Hi Leute,
ich finde, dass muss man mal gehört/gesehen haben, eine Gitarre mit 31
Tonschritten pro Oktave.
https://www.youtube.com/watch?v=CCcKUT4GOvs
(zu hören ab ca. 6min:44sec)
Durch die vielen Tonschritte kann man der reinen Stimmung sehr nah
kommen, Töne wie Fis und Ges können wieder unterschieden werden und
dadurch fallen die Schwebungen bei den Dreiklängen weitgehend weg.
Ich finde, es klingt im Gegensatz zur normalen Gitarre wirklich sehr
rein und harmonisch.
Wen die Thematik näher interessiert:
Hier gibt es Hörbeispiele für drei verschiedene Stimmungen
1. unsere heutige, gleichschwebende Stimmung
2. eine Kirnberger Stimmung in C dur (Mittelding aus 1. und 3.)
3. die reine Stimmung in C dur - Fis dur klingt damit mehr als
gewöhnungsbedürftig
https://www.youtube.com/watch?v=DJ2xsRxkjrc
Daniel C. schrieb:> Gitarre mit 31 Tonschritten pro Oktave.
Blöd nur, dass schon das beherzte Drücken auf die Saiten einer Gitarre
eine merkliche Tonhöhenänderung mit sich bringt...
Bei einem Tasteninstrument sehe ich es ein, dass mit unterschiedlichen
Stimmungen unterschiedliche Klangcharakteristika hörbar sind. Aber eine
Gitarre, die sich schon während des Spielens laufend verstimmt, und je
nach Andruckkraft der unterschiedlichen Finger auf der selben Saite im
selben Bund andere Töne produziert, ist das bestenfalls eine schöne
Theorie.
Lothar, Gitarren verstimmen sich nicht beim Spielen. Vielleicht richtig
billige, aber schon mittelpreisige nicht mehr, außer wenn du drauf
rumdrischst.
Wenn die Saiten zu dünn sind und dadurch wenig Spannung haben, hast du
mit deinem "beherzten Zudrücken" recht. Bei vernünftier Saitenstärke und
normaler Spielweise ändert sich die Tonhöhe nicht. Du sollst die Saite
ja nicht zwischen den Bünden bis zu Hals durchdrücken, sie soll ja nur
auf dem Bund aufliegen.
Bei Nylonsaiten ist das alles noch eine Größenordnung unkritischer.
Saiten werden, je kürzer sie werden, immer steifer und damit vom Ton her
zusätzlich höher.
Bei guten Gitarren sind die höheren Bünde entsprechend gesetzt, um das
auszugleichen.
Mich persönlich schreckt eher der Aufwand ab, auf einer solchen Gitarre
spielen zu lernen.
Abartig ist ja die Gitarre links (rechts vom Spieler aus gesehen), die
der Türke bespielt. Einfach Wahnsinn, wie kann man sowas lernen?
Die klassische türkische Bespielung einer normalen Gitarre, gefällt mir
eigentlich besser.
Sinus Tangentus schrieb:> Lothar, Gitarren verstimmen sich nicht beim Spielen.
Wenn ich einen Abend lang auf einem meiner Bässe spiele, dann muss ich
nachstimmen. Den Gitarreros scheint es auch so zu gehen. Allerdings hält
das Instrument die Stimmung über kurze Zeit betrachtet tatsächlich.
Sinus Tangentus schrieb:> Wenn die Saiten zu dünn sind und dadurch wenig Spannung haben
Ja, E-Gitarre eben. Da reicht für ein zünftiges Vibrato schon das
beherzte Anfassen des Halses. Oder leichtes ungewolltes Bending durch
schrägen Andruck...
Lothar Miller schrieb:> Wenn ich einen Abend lang auf einem meiner Bässe spiele, dann muss ich> nachstimmen.
Das ist aber eine Frage der Qualität. Meinen Gibson von 1977 habe ich
damals nach 10 Jahren aus dem Koffer geholt und er war noch original
richtig gestimmt. Den Aria Shortscale aus den 80ern muss ich während der
Probe schon so ein, zwei mal nachstimmen, der hat aber auch winzige
Mechaniken.
Mich irritiert an der Gitarre aus dem ersten Beitrag hauptsächlich,
warum sie sie ausgerechnet von einem Linkshänder demonstrieren lassen.
