Ferrit oder Metallpulverkern für eine Buck-Speicherdrossel?

OP (Firma: YUTE Magnetic) #8105705
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Bei der Auslegung einer Speicherdrossel für einen Buck-Wandler stellt sich häufig die Frage, ob ein Ferritkern mit Luftspalt oder ein Metallpulverkern die bessere Wahl ist.

Beide Varianten können geeignet sein. Entscheidend sind unter anderem der Gleichstromanteil, die Stromwelligkeit, die Schaltfrequenz und die zulässige Erwärmung.

1. Induktivität unter Gleichstromvormagnetisierung

Die Nenninduktivität wird häufig mit einem kleinen Messsignal bestimmt. Unter hoher Gleichstrombelastung kann die effektive Permeabilität des Kernmaterials jedoch abnehmen.

Dadurch sinkt die Induktivität, was bei ansonsten gleichen Betriebsbedingungen zu einer höheren Stromwelligkeit führen kann.

Bei Ferritkernen mit konzentriertem Luftspalt und Metallpulverkernen mit verteiltem Luftspalt kann sich der Verlauf der Induktivität über dem Gleichstrom deutlich unterscheiden.

Deshalb ist die L(I)-Kennlinie für die praktische Auswahl oft aussagekräftiger als nur der nominelle AL-Wert.

2. Kernverluste bei höheren Schaltfrequenzen

Metallpulverkerne, beispielsweise auf FeNi- oder FeSiAl-Basis, können bei hohen Gleichstromanteilen interessant sein. Allerdings hängt die Eignung stark von der konkreten Materialzusammensetzung und den Verlustkennlinien ab.

Ferritkerne bieten wiederum bei vielen höheren Schaltfrequenzen niedrige Kernverluste, benötigen für Speicherdrosseln aber häufig einen entsprechend ausgelegten Luftspalt.

Ein direkter Vergleich der Kernverluste ist nur bei vergleichbaren Messbedingungen sinnvoll:

  • Frequenz
  • Magnetische Flussdichteänderung ΔB
  • Temperatur
  • Anregungsform und gegebenenfalls Gleichstromvormagnetisierung

3. Kupferverluste und Temperatur

Eine geringere Induktivität unter Last kann die Stromwelligkeit erhöhen. Dadurch können auch die Wechselstromverluste in der Wicklung steigen.

Die tatsächliche Temperatur hängt jedoch von den gesamten Verlusten und den thermischen Randbedingungen ab.

Ein Kernmaterial mit günstiger Gleichstromkennlinie führt deshalb nicht automatisch zu einer niedrigeren Betriebstemperatur.

Mich würden eure Erfahrungen interessieren:

Welche Kriterien sind bei euren Buck-Speicherdrosseln entscheidend – die Induktivität unter Gleichstrombelastung, die Kernverluste oder die Baugröße?

Und ab welcher Schaltfrequenz habt ihr in der Praxis Vorteile oder Nachteile beim Wechsel zwischen Ferritkernen mit Luftspalt und Metallpulverkernen festgestellt?

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OP (Firma: YUTE Magnetic) #8105719
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Ja, ich arbeite bei YUTE Magnetics. Wir beschäftigen uns mit magnetischen Kernmaterialien und Leistungsinduktivitäten.

Der Beitrag soll keine Werbung oder formelle Marktumfrage sein. Mich interessieren vor allem praktische Erfahrungen bei der Auswahl von Ferrit- und Metallpulverkernen für Buck-Wandler.

Mit dem verlinkten Wissenschaftler habe ich nichts zu tun. Die Namensähnlichkeit ist reiner Zufall.

Viele Grüße Yong

Persönliche Seite #8105730
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Hallo Yong C.

Yong C. schrieb:

Die tatsächliche Temperatur hängt jedoch von den gesamten Verlusten und den thermischen Randbedingungen ab. Ein Kernmaterial mit günstiger Gleichstromkennlinie führt deshalb nicht automatisch zu einer niedrigeren Betriebstemperatur.

Eine höhere Temperatur des Kernes führt oft zu geringeren Ummagnetisierungsverlusten. Von daher kann es sinnvoll sein, eine höhere Kerntemperatur zuzulassen, solange die Materialien das mitmachen. Und ja, bei erhöhter Temperatur steigen die Kupferverluste. Daher ist das ganze eben auch noch von anderen Auslegungsfaktoren abhängig, sollte aber bedacht werden, wenn es um größere Volumen und Leistungen geht. Das verhalten ist etwas kontraintuitiv. ;O) Ok, ist bei Buck Reglern nicht so entscheident, weil die ja einen relativ hohen Gleichstromanteil haben.

Mich würden eure Erfahrungen interessieren: Welche Kriterien sind bei euren Buck-Speicherdrosseln entscheidend – die Induktivität unter Gleichstrombelastung, die Kernverluste oder die Baugröße?

