Hallo,
ich möchte eigentlich nur die Spannung über einen Widerstand (< 100 Ohm)
messen -- als indirekte Strommessung in einer Thomson-Brücke. Da ich
aber kein Elektroniker bin und bisher nur Digitalelektronik angefasst
habe, stehe ich bei dieser augenscheinlich trivialen Fragestellung total
auf dem Schlauch, denn:
Wenn ich den AD-Wandler eines Mikrocontrollers benutze, dann
referenziert der doch auf Ground. Da aber "links und rechts" vom zu
vermessenden Widerstand kein Ground-Potential liegt (so glaube ich),
frage ich mich ernsthaft, wie ich mit einem Pin die Spannung messen
soll? Wie stellt man das normalerweise an?
Oder/und könnt Ihr mir gute externe 12-16Bit-Chips empfehlen, die
entweder Spannung (gegen Nicht-Ground) oder Strom messen können oder
läuft das eh immer auf AD-Wandler hinaus?
Grüße und Danke
Peder
Peder schrieb:>> Wenn ich den AD-Wandler eines Mikrocontrollers benutze, dann> referenziert der doch auf Ground. Da aber "links und rechts" vom zu> vermessenden Widerstand kein Ground-Potential liegt (so glaube ich),> frage ich mich ernsthaft, wie ich mit einem Pin die Spannung messen> soll? Wie stellt man das normalerweise an?
Es gibt ADC mit differentiellen Eingängen. Da wird die Spannung zwischen
diesen Eingängen gemessen. Nicht gegen Ground. Sogar kleine ATTiny haben
solche diff. ADC Eingänge. Damit kann man den Abfall über dem Shunt
messen und den Strom bestimmen. Sogar mit eingebautem Gain.
Geht aber auch so. Du misst einfach die Spannung VOR dem Widerstand (im
Bezug auf Ground), und die Spannung NACH dem Widerstand ebenso mit Bezug
auf Ground und subtrahierst beide Werte.
> Oder/und könnt Ihr mir gute externe 12-16Bit-Chips empfehlen, die> entweder Spannung (gegen Nicht-Ground) oder Strom messen können oder> läuft das eh immer auf AD-Wandler hinaus?
Dafür kann man sog. "Shunt Monitore" verwenden. Die messen den
Spannungsabfall über dem Shunt und bereiten ihn auf. Ich nehme gerne die
INA219 und INA226. Sind mit digitalem Interface (I2C).
Cyblord ---- schrieb:> Geht aber auch so. Du misst einfach die Spannung VOR dem Widerstand (im> Bezug auf Ground), und die Spannung NACH dem Widerstand ebenso mit Bezug> auf Ground und subtrahierst beide Werte.
Theoretisch schon. Ist aber nicht besser als
"Schiff mit Käpt'n wiegen und Schiff ohne Käpt'n wiegen. Wie schwer ist
der Käpt'n?"
Man verschenkt dabei irgendwie Auflösung... ;)
mse2 schrieb:> Cyblord ---- schrieb:>> Geht aber auch so. Du misst einfach die Spannung VOR dem Widerstand (im>> Bezug auf Ground), und die Spannung NACH dem Widerstand ebenso mit Bezug>> auf Ground und subtrahierst beide Werte.> Theoretisch schon. Ist aber nicht besser als> "Schiff mit Käpt'n wiegen und Schiff ohne Käpt'n wiegen. Wie schwer ist> der Käpt'n?"> Man verschenkt dabei irgendwie Auflösung... ;)
Ja, die Methode ist nicht empfohlen. Aber der Vollständigkeit halber
sollte man erwähnen dass es eben auch ohne spezielle diff. ADC geht.
mse2 schrieb:> Man verschenkt dabei irgendwie Auflösung... ;)
...und Genauigkeit. Und die ist in den µCs sowieso nicht berühmt.
"Thomson-Brücke" hört sich für mich eher nach hoher erwarteter
Genauigkeit an. Da würde ich lieber mit Instrumentenverstärkern
und hochauflösenden DACs arbeiten.
Gruss
Harald
Diese Shunt-Monitore klingen nach dem, was ich suche. Genauigkeit ist
mir in der Tat wichtig. So wichtig, dass der 12-Bit-ADC "meines" XMEGAs
eh nicht ausreichen dürfte.
Danke
Peder schrieb:> Diese Shunt-Monitore klingen nach dem, was ich suche. Genauigkeit ist> mir in der Tat wichtig.
Gerade der 226 ist schon ziemlich gut. Schau mal auf die Werte. Wird ja
auch mit "Ultra-High Accuracy" beworben ;-)
Aber auch die hohe Spannungsfestigkeit, integr. Spannungsmessung und die
Fähigkeit sowohl High-Side als auch Low-Side zu messen, machen den
INA226 wirklich praktisch.
Peder schrieb:> Da ich> aber kein Elektroniker bin und bisher nur Digitalelektronik angefasst> habe, stehe ich bei dieser augenscheinlich trivialen Fragestellung total> auf dem Schlauch, denn:
Wie kommst Du dann auf Deine Forderung 12 - 16 Bits?
