Hallo,
ich habe eine Frage wegen der Stromversorgung bei der Bahn.
Wie funktioniert das Verteilen der Last beim Bahnstromnetz?
Die Züge hängen jeweils an einer Phase, aber die Generatoren produzieren
Drehstrom.
Wenn die Phasen unterschiedlich belastet werden, dann werden doch die
Generatoren unsymmetrisch belastet, also mit ca. 33,4 Hz.
Vielen Dank!
Dafür gibt es Bahnstromumformerwerke. Die überehmen die Umformung von
Drehstrom auf Einphasenwechselstrom und ändern dabei gleich auch noch
die Frequenz.
freddy feedback schrieb:> Wenn die Phasen unterschiedlich belastet werden, dann werden doch die> Generatoren unsymmetrisch belastet, also mit ca. 33,4 Hz
Wie läuft das bei dir zu Hause? Da kommt auch Drehstrom, der
unsymetrisch belastet wird. Hast du jetzt 57,93Hz? Nein, natürlich
nicht. Die Belastung hat keinen Einfluß auf die Frequenz. Nicht bei der
Bahn, nicht bei dir zu Hause.
Wie kommst du darauf, daß Generatoren für Bahnstrom irgendwelchen
Drehstrom erzeugen würden ?
Wer sollte Drehstrom mit 16,7 Hz sonst noch brauchen können ? Und die
Bahn braucht Wechselstrom, wie du schon selbst erkannt hast (und auch
hättest nachschlagen könne, Google ist erfunden), Wikipedia existiert.
Also sind die Generatoren bzw. Frequenzumformer simple
Wechselstromgeneratoren.
Nix Drehstrom.
Die Bahn hat eigene Generatoren in Kraftwerken.
Ob das Drehstrom Generatoren oder Wechselstromgeneratoren sind - keine
Ahnung. Im Hochspannungsnetz der Bahn übertragen sie jedenfalls
2-phasig, bzw Erdsymmetrisch.
Ansonsten gibts noch Rotierende Umformer und es gibt elektronische
Umformer.
Die rotierenden Umformer werden immer noch gebraucht, weil die
elektronischen wohl nicht so Spitzenlastfähig sind.
Sven schrieb:> Die Bahn hat eigene Generatoren in Kraftwerken.
Erscheint mir ein wenig seltsam, Quelle?
Hz schrieb:> Die Belastung hat keinen Einfluß auf die Frequenz. Nicht bei der> Bahn, nicht bei dir zu Hause.
Bei genügend hoher Belastung schon, dann schaltet nur irgendwann das
Kraftwerk ab :>
Hz schrieb:> Die Belastung hat keinen Einfluß auf die Frequenz. Nicht bei der> Bahn, nicht bei dir zu Hause.
Oehmm. Doch.
Stell Dir ein KFZ vor welches auf der Autobahn dahinrollt und dann eine
Steigung zu bewaeltigen hat.
Was passiert? Die Karre wird erstmal langsamer. Um die Geschwindigkeit
halten zu koennen regelst Du dagegen.
Dasselbe passiert im Kraftwerk. Die Belastung wirkt auf die Drehzahl
(Frequenz) der uebergrossen Lichtmaschine :) . Und durch Zuschalten von
freien Kapazitaeten oder Teillasten wird gegengeregelt. Diese
Spitzenlastkraftwerke machen den ganzen Tag nichts anderes als sich im
Leerlauf fuer Spitzen bereitzuhalten. Das macht sie ziemlich teuer.
Kannst Du hier nachlesen: (wiki) Kraftwerksmanagement
Florian *.* schrieb:> Dasselbe passiert im Kraftwerk. Die Belastung wirkt auf die Drehzahl> (Frequenz) der uebergrossen Lichtmaschine :) . Und durch Zuschalten von> freien Kapazitaeten oder Teillasten wird gegengeregelt.
Beim Synchronumformer (wird offenbar teilweise auch noch benutzt)
wäre die Regelgröße nur der Phasenversatz, nicht die Frequenz.
> Die Bahn hat eigene Generatoren in Kraftwerken.
Eines der ersten (1924) war das Walchenseekraftwerk mit
4 Generatoren für Drehstrom je 18000kVA (6600V 500 U/min)
4 Generatoren für Bahnstrom je 13000kVA (6600V 250 U/min)
Elektronische bidirektionale Bahnstrombrücke ins Drehstromnetz
Vollstatische 100-MW-Frequenzkupplung Bremen
Zwischenkreis 10kV 10kA von ABB
http://www05.abb.com/global/scot/scot232.nsf/veritydisplay/578915860fc3d9ddc1256f1f002c2d34/$File/04-17m420.pdf
Und wer eine komplette(?) Liste der Bahnstrom-Kraftwerke in Deutschland
haben möchte: http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrom#DeutschlandJörg Wunsch schrieb:> Beim Synchronumformer (wird offenbar teilweise auch noch benutzt)> wäre die Regelgröße nur der Phasenversatz, nicht die Frequenz.
"teilweise auch noch"? Zumindest nach
http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrom#Bahnstromumformerwerke_in_Deutschland
sind die derzeit gegenüber den Umrichter-Werken noch deutlich in der
Überzahl, laut selbiger Seite wird ca. 34% der installierten
Bahnstrom-Leistung durch Umformer bereitgestellt, dagegen nur 12% durch
Umrichter. So ein Umformer hält halt 'ne ganze Weile ;-)
Andreas
Jörg Wunsch schrieb:> Die meisten dürften aber Asynchron-Asynchron-Umformer sein,
Nö, AFAIK meist Synchron-Asynchron.
> bei> denen ist die Regelgröße ja wirklich wieder die Differenzfrequenz.
