Hallo,
also Widerstände sollten "gehen". Auch wenn die Werte sich ändern. Die
Leiter (Kupfer) natürlich auch. Standart löten kann man vergessen. Aber
wie sieht es mit Transistoren, Dioden aus? Silizium als Halbleiter bei
dieser Temperatur wird wohl eher nicht gehen.
Ich habe kurz eine Suchmaschine bemüht. Ohne Erfolg. Gut oft liegt das
Problem vor der Tastatur. ;o)
Grüße
der Neugierige
Honeywell hatte mal Halbleiter für Down Hole Anwendungen die bis zu 300
Grad C spezifiziert waren. Da gab es sogar einen LM324 mit diesen
Temperaturbereich.
Murmeltier schrieb:> Honeywell hatte mal Halbleiter für Down Hole Anwendungen die bis zu 300> Grad C spezifiziert waren. Da gab es sogar einen LM324 mit diesen> Temperaturbereich.
Und nächste Woche bringt der Weihnachtsmann die Ostereier!
Datenblatt?
Murmeltier schrieb:> Honeywell hatte mal Halbleiter für Down Hole Anwendungen die bis zu 300> Grad C spezifiziert waren. Da gab es sogar einen LM324 mit diesen> Temperaturbereich.
Ach so, meinen Lieblings-IC gab es für Höllentemperaturen?
Und was bedeutet eigentlich Down Hole?
Loch darunter?
Murmeltier, es ist besser, Du bleibst in Deiner Höhle...
Mani W. schrieb:> Ach so, meinen Lieblings-IC gab es für Höllentemperaturen?
Beruhigend.
Da ich sowieso in die Hölle komme, kann ich dann immernoch Internet
kukken.
Elektronik gut einpacken und Stirlingkühler mit reinpacken, der die
Verlustleistung gegen aussen abführt.
Wird dann halt einfach eine Herausforderung für die Thermodynamiker
statt Elektroniker.
neugierig schrieb:> also Widerstände sollten "gehen". Auch wenn die Werte sich ändern. Die> Leiter (Kupfer) natürlich auch.
Kupfer wohl eher natürlich nicht, denn es oxidiert bei dieser Temperatur
schon recht stark.
Anorganische Halbleiter, besonders solche mit grossem Bandabstand,
lassen sich durch solche Temperaturen kaum beeindrucken, aber es können
die Dotierstoffe in Bewegung geraten und so das Verhalten des Bauteils
permanent verändern - bis hin zum Ausfall.
In Falle von GaAs kann auch das Arsen verdampfen und so die
Zusammensetzung des Kristalls verändern. Ein ähnlicher Effekt tritt bei
diesem Material auch schon bei geringeren Temperaturen auf, wenn sie in
einer Wasserstoff haltigen Atmosphäre betrieben werden. Dabei
"verschwindet" Arsen aus dem Kristall in Form von gasförmigem
Arsenwasserstoff AsH3.
Es kommt eben wieder einmal darauf an ;-)
Mani W. schrieb:> Und was bedeutet eigentlich Down Hole?> Loch darunter?
Es bedeutet "Unter-Tage". Das klingt genauso dämlich wie 'down-hole'
wenn man es wortwörtlich gebrauchen will, aber nicht die
berufsspezifische Bedeutung von 'Tage' in "unter/über-tage" kennt.
Genauso wie "Wetter", "Mundloch", "Stempel", "Stollen", ... kurz die
ganze Bergmannssprache:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bergmannssprache
In diesem Sinne,
Glück Auf!
GaN (+ InN, AlN und Mischungen) sowie SiC sind grundsätzlich dafür
geeignet. Ob das Gehäuse und die Bonds das mitmachen, ist aber eine
andere Frage.
Diamant ist prinzipiell möglich, aber reale Bauelemente abseits der
Theorie habe ich daraus noch nicht gesehen, da sich die Dotierung etwas
schwierig gestaltet.
Bei Silizium bekommt man Probleme mit zu vielen intrinsischen
Ladungsträgern, wodurch die Dotierung quasi keine Rolle mehr spielt -
deswegen HL mit mehr Bandabstand (SiC, Nitride, Diamant).
