https://de.wikipedia.org/wiki/European_Credit_Transfer_System
Eine Frage die sich mir schon des längeren stellt:
Warum sind die CP eigentlich oft sowas von dermaßen von der Realität
entkoppelt?
Man kann das sicherlich nicht auf alle Fächer beziehen, aber in vielen
Fächern haben CP anscheinend nichts, aber auch gar nichts, mit dem
realen Zeitaufwand zu tun. Vor meinem Studium dachte ich es gibt CP um
einen gemeinsamen Leistungsrahmen zu haben (Zeitaufwand, Ertrag).
Wie verbindlich ist der Maßstab 30 Stunden = 1 ECTS-Punkt und wieviel
Spielraum hat der Dozent mit der Regelung "Die Einschätzung des
Arbeitsaufwandes liegt im Ermessen des Dozenten"?
Bei mir im Studium (B.Sc. + M.Sc.) entsprachen ca. zweidrittel der
Module halbwegs dem ECTS-Aufwand, aber dann gab es Module, die jenseits
von gut und böse rangierten: z.B. ein 3-CP Fach im Master (mündliche
Prüfung, Thema: Aerosole, Nano, Partikel), das für den
durchschnittlichen Studenten ca. 9 CP Aufwand bedeutete um gut bestehen
zu können.
Ähnliches gilt für die Bachelorarbeit. Bei uns entsprach die
Bachelorarbeit 12 CP und war auf einen Zeitraum von 10 Wochen Vollzeit
ausgelegt, die meisten Studis haben aber 4 bis 5 Monate Vollzeit
gebraucht. Das Verhältnis mit den CP Punkten ist in vielen Fällen
einfach ein Witz, die BA ist doch im Endeffekt nicht großartig anderes
wie eine Diplomarbeit, da wird teilweise nichtmal am Umfang was
angepasst. Da wurden einfach mal teilweise Diplomarbeiten umgelabelt und
am Umfang & Aufgabenstellung absolut nichts angepasst und am Ende zählt
das ganze dann ungefähr soviel wie das 10-CP MSR-Modul. gaga
Wie sind eure Erfahrungen?
War bei mir ähnlich.
Bevorzugt kleine Fächer die viel mehr Zeit in Anspruch genommen haben
als sie Punkte "wert" waren.
Ich hab immer belegt was mich interessiert hat und nicht wie einige nur
das was schnell und einfach Punkte gibt.
Delmenhorster Geek-Girl schrieb:> Warum sind die CP eigentlich oft sowas von dermaßen von der Realität> entkoppelt?
Weil derjenige der die Punkte vergibt, eine andere Wahrnehmung hat als
derjenige der die Punkte zu absolvieren hat.
> Wie verbindlich ist der Maßstab 30 Stunden = 1 ECTS-Punkt und wieviel> Spielraum hat der Dozent mit der Regelung "Die Einschätzung des> Arbeitsaufwandes liegt im Ermessen des Dozenten"?
Nicht verbindlich und viel Spielraum. Doch letztlich muss eine
Akkreditierungskommission die Beurteilung absegnen. Dabei spielt
Vergleichbarkeit und gesunder Menschenverstand eine große Rolle.
> Ähnliches gilt für die Bachelorarbeit. Bei uns entsprach die> Bachelorarbeit 12 CP und war auf einen Zeitraum von 10 Wochen Vollzeit> ausgelegt, die meisten Studis haben aber 4 bis 5 Monate Vollzeit> gebraucht.
Dann ist die Themenstellung und der zugehörige Umfang falsch gewählt.
Die Bachelorarbeit sollte in ECTS-Äquivalentzeitraum fertiggestellt
werden.
> Das Verhältnis mit den CP Punkten ist in vielen Fällen> einfach ein Witz, die BA ist doch im Endeffekt nicht großartig anderes> wie eine Diplomarbeit, da wird teilweise nichtmal am Umfang was> angepasst.
