Auf die Gefahr hin mich als totaler Anfänger zu outen, ist mir neulich
bei der Beschreibung eines Trafos etwas aufgefallen, was ich nicht ganz
verstehe. Auch diverse Artikel zu Trafos und der Funktionsweise haben
nicht zwingend weitergeholfen.
Es geht um jenes:
http://www.pollin.de/shop/dt/MDIzOTk2OTk-/Stromversorgung/Transformatoren/Netztransformatoren/Netztrafo_011_B81.html
Es handelt sich (für mich) scheinbar um ein ganz gewöhnlichen Trafo,
Eingang 230 V~. Ausgang 0-12-24 V~/4,15 A, 100 VA. Soweit so gut, aber
dieses
"Einschaltdauer 2 Min. ein / 18 Min. aus (bei max. Belastung)"
sehe ich ehrlich gesagt zum ersten mal. Bedeutet das einfach nur
mangelnde Qualität?
schreib mal alles hin:
Eingang 230 V~. Ausgang 0-12-24 V~/4,15 A, 100 VA, mit
Temperatursicherung 130 °C. Einschaltdauer 2 Min. ein / 18 Min. aus (bei
max. Belastung). Maße (BxHxT): 78x59x66 mm.
Dass das Gerät nicht für Dauerbelastung ausgelegt ist weil es dann
wahrscheinlich überhitzt.
Das heißt nach zwei Minuten unter Volllast ist es so heiß, dass es
kaputt gehen würde. Also musst du es abkühlen lassen.
Solche Angaben findet man also bei Sachen die in der Regel nur kurz
benutzt werden und dann lange Zeit nichts machen. Bsp. Klingeltrafo,
Schweißtrafo, Autoanlasser, Fensterheber, ...
Matthias xxx schrieb:> Dass das Gerät nicht für Dauerbelastung ausgelegt ist weil es dann> wahrscheinlich überhitzt.> Das heißt nach zwei Minuten unter Volllast ist es so heiß, dass es> kaputt gehen würde. Also musst du es abkühlen lassen.>> Solche Angaben findet man also bei Sachen die in der Regel nur kurz> benutzt werden und dann lange Zeit nichts machen. Bsp. Klingeltrafo,> Schweißtrafo, Autoanlasser, Fensterheber, ...
Und es gibt darunter auch Trafos, die nur mit der spezifizierten Last
ans Netz dürfen. Da wurde dann der Spannungsabfall an der Primärwicklung
für die Berechnung der Kernmagnetisierung mit berücksichtigt. Ohne Last
würde der Kern in Sättigung gehen.
Nicht jedes Elektrogerät ist für Dauerbetrieb ausgelegt.
Früher gab es auf den Typenschild den Eintrag: ED xx %.
Damit wurde, wenn xx ungleich 100 war, die maximale Einschaltdauer
angegeben.
@ Amateur (Gast)
>Früher gab es auf den Typenschild den Eintrag: ED xx %.>Damit wurde, wenn xx ungleich 100 war, die maximale Einschaltdauer>angegeben.
Dafür braucht man aber 2 Angaben. Nämlcih die maximale Einschaltzeit
(Absolutwert) und die relative Einschaltdauer in Prozent oder eine
minimal Abkühlpause. Denn Nur mit einer relativen Angabe (??? %) weiß
man nicht, wie groß die thermische Zeitkonstante ist und ob sich das auf
1min oder 1h bezieht.
Es scheint sich um einen EI78 Trafo zu handeln, der ist lt. Datenblatt
mit 35 VA max. Leistung angegeben. Bei dieser Leistung kann man ihn
getrost im Dauerbetrieb fahren. Bleibt die spannende Frage, ob die
Temperatursicherung reversibel oder irreversibel auslöst ?
Falk Brunner schrieb:> @ Amateur (Gast)>>>Früher gab es auf den Typenschild den Eintrag: ED xx %.>>>Damit wurde, wenn xx ungleich 100 war, die maximale Einschaltdauer>>angegeben.>> Dafür braucht man aber 2 Angaben. Nämlcih die maximale Einschaltzeit> (Absolutwert) und die relative Einschaltdauer in Prozent oder eine> minimal Abkühlpause. Denn Nur mit einer relativen Angabe (??? %) weiß> man nicht, wie groß die thermische Zeitkonstante ist und ob sich das auf> 1min oder 1h bezieht.
