Lieben Gruß in die Runde,
ich nutze für diverse MIDI Projekte Endlosdrehregler / Encoder.
Ich habe mittlerweile alles bestellt was Mouser am Lager hat und nichts
entspricht dem, was ich suche. Ich möchte einen schön schwergängigen
Encoder ohne Rasterung. Also als ob man ein gutes Potentiometer in den
Fingern hält.
Daher kam mir die Idee die Encoder zu öffnen und mit einem viskosen Öl
zu arbeiten.
Jetzt ist hier die Frage, ob der Plan funktionieren kann und falls ja
welches Öl dafür in Frage käme.
Hat jemand einen Tipp für mich?
LG
Christian
Silikonöl mit 10000cst ist schon sehr zäh (in etwa Honig). Das in der
Achse sollte schon für eine gute und definierte Schwergängigkeit sorgen.
Ich weiss nur nicht, wo es das in Kleinmengen ala 100ml gibt. Mit den
üblichen 500-1000ml wirst du mehrere Jahrzehnte auskommen ;)
Ich würde kein Silikonöl nehmen. Ich habe mal gelesen, dass selbst sehr
viskoses Silikonöl die Eigenschaft hat, in Kontakte usw. hinein zu
kriechen. Im Servicemanual eines meiner HP Signalgeneratoren steht sogar
explizit drin, dass man für die HF-Teile keine silikonölhaltige
Wärmeleitpaste verwenden soll, da diese durch die kleinsten Ritzen in
die Gehäuse hinein kriecht.
ABER: für optische Geräte, z.B. Feldstecher oder Objektive von Kameras
verwendet man eine Art Fett. Dadurch lässt sich das Objektiv ruckelfrei
bewegen und gleitet gut, aber klebt dann doch wieder so stark, dass es
sich nicht von alleine zu sehr verstellt. Dieses Fett ist wie eine
Mischung aus einem Harz und einem normalen Fett. Nennt sich
Instrumentenfett. Es hat, ähnlich wie Wärmeleitpaste, die Eigenschaft,
sehr an T-Shirts und Fingern zu kleben, egal wie vorsichtig man damit
arbeitet :-)
Das Fett kriecht nicht und dünstet nicht aus, weil man beide
Eigenschaften bei optischen Geräten ja auch nicht haben will. Also ist
es auch ideal geeignet für Drehgeber.
Grüsse
Tobias
Christian schrieb:> Hat jemand einen Tipp für mich?
Wir haben an einigen Fahrzeugen einen Klemmring. Damit kann man die
Lenkung so einstellen, dass das so schwergängig ist, dass die Lenkung
nicht "flattert" und es noch so leicht ist, dass es für den Fahrer
angenehm ist.
Sollte dir nichts anders einfallen, einfach die Welle bremsen.
Christian schrieb:> Encoder ohne Rasterung.
Wie willst du die genaue Schaltposition finden?
Schau dir die Funktion eines Encoders an. Der braucht die Rasterung um
die genaue Schaltposition zu bestimmen. Durch ausgeklügelte Technik kann
beim Encoder auch die Drehrichtung ausgelesen werden.
Encoder ohne Rastung kann nicht funktionieren.
Kurt A. schrieb:> Christian schrieb:>> Encoder ohne Rasterung.>> Wie willst du die genaue Schaltposition finden?> Schau dir die Funktion eines Encoders an. Der braucht die Rasterung um> die genaue Schaltposition zu bestimmen. Durch ausgeklügelte Technik kann> beim Encoder auch die Drehrichtung ausgelesen werden.> Encoder ohne Rastung kann nicht funktionieren.
NEIN! Das ist so falsch, dass man das nicht unkommentiert hier stehen
lassen darf. Warum nur wird über das Thema Drehgeber so viel Mist
erzählt?