Nicht, das ich was gegen Linkshänder habe, aber es ist für mich als
Rechtspieler schwierig, daraus was über die Spielweise zu lernen und
abzugucken. Der Kommentar auf niederländisch machts nicht einfacher.
Alls in allem zählt diese Gitarre für mich zu den Dingen, die die Welt
nicht wirklich braucht, eine nette Spielerei ists vllt. schon.
Das ist schon wahr, das Spielen traditioneller türkischer Musik lässt
für uns keinen Vergleich zu. Wir wissen eben nicht, wie es original
klingen muss und haben auch keinen Vergleich zu konventionell
gestimmten/bestückten Gitarren.
Ich habe mal eine Orgel-Exkursion mitgemacht (wir durften da auch mal
selbst an die Tasten), dabei waren auch 2 mitteltönig gestimmte und
sogar eine mit reiner Stimmung. Das war schon ein Erlebnis, besonders
die mit reiner Stimmung, da gab es schon etwas Gänsehaut. Da hat man
natürlich einen Vergleich, weil man die Stücke bzw. Tonfolgen kennt.
Diese Gitarren sind eben eine Möglichkeit, solche Stimmungen verfügbar
zu machen. Deswegen finde ich die Aussage "zählt diese Gitarre für mich
zu den Dingen, die die Welt nicht wirklich braucht" ein bischen eng
gedacht.
Sinus Tangentus schrieb:> Deswegen finde ich die Aussage "zählt diese Gitarre für mich> zu den Dingen, die die Welt nicht wirklich braucht" ein bischen eng> gedacht.
Jo, die Journalisten schneiden ihre Beiträge auch immer so, das sie die
zweite Hälfte des Zitats ignorieren.
Sinus Tangentus schrieb:> Das war schon ein Erlebnis, besonders> die mit reiner Stimmung, da gab es schon etwas Gänsehaut.
Geht mir auch so!
Ich habe ein Roland-Keyboard, bei dem man eigentlich auch die einzelnen
Töne nachstimmen können müsste - überlege grade, ob ich darauf mal ein
Klavier in reiner Stimmung einrichte.
Früher dachte ich immer, die Menschen im Mittelalter wären nicht
"schlau" genug gewesen, um die Oktave in 12 gleiche Tonabstände zu
unterteilen.
Heute weiß ich, deren Gehör hat sich einfach geweigert, eine solche
Stimmung zu akzeptieren und es mussten viele Jahrhunderte vergehen, bis
sich das Gehör mit zwölf gleichen Halbtönen pro Oktave abgefunden hat.
Ein moderner Dreiklang klingt gegen einen reinen Dreiklang ziemlich
schal.
Auf der anderen Seite sind Musikrichtungen wie Blues und Jazz erst durch
die moderne (also gleichschwebende) Stimmung möglich.
Am meisten fasziniert mich, dass es anscheinend nur näherungsweise ein
mathematisches Konzept zum menschlichen Gehöremfpinden gibt. Siehe auch
Obertonreihe.
Trotzdem wird das strenge mathematisches Verhältnis der reinen Stimmung
als besonders angenehm empfunden. Das ganze erinnert ein wenig an die
(spontane) Symmetriebrechung in der theoretischen Physik, finde ich.
Mit meinem CASIO AT3 Oriental kann man auch beliebige Stimmungen
einstellen und ich kann bestätigen, dass die temperierte Stimmung in
mancher Hinsicht nicht das Optimum darstellt. Eine wirklich reine
Stimmung gibt es aber nicht, irgendwo ist immer ein 'Komma'. Aber man
kann eine Stimmung einstellen, bei der die meisten Dreiklänge rein sind,
also im Verhältnis 3:5, 2:3, 1:2.
Daniel C. schrieb:> Heute weiß ich, deren Gehör hat sich einfach geweigert, eine solche> Stimmung zu akzeptieren und es mussten viele Jahrhunderte vergehen, bis> sich das Gehör mit zwölf gleichen Halbtönen pro Oktave abgefunden hat.