P.S.:
Wieso nicht 400, oder 500, oder gar 1000? Für den neugierigen Laien sind
das doch nur aussagebefreite Zahlenkolonnen. Da Einzige was er mit
Sicherheit sagen kann ist daß es sehr heiß ist und man der Sache nicht
zu nahe kommen sollte. Das sieht mir ganz so aus als wenn Du nur
unbequemen Fragen aus dem Weg gehen willst.
Das ist beleidigend und in seiner Penetranz (Deine ausgeklügelte
Herangehensweise) schon ehrenrührig.
Was ist Elektronik?
Ist ein oller Bimetallschalter schon Elektronik?
Ist ein PT1000-Fühler schon Elektronik?
Ist ein Halogenlampenglühfaden schon Elektronik?
Funktioniert alles weit jenseits der 300 Grad immer noch.
Da es für diese Einsatztemperaturen nicht mehr viel "Standardware" zu
kaufen gibt, haben da Firmen die in diesem Bereich tätig sind ihre
eigene kleine "IC-Schmiede". Damit können sie zumindest rohe IC-Dies
bonden und verarbeiten. Die Dies (auch wenn sie mit weniger als 300°C
spezifiziert sind) werden vorab im Klimaschrank getestet und selektiert.
Dadurch kann man darauf schließen, wie lange dieser Die dann im echten
Untertage-Werkzeug überleben wird. Das ist natürlich ein Bruchteil der
Lebensdauer, bei normaler Nutzung. Aber da in diesem Bereich Geld keine
Rolle spielt, tauscht man die Elektronik einfach öfter mal aus
M. Agnet schrieb:> Was ist Elektronik?> Ist ein oller Bimetallschalter schon Elektronik?> Ist ein PT1000-Fühler schon Elektronik?> Ist ein Halogenlampenglühfaden schon Elektronik?
Warum antwortest du, wenn du nicht die leiseste Ahnung hast, nichtmal
Grundlagen kennst was Elektronik ist ? Alles keine Elektronik.
Nur mal so aus Neugier.
Welche besonderen Anforderungen hat man denn, dass es unbedingt
notwendig ist, dass man direkt im Bohrkopf hochanspruchsvolle Elektronik
braucht?
Temperatur, Druck, Torsion, Neigung kann man auch elektromechanisch
messen.
Marek N. schrieb:> Temperatur, Druck, Torsion, Neigung kann man auch elektromechanisch> messen.
Die müssen aber auch verarbeitet und gesendet werden.
Daten werden übrigens wohl teilweise über Schall/Druck übertragen.
Marek N. schrieb:> Welche besonderen Anforderungen hat man denn, dass es unbedingt> notwendig ist
Soweit ich weiß stecken in den ersten 10 Metern soviel Elektronik, ja
sogar Steuerungshydraulik und Steuerklappen,Stromerzeuger,
Kommunikationsequipment.. Ich habe in dem Bereich gearbeitet und da wird
alles während des Funktionstest Tagelang über 200° "gebacken".
Was ist wenn in 2km Tiefe ein IC ausfällt? Millionenverluste.
Die können dir Quasi in 2km Entfernug durch die Erde in eine 1m
Zielscheibe die auf dem Rasen liegt bohren. (Kleiner Spaß, nur zur
Veranschaulichung)
Man kann auch eine Flamme als Diode oder Triode (sicherlich auch Pentode
usw.) nutzen.
Ist zwar nicht ganz die Antowort auf die Frage, aber evtl. hat ja jemand
Lust auf solche Eperimente. Vor 10+ Jahren habe ich damit
experimentiert. Allerdings hatte ich keine hohe Verstärkung und meine
Messmittel waren sehr begrenzt, eigentlich nur 1 Baumarkt-DMM. Woher ich
die Anodenspannung bekommen habe, schreib ich lieber mal nicht ;)
https://www.youtube.com/watch?v=WNl0sFViaxs
Woran liegt die verkürzte Lebensdauer von Hochtemperatur-Halbleitern?
Ist der Effekt der Elektromigration so extrem hoch bei 300°C?
IncreasingVoltage .. schrieb:> Woran liegt die verkürzte Lebensdauer von Hochtemperatur-Halbleitern?> Ist der Effekt der Elektromigration so extrem hoch bei 300°C?