Das hängt an der konkreten Situation. Ein Buck Converter wird ja meistens so ausgelegt, dass er seine Ausgangsspannung bei gegebenen Eckwerten von Eingangsspannung und möglichem Strom gut halten kann. Das ist aber dann weiter stark streuend. Habe ich eine Situation, wo ich z.B. meistens mit einer sehr stabilen Versorgung rechnen kann, und darum meine Spannung immer in der Nähe der oberen Grenze liegt, oder habe ich z.B. eine leeerlaufende Batterie, wo ich auch lange in der Nähe der unteren Grenze bin? Was ist bei stark wechselnden Bedingungen, wenn mein Buck Regler auch noch eine MPP-Funktionalität haben soll?

Restwelligkeit im Bereich der Schaltfrequenz (und darunter) ist eine Nummer, Oberwellen davon sind eine Nummer. Auch nichtlineares Verhalten von Kernmaterial kann Oberwellen erzeugen.

Und ab welcher Schaltfrequenz habt ihr in der Praxis Vorteile oder Nachteile beim Wechsel zwischen Ferritkernen mit Luftspalt und Metallpulverkernen festgestellt?

Über meine Anwendungsfälle (nicht nur Buck Regler oder Schaltnetzteile) verteilt verwende ich "meistens" Metallpulver, wenn es linearer sein soll, und Ferrite, wenn es auf die Linearität nicht so ankommt. Aber: ich habe auch schon Kerne aus amorphem Eisenband verwendet, wo ausgenutzt wurde, dass eine Drossel ab einer bestimmten Stromstärke sehr abrupt in die Sättigung geht und sich so weitgehenst aus dem Strompfad eliminiert. Ist für Impulsformung manchmal eine Nummer.

Die Welt besteht eben nicht nur aus Buck Reglern.

Yong C. schrieb:

Ja, ich arbeite bei YUTE Magnetics. Wir beschäftigen uns mit magnetischen Kernmaterialien und Leistungsinduktivitäten.

Dann schreib doch mal eine umfassene Monographie über die Auslegung von Buck Reglern und veröffentliche sie unter einer Creative-Commons Lizenz. Wenn mehr Leute Buck Regler einsetzten, wird der Kuchen zum verteilen größer, und mit etwas Glück auch Euer Stück davon. ;O)

Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic

http://www.dl0dg.de

: Bearbeitet durch User
OP (Firma: YUTE Magnetic) #8105733
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Hallo Bernd,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort und die interessanten Praxisbeispiele!

Besonders den Zusammenhang zwischen Kerntemperatur, Ummagnetisierungsverlusten und Kupferverlusten finde ich spannend. Wie du schon sagst, hängt die optimale Auslegung stark vom konkreten Betriebsfall ab.

Auch dein Beispiel mit den amorphen Bandkernen zur Impulsformung ist interessant. Das zeigt gut, dass man die Eigenschaften eines Kernmaterials je nach Anwendung ganz unterschiedlich nutzen kann.

Die Idee mit einer frei zugänglichen technischen Dokumentation unter Creative Commons gefällt mir. Vielleicht wäre ein praxisorientierter Leitfaden zur Auswahl von Kernmaterialien und zur Auslegung von Leistungsinduktivitäten ein guter Anfang, bevor man sich an eine umfassende Monographie wagt.

Vielen Dank für die Anregung und den fachlichen Austausch!

Viele Grüße Yong

OP (Firma: YUTE Magnetic) #8106002
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Interessant, danke für die Rückmeldung aus der Praxis!

Gerade bei 100 kHz ist die Eigenerwärmung ein gutes Kriterium, weil dabei sowohl die Kernverluste als auch die Wicklungsverluste eine Rolle spielen.

Darf ich fragen, welche Drosseln bzw. Kernmaterialien du verglichen hast? Hatten sie ähnliche Induktivitätswerte und Abmessungen?

Mich würde auch interessieren, wie groß die Stromwelligkeit bei deinen Tests ungefähr war.

Persönliche Seite #8106050
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Hallo H. H. und Yong C.

H. H. schrieb:

Bernd W. schrieb:

"Carbonyl" bezieht sich auf den Herstellungsprozess. Tatsächlich ist es "Eisenpulver".

Mit dem Mond-Verfahren kann man auch Cobalt und Nickel reinigen und als feine Pulver herstellen.

Ich meine mich zu erinnern, auch mal was von Nickelpulverkernen gehört zu haben.

Yong C. schrieb:

Gerade bei 100 kHz ist die Eigenerwärmung ein gutes Kriterium, weil dabei sowohl die Kernverluste als auch die Wicklungsverluste eine Rolle spielen. Darf ich fragen, welche Drosseln bzw. Kernmaterialien du verglichen hast? Hatten sie ähnliche Induktivitätswerte und Abmessungen? Mich würde auch interessieren, wie groß die Stromwelligkeit bei deinen Tests ungefähr war.