Die audiophile Evolution verläuft logarithmisch. Allein in den letzten
zwei Jahrzehnten verlief sie so schnell, daß die Ohren des
durchschnittlichen Musikkonsumenten (ich sage bewußt "Konsument" und
nicht "Genießer") kein Problem mehr damit haben, wenn 90% des Inhaltes
fehlen oder der Frequenzgang dem Chart einer äußerst volatilen Aktie
ähnelt. Für die Produzenten ergeben sich dadurch enorme Vorteile. Feine
Klangnuancen werden von der Kette aus Kompressionsalgorithmen,
billigsten Verstärkern und miniaturisierten Schallwandlern, gegen die
selbst Brüllwürfel der 1.Generation wie Highend anmuten, gnadenlos
ausgefiltert und finden ohnehin nicht mehr den Weg bis zum Ohr des
Verbrauchers. Also muß man sie gar nicht erst produzieren und benötigt
nur noch 10% der Zeit zum Arrangieren und Abmischen. Dank optimierter
Vertriebswege kann man in der gleichen Zeit aber 10x so viel akustisches
Junkfood verkaufen wie in der Prä-MP3-Ära. Ergibt eine 100-fache
Umsatzsteigerung für die Musikindustrie. Viva la Evolution!
Daniel C. schrieb:> und es mussten viele Jahrhunderte vergehen, bis> sich das Gehör mit zwölf gleichen Halbtönen pro Oktave abgefunden hat.
Das ist ja lustig... Wieviele Jahrhunderte wird denn so ein Gehör alt?
Icke ®. schrieb:> bla
Hey, ein Offtopic-Thread in dem erst in der 17. Antwort ein Opi mit
"Früher war alles besser..." daherkommt!
Respekt!
Ontopic:
Finde das was da gezeigt wird durchaus interessant.
Sicher, die westliche Popkultur wird dadurch nicht revolutioniert
werden.
Aber schön sowas mal zu sehen.
Grad im Internet gibt es doch viele Videos zum Thema Musik, die an und
für sich interessant sind, aber eigentlich keinen praktischen Nutzen
haben (weil Musik an sich ein sehr emotionales Thema ist).
Z.B. wenn wieder einer das Super-Mario Theme auf einem 12-Saitigen Bass
tappt oder sich 4 Leute eine Gitarre teilen und darauf gleichzeitig
spielen.
le x. schrieb:> Hey, ein Offtopic-Thread in dem erst in der 17. Antwort ein Opi mit> "Früher war alles besser..." daherkommt!
...und ein Pisa-Kiddie die Ironie nicht verstanden hat. Zählen können
die heutzutage auch nicht mehr, es war die 16. Antwort =8P
Der Musikgeschmack wird in der Kindheit geprägt - dazu gehören auch die
Tonsysteme. Das fängt schon im Mutterleib an. Daneben gibts dann noch
natürliche Vorlieben (nenne ich mal so, also angeboren) und wer sich
intensiv mit Musik beschäftigt, kann später auch noch den Geschmack
erweitern (in Richtung fremdartige Stile).
Uhu Uhuhu schrieb:>> und es mussten viele Jahrhunderte vergehen, bis>> sich das Gehör mit zwölf gleichen Halbtönen pro Oktave abgefunden hat.>> Das ist ja lustig... Wieviele Jahrhunderte wird denn so ein Gehör alt?
Ich würde sagen, das kollektive Gehör ist mindestens so alt wie die
Menschheit selber.
;O)
Abdul K. schrieb:> wer sich> intensiv mit Musik beschäftigt, kann später auch noch den Geschmack> erweitern (in Richtung fremdartige Stile).
In dem Zusammenhang finde ich Said Chraibi sehr empfehlenswert:
https://www.youtube.com/watch?v=gDfnPHVnkkM
Sinus Tangentus schrieb:> Lothar, Gitarren verstimmen sich nicht beim Spielen. Vielleicht> richtig> billige, aber schon mittelpreisige nicht mehr, außer wenn du drauf> rumdrischst.
Es geht auch nicht um das Verstimmen. Allein schon wenn die Saite nicht
direkt nach unten gedrückt wird, hat sie eine höheren Ton.
Welche Größenordnung dieses "Ziehen" hat müsste man mal nachmessen.
Und ob sich die Gitarre bei Spielen verstimmt würde ich eher auf die
Saiten schieben und vielleicht noch auf die Stimmwirbel, aber nie auf
die Gitarre.
...es sei denn, man drischt so drauf rum, dass der Hals krumm wird.
Quasi spanabhebende Tonerzeugung.
J. Ad. schrieb:> Es geht auch nicht um das Verstimmen. Allein schon wenn die Saite nicht> direkt nach unten gedrückt wird, hat sie eine höheren Ton.>> Welche Größenordnung dieses "Ziehen" hat müsste man mal nachmessen.