Ist das jetzt eine Behauptung? Kannst du das belegen? Kannst du das
tatsächlich einschätzen?
Joe G. schrieb:> Ist das jetzt eine Behauptung? Kannst du das belegen? Kannst du das> tatsächlich einschätzen?
Ist bei uns an der Uni wirklich so.
Da werden Themen ausgeschrieben und können als Masterarbeit,
Bachelorarbeit oder Projektarbeit belegt werden. Normalerweise müsste
das Thema und der Umfang dann ja für jede dieser 3 Prüfungsformen
spezifisch ausgelegt werden, aber nicht bei uns. Und dann wundern sich
alle, warum bei uns die Bacheloranten alle gefühlt 'ne Ewigkeit
brauchen.
Das kenne ich, bei manchen Sachen ist das dann so definiert worden, so
dass es das Endergebnis an ECTS gibt, was benötigt wird...
Z.B. einige Laborpraktika bringen 1 ECTS. 6 Versuche a 3-4 Stunden,
Vorbereitung und ein ausführlicher Bericht, der natürlich ordentlich
gesetzt sein muss. Naja. rechnen wir mal die Vorbereitung ein, da die
Dinger parallel zur Vorlesung üblicherweise Laufen, dauert allein das
schon lange, da man sich die später vorkommenden Themen schonmal
erarbeiten muss, die Grundlagen, auf denen diese basieren ggf. auch. Ist
man nett und geht aufgrund dieser Umstände von je 2 Stunden Vorbereitung
aus, dann landet man bei 21+12 = 33 Stunden und hat noch keinen Bericht
getippselt, ne Grafik erstellt oder aber gesetzt.
Oder Physik I.. (gut mittlerweile etwas anders) Hausaufgaben zur
Klausurzulassung. 9-10 Stunden pro Woche keine Seltenheit, weil nahezu
alles trotz regelmäßigem Vorlesungsbesuch selbst recherchiert werden
musste. also etwa im Mittel 9,5h+ 2h Vorlesung = 11,5h * 14 Wochen also
etwa 160 Stunden, wenn man notentechnisch minimalistisch rangeht. Hier
ist noch keine Minute Klausurvorbereitung drin..
Dafür spart man an Mathe III oder so, was es im Diplom machen musste.
Man braucht es für manch andere Module, jedoch passte es nicht mehr
rein. Wird halt dann erst im Master angeboten inhaltlich. Naja egal.
Dann machste im 4. Semester halt was, wo du Mathe III brauchst zur
Interpretation/Druchführung, hast Mathe III aber, wenn überhaupt, als
Wahlpflicht im Master....
Ich wünsche mir das Diplom zurück. Angeblich wurde der Bachelor ja von
der Industrie gefordert, aber ehrlich gesagt: Die Industrie schadet sich
damit selbst und merkt ads auch.
Ich hab bald meinen B.Sc. in Elektrotechnik fertig und interessiere mich
auch privat für einiges, aber dennoch wäre ich nicht bereit nach dem
Bachelor irgendwas kommerzielles zu entwickeln....
Zumal im Master für Nachrichtentechnik / Kommunikationstechnik jedes
spezifische Modul noch Introduction to ... oder Einführung in ...
heißt.... (Gibt wohl Master of Master of Science? :D)
Ma B. schrieb:> Ich hab bald meinen B.Sc. in Elektrotechnik fertig und interessiere mich> auch privat für einiges, aber dennoch wäre ich nicht bereit nach dem> Bachelor irgendwas kommerzielles zu entwickeln....
Fairerweise musst du aber dazu sagen dass du auch nach Diplom, Master,
vielleicht sogar Doktor dazu auch nicht in der Lage wärst.
Bestenfalls bist du dann ein besserer Bastler mit Theoriebackground.
Dazu brauchst du Zeugs die lernst du draußen in der Industrie, in echten
Projekten.
