Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Optimale Temperatur von Halbleitern (in Leistungselektronik)


von Finn R. (finn_der_ii)


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Halbleiter stehen ja oft unter hoher Belastung und erwärmen/erhitzen 
sich dabei unter Umständen auch sehr stark. Meine Frage an euch wäre, ob 
es für Halbleiter eine optimale Temperatur gibt, bei der die Lebensdauer 
möglichst hoch ist? Kann man sagen, je kälter, desto länger halten sie 
oder ist diese Pauschalaussage nicht richtig. Ich denke bei den 
aktuellen Aussentemperaturen in erster Linie an Solar-Wechselrichter, 
DC/DC-Wandler, ...
von Falk B. (falk)


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Finn R. schrieb:
> Halbleiter stehen ja oft unter hoher Belastung und erwärmen/erhitzen
> sich dabei unter Umständen auch sehr stark. Meine Frage an euch wäre, ob
> es für Halbleiter eine optimale Temperatur gibt, bei der die Lebensdauer
> möglichst hoch ist?

Möglichst niedrig und möglichst konstant.

> Kann man sagen, je kälter, desto länger halten sie

Wenn man nicht gerade über kryogene Temperaturen spricht, dann ja.

> oder ist diese Pauschalaussage nicht richtig. Ich denke bei den
> aktuellen Aussentemperaturen in erster Linie an Solar-Wechselrichter,
> DC/DC-Wandler, ...

Man könnte solche Leistungshalbleiter auf 25°C Chiptemperatur halten, 
dazu braucht es halt aktive Kühlung incl. Peltier oder Wärmepumpe. Dann 
halten die vermutlich 10x so lange. Aber wer will das schon? Was lange 
hält bringt uns kein Geld. Und der Aufpreis für die Kühlung ist auch 
relativ hoch, dazu kommt eine mögliche Fehler- und Verschleißquelle.

Je nach Anwendung, Zuverlässigkeitsanforderung und angepeilter 
Lebensdauer hat man so Chiptemperaturen bei Leitstungshalbleitern von 
vielleicht 80-130°C. Darunter lohnt sich der Kühlaufwand meistens nicht, 
darüber geht nicht viel mehr ohne radikale Lebensdauerverkürzung.

Wie immer gilt auch hier, so heiß wie möglich, so kühl wie nötig.
von Rainer W. (rawi)


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Finn R. schrieb:
> Ich denke bei den aktuellen Aussentemperaturen in erster Linie an
> Solar-Wechselrichter, DC/DC-Wandler, ...

Wenn es um die Lebensdauer geht, solltest du mindestens genauso besorgt 
um die in oben genannten Geräten verbauten Elektrolytkondensatoren sein.
von Gerhard O. (gerhard_)


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In meiner Lehrzeit behauptete ein Kollege, man könnte jeden 
Stereoverstärker mit voller 10Hz Rechteckanssteuerung "töten". Der Grund 
- die thermische dynamische mechanische Stressbelastung die mit der Zeit 
die Strukturen der Leistungshalbleiter beeinträchtigt. Ob das 
Laborlatein war, entzieht sich mir. Bis jetzt ist bei mir nur ein Sanken 
Leistung Modul eines JVC Steuergeräts ausgefallen. Diskrete Verstärker 
noch nie. Das 10Hz Experiment habe ich nur zur Überprüfung eines 
Verstärkers gemacht.
von Johannes F. (jofe)


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Finn R. schrieb:
> Ich denke bei den
> aktuellen Aussentemperaturen in erster Linie an Solar-Wechselrichter,
> DC/DC-Wandler, ...

Zumindest größere solcher Geräte verfügen über eine temperaturgeregelte 
Zwangskühlung. Ist die Umgebung heißer, laufen die Lüfter stärker. Daher 
sollte sich in gewissen Grenzen die Umgebungstemperatur wenig bis kaum 
auf die Halbleitertemperatur auswirken.
von Finn R. (finn_der_ii)


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Danke euch
von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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>  ob
> es für Halbleiter eine optimale Temperatur gibt, bei der die Lebensdauer
> möglichst hoch ist? Kann man sagen, je kälter, desto länger halten sie
> oder ist diese Pauschalaussage nicht richtig.

Falls man mit dem Fachbegriff dafür weiter recherchieren möchte, der 
lautet "derating":
* https://en.wikipedia.org/wiki/Derating


Macht man nicht nur bei der Temperatur sondern auch gern bei anderen 
Parameter wie Nennspannung von Kondensatoren.
Nicht "auf Kante nähen" sondern Parameter "tief in den grünen Bereich" 
setzen. Das hilft auch bei der Optimierung der MTBF.

Eine Daumenregeln für die Arbeits-temperatur sind 50% bis 70% der 
zulässigen Sperrschichttemperatur. Rechenbeispiele bspw: 
https://www.emea.lambda.tdk.com/il/KB/How-to-improve-power-supply-MTBF-and-reliability.pdf 
(auch Anhang).
von Lu (oszi45)


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> Temperatur niedrig und möglichst konstant.

