Röhren versus Halbleiter

#4176335
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Oleg Ayranov schrieb:
> Kennt jemand eine Gerätegruppe oder Applikation, in welcher die Röhren
> den Halbleitern immer noch vorzuziehen sind?

Sendeendstufen von Radaranlagen fallen mir ein.(Klystrone, Magnetrone)
Diese können oft gleich die Frequenzerzeugung mit übernehmen und 
Bestandteil des Oszillators sein.
Eventuell noch Leistungssteller in Schweißgeräten (Thyratrons) und in 
Galvanikanlagen. Vorteil: Robust und kurzzeitig auch überlastungsfähig.

mfG Paul
(Firma: Nisch-Aufzüge) Persönliche Seite #4177214
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Peter L. schrieb:
> umm russische Kampjets EMP sicher zu machen wurden die Dinger
> lange
> eingesetzt

Nicht nur dort der Vorteil der EMP Sicherheit war auch auf den 
russischen Kampfschiffen ein wichtiges Argument für de totalen Verzicht 
auf Halbleiter zugunsten materialintensiver Röhrentechnik. Bis auf 
wenige Ausnahmen hatten wir kaum Halbleiter an Bord, dafür umso mehr 
Röhrentechnik und Elektromechanik z.B. Drehtransformatoren zur 
synchronen Winkelübertragung, dazu Röhrenverstärker in PID Reglern.  Und 
auch mit  Röhren bestückte Analogrechner, sowie auch die ganze Funk und 
Funkmesstechnik so wie die Schiffsleittechnik alles mit Röhren und 
elektromechanischen Baugruppen. Da sah man förmlich wie es 
funktionierte.

Ich weiß nicht ob die das heute anders machen?

Namastew
Gast #4177581
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Nixie-Uhren können wahrscheinlich auch in nächster Zeit nicht drauf 
verzichten. Man könnte sie vielleicht durch einen Display ersetzen, das 
ein Bild der Nixies anzeigt. ;-)

Ansonsten fällt mir da nicht viel mehr ein als:

"Man konnte früher zwischen Föhren
und Kiefern Hirsche röhren hören.
Doch Röhrentechnik ging verloren.
Längst haben Hirsche Transistoren."
#4258921
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Bei viele elektronisch verstärkten Instrumenten ist die nicht-lineare 
Charakteristik des Röhrenverstärkers essentieller Teil der Klangbildung.
Eine Fender Stratocaster oder Gibson Les Paul klingt erst nach diversen 
ECC 83 so wie sie soll. "No Silizium in Signal Path" ist hier immer gern 
genommen, weil es viel viel einfacher zu bedienen ist als ein DSP. 
Musiker sind Musiker und keine Elektroniker.

Eine Hammond orgel wird erst richtig fettig mit Leslie Speaker und 
zugehörigem Amp (siehe z.B. 
http://www.captain-foldback.com/Leslie_sub/chorale2.htm).
Nord versucht genau diesen Klang nachzubilden. Der Versuch der Schweden 
ist ganz nett und ein nord Stage (ca. 18 kg) ist ungemein transportabler 
als eine Hammond B3 mit pedal board und Bank (ca 200 kg ohne Case) samt 
Leslie (70 kg ohne Case).
Auch die Gegenschlagidiophone wie Fender Rhodes, Wurlitzer, Hohner 
Pianet & Clavinet sind Instrumente deren Klang wir verinnerlicht haben.

und mal ehrlich: richtig fettig, treibend & schwitzend klingt Nord 
nicht. Auch fehlt z.B. das agressiv jammernde Fauchen der rotierenden 
Hörner der Leslie. Und genau DEN Klang gibt es nur mit Röhre.

Wer den scharfen, flächig- kantigen Klang von eines Jupiter 80 (DER Synt 
der 80'er) sucht, wird mit Sizium sicher glücklicher als mit Röhre.

Man kann Streicher auch ganz ohne Klangkörper bauen. ....
#4260637
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Sebastian L. schrieb:
> Bei viele elektronisch verstärkten Instrumenten ist die
> nicht-lineare
> Charakteristik des Röhrenverstärkers essentieller Teil der Klangbildung.
> Eine Fender Stratocaster oder Gibson Les Paul klingt erst nach diversen
> ECC 83 so wie sie soll. "No Silizium in Signal Path" ist hier immer gern
> genommen, weil es viel viel einfacher zu bedienen ist als ein DSP.
> Musiker sind Musiker und keine Elektroniker.
>
> Eine Hammond orgel wird erst richtig fettig mit Leslie Speaker und
> zugehörigem Amp (siehe z.B.

...bei aller Zustimmung: Da würde es mich mal interessieren, ob es im 
Musik-Bereich auch so eine Voodoo-Szene gibt.

Oder andersherum: Wäre ein Röhrenfan in der Lage zwischen dem 
Röhrensound und dem DSP-Sound zu unterscheiden?