Die ist ja nun sehr weit gefaßt.
m.n. schrieb:> Wie kommst Du dann auf Deine Forderung 12 - 16 Bits?
Die war noch nicht fertig durchgeplant. Und es vergrößert unter
Umständen das Antwortspektrum. ;)
Wenn du ohne zusätzliche externe Beschaltung auskommen willst gäbe es
eventuell noch die Möglichkeit den Eingang für die Analoge
Referenzspannung zu missbrauchen und diesen auf die High-Side des
Widerstandes zu legen.
Peder schrieb:> Die war noch nicht fertig durchgeplant. Und es vergrößert unter> Umständen das Antwortspektrum. ;)
Sicherlich!
Wie schnell soll denn gemessen werden? Vielleicht verrätst Du uns auch
die Anwendung?
Peder schrieb:> oder läuft das eh immer auf AD-Wandler hinaus?
Davon geht hier stillschweigend jeder aus, es sei denn, Du schaltest
einen Spannung-Frequenzwandler dazwischen und wertest die Frequenz aus.
Das geht auch ganz gut und läßt sich gut galvanisch trennen.
Peder schrieb:> ich möchte eigentlich nur die Spannung über einen Widerstand (< 100 Ohm)> messen -- als indirekte Strommessung in einer Thomson-Brücke.
Kannst du das mal näher ausführen?
Mit der Thomson-Brücke misst man eigentlich einen Widerstand.
Was für eine Spannung ist das, wo kommt sie her, wie belastbar ist sie,
wie hoch ist sie maximal?
Alexander Schmidt schrieb:> Mit der Thomson-Brücke misst man eigentlich einen Widerstand.
Zur Auswertung muss man auch eine Spannung messen. Aber nur, ob sie
gleich oder ungleich Null ist. :-)
Alexander Schmidt schrieb:> Kannst du das mal näher ausführen?> Mit der Thomson-Brücke misst man eigentlich einen Widerstand.>> Was für eine Spannung ist das, wo kommt sie her, wie belastbar ist sie,> wie hoch ist sie maximal?
Ich habe eine Reihe von Widerständen, die ich qualifizieren möchte. Wenn
die Widerstandswerte genau dem entsprächen, nach welchem die Brücke
abgeglichen wurde, sollte die Spannung zwischen R3/R4 und R5/R6 null
sein bzw. es sollte dort kein Strom fließen. Da ich aber weiß, dass
meine zu qualifizierenden Widerstände nicht dem geforderten Wert
entsprechen, sollte theoretisch ein messbarer Strom fließen, den ich
messen möchte. Über diesen Strom ziehe ich dann mit Hilfe einer
Kalibrierkurve Rückschlüsse auf den Widerstand.
So weit zumindest die Theorie. Die Brücke selbst funktioniert auf dem
Steckbrett. Die Stromquelle (LM217) hingegen, die die Brücke speisen
soll, bricht "irgendwie" zusammen. Ohne die Brücke liefert sie 100mA,
mit der Brücke nur noch 30..40mA. Angeblich kann der LM217 deutlich
mehr. Hat jemand Erfahrung mit diesem Chip oder ist das hier schon der
falsche Thread dafür? Die Brücke funktioniert zwar trotzdem, aber das
finde ich nicht normal...
Peder schrieb:> Die Stromquelle (LM217) hingegen, die die Brücke speisen> soll, bricht "irgendwie" zusammen. Ohne die Brücke liefert sie 100mA,> mit der Brücke nur noch 30..40mA.
Wie gross ist denn Vcc? Wenn Du die Brücke wie gezeichnet anschliesst,
liegt an der Brücke bei 100mA 35 Volt an. Wenn Deine Vcc kleiner ist,
kann eben auch nur noch ein kleinerer Strom fliessen.
Ein Kühlblech hab ich nicht benutzt, weil bisher auch noch nichts warm
geworden ist.
Ich habe gerade mal das Netzteil hochgedreht, bei 16V sieht es wieder
normal aus. So weit bin ich vorher nicht gegangen und so weit habe ich
auch nicht gedacht. Das gefällt mir natürlich nicht so gut. Was wäre
denn dann hier die bessere Wahl: Kleinere Widerstände wählen oder einen
kleinen Strom? Da die Spannung über der Brücke ja ohnehin aus der
Gleichung fällt, sollte es doch eigentlich egal sein, oder?
Peder schrieb:> Ich habe gerade mal das Netzteil hochgedreht, bei 16V sieht es wieder> normal aus.
Dann können aber keine 100mA fliessen, die Deine Stromquelle angeblich
liefern soll.
Nicht, dass ich das verstehen würde, aber sobald am Adjust-Pin ein
10µF-Kondensator zu Ground geschaltet wird (wie im Datenblatt
empfohlen), gehen die 100mA auch schon bei 8..10V.
