Gast
#5360722
Hi, ich habe im Moment ein "schwieriges" Problem. Ich arbeite bei einem DL (in der Schweiz). Mein Spezialgebiet ist eigentlich Nachrichtentechnik, nur sind da im Moment wenig Projekte vorhanden, sodass ich im Moment generelle Elektronik entwickle (vor kurzem einen Rechner für in einem Fahrzeug, oder ein spezielles Batterieladegerät, oder ...). Von Schaltplan, Layout und Simulationen etc. ist alles dabei. Insofern ist es sehr abwechslungsreich, und meine Bürokollegen sind echt cool, einer davon ist mittlerweile (bin seit 2 Jahren da jetzt) ein persönlicher Freund geworden und wir gönnen uns gelegentlich am Wochenende ein Bier und können echt gut auch manchmal private Probleme/Angelegenheiten diskutieren. Was mich aber ärgert ist einerseits das Micromanagement unseres Chefs (wie gross muss der Widerstand sein, den du da einbaust? wie viele dB dämpft dein Tiefpassfilter? weshalb hast du den BC547C ausgewählt und nicht den ). Andererseits, dass ich ständig selber direkt mit Kunden mich rum schlagen muss. Und zu guter letzt auch, dass ich mich nur selten auf meinem Fachgebiet NT tummeln kann. Andererseits ist es aber auch wieder cool, weil wir echt tolles Equipment haben, zum Teil recht modern, Spektrumanalysatoren, Netzwerkanalysatoren, aber auch eine richtig geile Werkstatt, welche hervorragend ist, um schnell einen Prototyp oder Versuchsaufbau zusammen zu klöppeln. Ich sitze also nicht dauernd nur am Rechner und klicke was rum, sondern wenn eine Baugruppe entwickelt werden muss, bohre ich auch schon mal ein paar Löcher in ein Gehäuse, um einen Prototypen zu machen, damit man ein Anschauungsobjekt hat. Das gefällt mir ansich gut. Die Bezahlung ist aber eher mittelmässig (85k, was für einen 30jährigen mit Master in E-Technik eher wenig ist). Aufgrund der Negativpunkte (wobei das Gehalt für mich persönlich am wenigsten wichtig ist) habe ich mich auf ein Stelleninserat beworben, wo ein HF-Entwickler gesucht wurde. Die Firma stellt verschiedene HF-Messgeräte her, der Name ist nicht ganz unbekannt, aber ich will nicht zu viel sagen. Auf jeden Fall haben sie mich (womit ich überhaupt nicht gerechnet habe) zum VG eingeladen und waren von meinem Profil sehr angetan. Fakt ist, dass ich nun ein Angebot von ihnen bekommen habe - 92k plus Bonus. Ich würde mich mit dem Entwurf und der Charakterisierung von HF-Baugruppen, welche in die Messgeräte eingebaut werden, befassen. FEM-Simulationen und Simulink werden auch gebraucht. Mit Kunden müsste ich mich nicht herum schlagen. Also soweit eigentlich TOP! Da ich am VG gesagt habe, dass mich Software auch interessiert, würde ich sogar Gelegenheit bekommen, mich ordentlich in C++ einzuarbeiten und gewisse Teile der Messgerätesoftware auch zu betreuen, sofern ich das denn will (es geht aber immer nur um Signalverarbeitung). Soweit also eigentlich gut! Was mir aber am neuen potentiellen AG nicht so gefällt: a) meine Bürokollegen wären dann weg. Klar, gibt dann neue, aber ob ich mich mit denen auch so gut verstehe, weiss ich ja jetzt noch nicht. b) jetzt sind wir zu dritt im Büro, ich habe 2 Tische, 3 Bücherregale, einen eigenen kleinen Werkzeugschrank, einen kleinen persönlichen Schrank und massig Platz. Am neuen Ort habe ich ein winziges Pult, keinen persönlichen Schrank, und auch kein Bücherregal (jaja, Bücher gelten als antiquiert, aber um den Tietze/Schenk war ich schon oft froh, auch ein Tabellenbuch oder Normenauszug ist immer hilfreich). Natürlich Grossraumbüro mit ~25 Nasen. c) das Equipment am neuen Ort wäre nicht so gut - nur ein kleiner Spektrumanalysator, nur ein kleiner VNA, Oszilloskop habe ich nirgends eins rum stehen sehen; ob sie eine so gute Werkstatt haben ist fraglich, ... ich finde, es gibt nichts ärgerliches, als wenn man mit schlechtem/zu wenig/veraltetem Werkzeug arbeiten muss. Wie seht ihr mein "Luxusproblem". Soll ich bleiben (und mich ständig ärgern, wenn ein Kunde anruft und wieder mal alles besser weiss, oder der Chef mit seinem Micromanagement wieder mal wissen will, ob eine Schraube jetzt M4x0.35 oder M4 Standard war) und dafür weiss ich, woran ich bin, oder was neues wagen und riskieren, dass ich vom Regen in die Traufe komme?