Genau das. In der Diffusionsrate steckt ein T^4 ... das geht ganz
ordentlich ab :-)
Vielleicht sollte man noch erwähnen, das Standardleiterplatten dauerhaft
nicht wirklich mehr als 150°C sehen wollen und oberhalb von 200°C die
Lötverbindungen auseinander gehen. Das macht alles keinen Spass.
Mani W. schrieb:> Und was bedeutet eigentlich Down Hole?> Loch darunter?>> Murmeltier, es ist besser, Du bleibst in Deiner Höhle...
Sei mir nicht böse, bitte!
Muss auch noch ein bisserl dazu lernen....
Bis 210°C spezifiziert gibt es tatsächlich recht viele ICs.
Da kostet dann ein CAN-Transceiver aber mal eben 50€ statt 50ct.
Ich habe ein Weilchen in der Entwicklung von Downhole-Messtechnik
gearbeitet. Also Messtechnik, die im Bohrgestänge direkt hinter dem
Bohrkopf sitzt. Für Öl natürlich.
In 95% der Fälle reicht es, wenn die Elektronik dauerhaft 185° ab kann,
darauf war alles ausgelegt. Platinen aus Polyimid,
Hochtemperatur-Lötzinn, Vergussmaterialien auf Silikonbasis,...
Und vieles, das nicht bis 210° spezifiziert ist, funktioniert trotzdem
problemlos. Viele Controller, FPGAs, ICs,... wurden von uns selber
getestet und dafür freigegeben.
Um robuster und kompakter zu werden, ging es dann teilweise auf MCMs
(Multi-Chip-Module). Nackte Dies auf Keramiksubstrate gebondet im
Titan-Gehäuse.
Wir hatten zumindest SoCs, die bis 300°C lagerfähig waren. Die
EInsatztemperatur lag bei max. 260°C, wenn ich mich recht erinnere.
Mani W. schrieb:> Mani W. schrieb:>> Und was bedeutet eigentlich Down Hole?>> Loch darunter?>>>> Murmeltier, es ist besser, Du bleibst in Deiner Höhle...> Sei mir nicht böse, bitte!>> Muss auch noch ein bisserl dazu lernen....
Der Mann hat Größe.
Und ich bin wieder mal erstaunt, was für interessante Threads aus (von
einigen teilweise als dumm angesehenen) solchen Fragen entstehen.
Einfach wunderbar...
Sebastian R. schrieb:> In 95% der Fälle reicht es, wenn die Elektronik dauerhaft 185° ab kann,> darauf war alles ausgelegt. Platinen aus Polyimid,> Hochtemperatur-Lötzinn, Vergussmaterialien auf Silikonbasis,...
Ich schätze das Elektrische Problem Numero Uno war da nicht die Hitze,
sondern die elektrostatische Aufladung durch die Reibung im Öl. Wie habt
ihr dieses Problem gelöst?
Ludwig Lustlos schrieb:> elektrostatische Aufladung durch die Reibung im Öl
Kann man evtl. ableiten und Öl kann auch salzhaltig sein.
Einige Transistoren bis 200 Grad Arbeitstemperatur sind z.B. bei RS über
die parametrische Auswahl zu finden. Allerdings wird man die Leistung
gewaltig reduzieren müssen.
Tiefenbohrung Windischeschenbach schrieb:> Toby P. schrieb:>> Warum nimmt man die dann nicht?>> Mechanisch zu fragil und viel zu groß
Die Russen hatten früher Mikroröhren für ihre Kampfflieger. Das sollte
doch passen.
Wieso man beim bohren nach Öl da unten Elektronik braucht?
1) du musst wissen, wo du bist. Ab 2 Meter unter der Erde geht GPS nicht
mehr. Du bohrt aber 4 km unter der Erde nach Öl. Also musst du andere
Werte messen. Beispielweise das Gravitationsfeld. Auch kannst du von
übertragen ausgesandte Schallwellen und Reflexionen messen.
2) du musst wissen, in welche Richtung du bohrt. Dazu kannst du
beispielsweise zusätzlich zu 1) das Magnetfeld messen.
1) und 2) musst du unbedingt können, denn das verlangt das bergbauamt.
Du sollst z.b. nicht in das 50 Meter daneben liegende Rohr bohren.
