als Luftstrecke realisiert. Als Überspannungsschutz zur RS485 sieht man sogar eine Gasentladungsstrecke. Das PoE Board hat ebenfalls einen DC/DC Wandler und ist senkrecht draufgesteckt. Die fast gleiche Version mit gleichzeitig betreibbarem zusätzlichem RS232 gibts auch noch als Blechgehäuse im Industrial Stil zum doppelten Preis. Bislang stabiler Betrieb und rundum zu empfehlen.