Hallo,
ich such schon länger nach einer Formel, mit der ich die Induktivität
von Mikrostreifen auf einer Platine berechnen kann.
Gefunden habe ich zwar schon eine :
https://www.allaboutcircuits.com/tools/microstrip-inductance-calculator/
, jedoch brauche ich eine anständige Quelle. Habe Bücher und das
Internet durchforstet, jedoch nichts gefunden.
Hat jemand zufällig eine Quelle parat :)?
Eigentlich sollte eine Microstrip wie ein Koaxkabel einen konstanten
Wellenwiderstand haben, also ein konstantes Verhältnis von
Längsinduktivität zu Querkapazität. Wer nur die Längsinduktivität
betrachtet vernachlässigt die Kapazität. Das kann man bei schmalen
Microstrip, also großem Wellenwiderstand anscheinend machen. Aber weit
über 100 Ohm kommt man mechanisch nicht.
AppCad kann das und noch vieles mehr und ist für "Umme" Das Prog ist von
Agilent und recht umfangreich. Es gibt auch Online Rechner für
Mikrostrip-Berechnungen.
Nein, die Selbstinduktivitaet kann man so nicht herleiten. Das Problem
ist die Singularitaet bei Radius = Null. Die ueblichen Tools wie Appcad
sind Fits zu Resultaten
Ein "uralter" Artikel aus den UKW-Berichten fällt mir naoch ein, Walter
Schumacher hat Mitte der Siebziger aus den Formeln für Microstrips eine
vereinfachte Berechnung für die Verwendung als Induktivität hergeleitet.
Ich finde leider nirgends mehr ein Inhaltsverzeichnis, fällt das jetzt
auch unter Datenschutz?
Ein Programm zum Berechnen wäre noch Coil32.
Dann gibts den hier
http://stanford.edu/~boyd//papers/pdf/inductance_expressions.pdf
Ansonsten ist es auch immer eine gute Idee, das gewünschte beim IEEE
Explorer einzugeben.
Ah ja, dann gibt es noch:
Inder Bahl, Lumped Elements for RF and Microwave Circuits
Artech House
ISBN 1-58053-309-4
(ein ganzes Buch nur über solche Themen!)
sowie
J.S. Hong, M.J. Lancaster
Wiley
ISBN 0-471-38877-7
musst halt statt eines PDFs ein Buch lesen ;-)
Er sucht eine Formelherleitung, kein Programm.
Ich habe den Text gefunden: UKW-Berichte 2/1971 S.91-100, Konrad Hupfer
DJ1EE, Streifenleitungen im VHF- und UHF-Gebiet. Konrad war Entwickler
bei Rohde & Schwarz, seine Veröffentlichungen drehen sich meistens um
Transistor-Sendeeendstufen.
"Man wählt für den Aufbau von Induktivitäten in Streifenleitungen
zweckmäßigerweise einen Wellenwiderstand von etwa 120 Ohm. Der Wert von
C wird dadurch vernachlässigbar klein..."
Für entsprechende Kondensatoren schlägt er etwa 10 Ohm Wellenwiderstand
vor.
In den folgenden Heften 4/71 und 1/72 standen noch die von mir oben
genannten Artikel von Walter Schumacher DJ9XL "Dimensionierung von
Streifenleitungen in "Microstrip"-Technik".
Christoph db1uq K. schrieb:> Er sucht eine Formelherleitung, kein Programm
War schon klar. Wieso gleich so pampig? wenn man nach Coil32 gurgelt,
findet man recht schnell die Website zu dem Programm - wo unter 'Help'
irgendwo eine Literaturliste ist, der die Formeln und deren Herleitung
zu entnehmen ist.
Es sollte nicht pampig klingen. Oben wurde schon HP-Appcad erwähnt, das
hätte ich auch als erstes genannt, wenn es um eine Berechnung ginge.
Das Problem ist vermutlich, dass eine anständige HF-Leitung einen
reellen Wellenwiderstand hat, eine echte Induktivität dagegen einen
reinen Blindwiderstand, und das möglichst über einen großen
Frequenzbereich. Schmalbandig geht eher was. Es kann immer nur eine
Näherung sein, deshalb tut man sich mit Formeln schwer. Solche
Näherungen musste man zur Zeit der Rechenschieber nehmen, heute hätte
man gern exakte Software, die schon das richtige Ergebnis ausspuckt,
dass man sofort eine Platine herstellen kann.