Du meinst, wenn die Saite nach unten gedrückt wird, bis sie auf dem Bund
aufliegt?
Wenn ja, scharf überlegt!
Bei guten Gitarren wird die Bundposition so ausgelegt sein, dass die
zusätzliche Spannung der Saite damit möglichst kompensiert wird (der
Bund ist dann auf dem Hals etwas höher als seine theoretische Position).
Auch, dass die Seiten oben auf dem Sattel etwas höher liegen, als die
Bünde hoch sind, sollte in das Gesamtkonzept Gitarre eingerechnet sein.
Eine gute Gitarre ist bundrein und oktavrein.
http://www.hermode.com/index_en.html
Reine Simmung funzt bei Tasteninstr. nur in einer Tonart.
Mit Hermode kann man Tonarten wechseln wie in der gleichschwebenden
Stimmung.
J. Wa. schrieb:> Reine Simmung funzt bei Tasteninstr. nur in einer Tonart
Nicht mal das. Zu C-Dur gehören die Akkorde F-Dur,C-Dur, G-Dur sowie
d-moll, a-moll und e-moll. Es ist aber keine reine Stimmung möglich, die
sowohl für den G-Dur-Akkord als auch den d-moll-Akkord stimmt . Das
erforderte 2 verschiedene D-Töne, die 22 Cent auseinanderliegen.
Daniel C. schrieb:> J. Ad. schrieb:>> Es geht auch nicht um das Verstimmen. Allein schon wenn die Saite nicht>> direkt nach unten gedrückt wird, hat sie eine höheren Ton.>>>> Welche Größenordnung dieses "Ziehen" hat müsste man mal nachmessen.>> Du meinst, wenn die Saite nach unten gedrückt wird, bis sie auf dem Bund> aufliegt?>
Nein, ich meine einen parallelen Versatz, der zu Drückrichtung nach
unten senkrecht ist.
J. Ad. schrieb:> Nein, ich meine einen parallelen Versatz, der zu Drückrichtung nach> unten senkrecht ist.
Normalerweise spielt man so, dass die Saiten beim Greifen senkrecht auf
den Bünden sitzen, außer beim Bending (wenn man also gewollt die Seite
ziehen möchte).
J. Wa. schrieb:> http://www.hermode.com/index_en.html>> Reine Simmung funzt bei Tasteninstr. nur in einer Tonart.> Mit Hermode kann man Tonarten wechseln wie in der gleichschwebenden> Stimmung.
Großartig! Habe es mal am Keyboard geprüft, die Quinten sind bei
gleichstufiger Temperatur tatsächlich fast rein, während die Terzen (dur
und moll) im Grunde ziemlich grottig klingen und einiges an Schwebung
aufweisen.
Jobst Quis schrieb:> Hier eine Zeichnung für eine Stimmung mit reinen Akkorden.
Kannst du noch erklären, wie die Zeichnungen zu lesen sind?
Jobst Quis schrieb:> Nicht mal das. Zu C-Dur gehören die Akkorde F-Dur,C-Dur, G-Dur sowie> d-moll, a-moll und e-moll. Es ist aber keine reine Stimmung möglich, die> sowohl für den G-Dur-Akkord als auch den d-moll-Akkord stimmt . Das> erforderte 2 verschiedene D-Töne, die 22 Cent auseinanderliegen.
Danke für die Info! Dann gibt es selbst für eine Dur- oder Molltonleiter
keine statisch reine Stimmung für alle Akkorde...
Die Hermode-Stimmung kann das aber anscheinend dynamisch im Spiel
ausgleichen.
http://www.hermode.com/index_en.html
Chöre und Instrumente ohne Bünde können das wahrscheinlich auch.
Eine andere Frage ist noch, wie eventuell anfallende chromatische
Halbtöne bei einer "reinen" Stimmung ausfallen müssen/können/sollen.
Daniel C. schrieb:> Normalerweise spielt man so, dass die Saiten beim Greifen senkrecht auf> den Bünden sitzen, außer beim Bending
Normalerweise hat man beim Spielen aber keine Zeit, sich um solche
Feinheiten wie die Anpresswinkel des Fingers einen Kopf zu machen. Dazu
kommt, dass jeder Finger unterschiedlich stark auf den Bund drückt.