Ist aber jetzt keine Anklage gegen Hochschulen, dafür sind sie ja nicht
zuständig.
pp schrieb:> Bevorzugt kleine Fächer die viel mehr Zeit in Anspruch genommen haben> als sie Punkte "wert" waren.>> Ich hab immer belegt was mich interessiert hat und nicht wie einige nur> das was schnell und einfach Punkte gibt.
Du hast insofern Recht, als dass man das machen sollte, was einem liegt
und Spass macht. Problem ist oftmals, dass wenn mehrere Profs meinen ihr
Fach sei das wichtigste, man schnell bei 60 bis 70 Std/Woche angelangt
ist.
Ich bin mit meinem Studium zwar mittlerweile durch, aber einige dieser
"ECTS-Schwindel" treiben mich noch um. Vor allem dieses besagte 3 CP
Fach, für das ich damals gefühlt eine Ewigkeit gelernt habe (Vorlesung,
regelmäßige Vor- und Nachbereitung und bestimmt 3 bis 4 Wochen Vollzeit
Prüfungsvorbereitung.)
Das Blöde war auch noch, dass es eine mündliche Prüfung war, was im
Prinzip ok ist, aber man für diese mündliche Prüfung alle wichtigen
Herleitungen, Definitionen, Gleichungen (Differentiale, Integrale,
Gradienten) und die Musterlösungen der Übungsaufgaben drauf haben
musste, inkl. Vorrechnen in der mündlichen Prüfung. Alles aus dem Kopf,
Unterlagen nicht erlaubt. Wahnsinn! Zusätzlich x Papers in Englisch und
das scheiß Buch zur Vorlesung war im Prinzip auch prüfungsrelevant, auch
wenn nur implizit und nie explizit erwähnt.
3 CP my ass.
Delmenhorster Geek-Girl schrieb:> Wie verbindlich ist der Maßstab 30 Stunden = 1 ECTS-Punkt und wieviel> Spielraum hat der Dozent mit der Regelung "Die Einschätzung des> Arbeitsaufwandes liegt im Ermessen des Dozenten"?
Ja, so ist es.
Und die Dozenten werden nach Stunden bezahlt!
Es gibt halt leichte Fächer und schwere Fächer.
Und es gibt Fächer die hatten früher doppelt soviel SWS wie sie am Ende
zu diplomzeiten hatten. Die Inhalte wurden aber ned den verringerten
SWS-Zhal angepasse. Das war halt so!
> Bei mir im Studium (B.Sc. + M.Sc.) entsprachen ca. zweidrittel der> Module halbwegs dem ECTS-Aufwand, aber dann gab es Module, die jenseits> von gut und böse rangierten: z.B. ein 3-CP Fach im Master (mündliche> Prüfung, Thema: Aerosole, Nano, Partikel), das für den> durchschnittlichen Studenten ca. 9 CP Aufwand bedeutete um gut bestehen> zu können.
Typischer Fall.
Der Dozent wollte sein Skrip nicht der Reduzierung an SWS-Anzahl
anpassen.
Sowas gibt`s und wird`s auch weiter geben.
Einzige Hoffnung:
Ein neuer Dozent kommt!
Und hoffentlich hat der sein Skript das zeitlich den ECTS-Aufwand
angepasst ist!
Naja, das geht so: Am Ende vom Bachelor braucht man 180 CP bis 210 CP.
Die verteilt man nach Belieben, mit einer Prinzipiellen Tendenz das
schwierigere Fächer mehr Punkte bekommen. Und dann definiert man, wie
viele Stunden man für jedes Fach braucht, und zwar so, dass die CP genau
nach Plan den Arbeitsaufwand ergeben.
Das Problem ist nur, dass der definierte Arbeitsaufwand nicht dem
tatsächlichen entspricht. Da wird schonmal eine Übung, die mindestens so
wichtig zum Bestehen ist wie die Vorlesung selbst, zum "Zusatzangebot"
umdefiniert, damit auf dem Papier alles stimmt.