Ja, das AppCAD ist ziemlich cool.
Txline von AWR ist auch brauchbar, ist sogar kostenlos und man muss es
nicht mal installieren.
Der Nachteil von beiden ist, dass, soweit ich mich erinnere, nicht
offengelegt ist, wie die Berechnung funktioniert, was ja aber der TO
will.
Christoph db1uq K. schrieb:> die schon das richtige Ergebnis ausspuckt, dass man sofort eine Platine> herstellen kann.
Naja ich finde, solche Berechnungsformeln haben immer noch ihre
Daseinsberechtigung. Man kann mit wenig Aufwand sofort einen Startwert
finden, der zumindest von der Hausnummer her in der Nähe liegt. Von dort
aus kann man dann immer noch weiter optimieren. Ich würde niemals einer
solchen Berechnungssoftware so sehr vertrauen, dass ich da ohne
vorherige Simulation sofort Platinen machen würde - selbst AppCad hat ja
nur diese Näherungsformeln drin, die zwar sehr gut sein mögen, aber
besser ist, man prüft nach, ob es im konkreten Fall auch noch
funktioniert.
Jakob schrieb:> Ich such schon länger nach einer Formel, mit der ich die Induktivität> von Mikrostreifen auf einer Platine berechnen kann.> Gefunden habe ich zwar schon eine :> https://www.allaboutcircuits.com/tools/microstrip-inductance-calculator/> jedoch brauche ich eine anständige Quelle.
Quellen:
1. Gupta/Garg/Bahl/Bhartia (1996): Microstrip Lines and Slotlines (2nd
Ed.), ARTECH, S.127ff
2. Bahl/Bhartia (2003): Microwave Solid State Circuit Design (2nd Ed.),
WiLEY, S.57ff
Jakob schrieb:> , jedoch brauche ich eine anständige Quelle. Habe Bücher und das> Internet durchforstet,
Die "Verdächtigen" Bücher hierzu wären:
-- Pozar Microwave Engineering
-- Meinke Gundlach Taschenbuch der Hochfrequnztechnik
-- Zinke Brunswig Lehrbuch der Hochfrequenztechnik
Die Ableitungen sind alle schrecklich kompliziert, in letzterer Quelle
fand ich den Hinweis warum kompliziert und wie man sich einer Lösung für
Z nähert , ein paar Seiten vorher steht dann noch wie man C' errechnet
und daraus kann man dann L' einer Microstripline errechnen.
Ob es weiterhilft ??
EMU
Bernd B. schrieb:> welches Buch hast Du hier gezeigt?EMU schrieb:> -- Zinke Brunswig Lehrbuch der Hochfrequenztechnik, S.153
so, wie ich es oben schon schrieb
EMU
Jakob schrieb:> Ich habe mich falsch ausgedrückt, ich suche eine Formel die der hier> gleicht:
hast Du die Textbook empfehlungen durchgelesen?, von dort kommen die
Formeln wahrscheinlich her, ansonsten wird das finden von exakt
derselben Näherungsformel echt schwer
Wie schon oben im Brunswick geschrieben lehnen sich viel Näherungen an
den Wheeler an und vielleicht wenn Du echt zitierfähig sein musst dann
musst Du ggf. mit einer anderen Näherung und den nötigen Nebenrechnungen
leben die Du nachvollziehen kannst (die Wheeler papaer müsste man finden
können)
EMU
Jakob schrieb:> Ich brauche jedoch die Formel mit einer Quelle für meine Seminararbeit.
Hallo Jakob, Dein Betreuer hilft Dir nicht auf die Sprünge? Folgender
Vorschlag: spaziere einmal durch Euer Labor zu den
Simulationsarbeitsplätzen. Suche die Doku zur Analyse von Schaltungen
mithilfe von Software. Da gibt es einige und bei Euch wird sicher auch
etwas stehen. Dann schlag nach im Elementekatalog unter Microstrip
Inductivity. Hier sollten die Literaturstellen abgedruckt sein, nach
denen das Modell in der Simulations-Software verwendet wird. Findest Du
keine Literatur/keinen Verweis, dann sende eine e-mail an die
Softwarefirma, von denen die Simulationssoftware stammt.