Ich hatte gestern so eine Fender-Klampfe mit Monsterbünden in der Hand,
da konnte man durch reines senkrechtes Drücken schon ein brauchbares
Vibrato erzeugen. So wie ich das sehe, käme diese Klampfe auch mit halb
so vielen Bünden aus. Halbtöne oder sonstige Zwischentöne lassen sich
darauf sicher durch passenden Andruck erzeugen.
Mal abgesehen davon, dass sich der Hals der Gitarre wie Gummi biegen
ließ. Aber vermutlich lange ich als Basser (am liebsten mit
Carbonhälsen) da einfach zu stramm hin... ;-)
> Chöre und Instrumente ohne Bünde können das wahrscheinlich auch.
Bundlose Instrumente werden nach Gehör gespielt. Ein Sänger singt nach
dem Gehör. Ergo muss dann "nur" dem Gehör ein neues Klangschema
antrainiert werden, dann geht das ganz problemlos.
Nur bei einer Gitarre, die ja schon immer mehrtönig ist, stelle ich mir
das Fehlen von Bünden als echte Herausforderung vor. Es müssen ja
parallel für mehrere Töne diese "Tonhöhen-Regelungen" ablaufen. Vom Ohr
über das Gehirn bis zu den Fingern...
Daniel C. schrieb:> Kannst du noch erklären, wie die Zeichnungen zu lesen sind?
In der Waagrechten ist die Quintenreihenfolge der Töne, in der
Senkrechten die großen Terzen. Die kleinen Terzen sind diagonal von
links unten nach recht soben. Die Dreiklänge ergeben also immer ein
Dreieck.
Die Zahlen sind die Abweichungen von der Temperierten (gleichmäßigen)
Stimmung in Cent (hunderstel Halbtöne). Bei Keyboards wie dem Casio AT3
Oriental kann man die Stimmung für jeden Halbton in Cents einstellen.
Da kann man auch sehen, dass das D von G-Dur (rechts mitte) ein anderes
ist als das von d-Moll (links unten). +4 - (-18) = 22.
Daniel C. schrieb:> Eine andere Frage ist noch, wie eventuell anfallende chromatische> Halbtöne bei einer "reinen" Stimmung ausfallen müssen/können/sollen.
Wenn du damit die "schwarzen" Töne C# usw meinst, das ist kein großes
Problem. Wie du in der Skizze siehst, sind auch die Dur-Akkorde von
C#,G# und D# reine Akkorde. Bei B und F# muss man sich wie bei D
entscheiden, ob man die linken oder rechten nimmt.
Lothar Miller schrieb:> Daniel C. schrieb:>> Normalerweise spielt man so, dass die Saiten beim Greifen senkrecht auf>> den Bünden sitzen, außer beim Bending> Normalerweise hat man beim Spielen aber keine Zeit, sich um solche> Feinheiten wie die Anpresswinkel des Fingers einen Kopf zu machen. Dazu> kommt, dass jeder Finger unterschiedlich stark auf den Bund drückt.
Gut beobachtet.
> Ich hatte gestern so eine Fender-Klampfe mit Monsterbünden in der Hand,> da konnte man durch reines senkrechtes Drücken schon ein brauchbares> Vibrato erzeugen. So wie ich das sehe, käme diese Klampfe auch mit halb> so vielen Bünden aus. Halbtöne oder sonstige Zwischentöne lassen sich> darauf sicher durch passenden Andruck erzeugen.> Mal abgesehen davon, dass sich der Hals der Gitarre wie Gummi biegen> ließ. Aber vermutlich lange ich als Basser (am liebsten mit> Carbonhälsen) da einfach zu stramm hin... ;-)
Bässe mit Carbonhals? Welche Marken sind das? Bei meinem Biilig-Bass ist
das so eine Eisenstange drin, was hat es wohl damit auf sich?
>> Chöre und Instrumente ohne Bünde können das wahrscheinlich auch.> Bundlose Instrumente werden nach Gehör gespielt. Ein Sänger singt nach> dem Gehör. Ergo muss dann "nur" dem Gehör ein neues Klangschema> antrainiert werden, dann geht das ganz problemlos.> Nur bei einer Gitarre, die ja schon immer mehrtönig ist, stelle ich mir> das Fehlen von Bünden als echte Herausforderung vor. Es müssen ja> parallel für mehrere Töne diese "Tonhöhen-Regelungen" ablaufen. Vom Ohr> über das Gehirn bis zu den Fingern...
Vor allem: Allein durch die Handanatomie könnte man wohl kaum saubere
Griffe greifen und mehrstimmig spielen. Die Bünde haben also quasi ne
Rundungsfunktion.