Naja, die ECTS sind ja sowieso an die SWS angelehnt. Es gilt prinzipiell
ECTS = 1.5 * SWS +-1 (Erfahrungswerte)
Wenn man zuhause viel nacharbeiten muss, wird das in beiden Systemen
nicht passen.
Dass Bachelorarbeiten und Master/Diplomarbeiten gleich sind, kommt wohl
auf die Hochschule und das Institut an. Natürlich werden Themen für alle
ausgeschrieben, aber bei uns ist es definitiv anders vom Umfang und
Tiefe der Arbeit. Dagegen sind Master und Diplomarbeiten äquivalent. An
einem anderen Institut an unserer Hochschule (andere Studienrichtung)
ist dies anders. Die Masterarbeit geht nur ein Semester, während die
Diplomarbeit über 2 Semester ging. Aus diesem Grund sind Physiker an den
"Ingenieur-Physik-Mischinstituten" mittlerweile recht beliebt, da die
Masterarbeit immer noch über 2 Semester dauert.
Bachelor sind wegen der 3 monatigen Dauer recht unbeliebt und werden
kaum in die Forschung integriert. Ich selbst nehme sie auch nur ungern.
Da lohnt sich das einarbeiten nicht (was ein Bachelor in der
Bachelorarbeit macht, macht ein Doktorand in 2 Wochen. Und das bei
weniger Zeitaufwand und im Normalfall weniger Kosten, da er nicht so
viel kaputt macht)
Mit einem 2 semestrigen Master lässt sich gut forschen (die kann man
irgendwann alleine arbeiten lassen) mit einem 1 semestrigen weiß man
zumindest, dass er etwas gelernt hat. Wenn er gut war kann man die
Ergebnisse auch weiter nutzen.
So zumindest meine Erfahrung
Mark B. schrieb:> Naja, das geht so: Am Ende vom Bachelor braucht man 180 CP bis 210> CP. Die verteilt man nach Belieben, mit einer Prinzipiellen Tendenz das> schwierigere Fächer mehr Punkte bekommen. Und dann definiert man, wie> viele Stunden man für jedes Fach braucht, und zwar so, dass die CP genau> nach Plan den Arbeitsaufwand ergeben.>> Das Problem ist nur, dass der definierte Arbeitsaufwand nicht dem> tatsächlichen entspricht. Da wird schonmal eine Übung, die mindestens so> wichtig zum Bestehen ist wie die Vorlesung selbst, zum "Zusatzangebot"> umdefiniert, damit auf dem Papier alles stimmt.
So ist es. Der Wandel zum Bologna-System hat nie stattgefunden. Es wurde
mit aller Gewalt das alte System beibehalten, und alle Probleme die
Bologna lösen sollte eher noch verschärft. Die Leidtragenden sind die
"sehr geehrten" Studierenden/innen.
Seid doch froh, dass die Hammer Fächer nicht stärker gewichtet werden
als normale und leichte. So muss man da bei diesen nicht unbedingt eine
top Note hinlegen um am Ende noch einen brauchbaren Notenschnitt zu
haben.
Das kann wiederum sogar Zeit sparen.
Bei uns gabs Prüfungen wo kaum jemand eine 1.x geschafft hat... da hin
zu kommen ohne Genie zu sein wäre extrem hoher Aufwand gewesen.
Ein Glück das solche Prüfungen eben nicht nach realem Aufwand gewichtet
waren ;-)
Mark B. schrieb:>> Naja, das geht so: Am Ende vom Bachelor braucht man 180 CP bis 210>> CP.
Unfug, BA-Studiengänge können eine Regelstudienzeit (Vollzeit) von 6--8
Semestern haben und somit kann es Nötig sein auch 240 ECTS zu sammeln.
Zweisemestrige Masterarbeiten sind nicht möglich! Die KMK legt als max.