1. Du zeigst, dass Du Dich mit de Sache auseinander gesetzt hast.
2. Du kennst dann auch Software zur Simulation.
3. Du verwendest ein Modell und Referenzen, die Dein Betreuer kennt oder
kennen sollte.
4. By the way, Du öffnest Dir einen Kanal zu einem potentiellen späteren
Arbeitgeber (psst!)
Viel Erfolg!
Bernd
Roland0815 schrieb:> Selbst herleiten von Formeln ist wohl im heutigen Bildungsweg nicht mehr> vorgesehen?
Das sind eh alles so Ingenieursformeln. Physikalisch machen die idR
überhaupt keinen Sinn, und herleiten kann man die sicherlich auch nicht.
Sie haben in der praktischen Anwendung ihre unbestreitbare Berechtigung,
aber im wissenschaftlichen Kontext ist das alles ziemlich fraglich.
EMU schrieb:> Wie schon oben im Brunswick geschrieben lehnen sich viel Näherungen an> den Wheeler an
Ich nehme an, du beziehst dich auf folgende Veröffentlichung von Harold
A. Wheeler: Transmission-line properties of a strip on a dielectric
sheet on a plane; MTT 25, Nr. 8 p. 631-647, Aug. 1977.
In dieser wie auch in vielen anderen Veröffentlichungen, die Ende der
1970er Jahre erschienen sind, geht es hauptsächlich um
Funktionalapproximationen des Wellenwiderstands und der effektiven
Permittivität von Mikrostreifenleitungen an numerische Ergebnisse. Für
den Entwurf von MSL Strukturen sind doch vor allem diese beiden
Parameter interessant. Wer eine MSL als Induktivität oder Kapazität
einsetzen wollte, berechnete sich daraus den Induktivitäts - oder
Kapazitätsbelag und konnte sofort die Länge des benötigten
Leitungsstücks dimmensionieren. So steht es auch in dem Skript, das mir
Konrad Hupfer gegeben hat, als ich bei ihm 1985 Werkstudent sein durfte.
Die gesuchte Induktivitätsformel ist m. E. eine Näherung an eine
Näherung, weshalb ihre Ergebnisse bestenfalls als grobe Schätzung
einzustufen sind. Ich würde so etwas nicht verwenden, auch wenn ein
online tool dazu verführt.
Sven B. schrieb:> Das sind eh alles so Ingenieursformeln.
Warum so despektierlich? Ich hab in den letzten 35 Jahren noch nienamd
getroffen, der eine MSL analytisch berechnen konnte.
Gruß, Isar
Isar58 schrieb:> Die gesuchte Induktivitätsformel ist m. E. eine Näherung an eine> Näherung, weshalb ihre Ergebnisse bestenfalls als grobe Schätzung> einzustufen sind. Ich würde so etwas nicht verwenden,
Was würdest Du denn verwenden ?
Mir wäre nach den Angaben im Brunswick nichts anderes bekannt ?
Und wie Du schon schreibst der eine MSL analytisch berechnen konnte.
--> also was tun?
EMU
Isar58 schrieb:> Sven B. schrieb:>> Das sind eh alles so Ingenieursformeln.>> Warum so despektierlich? Ich hab in den letzten 35 Jahren noch nienamd> getroffen, der eine MSL analytisch berechnen konnte.
Ist ja ok, spricht ja nichts dagegen. Nur, dann für eine
wissenschaftliche Arbeit detailliert dem Ursprung nachzujagen (worum es
ja in diesem Thread geht) passt irgendwie nicht.
> Was würdest Du denn verwenden ?
Man könnte zum Beispiel einen EM-Feldsimulator wie Sonnet nehmen, was da
herauskommt, ist sehr wahrscheinlich näher an der Realität.
Hallo
Die hier gehen den zumgekehrten weg, und wollen über die
Leitungseigenschaften das Platinenmaterial beurteilen.
"PLANAR TRANSMISSION LINE METHOD FOR CHAR-
ACTERIZATION OF PRINTED CIRCUIT BOARD DI-
ELECTRICS"
Manchmal kann es sinnvoll sein, etwas von hinten zu betrachten.
Vieleicht hilft es Dir ja weiter:
https://pdfs.semanticscholar.org/f1d2/298d3eecec78e708d7accbdebc902831e1cb.pdf
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.dl0dg.de
Sven B. schrieb:> Man könnte zum Beispiel einen EM-Feldsimulator wie Sonnet nehmen, was da> herauskommt, ist sehr wahrscheinlich näher an der Realität.