3) unter Tage änderst du die bohrrichtung. Üblicherweise bohrt man vom
Erdboden oder Meeresgrund halbwegs senkrecht nach unten. Selbst das
klappt mit bohrmeißel und Stahlrohr nur wenige 100 Meter. Danach bist du
einige Grad zur Seite abgelenkt und bohrt zunehmend korkenzieherbahnen.
Kurz vor erreichen der ölhaltigen Schicht änderst du die bohrrichtung,
so dass du in etwa horizontal bohrst. Heißt, unter Tage hast du eine
aktorik, um deinen bohrmeißel seitlich auszulenken. Das wird
mittlerweile auch halbwegs elektronisch zumindest gesteuert.
4) du möchtest der untertageeletronik von übertage mitteilen, dass jetzt
eine richtungsänderung erfolgen soll. Das machst du nur in seltenen
Fällen über ein langes Kabel vom bohrturm nach unten. Google mal nach
mud pulse telemetry.
5) du möchtest oben wissen, ob unten alles ok ist, oder geologische
Messwerte nach oben übertragen. Auch dafür brauchst du unten Elektronik.
6) du möchtest nicht nur das nach oben gespühlte bohrklein untersuchen,
sondern auch ganze bohrkerne nach oben bekommen.
7) du möchtest von der im Gestein sitzenden Flüssigkeit Proben ziehen,
die dann übertage analysiert werden, oder schon während der Bohrung
wissen, wie viel Öl, Wasser und Schwefel da drin ist.
8) du möchtest wissen, in was für gestern du dich befindest und wie
porös dieses ist. Davon hängt ab, wie gut sich das Öl fördern lässt.
9) du möchtest wissen, wie die älführende Schicht einige Meter vor dem
bohrmeißel verläuft, um proaktiv in der ölführenden Schicht zu bleiben.
Diese ist nicht, wie in Comics, eine riesige Höhle voller Öl, sondern
eine manchmal nur wenige Meter dicke Schicht aus porösen Gestein.
10) du möchtest untertage dein Bohrloch abdichten, weil der Druck vom
Öl/ bohrschlamm zu hoch wird und ein blowout droht.
11) ... daran arbeiten wir gerade ;)
Du = Auftraggeber einer Bohrung nach Erdöl/ Gas
Achja, nicht nur die Hitze hast du da unten. Wenn du Elektronik direkt
an einem bohrmeißel betreibst, rappelt es auch ganz ordentlich.
Ludwig Lustlos schrieb:> Toby P. schrieb:>> Die Russen hatten früher Mikroröhren für ihre Kampfflieger. Das sollte>> doch passen.>> Nicht nur die Russen, die haben die Röhren ohnehin nicht> selbstentwickelt sondern nachgebaut, die Amis haben denen die Röhren> sozusagen 'rüber geballert':
Die Russen bauen doch sowieso alles nur nach.
Aber die Amis?
Mein Vater hat in meiner Kindheit immer was von Bleistiftröhren erzählt.
Seine Erkenntnisse stammen von vor dem 2. WK.
neugierig schrieb:> wie sieht es mit Transistoren, Dioden aus?
Ausprobieren.
Vieles wird bei den Temperaturen noch funktionieren auch wenn es niemand
garantiert.
Mit dramatisch verkürzter Lebensdauer und jenseits der zugesicherten
Eigenschaften.
Wir hatten mal einen US Konkurrenten der seine LED Leuchten so genial
dimensioniert hat, das sich die LEDs noch während der kundenseitigen
Installation selbst entlötet haben und von der Decke fielen.
Funktioniert haben die noch, nur eben brutal gealtert.
In dem Bereich must Du alles selbst testen.
Je gröber die Silizium Struktur um so eher wird das funktionieren, weil
die Leckströme stark ansteigen.
Also möglichst spannungsfest dimensionieren, bzw. bei Logig so weit wie
möglich mit der Spannung runtergehen.
Keine Elkos, ptfe Kabel und alles Crimpen.
Glasfaserverstärkte Gehäuse für Steckverbinder
SMD Bauteile können alle die hohen Löttemperaturen ab.
THD nicht unbedingt.
Die Diamant ICs gibt es wohl, nur habe ich sowas noch nie gesehen in
freier Wildbahn.
Dürfte dann auch militär sein und für normalsterbliche nicht verfügbar.