Es gibt primär 2 Applikationen von Drehgebern, dabei kann es sich sowohl
um inkrementelle Drehgeber mit A/B-Signalen oder um absolute Drehgeber
handeln.
a) als Sensor bei Antrieben. In diesem Fall kann ein inkrementeller
Drehgeber verwendet werden, wenn man die Initialposition z.B. über ein
Indexsignal (Endanschlag von einer Achse oder ähnliches) bestimmt. Dank
der "ausgeklügelten Technik" kann man durch mitzählen der Zustände der
Drehgebersignale zu jedem Zeitpunkt die Position der Achse kennen. Hier
sind keine Rastungen nötig, da die exakte Position von der Maschine
vorgegeben ist und darauf geregtlt wird.
b) als Eingabeelement, wie vom TO verwendet. Hierbei hat man i.d.R. ein
Feedback, also z.B. eine Anzeige, die den mit dem Drehgeber
eingestellten Wert anzeigt, oder eine andere Art von Feedback, z.B. wenn
der Drehgeber zur Einstellung der Lautstärke einer Stereoanlage
verwendet wird. Auch in diesem Fall sind keine Rastungen nötig, da man
im letzten Fall keinen exakten Wert benötigt und im ersten Fall den Wert
ablesen kann.
Die Applikation a) aussen vor gelassen, kann man zwei Bauarten von
Drehgebern unterscheiden. Diejenigen, welche billig sein sollen, haben
demnach oft nur eine geringe Auflösung, z.B. 32 Schritte pro Umdrehung.
Hier kann es Sinn machen, eine Rastung zu haben, damit beim
versehentlichen Berühren des Drehgebers der eingestellte Wert nicht zu
stark verändert wird. Wären keine Rastungen vorhanden, dann könnte man
bei einem versehentlichen Abrutschen mit der Hand z.B. den Drehgeber um
1/32 oder mehr verstellen, was durchaus signifikant sein kann. Die
Rastungen bei dieser Bauart kommen oft durch eine Art "Zahnrad"
zustande, das bei Kontakten einrastet und diese in der richtigen Abfolge
öffnet und schliesst, die Rastungen sind also auch teilweise
bauartbedingt.
Dann gibt es noch die teurere Variante mit höherer Auflösung, welche
z.B. auch HP in ihren alten Messgeräten verwendet hat (siehe Anhang).
Ein beispielhafter Aufbau eines solchen Gebers ist hier
http://hparchive.com/hp3577a_knob_repair
ersichtlich. Da hier die Auflösung sehr gross ist, kann eine
versehentliche Berührung des Drehgebers den Wert i.d.R. nur wenig
verändern und damit sind Rastungen nicht erforderlich. Die
Drehgeberfunktionalität wird allein durch die Glasplatte mit
aufgedrucktem Muster realisiert und die Inkremente entstehen durch
Beleuchtung/Verdunkelung von Photodioden oder -transistoren. Wieso also
sollen da Rastungen notwendig sein?
Ich habe hier grade 2 Drehgeber auf dem Tisch liegen. Das eine ist ein
Bourns-Drehgeber welcher für Frontplatteneinbau in Schalttafeln gedacht
ist. Der Drehgeber hat 100 Schritte pro Umdrehung und keine Rastungen,
man hört und fühlt sie nicht. Dafür ist er mit Instrumentenfett (oder
etwas ähnlichem) gefüllt, da es ein bisschen Kraft braucht, um daran zu
drehen.
Der andere Drehgeber ist von einer Werkzeugmaschine und hat weder
Rastungen noch Instrumentenfett. Wenn man ihn anschubst, dreht er von
selbst ein bisschen weiter, weil die Lager so gut laufen.
Du siehst also, man braucht keine Rastungen, und die Auswertung
jeglicher inkrementeller Drehgeber muss unter Berücksichtigung der
kompletten Zustandsübergänge der AB-Signale erfolgen, man benötigt also
z.B. einen Zustandsautomaten. Lösungen mit Interrupt auf A und
Pegelauswertung von B oder ähnliches sind Murks, weil sie unzuverlässig
und nicht deterministisch sind oder beim Pendeln des Gebers zu falschen
Ergebnissen führen.