Bei der Hifi-Anlage hat man mit der eingelegten CD natürlich einen 
Referenzpunkt und kann dann das "anders" klar ausmachen. Bei 
handgemachter Musik ist natürlich klar, das jede Kombination von 
Gitarrenspieler, Gitarre, Amp und LS anders klingt.

Ein Test müsste also so aussehen, dass man ein Lied hört und dann 
entscheidet, ob es wohl DSP-Klänge waren oder Röhrensound.

Meine Vermutung: Vor Ort wird man gerne die Röhre wg. der einfachen 
Einstellbarkeit vorziehen. Hört man es auf CD wird man eine sorgfältige 
DSP-Session nicht von einer Röhren-Session unterscheiden können.
Gast #4261108
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Peter L. schrieb:
> umm russische Kampjets EMP sicher zu machen wurden die Dinger lange
> eingesetzt

Das ist ein altes Ammenmärchen, das sich, obwohl seit Jahren wiederlegt, 
hartnäckig hält.
Fakt ist, das sobald man in der Lage war IC's herzustellen, dies auch 
einsetzte: Beispiel Argon-15 (MiG-25RB):
http://www.computer-museum.ru/english/argon15.htm

Argon-Avionic Computer generell:
http://www.computer-museum.ru/english/argon.htm

Natürlich hat man vor Verfügbarkeit von Halbleitern Röhren eingesetzt 
und das vielleicht auch für die Exportvarianten in die Sozialistischen 
Bruderländer über den Zeitpunkt der Verfügbarkeit technologischer 
Alternativen beibehalten und auch der Navi-Rechner der Ur-MiG-25 
(Produktionsstart 1964) setzte auf Röhren. Analogcomputer waren eben in 
den 50/60 State of the Art. Aber die Leistungsfähigkeit auf begrenzten 
Raum mit beschränkter Entwärmungsmöglichkeiten liess die Militärs auf 
beiden Seiten nach anderen Wegen suchen EMP-Schäden zu vermeiden als das 
man weiterhin auf Steinzeit-Technik setzte.

MfG,
#4261423
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> Dafür.... läuft seit 12 Jahren ohne 1g Silizium ("Sand") im Signalweg

Vermutlich mit deutlich mehr als einem Gramm. Denn ohne die Hülle aus 
größtenteils Siliziumdioxid würde sich das Vakuum so einer Röhre einfach 
verdünnisieren. Und wenn jetzt einer mit Stahlröhren kommt, die hätten 
ja nur die technische Überlegenheit ohne die schöne Optik zu bieten. 
Worum geht's also nochmal? Genau, um den schönen (Lampen-)Schein. Sonst 
kann ich auch eine Nicht-röhrenden Verstärker als Stromverstärker 
aufbauen, damit der Vintage 12'-er sich nach Belieben zum Klang der 
Gitarre bewegen kann. Nicht falsch verstehen, ich mag eine AC30 Sound, 
aber ob der regelmäßig durchgelutschte EL84 haben muß, weil man den so 
sehr "über Kante" dimensioniert hat? Und dann hat den mal einer mit 
OpAmps nachgebaut. Das hat so "schlecht" funktioniert, daß ihm das einer 
aus der Musikbranche gleich weggekauft hat. Vermutlich für die 
Schublade. Eil es ja ohne Glühen garnicht geht.
#4261445
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Carl D. schrieb:
>Christian J. schrieb:
>> Dafür.... läuft seit 12 Jahren ohne 1g Silizium ("Sand") im Signalweg
>> :-)
> Vermutlich mit deutlich mehr als einem Gramm. Denn ohne die Hülle aus
> größtenteils Siliziumdioxid würde sich das Vakuum so einer Röhre einfach
> verdünnisieren.

NAja, wenn man schon so genau sein will, dann hat Christian dennoch 
Recht.
Denn die Aussage war ja Silizium "IM SIGNALWEG". Und das Röhrenglas 
befindet sich ja üblicherweise eher nicht im Signalweg. (Wenn man von 
optischen Sinalen bei Anzeigeröhren absieht...)

Gruß
Carsten
#4261678
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Marek N. schrieb:
> Das Auge hört mit ;-)

Genauer: das Auge ZAHLT mit.
Aber solange die, die zahlen und die, die die exorbitante Marge 
einstecken, sich einig sind, daß es besser klingt. Damit läßt sich 
schnell der Techniker von (ex-)PM-Leser unterscheiden. Besonders toll 
wird's, wenn sie MP3's über WLAN durch's Vakuum in ihre Ohren streamen. 
Geht aber nur wenn keine Komponente unter 4-stellige kostet. Und wer es 
nicht hört ist ein Unwissender, solange bis von hinten ein kleines 
Mädchen ruft: „Der Kaiser hat doch nur Unterhosen an! Wo sind die neuen 
Kleider?“

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