30 ECTS für die Masterarbeit fest -- die Physiker machen vor der
Masterarbeit i. d. R. ein Projektpraktikum, dass Inhaltlich zur
Masterarbeit führen kann aber nicht muss! Wer was drauf hat sieht sich
da nicht nur ein projekt an;) (wer nichts drauf hat vermutlich auch;))
Viele Profs haben nicht im Blick, wieviel die jeweilige Veranstaltung im
ganzen Unialltag ausmacht. Da werden kleinere Veranstaltungen mit wenig
Credits schonmal zu einem riesigen Arbeitsaufwand.
Auch halten sich einige narzisstische Profs selbst für ungeheuer wichtig
und gehen wohl davon aus, dass ihre Vorlesung die einzige ist, die man
im Semester belegt hat.
> Eine Frage die sich mir schon des längeren stellt:
Warum sind die CP eigentlich oft sowas von dermaßen von der Realität
entkoppelt?
Hier werden die Minimalisten demaskiert. Die Schleifer wollen mit einem
minimalen Aufwand zum diplom und denken dann sie haettens drauf.
Es ist tatsächlich sehr interessant, mal so ungefiltert (mit Abstrichen)
die Sicht der Studierenden zu lesen. Was ich meist herauslese, sind ganz
persönliche individuelle Wahrnehmungen. Sozusagen die eigene Vorstellung
der Realität. Doch entspricht diese Vorstellung der Wahrheit? Was ist
die Wahrheit? Um sich ansatzweise eine gänzlich andere Sichtweise
vorzustellen, hilft oft ein radikaler Perspektivwechsel – ganz
unvoreingenommen.
Wie würdet ihr ein Elektrotechnik-, Informatik-, Maschinenbau-,
Automatisierungstechnik-, Physikstudium aufbauen?
Welche Fächer müssen vermittelt werden um auch noch in 10, 20 oder 30
Jahren berufsfähig zu sein?
Wie sind diese einzelnen Fächer zu wichten?
Wie ist das Studium didaktisch aufzubauen?
Wie wird ein modularisiertes Studium möglich, um einfache
Studiengangswechsel durchführen zu können?
Wie ist die Durchgängigkeit von der Grundschule bis zur Promotion?
Wie ist die Kompatibilität zu anderen Hochschulen und Universitäten?
Beantwortet euch mal diese Fragen. Wenn ihr diese Fragen, sowie noch
eine ganze Anzahl weiterer Fragen gelöst habt, dann habt ihr ein Entwurf
für Curriculum. Wenn dieses Curriculum auch noch einige Semester (mit
Änderungen und Anpassungen) im Einsatz ist, dann habt ihr ein
studierbares Curriculum.
Und nun wieder der Perspektivwechsel. Was hat sich in eurer Sichtweise
geändert?
Willi schrieb:> Unfug, BA-Studiengänge können eine Regelstudienzeit (Vollzeit) von 6--8> Semestern haben und somit kann es Nötig sein auch 240 ECTS zu sammeln.
Genau!
Und was ist der Unterschied von Bac. = 240 ECTS und Bac. mit < 240
ECTS?
Denn es ist auch möglich einen sogenannten 2 Fach Bac. zu bauen mit 120
ECTS im Hauptfach und 60 ECTS im Nebenfach.
Einfach wunderbar die Welt von Bologna.
Joe G. schrieb:> Welche Fächer müssen vermittelt werden um auch noch in 10, 20 oder 30> Jahren berufsfähig zu sein?
Ganz klar:
Wir müssten ein
a) Ein Bildungssystem im Jugendalter haben dass zum eigenständiges
Lernen befähgigt.
b) Ein Bildungssystem vorgehalten wird, das lebenslanges Lernen
ermöglicht.
Nur sowas wird in der DDR 4.0 def. nicht kommen!