Stimmt! Leider gibt es auch noch Gehäuse, die Wärme stauen. Auf 45 Grad 
dimensionieren reicht daher kaum.
Lüfter sind mechanische Bauteile mit endlichem Leben durch Verschmutzung 
und Verschleiß. Alles, was man nicht hat, geht auch nie kaputt.
: Bearbeitet durch User
von Kevin K. (nemon) Benutzerseite


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Ich betreibe Leistungselektronik bei teils 175 °C Umgebungstemperatur 
plus Eigenerwärmung und nutze dabei ganz normale Transistoren ud Dioden 
aus dem Katalog. Ist halt eine Frage, was du an Lebensdauer erwartest. 
Wenn in deinem Wechselrichter die Schalttransistoren 100 °C 
Dietemperatur im Sommer erreichen, würde ich mir um die Teile bei einer 
Betriebszeit von über 10 Jahren keine Sorge machen.
Wenn es um wirklich hohe Temperaturen geht: von 25 bis 175 °C steigt der 
Rds,on von Siliziumtransistoren auf das ca. 2,5 fache an. Für SiC ist 
der Faktor eher 1,7. Der Leckstrom steigt exponentiell an und kann bei 
175 °C bei mittelgroßen Transistoren auch mal an 1 mA rankommen, bei SiC 
weniger.
von Martin (hiru)


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Finn R. schrieb:
> Kann man sagen, je kälter, desto länger halten sie
> oder ist diese Pauschalaussage nicht richtig.

Die Aussage ist richtig.

Halbleiter erhalten ihre Eigenschaften, indem Fremdatome in den zu 
dotierenden Kristall eingebracht werden. Die Geschwindigkeit, mit der 
die Atome in den Kristall "wandern", hängt von der Temperartur ab. Je 
höher sie ist, desto schneller verläuft dieser Prozess.
Der Dotierungsprozess hört nie auf. Das heißt, je wärmer der Halbleiter 
betrieben wird, desto schneller verändert er seine Daten. Irgendwann 
wird dann die Toleranzgrenze bei einem Parameter überschritten, bei dem 
die Schaltung noch funktioniert. Häufig ist es der Wert der maximalen 
Spannung, so dass es dann bei zu klein gewordener Spannungsfestigkeit zu 
einem Durchschlag im Halbleiter kommt.
von Martin (hiru)


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Gerhard O. schrieb:
> In meiner Lehrzeit behauptete ein Kollege, man könnte jeden
> Stereoverstärker mit voller 10Hz Rechteckanssteuerung "töten".

Vielleicht nicht jeden Verstärker, aber es geht.

Für Deine Boxen habe ich folgenden Tipp:
Lass Deine Anlage eine halbe Stunde bei maximaler Lautstärke laufen und 
spiele dann die Studioversion Gamma Ray von Birth Control ebenso mit 
maximaler Lautstärke.
: Bearbeitet durch User
von H. H. (hhinz)


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Martin schrieb:
> Lass Deine Anlage eine halbe Stunde bei maximaler Lautstärke laufen und
> spiele dann Gamma Ray von Birth Control ebenso mit maximaler Lautstärke.

Am besten nachts bei offenen Fenstern...
von Lu (oszi45)


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Ersatzwiderstände sind billiger als neue Lautsprecherspule/Membran?
von Mani W. (e-doc)


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Martin schrieb:
> Studioversion Gamma Ray von Birth Control

Die ist geil!
von Jörg R. (solar77)


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Mani W. schrieb:
> Martin schrieb:
>> Studioversion Gamma Ray von Birth Control
>
> Die ist geil!

# Klugscheiß Anfang #

Und wer war Schlagzeuger bei Birth Control? Hugo Egon Balder.
Wissen viele nicht, ebenso wenig wie das Udo Lindenberg bei der Tatort 
Titelmelodie Schlagzeuger war.

# Klugscheiß Ende #


H. H. schrieb:
> Martin schrieb:
>> Lass Deine Anlage eine halbe Stunde bei maximaler Lautstärke laufen und
>> spiele dann Gamma Ray von Birth Control ebenso mit maximaler Lautstärke.
>
> Am besten nachts bei offenen Fenstern...

Kann man aber nur laut hören.
: Bearbeitet durch User
von Mani W. (e-doc)


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Ich hatte vor einigen Jahren Silvester alleine so gefeiert,
dass ich eine große Box vor die Tür stellte und Punkt 00:00
mit Hardrock begann, das aber lautstark...

Ich wohnte in einem kleinen Haus am Waldrand, der Sound war
gewaltig und mit den Lichtblitzereien der Feuerwerkskörper
gab es eine gute Lichtshow...

