Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Was macht diese Zusatzschaltung in meinen Hameg HM605 Oszilloskop?


von T. (graubart)



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Was macht diese Zusatzschaltung in meinen Hameg HM605 Oszilloskop?

Das Gerät paßt vom Herstelldatum und von den PCB-Layouts zu den 
5.85er-Plänen.
Die Zusatz-Leiterplatte hat eine Hameg-Kennzeichnung, scheint also 
Original zu sein, ist in den 5.85er-Plänen aber nicht dokumentiert, 
weshalb ich sie hier in blau ergänzt habe.

Die Schaltung sieht irgendwie ungewöhnlich aus.
Der Elko im Kollektorkreis ist ausgelaufen und die Soße hat den 
Lötstopplack schon etwas angegriffen. Die Funktion der Zeitbasis scheint 
trotzdem soweit OK zu sein. Habe den Elko erst mal ersetzt und alles 
gereinigt.

Wer weiß, was diese Zusatzschaltung bewirken soll?
Beitrag #8081373 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Roland F. (rhf)


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Könnte es sein das beim BC549 Emitter und Kollektor vertauscht sind?

rhf
von T. (graubart)


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Dachte ich auch erst, habe es nochmal überprüft und bestätige die 
Zeichnung.
Kann aber nicht ausschließen, daß Hameg den Transistor um 180° verdreht 
bestückt hat. Bei den 5 Bauteilen auf der Zusatzleiterplatte  war das 
bestimmt eine Handbestückung.
Auf dem Foto ist der Anschluß zum Stufenschalter rechts zu sehen, und 
der Transitor hat seine runde Gehäuseseite oben (zur Kamera).
: Bearbeitet durch User
von Achim H. (anymouse)


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Ich rate mal, dass sie eigentlich gar nichts mit der Frequenz der 
Zeitbasis zu tun haben soll.
Aber was passiert, wenn die Basis von T3002 hart gegen 100µF auf 
ungefähr Masse-Potential geschaltet wird?

Ich vermute -- noch ohne tiefere Analyse --, dass Elko C3010 auf die 
ungefähre Betriebsspannung von 1,2V vorgeladen werden, nach dem 
Zuschalten aber nicht mehr beeinflusst werden soll.
von Andrew T. (marsufant)


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T. schrieb:
> Wer weiß, was diese Zusatzschaltung bewirken soll?

C1 wird durch den Trnasistor im invers Betrieb zugeschaltet, in diesem 
Betrieb ist die CE Spannung bei wenigen zig Millivolt  (typ 20..10 mV), 
also deutlich niedriger als im nicht-inversbetrieb.

Kurz: Eine Schalteranwendung, optimiert auf niedrige Restspannung.
von Bernd B. (bbrand)


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Andrew T. schrieb:
> Eine Schalteranwendung, optimiert auf niedrige Restspannung.

Dann hätte man genauso gut auf den Transistor verzichten und eine 
Drahtbrücke nehmen können, denn C1 wird zum gleichen Zeitpunkt 
"zugeschaltet" wie C3010.
von T. (graubart)



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Andrew T. schrieb:
> Kurz: Eine Schalteranwendung, optimiert auf niedrige Restspannung.

Die Basis des BC549C  hängt über den Basisvorwiderstand R1 mehr oder 
weniger fix auf dem Potential des Spannungsteilers R2/R3 (ca. 1,2V).

Wenn Ub > 0.6V + Ue schaltet der BC549 durch.
Wenn die Sägeszahnspannung ansteigt wird die Spannung Ube immer kleiner 
und bei weniger als etwa 0,6V sperrt der Transistor für den Rest des 
Sägezahnsanstiegs. Das Ganze wiederholt sich dann periodisch.
D.h. ganz am Anfang ist der 22uF-Elko parallel zum 100uF (C3010) 
geschaltet (Emitter- und Kollektor-Spannung sind deckungsleich).
Theoretisch müßte hier der Anstieg des Sägezahns etwas flacher 
verlaufen, weil sich 22uF+100uF langsamer aufladen als 100uF alleine, 
das kann ich aber an der Kurve nicht erkennen.

Wozu dient also diese "Kunstschaltung"?
: Bearbeitet durch User
von Arno R. (arnor)


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T. schrieb:
> Wozu dient also diese "Kunstschaltung"?

Das kannst du rausfinden, indem du die Leitungen A und B ablötest und 
schaust was sich am Verhalten der Kiste geändert hat.
von T. (graubart)


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Arno R. schrieb:
> T. schrieb:
>> Wozu dient also diese "Kunstschaltung"?
>
> Das kannst du rausfinden, indem du die Leitungen A und B ablötest und
> schaust was sich am Verhalten der Kiste geändert hat.

Das habe ich eben gerade gemacht als Du das geschrieben hast.

Die Sägezahnkurven verlaufen exakt gleich, egal ob die Zusatzschaltung 
nun verbunden oder an Punkt A abgetrennt ist.

Es bleibt rätselhaft, warum Hameg etwas Zusätzliches verbaut, wenn es 
ohne genau gleich funktioniert (Snakeoil?).