Gerald M. schrieb:> Naja, die ECTS sind ja sowieso an die SWS angelehnt. Es gilt prinzipiell> ECTS = 1.5 * SWS +-1 (Erfahrungswerte)
Waa?
Also 1 ECTS soll mal 0,5 SWS und dann wieder 2,5 SWS entsprechen?
Wäre schon ziemlich extrem diese Schwankungsbreite!
Ich kenn`s so, das ein Semester 30 ECTS sind!
Da ja Rahmenstudienzeiten immer in Semestern angegeben wurden, konnte
die Umrechnung nur auf den Weg gehen:
30 ECTS hat ein Semester, dann wurde auf die einzelnen Fächer
runtergebrochen, also die ECTS auf die SWS proportional dann verteilt.
Und:
Ich kenn es nur so wie es hier gerechnet wird:
https://www.fernuni-hagen.de/mathinf/studium/sws_ects.shtml
Also 10 ECTS sind eine Workload von 300 h was ~ 6 SWS sind.
1 ECTS ~ 1,67 SWS!
Und:
Bei der Workload muß auch immer die Vor.- und Nacharbeit im Semester
mitgerechnet werden!
Und:
Die Regelstudienzeit war was wo man Hochschulen in der Qualität
beurteilen konnte.
Und zwar der Qualität ihres "Studienbetriebes"!
Also hier in Österreich werden die Studienpläne und auch ECTS-Punkte von
einer Kommission an der Universität festgelegt. Dieser Kommission
gehören hauptsächlich Professoren an und ein paar Studierendenvertreter
(die aber, da in der Minderheit, mehr als Beobachter dort sind...). Was
ich weiß: Die Professoren haben eine gewisse Vorstellung, wie das
Studium an "ihrer" Universität aussehen soll, welche Schwerpunkte gelegt
werden usw. Außerdem mögen es Professoren im Allgemeinen nicht so
wirklich, wenn man sich in ihre Lehre einmischt (ist glaube ich auch
rechtlich nicht möglich, einem Prof vorzuschreiben, er soll weniger
Stoff machen, damit die ECTS-Punkte passen...)... dh jeder einzelne
Professor hat natürlich auch eine eigene Vorstellung davon, wie "seine"
Lehrveranstaltungen aussehen.
Die ECTS-Punkte kommen bei solchen Sitzungen meist erst ganz zum Schluss
zur Sprache. Und zwar in der Form: Wie kommen wir auf die 180ECTS, die
vorgeschrieben sind?
Das Gegenteil von gut ist eben gut gemeint. Und die Bolognareform ist
genau so ein Fall.
Einige Studiengänge wehren sich ja mit Haupt und Haar dagegen, in das
Bachelor/Master-System übernommen zu werden z.B. die Juristen.
Delmenhorster Geek-Girl schrieb:> Du hast insofern Recht, als dass man das machen sollte, was einem liegt> und Spass macht.
Als kleiner Denkanstoß: nach 20 Jahren sagt man sich dann "hätte ich
doch besser das gemacht, was der Markt braucht und will". Bespassen
kann man sich noch in der Freizeit...
Joe G. schrieb:> Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0.> Und das nennen sie ihren Standpunkt.
Quelle: A. Einstein.
Harald Meier schrieb:> Viele Profs haben nicht im Blick, wieviel die jeweilige Veranstaltung im> ganzen Unialltag ausmacht. Da werden kleinere Veranstaltungen mit wenig> Credits schonmal zu einem riesigen Arbeitsaufwand.>> Auch halten sich einige narzisstische Profs selbst für ungeheuer wichtig> und gehen wohl davon aus, dass ihre Vorlesung die einzige ist, die man> im Semester belegt hat.
Da ist definitiv was dran.
Leider gehen viele Profs davon aus, dass ihre Studenten sich in 2 SWS
das Wissen aneignen können, was sie selber in 20 Jahren angehäuft
haben...
