24Vdc / 28Vdc und 48Vdc / 50Vdc: Wo kommen die Normen her?

Gast #4503902
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Hallo Leute,

ich setzte mich gerade durch Interesse an der Materie mit 
Stromversorgungen von hochverfügbaren Systemen auseinander. - Hier habe 
ich als das schönste Beispiel "Satellit" gefunden.
Hierbei ist mir etwas aufgefallen. In Satelliten (bzw. generell bei 
Avionik?) ist 28Vdc der Standard (bis 1,5kW) und 50Vdc (bis 5,5kW), 
sowie 100Vdc (bis 22kW).

Warum gibt es die Unterschiede zu den "sonst gebräuchlichen" Spannungen 
wie 24Vdc (Industriegängig: z.B. Sensoren, SPS,...) oder 48Vdc 
(Telekommunikation, Rechencenter,...)

Klar, wenn die Spannung höher ist, ist der Strom bei gleicher Leistung 
kleiner... aber bei dem kleinen Unterschied von 24V zu 28V oder 48V zu 
50V?

Beruht das auf irgend welchen Normen oder historischen Gegebenheiten?

PS. Ja, ich weiß, eine sehr spezielle Frage ;-)
(Firma: Funkenflug Industries) #4503979
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Das hängt meistens vom Energiespeicher ab. Alle die von Dir erwähnten 
Systeme verwenden irgendwelche Akkus.

Eine Zelle eines normalen Bleiakkus liefert etwa 2V Spannung. Dadurch 
ergibt sich beim normalen Auto aus 6 Zellen eine Spannung von 12V. 
Überall wo solche Akkus eingesetzt werden, hat man 12V. Beim LKW sind 
zwei "normale" Autobatterien in Serie geschaltet, also 2*6 Zellen macht 
24V. 14V bzw 28V sind die Bordspannung solcher Fahrzeuge während der 
Generator läuft und der Akku geladen wird.

Die 48V aus der TK kommen daher, daß dadurch vier große normale (heißt 
preiswerte) Bleibatterien als einfacher und zuverlässiger Netzersatz 
verwendet werden können, damit die TK-Anlage bei Stromausfällen 
funktionsfähig bleibt.

50V oder 100V halte ich für willkürlich gewählte "runde" Spannungen. In 
der Audiotechnik (z.B. Kaufhausbeschallung) werden ebenfalls 100Vac in 
der ELA-Technik verwendet. Das wäre auch mit 123, 150 oder 213,851V 
möglich gewesen.

Den meisten diesen Anwendungen liegt eine Reduzierung des Stromes durch 
Erhöhung der Spannung zugrunde. Die 22kw beispielsweise wären auch mit 
12V möglich. Ergibt 1833A - zum Vergleich: ein langer ICE3 kann unter 
Vollast 1400A aus der Oberleitung saugen. Dort liegen 15kV drauf, wenn 
da 300 Volt auf dem Weg zur Lok verlorengehen ist das nicht so schlimm. 
Bei 12V würde man aber riesige Kabeldurchmesser brauchen, damit die 12V 
auch noch beim Verbraucher ankommen. 22kW bei 100V sind immer noch 220A, 
aber die sind mit dicken Kabeln möglich.
(Firma: Funkenflug Industries) #4504132
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Da hat er Recht, ich hab schon an meinem Labornetzteil (20V/10A) 
Lichtbögen mit 2..3mm Länge gezogen. Man braucht dafür nur ein wenig Wut 
auf ein altes Mainboard und einen 10.000µF Kondensator, der der 
Strombegrenzug ein wenig mehr Punch verleiht. Manche Bauteile spucken 
daraufhin bei Berührung mit dem Draht eine Wolke ionisierter Gase aus, 
in denen beim Wegziehen des Drahtes ein kleiner Lichtbogen gezogen 
werden kann.
(Firma: matzetronics) #4504168
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Satellitenbaugruppen werden oft von verschiedenen Teams zusamengebaut 
und in die Trägerstruktur, die auch die Energieversorgung bereitstellt, 
eingebaut.

Viele dieser Baugruppen regeln dann nochmal intern die Versorgung und 
haben bei den etwas erhöhten Spannungen dann auch noch eine Chance dazu, 
z.B. intern mit 24V zu arbeiten.
(Firma: Funkenflug Industries) #4504371
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> Viele dieser Baugruppen regeln dann nochmal intern die Versorgung
> und haben bei den etwas erhöhten Spannungen dann auch noch eine
> Chance dazu, z.B. intern mit 24V zu arbeiten.
Kein zwingender Grund, ich könnte externe 12V auch auf z.B. 50V 
hochtransformieren. KFZ-Endstufen mit etwas Bumms machen das alle so.

Einer mit etwas Reserven ausgelegten Motorregelung ist es in 99,99% der 
Fälle wohl auch ziemlich egal, ob sie bspw. 48Vdc oder 50Vdc bekommt.
(Firma: matzetronics) #4504653
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Ben B. schrieb:
> Kein zwingender Grund, ich könnte externe 12V auch auf z.B. 50V
> hochtransformieren. KFZ-Endstufen mit etwas Bumms machen das alle so.

Satelliten sind nun mal auch keine Autoendstufen. Es handelt sich hier 
oft um hochwertige Messgeräte, und es kommt auch auf jedes Gramm Gewicht 
an. Ein Beispiel bei der ersten Raumsonde der ESA (Giotto) zeigt, das es 
sich sogar lohnen kann, 4 simple Schrauben aus V4A durch Titan Schrauben 
zu ersetzen, um etwa 2 Gramm Gewicht zu sparen.
Jeder DC/DC Wandler ist hier ausserdem wg. der Störungen durch 
Magnetfelder und Umschaltspitzen höchst unerwünscht - vom Gewicht der 
Speicherdrossel/des Trafos mal ganz abgesehen.
Die Baugruppen bevorzugen hier die klassische Linearregelung der 
Versorgungsspannung.
(Firma: Funkenflug Industries) #4505086
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Gut, wenn man deren Heizleistung evtl. sowieso braucht, damit die 
Technik nicht einfriert, macht das vielleicht sogar Sinn. Ansonsten 
hätte ich Strom auf einem Satelliten für ein sehr wertvolles Gut 
gehalten, was ich ungerne in Linearreglern verheizen würde.
#4505548
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Matthias S. schrieb:
> Jeder DC/DC Wandler ist hier ausserdem wg. der Störungen durch
> Magnetfelder und Umschaltspitzen höchst unerwünscht - vom Gewicht der
> Speicherdrossel/des Trafos mal ganz abgesehen.
> Die Baugruppen bevorzugen hier die klassische Linearregelung der
> Versorgungsspannung.

Und den Kühlkörper der Linearregelung drückst Du einfach in den Skat 
oder was? Der wird schwerer als ein Schaltregler mit Abschirmung sobald 
da relevante Ströme fließen.
Gast #4506802
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Jim M. schrieb:
> Und den Kühlkörper der Linearregelung drückst Du einfach in den Skat
> oder was? Der wird schwerer als ein Schaltregler mit Abschirmung sobald
> da relevante Ströme fließen.

Das geht am einfachsten über die Struktur des Satelliten... und von da 
aus per Infrarot von der Sonnenabgewanten Seite in das Vakuum ;-) aber 
das ist eine Wissenschaft für sich...

http://www.nasa.gov/pdf/501320main_TA14-Thermal-DRAFT-Nov2010-A.pdf

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