Hi
mein Arbeitgeber, kleiner Laden, 40 Mitarbeiter, 1 Embedded Software
Ingenieur, will ISO9001 zertifiziert werden.
Jetzt soll ich ein Software-Entwicklungsprozess aufsetzen. Das ist ja
Uferlos und ein enormer Overhead.
Reicht da eine vereinfachtes Ding ohne V-Model?
Für meine super einfachen Anwendungen macht es gar kein Sinn zb einem V
Modell nachzugehen.
irgendwelche Tipps?
Klaus schrieb:> irgendwelche Tipps?
Es kommt nicht auf den Inhalt des Prozesses an. Es kommt darauf an einen
Prozess definiert zu haben und zeigen zu können das und wie dieser
eingehalten wird.
Du kannst also einen maximal einfachen Prozess definieren, schriftlich
fixieren und dann (z.B. anhand der von diesem Prozess geforderten
Dokumenten) zu zeigen dass er eingehalten wird.
Auch bei einem 1 Mann Team braucht es zumindest mal ein Lastenheft und
ein Pflichtenheft.
Wer erstellt was? Wo wird es abgelegt? Wie siehts mit einem Testreport
aus? Wo liegt der?
Wie sieht der "Freigabeprozess" aus? Wie kommt deine SW in die
Produktion?
Das reicht schon so ca. als Prozess aus.
Dem schließe ich mich an. Im Prinzip geht es darum, einen Prozess zu
definieren, der nachweislich eingehalten wird. Das muss kein langwierig
erarbeitetes und komplexes Dokument sein. Bei uns in der Firma war z.B.
dieser Prozess in einem einfachen Office Dokument als eine Art
Ablaufdiagramm dargestellt. Kein großer Text, die Zustände des Diagramm
repräsentierten die auszuführenden Aktionen. Daneben waren die Instanzen
genannt, die von den jeweiligen Arbeitsschritten betroffen waren.
Du kannst volle Betonklötze giessen und die als Schwimmkörper verkaufen
- wenn du dass alles nach DIN ISO 9001 schön dokumentierst und mit dem
dazu erforderlichen Blah - Blah versiehst bekommst deine Fa. das
Zertifikat und Deine Kunden kaufen Qualität nach DIN ISO 9001;-)
Walter K. schrieb:> Qualität nach DIN ISO 9001
Richtig, denn Qualität bedeutet Reproduzierbarkeit.
Wenn dann will ich immer nicht-schwimmfähige Betonklötze kaufen und
nicht ab und zu welche die doch hohl oder gar aus Holz sind...
Die Entwicklung selber ist quasi nicht Teil der 9001ff, jedenfalls, wenn
ihr für euch entwickelt und nicht z.B. Auftragsarbeiten.
Sie zu, dass die Anforderungen irgendwo stehen, dass Änderungen verfolgt
werden, ein Repository, etc.
Und ein Ausgabeprozess, wo Deine Software archiviert, versioniert, etc.
wird.
V-Modell taugt nur für die Entwicklung bekannter Dinge, nicht für
irgendwas neues, innovatives.
Meide ISO9001 so gut es geht! Es treibt dich nur in den Wahnsinn, der
reinste Bürokratie Irrsin und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
Ich würde mir ganz schnell einen neuen Job suchen ;).
Curby23523 N. schrieb:> Meide ISO9001 so gut es geht! Es treibt dich nur in den Wahnsinn, der> reinste Bürokratie Irrsin und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.>> Ich würde mir ganz schnell einen neuen Job suchen ;).
Wenn Kunden darauf bestehen hat man keine Wahl. Andere bieten es an und
übernehmen den Auftrag dankend.
Und wer schon mit so einer Formalie Probleme hat, dem traue ich auch
sonst nicht viel zu.
Klaus schrieb:> irgendwelche Tipps?
ISO9001 soll sicherstellen, daß ihr ständig dieselbe Qualität abliefert.
Bei Software heisst das testen, automatisch testen mit allen Tests die
so im Laufe der Zeit anfallen, um sicherstellen zu können, daß ein ein
Mal gefixter Fehler nicht erneut auftaucht. Das protokoll "Alle Tests
bestanden" ist dann der ISO Nachweis. Es ist für ISO egal, ob die Tests
sinnvoll und umfassend sind und ob die Software fehlerfrei ist, aber
gegen Lastenheftvorgaben sollte man schon testen.
Ihr müsst mindestend 4 Mitarbeiter benennen, nämlich Geschäftsführer,
Qualitätsmanager der an Geschäftsleitung berichtet, ISO9000ff
Beauftragter der an den Qualitätsmanager berichtet und derjenige dessen
Arbeit nach ISO9000ff zu überwachen ist.
Eine sinnvolle Organisation spart Arbeit und macht keine Mehrarbeit,
lasst euch also keine Organisationsmethoden mit Aufwand aufschwatzen.
Ein Repository für Altversionen sollte vorhanden sein, Backups auch.
Selbst solche Dinge, wie man Mitarbeitern mitteilt was zu tun ist oder
welche Sicherheitsvorschriften es im Betrieb gibt, muss bedenken, wie
man das Mitarbeitern erklärt die eventuell die Landessprache nicht
verstehen. Notfalls in dem man auf einen Passus in den
Einstellungsvoraussetzungen hinweist, daß man die Landessprache
beherrschen muss und daher keine Dolmetscher braucht.
Da ihr wohl keine Zulieferer (immer dasselbe Teil mehrmals welches dann
im Endprodukt steckt - nicht 1 x den Compiler) habt, entfällt das
Problem wie die Qualtät von Zulieferprodukten sichergesteltl wird.
Kann agiles development ISO9001 erfüllen ? Manche Leute sagen nein,
prinzipiell nicht, aber ich denke schon, so lange die Tests erfolgen.
Im seriösen Umfeld gilt DO-178, V-Modell XT und IEEE 12207 falls es um
den ganzen SW Lifecykle geht.
Geht es jedoch in Richtung SIL-Norm wie DIN EN 61508, verlangt sie für
sicherheitsgerichtete Funktionen aber die Wasserfall oder V-Modell
Methode bei der Entwicklung.
Michael B. schrieb:> Geht es jedoch in Richtung SIL-Norm wie DIN EN 61508, verlangt sie für> sicherheitsgerichtete Funktionen aber die Wasserfall oder V-Modell> Methode bei der Entwicklung.
Das ist richtig, doch sollte man dabei im Hinterkopf haben, dass dabei
nur
a) einfache, bekannte, bewährte Funktionalitäten verwendet werden dürfen
(keine neuen Algorithmen oder Features)
b) der Funktionsumfang am Anfang genau festgeschrieben und unabhänderbar
sein muss (nämlich genau die aus anderen Gründen geforderte
Sicherheitsfunktion)
Das steht diametral zu normalen Entwicklungen, wo man einerseits Neues
schafft (erstmals dies, verbessert das) und andererseits die
Anforderungen sich stetig weiterentwickeln (Wenn man mit dem ersten
Entwurf spielt, sieht man, was man eigentlich will).
Es wäre daher fahrlässig und törricht (wenngleich weit verbreitet), die
von SIL geforderten Mechanismen "weil sie da sind" auch für die
eigentliche Entwicklung zu übernehmen. Man gießt damit die Flexibiltät
quasi in Beton.
Jan H. schrieb:> Michael B. schrieb:>> Kann agiles development ISO9001 erfüllen ?>> Was könnte dagegen sprechen?
Auf dem ersten Blick halt dass man tendenziell weniger mit Agilen
Konzepten dokumentiert...
Man kann aber trotzdem das richtige dokumentieren und die Normen
erfüllen.