Bei den 31 Bünden vermute ich, dass die Fertigungstoleranzen und die
Abweichungen durch den Hand-Betrieb in ähnlicher Größenordnung liegen
wie die Tonhöhenunterschiede aufgrund der Saitenlängen.
Im Übrigen ist es ja auch eine Kunst, ein Instrument so zu stimmen,
dass es klingt. Da spielen noch andere Faktoren als die reine Tonhöhe
eine Rolle, sonst bräuchte man keinen Klavierstimmer.
Auch bei Gitarren kommmt es m.E. darauf an, dass man sein Instrument
"kennt" und dann weiß wie man es instrumentenspezifisch zu stimmen hat.
Die E-Gitarren haben zudem am Steg noch einen Verschiebemechanismus, mit
dem man wohl die Saitenlänge beeinflussen kann.
Laut Theorie würde sich aus den fixen Bünden ja eine Saitenlänge ergeben
und das wars dann.
In der Praxis scheint diese Verschiebemöglichkeit dann aber doh wichtig
zu sein.
J. Ad. schrieb:> Bässe mit Carbonhals? Welche Marken sind das?
Steinberger hat damit mal angefangen, mit ihrem berühmten 'kopflosen'
Bass:
https://en.wikipedia.org/wiki/Steinberger
.
> Bei meinem Biilig-Bass ist> das so eine Eisenstange drin, was hat es wohl damit auf sich?
Da ist vermutlich unter dem Deckel am Wirbelkopf noch eine Imbusschraube
am Ende der 'Eisenstange', mit der sich die Krümmung des Halses
einstellen lässt.
> Laut Theorie würde sich aus den fixen Bünden ja eine Saitenlänge ergeben> und das wars dann.
Nee, wie Lothar schon sagte, wird die Saite ja immer gezogen, wenn man
sie abdrückt. Der Unterschied zwischen dem eigentlichen
Schwingungsknoten (z.B. beim Flageolette Ton) und dem abgedrückten Ton
wird durch den Steg'verschiebe'mechanismus ausgeglichen.
Mit dem Steg'verschiebe'mechanismus wird die Steifheit der Saiten
ausgeglichen. Die mathematische Berechnung von Bünden und Steg gilt nur
für sehr dünne Saiten, je dicker und damit steifer sie sind, umso mehr
'Zugabe' braucht der Steg.
Die Stahlstange im Hals ist ein so genannter Truss rod:
https://en.wikipedia.org/wiki/Truss_rod
Er sorgt dafür, dass die Saitenspannung, die den Hals
durchzieht/verbiegt, ausgeglichen wird.
Wenn man die Gitarre im ersten und letzten Bund gleichzeitig greift,
sollte der Hals in der Mitte um etwa einen halben mm durchgebogen sein.
Ist die Biegung größer, muss der Truss Rod angezogen werden. Bei weniger
Abstand sollte man ihn etwas lockern.
Heutzutage benutzt man bei Gitarren gerne "Papier"-Hälse, das sind
Hälse, die sehr flach sind. Angeblich kann man darauf schneller spielen.
Ich mache meine Gitarrenhälse selber und bevorzuge dickere Exemplare.
Die sind stabiler und haben einen besseren Klang. Außerdem klingen die
Saiten länger nach. Der Selbstbau ist allerdings nicht ganz einfach.
Häufig benutzt man für E-Gitarren zu dünne Saiten (weil erst mal
leichter greifbar). Dicke Saiten verstimmen sich beim "Überdrücken" auf
dem Bund sehr viel weniger.
Gute Spieler drücken die Saite übrigens nicht in der Mitte des
Bundraumes, sondern kurz vor dem Bund. Das minimiert die
Druckverstimmung zusätzlich.
J. Ad. schrieb:> Bei den 31 Bünden vermute ich, dass die Fertigungstoleranzen und die> Abweichungen durch den Hand-Betrieb in ähnlicher Größenordnung liegen> wie die Tonhöhenunterschiede aufgrund der Saitenlängen.
Glaube ich nicht, s.o. Man hört es ja auch, dass die Töne und Akkorde
sehr rein klingen.
Jobst Quis schrieb:> Mit dem Steg'verschiebe'mechanismus wird die Steifheit der Saiten> ausgeglichen.