Das waren Vorwärtswandler. Frequenz 150kHz und das Material war "N62". Das ist aber alles fast 20 Jahre her, da fängt auch die Erinnerung an zu lücken.

Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic

http://www.dl0dg.de

#8106080
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Moin,

ich würde noch ganz schnöde Argumente einwerfen:

Für Entwicklung braucht man kleinste Stückzahlen, und auch bei Serienprodukten kann es vorkommen, das die Serie klein ist. Problem: Verfügbarkeit.

Was habe ich davon, wen mich der Hersteller bei der Bestellung fragt, ob ich ein oder zwei Europaletten haben will :-) .

Eisenpulver habe ich bisher nur als Ringkern bei Reichelt gefunden. Eisenblech gar nicht. Ringkerne sind blöd zu wickeln, vor allem wenn man wegen hoher Spannung gute Isolation im Trafo oder der Wicklung braucht.

Ferrite bringe da einfach eine viel bessere Verfügbarkeit mit viel mehr Varianten in Form und Größe mit sich.

Gruß, Roland

#8106198
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Moin,

H. H. schrieb:

Roland D. schrieb:

Ferrite bringe da einfach eine viel bessere Verfügbarkeit mit viel mehr Varianten in Form und Größe mit sich.

https://micrometals.com/products/product-finder/ Runter scrollen! Alles Metallpulver!

Stimmt. Aber wie kann man die kaufen, ohne sich vorher ein einstündiges Beratungsgespräch mit dem Vertreter antun zu müssen? Welche Preise? Welche Mindestabnahmemengen?

Ich meine ja nicht, dass es sowas nicht gibt. Nur eben nicht bei Mouser, DigiKey, ...

Kennt jemand den Grund?

Gruß, Roland

#8106207
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Roland D. schrieb:

Ich meine ja nicht, dass es sowas nicht gibt. Nur eben nicht bei Mouser, DigiKey, ... Kennt jemand den Grund?

Magnetzeugs ist dem gemeinen Elektroniker suspekt, der kauft fertige Wickelgüter...

Als Profi bekommt man problemlos Muster, als Bastler eher nicht. Das hat ja vor Jahren zur Gründung von Amidon geführt, so hatten wenigstens die Hobbyfunker einen Händler.

OP (Firma: YUTE Magnetic) #8106474
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Moin Roland,

guter Punkt! Gerade bei Prototypen und Kleinserien wird die Verfügbarkeit oft genauso wichtig wie die magnetischen Eigenschaften.

Bei höheren Isolationsanforderungen kann ich deinen Einwand gegen Ringkerne gut nachvollziehen. Geteilte Ferritkerne mit passenden Spulenkörpern sind da häufig praktischer.

Mich würde interessieren: Welche Kernformen fehlen dir bei kleinen Stückzahlen am häufigsten? E-, ETD-, PQ- oder RM-Kerne, oder eher spezielle Geometrien?

Viele Grüße Yong

OP (Firma: YUTE Magnetic) #8106476
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Ja, gerade Funkamateure und Hobbyelektroniker kennen dieses Problem wahrscheinlich ziemlich gut.

Für kleine Stückzahlen würde ich zunächst bei DigiKey oder Mouser nach gängigen Standardkernen suchen.

Sonderanfertigungen in sehr kleinen Mengen sind für Hersteller oft wirtschaftlich schwierig. Je nach Geometrie kommen Werkzeugbau, Bemusterung, Prüfungen und Fertigung hinzu. Das kostet Zeit, und der Aufwand lässt sich bei wenigen Stück kaum sinnvoll verteilen.

Technisch ist vieles machbar, wirtschaftlich sieht es bei Kleinstmengen aber oft anders aus.

#8106526
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Moin,

Yong C. schrieb:

Mich würde interessieren: Welche Kernformen fehlen dir bei kleinen Stückzahlen am häufigsten? E-, ETD-, PQ- oder RM-Kerne, oder eher spezielle Geometrien?

Ich kann nur von mir reden, ich bin im Bereich Hochspannung unterwegs. Da brauchte es Kerne mit großem Wickelfenster. Z.B. UR-Kerne oder sogar einfach nur Stabkerne. Also tatsächlich eine eher exotische Anwendung.

Ich hatte mich mit dem Thema Eisenpulver mal befasst und stellte fest, die die Berechnung von Verlustleistung da zwar geht, aber irgendwie ziemlich anders als bei Ferriten ist.

Ich bin mal in die Falle getappt, Verluste von MgZn-Ferriten mit solchen von NiZn zu vergleichen. Aufgund anderer Angaben erschienen die NiZn-Ferrite erheblich verlustärmer. War aber Blödsinn.

Die Lehre daraus: schwierig, verschiedene Materialien zu vergleichen, wenn die Angaben im Datenblatt generell ganz andere sind. Findet man aber öfters. Im Datenblatt finden sich keine Angaben die man bräuchte um zu sehen, ob man dieses Teil auch für einen anderen Zweck verwenden kann, als üblich.

Gruß, Roland

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