Sie bezieht sich ohne Angabe auf eine Einschaltdauer von 10 Minuten.
So was kann man z.B. in VDE 503-1 nachlesen wenn man denn möchte.
Von 10' abweichende Einschaltdauern müssen allerdings angegeben werden,
sonst macht das wie Du korrekt angemerkt hast, keinen Sinn.
Thomas schrieb:> Bleibt die spannende Frage, ob die> Temperatursicherung reversibel oder irreversibel auslöst ?
Sieht nach dem pollin Bild als "one time only" aus, also irreversibel.
Allerdings ist die Sicherung bzw. deren Anschlüsse zugänglich.
Thomas schrieb:> Es scheint sich um einen EI78 Trafo zu handeln, der ist lt. Datenblatt> mit 35 VA max. Leistung angegeben. Bei dieser Leistung kann man ihn> getrost im Dauerbetrieb fahren.
Das gilt aber nicht, wenn bereits die Primärwicklung unterdimensioniert
ist. Man sollte also auf jeden Fall den Leerlaufstrom nachmessen.
Gruss
Harald
Andrew Taylor schrieb:>> Bleibt die spannende Frage, ob die>> Temperatursicherung reversibel oder irreversibel auslöst ?>> Sieht nach dem pollin Bild als "one time only" aus, also irreversibel.> Allerdings ist die Sicherung bzw. deren Anschlüsse zugänglich.
Wäre sie irreversibel, würde die Abkühlzeit 18 min. keinen Sinn machen!
Dirk J. schrieb:> Wäre sie irreversibel, würde die Abkühlzeit 18 min. keinen Sinn machen!
Das ist die Abkühlzeit des Trafos nach maximaler Belastung, da sollte
die Temperatursicherung noch nicht ausgelöst haben.
Das man Trafos derart auslegen kann leuchtet ein. Aber bei meinem
Trafobestand frage ich mich wo diese verbaut wurden. Bei den meisten
Anwendungen die mir einfallen schließt sich diese Auslegung selbst aus.
Ich kenne nur Auslegung mit eingeschränkter Einschaltdauer oder
Geiz-ist-geil-Trafo mit definierter Last ohne Begrenzung.
Hat einer ein Beispiel wo beide Einschränkungen gelten? Es müßte eine
Anwendung sein, bei dem der Trafo zum Betrieb durch den Bediener oder
automatisch primär geschaltet würde, und das bei Vollast, so das zum
ersten Magnetisierungsstrom beim Einschalten immer noch der Vollaststrom
hinzukommt.
Hier habe ich vor einiger Zeit eine schöne vereinfachte
Umrechnungstabelle zu Einschaltdauer gefunden. Vereinfacht bedeutet
immer das man wissen sollte, daß man das nicht immer so blind einsetzen
sollte sondern weiß was man da tut. Vor allem wenn man umgekehrt plant
und einen Trafo überlasten will, anstelle von einem Trafo mit
begrentzter ED ausgehend in den Teillastbereich mit voller ED geht, ist
nachenken gefragt. Thermischer Widerstand etc. ... Einiges bezüglich der
Tabelle wird dort ja auch schon direkt behandelt, wenn auch nicht alles.
Aufstellhöhe über NN, Spannugsabfall ändert sich...
http://eltra-trafo.de/index.php?option=com_content&task=view&id=17
Carsten R. schrieb:> wo diese verbaut wurden. Bei den meisten> Anwendungen die mir einfallen schließt sich diese Auslegung selbst aus.
Eine typische Anwendung könnte der Betrieb von Zugmagneten sein.
Diese sind überwiegend so dimensioniert, das sie nur für Kurzzeitbe-
trieb geeignet sind. Aus deem Datenblatt geht ja nicht eindeutig hervor,
ob der Trafo primseitig oder sekseitig geschaltet werden soll.