Teilweise überzogene Anforderungen, grade bei Profs/Dozenten, die sich
für den Mittelpunkt des Universums halten und das sind nicht wenige.
Lothar M. schrieb:> Quelle: A. Einstein.
Wikipedia sagt:
Fälschlich zugeschrieben oder zweifelhaft
"Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit Radius Null - und das
nennen sie ihren Standpunkt." - Neben Einstein auch David Hilbert und
Leonhard Euler zugeschrieben
Zu den Credit Points lässt sich sagen, dass sie mitunter recht
willkürlich gewählt sind. Der Gedanke dahinter ist zwar nachvollziehbar,
aber in der Realität kaum anwendbar.
Zum Verständnis sei es trotzdem kurz erklärt: CP umfassen jegliche Zeit,
die du konkret für das Studium aufwenden sollst (Vorlesungen,
Nachbearbeitung, Tutorien, Übungsaufgaben, etc.).
Natürlich ist es dir relativ freigestellt, wie du diese Zeit konkret
verwendest. Beispielsweise macht es gelegentlich Sinn Vorlesungen zu
meiden und stattdessen den Stoff selbst zu erarbeiten.
Zur "Anwesenheitspflicht" ist anzumerken, dass es jede Uni / jeder
Studiengang jeder Professor jeder whatever anders handhabt. De facto
gibt es zwar keine Anwesenheitspflicht mehr im Studium (mit Ausnahme
vielleicht von Seminaren oder Laborpraktika, bei denen du
projektorientiert arbeitest), aber mitunter setzen manche Professoren
Anwesenheit in Übungen u.ä. voraus.
Aber das lässt sich nicht verallgemeinern.
Letztlich sei noch erwähnt, dass sich dieser Workload von 30 CP pro
Semester theoretisch rechnerisch auf das gesamte Semester verteilt -
also inklusive der vorlesungsfreien Zeit. In dieser Zeit hast du aber
natürlich keine Veranstaltungen mehr, bzw. die Prüfungen sind meist auch
schon vorbei.
Dem entsprechend verteilt sich der Workload aber auch stärker auf die
Vorlesungszeit (daher solche Horrorgeschichten wie 60-Stunden-Woche).
Hanro M. schrieb:> Dem entsprechend verteilt sich der Workload aber auch stärker auf die> Vorlesungszeit (daher solche Horrorgeschichten wie 60-Stunden-Woche).
Moment mal, lass mich rechnen:
30 ECTS sind 900h Workload macht 150h pro Monat nach deiner Rechnung:
Im Schntt sind 3 Monate im Jahr Semesterferien.
Was nochmal 50h pro Vorlesungssmester auf die 150h draufpakt.
Macht 200h Workload pro Vorlesungsmonat.
Mit einen etwas suboptimalen Vorlesungsplan kann man von einer
Anwesenheit von 50-60 h/Woche an der Hochschule rechnen.
Cha-woma M. schrieb:> Moment mal, lass mich rechnen:
Unterschiedliche Auslegungen sind hier nicht sinnvoll. Es sind und
bleiben 150h/Monat. Um seriös die Tagesbelastung auszurechnen, darfst du
folgende Rechnung annehmen.
Arbeitstage im Jahr 253 (abgezogen sind Wochenenden und Feiertage)
Urlaubstage im Jahr 30
Arbeitsstunden pro Tag: (1800h Workload) / (253-30) = 8.07h/Tag
Es wird also davon ausgegangen, dass der Student auch in den
Semesterferien (bis auf die 30 Tage Urlaub) kontinuierlich 8,07 h pro
Tag etwas für sein Studium tut. Macht er das auch tatsächlich, so wird
er die Aufgaben die innerhalb eines Semesters anfallen auch in
angemessener Zeit bewältigen. Macht er 3 Monate blau, so muss er halt im
Semester mit 50-60 h/Woche sein Versäumnis wieder aufholen. So ist nun
mal das Leben :-)