Ja, man stellt dort auf Oktavreinheit ein. D.h., man kontrolliert, ob
die gestimmte Saite leer angeschlagen, im 12. Bund angeschlagen und
(wenn vorhanden, sonst der höhchste Bund) im 24. Bund angeschlagen,
keine Verstimmung zeigt.
Durch das Runterdrücken wird die Saite stärker gespannt, sie muss also
etwas länger sein als wenn der Bund "nach oben" kommen und die
Saitenspannung gleich bleiben würde.
Jobst Quis schrieb:> Die mathematische Berechnung von Bünden und Steg gilt nur> für sehr dünne Saiten, je dicker und damit steifer sie sind, umso mehr> 'Zugabe' braucht der Steg.
Umsponnenne Saiten und dicke Saiten müssen entsprechend ihrer Spannung
angepasst werden.
Grundsätzlich gilt, je dicker die Saite, um so weiter muss sie unten
"überstehen".
Die Saitensteifigkeit bei Verkürzung wird eher in die Bundabstände der
unteren Bünde eingerechnet.
Wenn die Bünde der Gitarre gut abgerichtet sind, kann man den Abstand
der Saiten vom Griffbrett minimal halten (Saitenabstand über dem 24.
Bund ca. 3mm).
Dadurch lassen sich Akkorde wesentlich einfacher greifen und man kann
schneller und mit weniger Kraftaufwand spielen.
Wenn die Saitenhöhe verstellt wird, muss übrigens auch die Oktavreinheit
unten am Steg nachgestellt werden.
Man kann übrigens billige China-E-Gitarren (vorzugsweise eine ohne
Tremolo) mit relativ wenig Aufwand in ein gut klingendes Instrument
verwandeln:
- Chinagitarre zerlegen
- Bünde Abrichten
- Korpus aus Amerikanischer Esche (= Sumpfesche) nachbauen
- Lack unten am Hals abkratzen, wo dieser den Korpus berührt. Vor dem
Verschrauben eventuell mit Knochenleim unter fest angezogenen Schrauben
verkleben.
- Alles wieder zusammenbauen und Truss Rod, Saitenhöhe und Oktavreinheit
justieren
- simple aktive Elektronik mit hochohmigem OpAmp und zuschaltbaren
Parallel-Kapazitäten zum Tonabnehmer einbauen (um die
Tonabnehmerresonanz variabel zu machen). Ein zusätzlicher Bassregler ist
sehr zu empfehlen.
Daniel C. schrieb:> Ich würde sagen, das kollektive Gehör ist mindestens so alt wie die> Menschheit selber.> ;O)
Dazu müsstest du erst mal dessen Existenz beweisen.
Jobst Quis schrieb:> Mit dem Steg'verschiebe'mechanismus wird die Steifheit der Saiten> ausgeglichen. Die mathematische Berechnung von Bünden und Steg gilt nur> für sehr dünne Saiten, je dicker und damit steifer sie sind, umso mehr> 'Zugabe' braucht der Steg.
Danke, ich hab mir schon Gedanken gemacht, ob die tatsächliche
Saitenlänger dann größer oder kleiner ist als der Abstand vom Halssteg
bis zum 12. Bund.
Die Steifigkeit ist eher bei kurzen, dicken Saiten interessant.
Beim normalen Runterdrücken der Saite wird hingegen die Saitenspannung
erhöht. Darum müssen die Saiten etwas länger als theoretisch notwendig
sein.
Die genaue Länge stellt man am Steg ein.
Uhu Uhuhu schrieb:> Daniel C. schrieb:>> Ich würde sagen, das kollektive Gehör ist mindestens so alt wie die>> Menschheit selber.>> ;O)>> Dazu müsstest du erst mal dessen Existenz beweisen.
Um das aktuelle kollektive Gehör in unserem Kulturraum greifbar zu
machen, musst du nur die zeitgenössische Musik untersuchen.
Du wirst dabei vermutlich schnell feststellen, dass sie sich von
ugandischer Amadindamusik oder Pygmäenmusik unterscheidet.
https://www.youtube.com/watch?v=6KrYB9f9fswhttps://www.youtube.com/watch?v=iCF8zom1500oder
Ergo besitzen eigene Kulturkreise (noch) eigene kollektive
Hörgewohnheiten.
;O)
Daniel C. schrieb:> Die Steifigkeit ist eher bei kurzen, dicken Saiten interessant.>> Beim normalen Runterdrücken der Saite wird hingegen die Saitenspannung> erhöht. Darum müssen die Saiten etwas länger als theoretisch notwendig> sein.> Die genaue Länge stellt man am Steg ein.
