Auswirkung von KI auf den Arbeitsmarkt für Ingnieuere und Informatiker

OP #8088498
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An der ETH gab es vor ein paar Tagen ein Seminar zur KI im Bereich engineering und information technology, wo es eine interessante Aussage eines Vortragenden zu den Schwerpunkten der geänderten Arbeitslebens gab. Der Herr ist seit langem als Projekt- und Teamleiter in der Industrie unterwegs und arbeitet nun an der ETH als Dozent.

Ich gehe es mal sinngemäß wieder:

Seit Jahren sei zu beobachten, dass allgemeine Bildung an Gymnasien in der DACH-Region durch alternative Schulmodelle unterlaufen wird, um schneller Techniker in die Wirtschaft zu bringen. Das humanistische Bildungsideal bleibt auf der Strecke: Kultur, Sprachen und Allgemeinbildung sind bei vielen der reinrassigen Techniker unterentwickelt. In Deutschland hat man zeitweise sogar das Abitur verkürzt.

Fachhochschulen und Duale Hochschulen produzieren massenweise schnell- und kurz ausgebildete Programmierer, Ingenieure und Informatiker, damit die Industrie viel Fachpersonal (um nicht zu sagen "Fachidioten") zur Verfügung hat. Diesen mangelt es an sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten, es fehlen ihnen auch die Denkbausteine, die durch Geschichte, Sozialkunde, Naturkunde und andere Disziplinen hätten erarbeitet werden sollen, welche an Technikergymnasien und Hochschulen aber zu kurz kommen oder völlig fehlen.

Trotzdem laufen viele dieser Leute den besser ausgebildeten Gymnasiasten und Universitätsabsolventen den Rang ab und überholen sie karrieremäßig. Für viele Informatiker und Ingenieure war breites Wissen bisher hinderlich, wollten sie eine neue Arbeit suchen, weil Firmen strikt darauf achteten, nur gerade den einzustellen, der benötigt wird. Mehr zu können, als gefragt war, führte oft zu Absagen. Man hat dann auf den preiswerteren schmaler ausgebildeten Entwickler zurückgegriffen.

In ähnlicher Weise wurde der Markt mit ausländischen Fachkräften geflutet, was sich besonders in der Softwareentwicklung zeigte: Gute Sprachkenntnisse waren nicht wichtig, allgemeine technische Bildung oder gar fachübergreifendes Denken wurde nicht gefragt. Hauptsache die Fachdisziplin wurde beherrscht und das war meistens eine Computersprache.

Mit Einführung der KI und Codegeneratoren ändert sich das nun: Verbale Kommunikation, Sprachen (nicht jede KI versteht Deutsch) und eine stark ausgeprägte Stärke in konzeptionellem Denken sind wieder mehr gefragt statt stupidem Tippen. Das Codieren hat sich erledigt. Der klassische Programmierer stirb aus! Besonders der Softwareentwickler, der bislang nur mit Computersprachen gearbeitet hat und eine Vorgabe durch Systemingenieure entgegen genommen und umgesetzt hat, wird ersetzt werden.

Viele Firmen werden sich umstrukturieren müssen: Statt Fachabteilungen mit mehreren parallelen Disziplinen zu unterhalten, in denen sehr fachspezifische Entwickler arbeiten, wird mehr interdisziplinäres Denken gefragt sein.

Wenn man davon ausgeht, dass ein Programmierer 70% seiner Zeit codiert, kann man rechnen, daß dies auf 20% zusammenschrumpfen kann, wenn er ausladend KI einsetzt. Damit fällt 50% der Arbeitszeit weg. Rechnet man einen wachsenden Anteil an Konzeptarbeit, die dadurch geleistet werden kann und muss, welche an anderen Stellen entsteht, sollten wenigsten 30% einsparbar sein.

Damit fallen mittelfristig 30% der Stellen für Softwareentwickler weltweit weg. Schon jetzt hat es aber einen Überhang von einfach ausgebildeten Programmierern. In China spricht man von mindestens 50%, in Indien von bis zu 70%, die eine entsprechende Ausbildung haben, aber fachfremd arbeiten müssen.

Bei Ingenieuren mit einem geringeren Anteil an ersetzbarer Programmierarbeit von im Mittel 30%, kann man von einer Reduktion auf 10% und damit von einer Einsparung von 20%- der Arbeitszeit ausgehen. Aufgrund der höheren Komplexität der Ingenieurstätigkeiten soll es etwa 10% der Arbeitsplätze kosten.

Wie sind eure Einschätzungen?

Beitrag #8088500 wurde vom Autor gelöscht.
#8088521
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Rolf schrieb:

Wie sind eure Einschätzungen?