Ack. Deshalb hat man 1995 von 16 2/3 Hz auf 16,7 Hz umgestellt, da ein
nicht exakt ganzzahliges Verhältnis dafür günstiger ist.
Andreas
die bahn hat heute noch etliche anteile an kraftwerken, die auch
bahnstrom produzieren. z.b. das walchenseekraftwerk, das großkraftwerk
mannheim, das kraftwerk lünen und das AKW neckarwestheim. es gibt in
langenprozelten auch ein eigenes 160MW pumpspeicherkraftwerk.
rotierende umformersätze stehen auch noch überall.
in anderen ländern wie z.b. frankreich wird in der tat einfach nur eine
phase des hochspannungsnetzes genutzt und heruntertransformiert, die
züge laufen mit 50Hz. scheint also keine allzu großen probleme zu
machen.
> in anderen ländern wie z.b. frankreich wird in der tat einfach nur eine> phase des hochspannungsnetzes genutzt und heruntertransformiert, die> züge laufen mit 50Hz.
25 KV bei 50 Hz hatte die rübelandbahn auch. sie wurde aber nach der
wende umgestellt.
> scheint also keine allzu großen probleme zu> machen.
heute nicht mehr, denn heute gibt es leistungsfähige gleichrichter und
thyristoren/triacs. die 16 2/3 Hz waren in der pionierzeit ein gesunder
kompromiss zwischen transformierbarkeit im trafo und
wirbelstromverhalten am motor.
mfg
Ben _ schrieb:> in anderen ländern wie z.b. frankreich wird in der tat einfach nur eine> phase des hochspannungsnetzes genutzt und heruntertransformiert, die> züge laufen mit 50Hz.
Das findet man bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Ungarn mit 16kV/50Hz seit
1932) aber meist nur in Ländern, die vorher Gleichstrom benutzt haben.
Mit der Einführung von Hochgeschwindigkeitsverkehr wechselte man dann
für die neuen Strecken meist auf 25kV/50Hz (bzw. 60Hz in den USA), da
die alten Gleichstromsysteme die geforderte Leistung für HGV nicht mehr
bringen konnten. Diese Länder haben aber meist parallel bis heute immer
noch ausgedehnte Netze mit Gleichstrombetrieb.
Zum Zeitpunkt der HGV-Einführung beherrschte man dann (anders als anfang
des 20. Jahrhunderts, als in vielen europäischen Bahnnetzen die
Elektrifizierung begann) auch die Antriebstechnik bei höheren
Frequenzen, deshalb hat man aufgrund der einfacheren Versorgung hier
dann direkt Netzfrequenz verwendet. Hat auch noch den Vorteil, dass die
Fahrzeugtrafos kleiner ausfallen können.
Die Länder, in denen von Anfang an auf Wechselstrom gesetzt wurde (z.B.
der deutschsprachige Raum) haben dagegen meist ihr Stromsystem mit den
damals notwendigen niedrigeren Frequenzen bis heute behalten.
Mit der heute möglichen Leistungshalbleitertechnik ist es dann auch kein
Problem mehr, Mehrsystemloks für vier oder mehr Stromsysteme im
grenzüberschreitenden Verkehr zu bauen. Das größere Problem bei diesen
Loks bzw. Triebzügen ist heute AFAIK die nötige Unterstützung für die
verschiedenen Zugsicherungssysteme in den jeweiligen Ländern.
Andreas
Andreas Ferber schrieb:> Mit der heute möglichen Leistungshalbleitertechnik ist es dann auch kein> Problem mehr, Mehrsystemloks für vier oder mehr Stromsysteme im> grenzüberschreitenden Verkehr zu bauen.
BTW spielen hier natürlich auch noch andere Probleme eine Rolle.
Beispielsweise haben Deutschland und die Schweiz zwar das gleiche
Stromsystem, dennoch können Loks dazwischen nicht automatisch freizügig
verkehren, da unterschiedliche Stromabnehmer benötigt werden. Die Wippe
des deutschen Stromabnehmers ist für viele Tunnel in der Schweiz zu
breit, andersherum ist der schweizer Stromabnehmer für den deutschen
Oberleitungszickzack zu schmal, die Oberleitung würde evtl. an manchen
Stellen seitlich vom Stromabnehmer fallen.
Andreas
> Mit der heute möglichen Leistungshalbleitertechnik ist es dann auch kein> Problem mehr, Mehrsystemloks für vier oder mehr Stromsysteme im> grenzüberschreitenden Verkehr zu bauen.
Viersystem-Lokomotiven gab es bei der SNCF aber bereits in meiner
Kindheit (als ich mich noch wirklich für Eisenbahn interessierte), das
ist nun auch schon wieder 50 Jahre her.
MfG
Kluchscheißender Consulter schrieb:> Viersystem-Lokomotiven gab es bei der SNCF aber bereits in meiner> Kindheit (als ich mich noch wirklich für Eisenbahn interessierte), das> ist nun auch schon wieder 50 Jahre her.
Ja, SNCF CC40100 seit 1964. In Deutschland gab es seit 1965 die
E410/BR184 als Viersystemloks. Als Fahrmotoren wurden aufwendige
kombinierte Gleich-/Wechselstrommotoren verwendet. Im wesentlichen waren
das eigentlich fast Einzelstücke, von der deutschen Lok wurden 5 Stück,
von der französischen 10 hergestellt.
Leider findet man über die verwendete Technik nicht allzuviel im Netz,
einen kleinen Hinweis auf den Fortschritt kann man aber an Gewicht vs.
Leistung ablesen. Die BR184 wog 84t bei 3MW Leistung, die CC40100 109t
bei 4,5MW. Eine moderne Viersystemlok, die BR189, wiegt 87t bei 6,4MW
Leistung, und verwendet Drehstrom-Asynchronmotoren.
Andreas