Und bei ganzen Griffen wird es dann noch komplizierter, da man mit den 4
Fingern nicht immer so greifen kann, dass man die Saite ganz kurz hinter
dem Bund niederdrücken kann sondern manchmal etwas dahinter.
Da wird sich dann auch eine andere Spannung einstellen. Und damit eine
andere Tonhöhe.
Daniel C. schrieb:> Um das aktuelle kollektive Gehör in unserem Kulturraum greifbar zu> machen, musst du nur die zeitgenössische Musik untersuchen.
Das sind schlicht verschiedene Kulturen mit ihrer Musik - genau wie es
verschiedene Esskulturen gibt. Nur dass bei letzteren niemand von
"kollektivem Appetit" oder ähnlichem Mist rumschwurbelt...
> Ergo besitzen eigene Kulturkreise (noch) eigene kollektive> Hörgewohnheiten.
Das sind keine "kollektiven" Hörgewohnheiten, sondern individuelle, denn
die werden selbst unter Eingeborenen nicht durchgehend geteilt; der eine
mag Heino, der ander Techno, wieder ander klassische Musik oder
türkische, arabische, ... - ganz nach persönlichem Geschmack.
Damit entpuppt sich dein "kollektives Gehör", das auch noch hunderte
Jahre alt werden soll, als Popanz.
Kleine Experimentiertabelle für musikalische Stimmungen:
Ton pyt rein gleich
C --- 0 --- 0 --- 0
D --- 204 --- 204 --- 200
E --- 408 --- 386 --- 400
F --- 498 --- 498 --- 500
G --- 702 --- 702 --- 700
A --- 906 --- 884 --- 900
H --- 1110 --- 1088 --- 1100
c --- 1200 --- 1200 --- 1200
alle Angaben in Cent (ein moderner Halbtonschritt = 100 Cent)
pyt = Pythagoreische Stimmung (Antike bis ins Mittelalter)
rein = reine Stimmung, ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts
gleich= gleichstufig temperierte Stimmung, moderne Stimmung
Kurze Anmerkung: Die Pythagoreische Stimmung eignet sich kaum für das
mehrstimmige Spiel in Akkorden. Daher kam die reine Stimmung auf, die
prinzipiell weniger bis keine Schwebung bei den Akkorden hat. Das gilt
aber nur für einzelne Tonarten. Die moderne, gleichstufig temperierte
Stimmung klingt hingegen in allen Tonarten gleich gut (oder schlecht, je
nach Geschmack).
Daniel C. schrieb:> Daher kam die reine Stimmung auf, die> prinzipiell weniger bis keine Schwebung bei den Akkorden hat. Das gilt> aber nur für einzelne Tonarten.
Sagen wir es für die Unkundigen so:
Es gilt für die Tonart, für die die reine Stimmung jeweils eingestellt
wurde. D.h. man nimmt sich eine Tonart vor, nehmen wir C-Dur für das
aufzunehmende Stück und stellt dann die Quinte G auf 3:2 ein. Für die
anderen Töne entsprechend. Die so gestimmte Gitarre klingt dann in C-Dur
gut, weil sie die Hauptakkorde C-Dur, G-Dur-Dominante und
F-Dur-Subdominante sowie auch a-Moll gut spielen kann. Je nach
Musikrichtung braucht man aber auch d-moll und B (wegen F), bzw e-moll
(G-Dur) und das passt schon nicht mehr so optimal.
> Die moderne, gleichstufig temperierte> Stimmung klingt hingegen in allen Tonarten gleich gut (oder schlecht, je> nach Geschmack).
Der Knackpunkt bei der reinen Stimmung ist wiederum, dass infolge des
irrationalen Verhältnisses der Notenabstände von 12-te Wurzel(2) immer
eine komplexe Schwebung entsteht, weil sich die Wellen nie richtig
sehen.
Daher habe Ich die 185/196 - Spanne vorgeschlagen, die ungefähr der
gleichstufigen Stimmung entspricht, aber eine konstantes ganzzahliges
Periodenverhältnis vorgibt, was dazu führt, dass die Schwebungen sehr
harmonisch und rythmisch sind. Bei synthetischen Klangerzeugern kann man
das dann sogar steuern und komplette Phasenadditionen und -
auslöschungen verhindern.