Es gibt aber eigentlich keinen richtig wichtigen Grund, weshalb man für
manuelle Eingaben Drehgeber mit oder ohne Rastungen will; es sind nur
haptische Überlegungen. Ohne Rastungen hat man halt mehr das Feeling von
einem Poti, ohne die ganzen Nachteile (rauschen, kratzen,
Wackelkontakt). Mit Rastungen merkt man sehr deutlich, dass etwas
umgeschaltet wird. Je nach Applikation kann das eine oder andere
erwünscht oder vorteilhaft sein.
Kurt A. schrieb:> Tobias P. schrieb:>> Warum nur wird über das Thema Drehgeber so viel Mist>> erzählt?>> Danke für die Erklärung. Wieder etwas dazugelernt.
keine Ursache. Selbst in Datenblättern von Bourns zu ihren eigenen
Drehgebern stehen manchmal Fehlinfos drin.
Das Thema Drehgeber triggert mich einfach :-)
Dein gesuchtes Öl heisst "Fett".
Christian schrieb:> Danke. Aber danach habe ich nicht gesucht. Da ich 10stk brauche, ist das> keine Option.
Warum, Mouser verkauft sogar 1000 Stck wenn du die willst.
Ach so, Geiz ist geil, nichts darf mehr mehr als 1 Euro kosten (oder
waren es 30ct)?
You get what you pay for ...
So gibst du 20-50 Euro aus plus Gebastel die du dann in die Tonne werfen
kannst.
Zwischen Geiz und "Geld spielt keine Rolle" gibt es eine große Grauzone.
Ich will einfach keine 250€ ausgeben. 4-5€ pro encoder sehe ich noch
ein. Mehr möchte ich aber nicht investieren.
Außerdem brauche ich Encoder mit integriertem Schalter.
Danke für die vielen Tipps. Ich schau mich da mal um.
Ich habe grade mal geschaut, was wir an Instrumentenfett da haben.
Da gibt es z.B. Klüber CATENERA KSB8, das ist hochviskos, transparent
und klebt am Einsatzort fest wie es soll. Wir haben das an einem
Instrument eingesetzt, welches von -20°C bis +60°C Umgebungstemperatur
funktionieren muss, daher darf das Fett nicht "gefrieren" oder
schmelzen.
Wenn man nach "Okularfett" sucht, findet man auch passende Fette.
Soooo....
Ich melde mich mal zurück.
Ich hatte bei Conrad den Artikel 1516938 bestellt.
Habe heute Tests gemacht und einen Encoder auseinander genommen. Ich
habe die Welle soweit wie es mir möglich war vom alten Fett / Öl befreit
und anschließend das neue Öl appliziert. Das ist ziemlich knifflig, weil
der Bereich, wo das Zeug rein soll, recht eng beschaffen und das Öl zäh
wie abgestandener Honig ist.
Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es tut was es soll und
erschwert das Drehen des Encoders deutlich.
Danke für eure Hilfe.
Christian schrieb:> Ich melde mich mal zurück. Ich hatte bei Conrad den Artikel 1516938> bestellt.> Habe heute Tests gemacht und
rein interessehalber: was ist es für ein Fett? bei mir wird unter der
Nummer nichts angezeigt.
Tobias P. schrieb:> Das eine ist ein> Bourns-Drehgeber welcher für Frontplatteneinbau in Schalttafeln gedacht> ist. Der Drehgeber hat 100 Schritte pro Umdrehung und keine Rastungen,> man hört und fühlt sie nicht. Dafür ist er mit Instrumentenfett (oder> etwas ähnlichem) gefüllt, da es ein bisschen Kraft braucht, um daran zu> drehen.
Hast Du zu dem Teil eine Modellbezeichnung griffbereit?