KI schafft massenhaft Arbeitsplätze ab, in IT, in Support, ... Trotz billiger KI wird aber alles teurer, weil Globalisierung und internationaler Handel sukzessive rückgebaut werden. Jeder agiert gegen jeden, statt zu kooperieren: Stirb du heute, ich aber morgen. Es mehren sich Kriege, die kein Ende finden, mit weiteren Kriegsdrohungen am Horizont und neuer niederschwelliger Kriegstechnik unterhalb dem Niveau intensiver Ausseinandersetzungen. Das Klima wird wärmer, das Wasser weniger, die Agrarwirtschaft bekommt Probleme und die Produkte werden teurer. Und in den Wohnungen verrecken die Leute, weil zu warm.

Hab ich was vergessen?

Die Aussichten sahen schon mal besser aus.

#8088533
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Rolf schrieb:

Seit Jahren sei zu beobachten, dass allgemeine Bildung an Gymnasien in der DACH-Region durch alternative Schulmodelle unterlaufen wird

Keiner weiss heute wirklich, welche Art von Bildung in 20-30 Jahren die Brötchen finanzieren wird. Hohe Bildung ohne tiefe Spezialisierung, wie die heute Alten von einem halben Jahrhundert an Unis genossen haben, und die sie heute schon vermissen? Oder doch lieber Handwerker? Schmiermaxe von Robotern, lesen können reicht, weil schreiben durch Spracherkennung obsolet wird?

Manche hoffen ja, wenn die KI-Blase platzt, wird alles wieder gut und die gute alte Zeit kehrt zurück. Nope, das wird so nicht kommen. Also platzen wird sie, die Blase, aber die Zeit kommt nicht zurück.

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#8088538
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Es schrieb einstmals ein Wissenschaftler vom Ende der Geschichte.

"Fukuyama vertrat die These, dass sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der von ihr abhängigen sozialistischen Staaten bald die Prinzipien des Liberalismus in Form von Demokratie und Marktwirtschaft endgültig und überall durchsetzen würden. Die Demokratie habe sich deshalb als Ordnungsmodell durchgesetzt, weil sie das menschliche Bedürfnis nach sozialer Anerkennung relativ gesehen besser befriedige als alle anderen Systeme. Mit dem Sieg dieses Modells ende der Kampf um Anerkennung und es entfalle das Antriebsmoment der Geschichte." - Wikipedia

Nun ja, Wissenschaftler irren gelegentlich. Das postulierte Ende der Geschichte ist bereits selbst zu Ende. Im Gegenteil, sie fängt gerade erst wieder an. Es heisst, sie wiederhole sich immer zweimal – das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce. - Karl Marx

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#8088596
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Ich halte ein paar seiner Zahlen für falsch, aber das ist gar nicht so wichtig. Es gilt die alte Aussage:

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

Daher finde ich dass man sich nicht großartig mit seinen Prognosen beschäftigen muss. Sicher ist, irgendwas wird passieren. Was? Das weiß der Herr Projekt- und Teamleiter auch nicht genau.

Ich halte es daher mehr mit dem Rheinischen Grundgesetz, Artikel 2:

Et kütt wie et kütt. ("Es kommt, wie es kommt.")

#8088658
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Rolf schrieb:

Bei Ingenieuren mit einem geringeren Anteil an ersetzbarer Programmierarbeit von im Mittel 30%, kann man von einer Reduktion auf 10% und damit von einer Einsparung von 20%- der Arbeitszeit ausgehen. Aufgrund der höheren Komplexität der Ingenieurstätigkeiten soll es etwa 10% der Arbeitsplätze kosten. Wie sind eure Einschätzungen?

Im Moment relativ schwer zu sagen. Die Ergebnisse von Claude-Code und ähnlichen Kodier-Agenten sind ziemlich beeindruckend.
Allerdings: In der Tiefe sind die LLMs im Moment noch nicht richtig lernfähig und das "Quasi-Lernen" wird über das Coding-Harness erzeugt. Dadurch kommen die Systeme immer wieder an Grenzen, die sie nicht überwinden können. Im Moment sind ziemlich viele Leute damit beschäftigt, die KI-Systeme und Harnesse für Spezialaufgaben anzupassen. Dieser Bedarf wird erst mal zunehmen. Deshalb werden da auch mehr Informatiker und Ingenieure gebraucht. Alles hängt davon ab, wie schnell sich die Algorithmik entwickelt. Es kann jederzeit passieren, dass der ultimative KI-Algorithmus gefunden wird, dann ist wieder alles anders.
Es muss nicht Jepa sein, aber es zeigt, dass in der Richtung viel getan wird:
https://www.youtube.com/watch?v=oM4neOyZOi0

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