... na ja, mit so einem Feldsimulator kommt man auch schnell an die
Grenzen. Man sehe sich einmal an, ob der Simulator die kleinen dünnen
Leitbahnen (Metallisierungen) gemessen an den Substratdicken, den
Geometrien der Leiterplatte, des evtl. vorhandenen Gehäuses noch so
richtig genau durchsimuliert.
Dann doch lieber per Iteration zur Mikrostreifenleitung... und den
Formeln von Wheeler, Hammerstad und Jensen.
Könnte es auch sein, dass die eigentliche Aufgabenstellung des TO noch
nicht richtig ausformuliert wurde? Es wäre nett, wenn er sich noch
einmal melden würde.
Gruß
Bernd
EMU schrieb:> Mir wäre nach den Angaben im Brunswick nichts anderes bekannt ?
Das ist ja völlig in Ordnung. Ich würde auf jeden Fall den Weg über den
Wellenwiderstand gehen, unabhängig davon ob dieser mit den Formeln von
Wheeler, Hammerstad und Jensen oder Bahl und Bhartia oder... berechnet
wird. Das ist mit Sicherheit viel genauer als eine Schätzformel, deren
Herleitung niemand kennt. Wenn es sehr genau sein soll, was aber nur an
einem konkreten Beispiel festgemacht werden kann, würde ich einen EM
-Solver verwenden. Die Auswahl an geeigneten Programmen ist ja
heutzutage groß, da bleiben keine Wünsche offen. Die Vollversion von NIs
AWR konnte man sich als Student für ein halbes Jahr freischalten lassen.
Ich weiß nicht, ob das aktuell noch so ist. Programme wie Sonnet, die
auf der Method of Moments basieren sind z. B. sehr gut für spiralförmige
Induktivitäten also Strukturen aus schmalen MSL geeignet. Hier teile ich
nicht die Bedenken von Bernd B., weil die Algorithmen speziell für diese
Dinge optimiert wurden.
Gruß, Isar
Bernd B. schrieb:> Sven B. schrieb:>> Man könnte zum Beispiel einen EM-Feldsimulator wie Sonnet nehmen, was da>> herauskommt, ist sehr wahrscheinlich näher an der Realität.>> ... na ja, mit so einem Feldsimulator kommt man auch schnell an die> Grenzen. Man sehe sich einmal an, ob der Simulator die kleinen dünnen> Leitbahnen (Metallisierungen) gemessen an den Substratdicken, den> Geometrien der Leiterplatte, des evtl. vorhandenen Gehäuses noch so> richtig genau durchsimuliert.
Ja, sehe man sich das mal an. In meiner Erfahrung macht er das sehr gut.
Hast du andere Erfahrungen?
Ein Tool wie Sonnet ist doch explizit für Elektronik-Anwendungen mit
kleinen dünnen Leiterbahnen und dicken Substraten entworfen. Das kommt
damit schon klar.
Hallo Foristen,
dann nur zu und einmal gut durchsimulieren. Ich arbeite gerne mit meinen
Formeln und in der Regel ohne Optimierer.
Happy simulating!
Bernd
Ich hoffe, das "Zitat" nimmt den UKW-Berichten nicht die Butter vom
Brot, nehmt es als Reklame. Ich habe sie seit den Siebzigern abonniert.
Es geht ja um wissenschaftliche Zwecke.
Am Ende sind auch ein paar sehr alte Literaturangaben, der
Meinke-Gundlach und Matthaei/Young/Jones wurden noch nicht genannt.
Kann ein EM-Simulator auch eine geschlossenen Formel ausgeben? Dass das
wesentlich näher an der Physik ist als eine gefittete Kurve aus
irgendwelchen praktischen Messungen ist klar, aber so eine Formel sucht
er ja.
Jakob schrieb:> Vielen Dank für eure Antworten, ich habe mir alle Quellen durchgesehen.
sicher?
in dem von mir verlinkten Paper steht, wie sie die Herleitung gemacht
haben. Ebenso sind die Formeln so wie deren Ursprung in den beiden
Büchern auffindbar - und die Bücher hat eure Bibliothek sicher. Notfalls
findet man das ein oder andere PDF bei der Suchmaschine des geringsten
Misstrauens (oder so...).