Ich überlege, es abgeklemmt zu lassen ("alles was keine Miete zahlt 
fliegt raus"), schließlich wurde die Timebase-Schaltung jahrelang auch 
ohne diese Placebo-Schaltung gebaut und erfolgreich verkauft.
von Jochen F. (jamesy)


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Da hilft letzten Edndes nur reverse engineering. Auf dem einen Foto war 
ein Elko und ein TO-92 zu sehen.
von T. (graubart)


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Jochen F. schrieb:
> Da hilft letzten Endes nur reverse engineering.
> Auf dem einen Foto war ein Elko und ein TO-92 zu sehen.

Richtig. Die 3 Widerstände sind weiter unten und auf dem Foto nur zu 
erahnen.

Auf dem andere Bild hatte ich den zusätzlichen Schaltungsteil blau 
eingezeichnet.
: Bearbeitet durch User
von Udo S. (urschmitt)


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T. schrieb:
> Das habe ich eben gerade gemacht als Du das geschrieben hast.
>
> Die Sägezahnkurven verlaufen exakt gleich, egal ob die Zusatzschaltung
> nun verbunden oder an Punkt A abgetrennt ist.
>
> Es bleibt rätselhaft, warum Hameg etwas Zusätzliches verbaut, wenn es
> ohne genau gleich funktioniert (Snakeoil?).

Hast du das auf allen Einstellungen der Zeitbasis geprüft?
von T. (graubart)


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Udo S. schrieb:
> Hast du das auf allen Einstellungen der Zeitbasis geprüft?

Bei den Einstellungen außerhalb des Bereichs 50ms/div bis 1s/div ist 
C3010 und die Zusatzschaltung nicht beteiligt.
Bei den Einstellungen unter 50ms/div wird der Sägezahn an den anderen 
Kondensatoren C3008, C3007, C3001 erzeugt.
Somit hat die Zusatzschaltung nur im Bereich 50ms/div bis 1s/div einen 
möglichen Einfluß (wenn überhaupt).

Aber ja, ich hatte auch die Stellungen unter 50ms/div eingestellt, wobei 
sich C3010 und C1 dann ganz langsam entladen (Größenordnung: Minuten) - 
vermutlich hauptsächlich durch den 1MOhm-Eingangswiderstand des 
messenden Oszilloskops.
: Bearbeitet durch User
von Peter K. (chips)


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vielleicht sorgt das für einen definierten Startpunkt durch Vorspannen 
auf 0,6V (damit bei 1s/div der Strahl gleich links startet und nicht 
nach Totzeit von x Sekunden)
von Jochen F. (jamesy)


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Im Grunde wird der Startpunkt durch die Sättigungsspannung des BSX20, 
also etwa 20 bis 30 mV definiert. Nur für die schnellsten Stellungen der 
Zeitbasis wird kapazitiv unterstützt. Der Sinn eines nur zeitweise 
zugeschalteten Kondensators erschließt sich mir nicht, denn die 
Zeitbasis soll möglichst komplett linear arbeiten.
von T. (graubart)


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Peter K. schrieb:
> vielleicht sorgt das für einen definierten Startpunkt durch Vorspannen
> auf 0,6V (damit bei 1s/div der Strahl gleich links startet und nicht
> nach Totzeit von x Sekunden)

Das dachte ich anfangs auch, aber beim Umschalten auf einen Ablenkfaktor 
im Bereich 50ms/div bis 1s/div startet die Ablenkung bei dem 
Spannungswert, den C3010 gerade noch gespeichert hat, also auch z.B. 
irgendwo in der Mitte (beim Sprung von 50ms/div auf 100ms/div macht das 
maximal 1s für einen kompletten Durchlauf aus). Die Zusatzschaltung 
schaltet sowieso nur bei Spannungen kleiner 0,8V den C1 der 
Zusatzschaltung zum C3010 parallel (der Strahl ist dann relativ weit 
links). Da der C1 aber nur 22% des Kapazitätswertes von C3010 beträgt, 
ist der Einfluß auf den Sägezahn (abhängig auch von der zufälligen 
Restladung von C1) weder überwältigend groß, noch genau definiert.

Habe das Verhalten mit und ohne Zusatzschaltung oszillografiert, zu 
beliebigen Zeitpunkten umgeschaltet, und es gibt keinen Unterschied beim 
Sägezahn (= absolut deckungsgleich).

Jochen F. schrieb:
> Der Sinn eines nur zeitweise zugeschalteten
> Kondensators erschließt sich mir nicht, denn die
> Zeitbasis soll möglichst komplett linear arbeiten.

Ja, eben!
Was würdest Du machen? Abklemmen oder wieder anschließen?

(OT: Dieses spannungsabhängige Zuschalten erinnert mich an 
Sinus-Wellenformer, die aus einem Dreiecksignal einen angenäherten Sinus 
formen sollen, nur daß da Widerstände in mehreren Stufen zugeschaltet 
und wieder weggeschaltet werden.)
: Bearbeitet durch User
von Jochen F. (jamesy)


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Auch wenn es komplett blöd klingen mag: Irgend einen Sinn muß diese 
Schaltung haben - ich komme hat nicht drauf. Eventuell mal bei 
www.sky-messtechnik.de nachfragen. Herr Leichum kennt diese Geräte in- 
und auswendig, er hat seit den Achtzigern mit Hameg-Service zu tun.
: Bearbeitet durch User
von T. (graubart)


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