Gruss
Harald
OK Danke das wusste ich nicht. Ich hab halt nach einem Beispiel für
einen Trafo gesucht der nicht 24h täglich benutzt wird.
Im Wiki Artikel steht ja auch das ein solcher Trafo hohe
Leerlaufverluste hat. Da würde ich es sinnvoller finden den Trafo auf
niedrige Verluste zu optimieren und die Kurzschlussfestigkeit eher mit
rückstellbaren Strom- und Temperatursicherungen zu realisieren.
Oder natürlich gleich die Primärseite schalten (wenn nur eine normale
Klingel angeschlossen ist)
Warum nicht, wenn du einen normalen 230V Unterputztaster verwendest. Wie
gesagt ich rede nicht von Wechselsprechanlagen oder größeren
Klingenanlagen sondern von einer Haustür mit einem Klingelschalter und
einer Klingel.
Falk Brunner schrieb:> Dafür braucht man aber 2 Angaben. Nämlich die maximale Einschaltzeit> (Absolutwert) und die relative Einschaltdauer in Prozent oder eine> minimal Abkühlpause. Denn Nur mit einer relativen Angabe (??? %) weiß> man nicht, wie groß die thermische Zeitkonstante ist und ob sich das auf> 1min oder 1h bezieht.
Dazu gab es auf Typschildern die Angabe ED und SD, wobei SD für
Spieldauer (Kehrwert der Wiederholrate) steht.
Für den o.g. Trafo wäre das dann ED 10% und SD 20 Minuten.
Die Klingel ist normalerweise an der Aussenwand wo Regen und Co vom Wind
hingedrückt werden können. D.h. du brauchst einen Taster mit schutzgrad
drölftausend damit es sicher ist und der ist dann potthässlich.
Dann doch lieber modern mit Eco Schaltnetzteil; Da ist der
Leerlaufverbrauch vermutlich fast kleiner als die Leckströme im Kabel
zum Taster.
An der Klingel gib es nur Kleinspannungen. Die Taster sind oftmals
billigst gebaut und zugleich teilwise widrigen Umgebungsbedingungen
ausgesetzt. Wenn dann noch ein Nutzer im Regen selber völlig durchweicht
nach der nassen Klingel greift und und sich mit der anderen Hand am
Eisengeländer festhält sollte das noch immer sicher sein.
Darum haben Klingeltrafos dauerkurzschlußfest zu sein. Darum haben 230
Volt da nichts verloren. Damit entfällt auch die Möglichkeit diesen
sinnvoll primär zu schalten. Ansonsten bräuche man die Trafos gar nicht
und man würde einfach das Läutwerk direkt für 230 Volt auslegen. Der
Klingeltrafo ist nicht dafür eingeführt worden um das Läutwerk mit
Kleinspannung zu versorgen sondern für den Taster. Das ist die
einfachste Möglichkeit es sicher zu machen und ist daher einheitlich so
vorgeschrieben, damit man eine einheitliche sichere Lösung hat und es
keine Irrtümer durch Wildwuchs gibt.
Das ist vergleichbar mit dem Verbot die grün/gelbe Leitung zu bestromen
und für andere Zwecke zu nutzen. Die ist nur als Schutzleiter zu
verwenden. Fertig aus. Das ist eine Vorschrift. Und sie ist sogar
sinnvoll. Man kann nicht immer garantieren, daß jeder der da mal ran muß
auch garantiert über die alternative Bauweise vorab aufgeklärt wird.
Max D. schrieb:> Dann hättest du ja die vollen 230V draussen am Klingelknopf, keine tolle> Idee.
M.W. sollen mit 230V betriebene Klingelanlagen in Wien allgemein
üblich sein.
Gruss
Harald
@Max und Carsten
Und wie schaltest du draußen dein Licht an? An den Lichtschalter kommt
auch Regen. Da brauchst du auch "Schutzgrad drölftausend".
Ein 230V Taster für den Außenbereich (IPxx) gibt es von fast allen
Herstellern.
Wie gesagt ich rede hier nicht von Wechselsprechanlagen oder ähnlichem.
