Hallo Forum,
ich weiß, "Hausaufgaben" gehören eigentlich nicht in ein Forum, aber ich
hatte die Hoffnung, dass mir vielleicht jemand einen Anstoß geben kann.
Also, wir entwickeln im E-Technik Unterricht nach und nach eine
Steuerung für ein Flugzeug. Das ist natürlich quatsch und nur ein
hinphantasierter Anwendungsfall, aber so soll man scheinbar einen
besseren Bezug dazu bekommen.
Naja, jedenfalls gibt es einen Schaltungsteil (Die Fahrwerkssteuerung),
bei der an einem Schieberegister 8 N-Channel Mosfets (IRLZ44N) hängen,
die jeweils einen 24V Stromkreis schließen sollen.
Hier sollen wir uns nun Gedanken machen, wie man der Schaltung
zusätzliche Sicherheit beibringen kann.
Einen Punkt, den ich mir bereits aufgeschrieben habe:
Festlegung, welche Kombinationen überhaupt erlaubt sind und diese dann
(ggf. durch Software) püfen.
Gefragt waren aber eigentlich "Sicherheiten", die hardware-seitig
zwischen den Ausgängen der Schieberegister und dem Gate der Mosfets
implementiert werden können.
Tja - und jetzt weiß ich nicht, was hier gemeint sein könnte.
Vermutlich geht es darum, "versehentliches" Schalten zu verhindern oder
die Auswirkungen von defekten Bauteilen in den Griff zu bekommen.
Aber da ist doch sowieso irgendwann ein Single-Point-of-Failure...
Man könnte natürlich zwei Schieberegister mit den gleichen Daten
versorgen, deren Ausgänge dann ver-UND-en und dann erst den Ausgang des
UND-Gliedes zum Gate führen, aber was bringt sowas? Dann wäre halt das
UND das kritische Bauteil. Und der Mosfet natürlich auch noch.
Daher bin ich vermutlich auf der falschen Fährte.
Hat jemand eine Idee, was hier gesucht sein könnte?
Freue mich über jeden Gedanken :D
Lg, Marcel
marschl schrieb:> aber was bringt sowas?
Eine höhere Ausfallquote, da mehr Bauteile.
Hier gilt es zu überlegen, ob das System Schwachpunkte hat, die man
entschärfen will. Ein Beispiel wäre:
Mal angenommen es gibt da einen Motor mit zwei getrennten Anschlüssen
für Links- und Rechtslauf (manche Rolladen-Motoren habe das so), dann
müsste man sicherstellen, dass niemals beide Richtungen gleichzeitig
angesteuert werden.
Das kann man mit Logikgattern sicher stellen oder ganz banal mit
Relais-Kontakten, wenn ohnehin Relais eingebaut sind:
1
Relais 1 Relais 2
2
3
24V o--+-----o o----------------------o Motor links
Hallo Marcel,
Wenn eine Hardware durch Software gesteuert wird, geht die größte Gefahr
von der Software aus. Sei es durch Programmierfehler, Fehlfunktion oder
geziehlten Angriff.
Daher baut man für Sicherheitskritische Sachen wie z.B. ein
Flugzeugfahrwerk oder einen Fahrstuhl in die Hardware
Sicherheitsmechanismen ein um unerlaubte Zustände zu verhindern und die
Hardware ggf. in einen sicheren Zustand zu bringen..
Stichwort: gegenseitige Verrieglung
Sascha
Hallo ihr,
vielen Dank für die Antwort. Das hat mich auf die richtige Spur
gebracht.
Die beiden Beispiele sind auch super!!!
Damit komme ich weiter.
1000 Dank!
Sicherheit und Verfügbarkeit führen meist zu gegensätzlichen
Anforderungen.
Stumpf alles doppelt auslegen bringt es auch nicht. Bei doppelt so viel
Teilen, hast Du auch die doppelte Wahrscheinlichkeit, dass eines
ausfällt. Bei zweien weißt Du auch nicht, welchem Du noch trauen kannst.
Wenn Du diese Entscheidung einer Schaltung überlässt, steht und fällt
alles mit diesem Schaltungsteil.
Also beginnt man mit der kniffligen Frage : Was ist der sichere Zustand
?
Wenn sich das beantworten lässt, kann man die Schaltung darauf auslegen.