Von den Knallereien hörte ich praktisch nichts, Led Zeppelin,
Uriah Heep, Black Sabbath, Birth Control, Xandria, Deep Purple
ZZ-Top, AC/DC und viele
andere waren dabei...

Am nächsten Tag sagte die Nachbarin dass es gute Musik war...
: Bearbeitet durch User
von Benjamin K. (bentschie)


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Gerhard O. schrieb:
> In meiner Lehrzeit behauptete ein Kollege, man könnte jeden
> Stereoverstärker mit voller 10Hz Rechteckanssteuerung "töten". Der Grund
> - die thermische dynamische mechanische Stressbelastung die mit der Zeit
> die Strukturen der Leistungshalbleiter beeinträchtigt.

Bei einer sinkenden Frequenz fängt irgendwann der Halbleiter an sich mit 
dieser Frequenz zu erärmen und abzukühlen. Inkl aller Mikrobewegungen 
der thermischen Ausdehnung,. Dabei können die Verbindungen (Bonddrähte) 
auch mit altern. Das ist stark von der Verpakungs und Verbindungstechnik 
abhänging.
Unn natürlich vom thermischen Hub.
So ein Leistungsmodul kann dann bei 5Hz schon nach einem halben Jahr 
spektakulär den Deckel auf machen.
Frag bitte nicht woher ich das weiß....
von Martin (hiru)


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H. H. schrieb:
> Am besten nachts bei offenen Fenstern...

Wenn das in Deinem Wohnumfeld normal ist, dann mache es so.

Jörg R. schrieb:
> Kann man aber nur laut hören.

Wie sonst???

Mani W. schrieb:
> Am nächsten Tag sagte die Nachbarin dass es gute Musik war...

Deine Nachbarin hat offensichtlich einen exzellent guten Musikgeschmack.
von J. T. (chaoskind)


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Mani W. schrieb:
> Am nächsten Tag sagte die Nachbarin dass es gute Musik war...

Meine Nachbarn hören auch immer gute Musik. Ob sie wollen oder nicht :D
von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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>> Kann man sagen, je kälter, desto länger halten sie
>> oder ist diese Pauschalaussage nicht richtig.
>
> Die Aussage ist richtig.

 In der Praxis wird das nicht so verallgemeinert, da gibt es schon eine 
Grenze ab der man eine weitere Temp.-Absenkung nicht anstrebt.

> Halbleiter erhalten ihre Eigenschaften, indem Fremdatome in den zu
> dotierenden Kristall eingebracht werden. Die Geschwindigkeit, mit der
> die Atome in den Kristall "wandern", hängt von der Temperartur ab. Je
> höher sie ist, desto schneller verläuft dieser Prozess.
> Der Dotierungsprozess hört nie auf.

Temperatur ist nicht die einzige "Kraft" die Teilchen bewegt, da wäre 
auch ein (äußere) elektrische Feld zu nennen, für elektrische Bauteile 
wie Transistoren dürfte das die "treibende Kraft" sein, nicht (allein) 
die Temperatur.

Ich hab mal in der Literatur zum Thema gegraben, da betrachtet man zwei 
Temperaturen, die Umgebungstemperatur und die Betriebstemperatur des 
Halbleiters.
Die "Lastminderungskurve"  (Derating-diagramm) wie beispielhaft in 
https://www.mikrocontroller.net/attachment/700053/Derat1of2.PNG 
gezeicht, sieht man für den "grünen Bereich einen Parallele zur x-Achse 
und eine fallende Gerade. Liegt die Betriebstemperatur 
(Umgebungstemperatur + Erwärmung durch Betrieb) auf dem "fallenden" 
Bereich (so oberhalb 60° C) wird eine Abnahme der Gesamtlebensdauer 
erwartet, im parallelen Bereich dagegen nicht. Deshalb macht es in 
diesem Bereich (hier unter 60° C) wenig Sinn, die Temperatur durch 
(Zwangs-) Kühlung weiter zu drücken.

Die spezifizierte Umgebungstemperatur wird auch mal unterschätzt, heisst 
es eben das die elektronik für Zimmertemperatur ausgelegt ist, wird man 
wohl leicht Probleme (auch bei geringer Last haben wenn man das Ganze 
draußen in der prallen Sonne bei 80°C betreibt (oder längere Zeit liegen 
lässt).
: Bearbeitet durch User
von Martin (hiru)


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Bradward B. schrieb:
> Temperatur ist nicht die einzige "Kraft" die Teilchen bewegt, da wäre
> auch ein (äußere) elektrische Feld zu nennen, für elektrische Bauteile
> wie Transistoren dürfte das die "treibende Kraft" sein, nicht (allein)
> die Temperatur.

Etwas ausführlicher ist es hier beschrieben:
https://halbleiter-scout.de/halbleitertechnologie/dotierung/dotierung-durch-diffusion/
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