Und die einfachen Klingeltaster (für Niederspannung) sind qualitativ auf
dem Niveau eines Puppenhauses.
>Und wie schaltest du draußen dein Licht an?
Über die Spannung vom Klingeltrafo, die dann zu einem Hilfsrelais mit
AC8-12 Volt Spule geht oder auf einen Treppenhausschalter der extra
dafür einen separaten zweiten Universaleingang hat.
http://www.amazon.de/Eltako-1462036-TLZ12-8E-230V-UC-Treppenlicht-Zeitschalter/dp/B001V9XQ7S
Für Klingeldrähte, Sprechanlagen und das Licht sind oftmals nur
Telefonleitungen verlegt, wie 8x2x0,6 (Durchmesser, nicht qmm). Da
sollte man keine ~230V drüberlaufen lassen.
IP68 Taster an Klingelbrettern und Haustüren von normalen Häuser habe
ich noch nicht gesehen.
Gruss
Udo Schmitt schrieb:> Dirk J. schrieb:>> Wäre sie irreversibel, würde die Abkühlzeit 18 min. keinen Sinn machen!
Das eine hängt nicht mit dem anderen zwingend zusammen.
>> Das ist die Abkühlzeit des Trafos nach maximaler Belastung, da sollte> die Temperatursicherung noch nicht ausgelöst haben.
So ist es.
Das sagt jedoch nix über die Art der Temperatursicherung aus.
Sie darf also ruhig irreversibel auslösen nach z.b. 25 Minuten um den
hausbrand abzuwenden .-)
Wie so oft bei Pollin gilt auch hier: Da hilft nur ein paar Trafos
bestellen , und einen komplett ausmessen,
Dann den Rest für Projekte verwenden soweit dies sinnvoll ist.
Ich sag ja nicht daß das nicht möglich ist. Natürlich ließe sich das
auch mit Materialien höherer Schutzklasse als Puppentaster +
Klingeldraht anders lösen. Dann fällt das aber in eine völlig andere
Kattegorie und dann greifen ganz andere Vorschriften. Es gibt ja für
jeden Sch... Vorschriften ;-) Und niemand braucht das für eine Klingel.
Niemand braucht das für die paar Watt die da gelegentlich mal kurz durch
die Leitung zucken. Wenn ich dann aber bei der Erneuerung eines
Klingeltasters hinter der Abdeckung 5x 2,5 mm² vorfände, würde ich mich
wundern.(übertrieben)
Bei einer Außenbeleuchtung etc. ist das was völlig anderes, da man da
ohnehin sehr viel potentere Leitungen und Schaltelemente benötigt und
zudem für Dauerbelastung ausgelegt sein müssen. Diese dann ortsnah für
den Außenbereich auszulegen macht da schon eher Sinn. Umgekehrt kann man
auch wie beschrieben Außenanlagen über Klingeltaster bedienen. Dann sind
die Sicherheitsvorschriften für den Außentaster wieder niedriger.
Aber den Klingeltrafo Primärseitig zu schalten ist ein Kurriosum, da
Sinn und Zweck des Trafos die Bereitstellung für den Taster und nicht
für das Läutwerk ist. Das ist zwar, aber es ist vorgesehen den auf
Kleinspannungsseite zu Schalten und primärseitig am Netz zu belassen.
Darum wird der immer für Dauerbetrieb ausgelegt sein.
> Und niemand braucht das für eine Klingel.> Niemand braucht das für die paar Watt die da gelegentlich mal kurz durch> die Leitung zucken.
Blöd sind die Leerlaufverluste üblicher Klingeltransformatoren.
Die verbrauchen bald ähnlich viel Energie, wie neue Kühlschränke:
http://de.wikipedia.org/wiki/Klingeltransformator#Leistungen
Die Werte haben habe ich auch gelesen, sie kamen mir aber etwas hoch
vor. Die Quelle der Angabe ist eine Patentschrift. Sowas ist für mich
nicht umbedingt eine sichere Quelle;)
In Datenblättern von Siemens habe ich Werte von 1,2W gefunden. Sind also
eher 10kWh als 100kWh pro Jahr. Also circa 2,5Euro für nichts.