Also mal angenommen, ein normal begabter Pilot steht drüber, wenn das
Fahrwerk im Flug ausfährt, aber wenn es vor dem Landen nicht ausfährt,
ist gleich die Flughafenfeuerwehr gefragt, dann ist klar : Ausgefahren
ist der sichere Zustand. Darauf kann man alle Schaltungen so auslegen,
dass im Zweifelsfall das Fahrwerk ausgefahren wird.
Wenn Du redundante Schaltungsteile hast, musst Du sie unabhängig
voneinander testen können. Also vor dem Start, wird geprüft ob Motor 1
und Motor 2 alleine das Fahrwerk ausfahren könnten. Dann wird gehofft,
dass auf der anderen Seite des Atlantiks nicht mittlerweile beide das
zeitliche gesegnet haben. Wobei der Test aus verständlichen Gründen
nicht daraus bestehen kann, das Fahrwerk vor dem Terminal einzuklappen
und wieder auszufahren.
Aber gammelt einer von 2 Motoren weg, darf das nicht monatelang bis zur
nächsten routinemässigen Wartung unentdeckt bleiben, sonst ist der
Vorteil der Redundanz dahin.
In Deinem Fall bedeutet das, zumindest 8 Mal die Möglichkeit die
Spannung hinter den Mosfets zu messen oder besser noch den Laststrom der
Mosfets.
Du kannst natürlich auch zusätzlich das Schieberegister verbreitern und
Prüfbits einfügen, die Du per Gattergrab überwachst. Und da wären wir
wieder beim sicheren Zustand : Was tun, wenn ein Fehler erkannt wird :
Mosfet ausschalten, Mosfet einschalten oder letzten Zustand beibehalten
? Das können je nachdem, was das Schalten des jeweiligen Mosfets bewirkt
unterschiedliche Antworten sein. Eventuell kann die beste Antwort auch
noch von weiteren Signalen abhängen.
Oft sieht man eine Überwachung des RCK mit einem Monoflop (74HC123).
Fällt SCK aus, kann die CPU abgestürzt sein. Dann schaltet der Monoflop
den /OE des SRG (74HC595) ab und alle MOSFETs schalten über einen
Pulldown am Gate aus.
Achso einen Trost gibt es : die Fehlertoleranzzeit.
Wenn man ein mehr oder weniger mechanisches System steuert, wirkt sich
ein Fehler nicht sofort aus. Diese Zeit hat man, um den Fehler zu
erkennen und nachzubessern.
Im Falle des Fahrwerks wäre es z.B. so, dass Dein Mosfet einen Motor
einschaltet, der eine Hydraulikpumpe antreibt, die Öl in einen Zylinder
pumpt, welcher das Fahrwerk durch irgendwelche Klappen nach unten
drückt.
Dieser Motor kann dann mehrere zig Millisekunden laufen, bevor sich am
Fahrwerk nennenswert was bewegt. So lange hast Du Zeit, eine fehlerhafte
Ansteuerung des Motors zurück zu nehmen, ohne dass Deine Firma deswegen
in der Zeitung steht.
fop schrieb:> Also mal angenommen, ein normal begabter Pilot steht drüber, wenn das> Fahrwerk im Flug ausfährt, aber wenn es vor dem Landen nicht ausfährt,> ist gleich die Flughafenfeuerwehr gefragt, dann ist klar : Ausgefahren> ist der sichere Zustand.
Ich möchte dein Beispiel nicht zerlegen, es hat die grundsätzliche
Betrachtungsweise richtig aufgezeigt.
Jedoch als Hinweis: bei Reisegeschwindigkeit dürfte das Ausfahren eines
Fahrwerks nicht zum sicheren Zustand gehören.
> und alle MOSFETs schalten über einen> Pulldown am Gate aus.
So die Hoffnung(wenn sie noch kein flüssiges Silizium geworden sind)?
Ein MOSFET kennt 3 Zustände bis zum Tod:
1.Er schwitzt sehr
2.Er wird flüssig und leitet
3.Er macht den Deckel auf wenn er Lust hat und der Strom reicht!
Man könnte ja den Schaltzustand der Mosfets auch wieder einlesen
(sinnvollerweise nach den Mosfets ;) ) und mit dem Sollwert vergleichen.
Evtl. noch die Stromaufnahme dazu, dann weiss man, ob Treiber und Motor
in Ordnung sind.