Bei 16V wurde es tatsächlich verdammt heiß. Der Kondensator hat ziemlich
viel davon gemerkt und liegt jetzt nur noch bei 8µF, aber es
funktioniert immer noch und es gibt nirgendwo einen Kurzschluss, der den
Stromfluss erklären könnte. Zumindest erkenne ich keinen.
Auch die Referenzspannung, die beim LM217 zwischen Adjust und Output
liegen soll, stimmt. Also: Keine Ahnung, aber glücklich. Ich werde
trotzdem wohl noch die Widerstände der Brücke soweit reduzieren, dass
die Last für den LM217 nicht zu hoch wird. Danke noch mal an alle.
Grüße
Peder
Peder schrieb:> aber es> funktioniert immer noch und es gibt nirgendwo einen Kurzschluss, der den> Stromfluss erklären könnte.
Der Regler hat warscheinlich angefangen zu schwingen, und das hat auch
den Kondensator im Schnellverfahren altern lassen.
Am Eingang des Reglers muss auch ein Kondensator hin.
Peder schrieb:> gehen die 100mA auch schon bei 8..10V.
Und das ist nach dem Ohmschen Gesetz einfach unmöglich. Wenn Deine
Brücke so aufgebaut ist wie gezeichnet, dann hat sie einen
Gesamtwiderstand von ca. 351Ohm. Mal 100mA ergibt das eine Spannung von
35.1V, die an der Brücke liegen müssten.
Wenn Du den Kurzschluss über R5-R6 entfernst, beträgt der Widerstand
sogar ca. 650Ohm und es müssten bei 100mA sogar 65V an Deiner Brücke
anliegen.
Also irgendwas ist hier faul. Wahrscheinlich stimmt die Zeichnung hinten
und vorne nicht und Du erzählst hier Blödsinn.
Brücke schrieb:> Also irgendwas ist hier faul. Wahrscheinlich stimmt die Zeichnung hinten> und vorne nicht und Du erzählst hier Blödsinn.
Schade. Bisher war es so schön friedlich hier.
Mein Labornetzteil und ein zwischengeschaltetes Multimeter zeigen mir
als vom Netzteil abgehenden Gesamtstrom etwa 100mA an. Am Ausgang des
LM217 liegen auch keine 35V an. Dass es das bei 10V Eingangsspannung
auch nicht tun sollte, ist mir klar. Ich habe nur keinen weiteren
Gedanken mehr daran verschwendet. Der gemessene Gesamtwiderstand der
Brücke stimmt mit ~355Ohm auch. Also ist die zumindest richtig
aufgebaut.
Sehr wahrscheinlich beträgt der Strom nach dem Ausgangspin keine 100mA
mehr. Es würde sich also lohnen, das zu messen und den Fehler entweder
in der Interpretation der 100mA oder im LM217 bzw. dessen Verschaltung
zu suchen.
So könnte man zum Beispiel vorgehen und eben das auch als Empfehlung
mitgeben. Das hinterlässt einen viel angenehmeren Eindruck und wäre eher
ein Zeichen von Größe als das:
Brücke schrieb:> Wahrscheinlich stimmt die Zeichnung hinten> und vorne nicht und Du erzählst hier Blödsinn.
Nun, so wie es aussieht, liegt es tatsächlich in irgendeiner Weise am
LM217, da dessen Ausgangsstrom nur 20mA und die Ausgangsspannung etwa 7V
betragen.
Der restliche Strom fließt anscheinend hinter dem Adjust-Kondensator zu
Ground ab. Für mich heißt das, dass ich wohl a) den Strom reduzieren
werde, b) die Brücke umdesignen werde und c) dem Regler nach der
Empfehlung von Joe bzw. dem Datenblatt noch weitere Kondensatoren
spendieren werde.
Was das ursprüngliche Problem mit der differentiellen Spannungsmessung
betrifft, warte ich erstmal ab, bis der INA226 da ist und ich ihn testen
kann.
Grüße
Peder schrieb:> Was das ursprüngliche Problem mit der differentiellen Spannungsmessung> betrifft, warte ich erstmal ab, bis der INA226 da ist und ich ihn testen> kann.
Irgendwie verstehe ich nichts mehr.
Wozu eine Strommessung, wenn letzlich eine Spannungsmessung reicht?
Es soll auf 12-16 Bit genau(?) gemessen werden, und jetzt wird ein
INA226 favorisiert, bei dem ein erster Blick ins Datenblatt "0,1% Gain
Error (Max)" erahnen läßt, daß die vorherige Anforderung mit großer
Sicherheit nicht erfüllt werden kann.
Auch ein LM217 als Stromquelle erscheint mir sehr ungeeignet.
m.n. schrieb:> Auch ein LM217 als Stromquelle erscheint mir sehr ungeeignet.
Für Ströme über ca. 20mA sind solche ICs schon geeignet. Sie haben
natürlich eine Drop-Spannung von ca. 4V. Wenn man per Shunt aber
100mA einstellt und es kommen nur 30mA raus, stimmt irgendetwas
am Aufbau nicht. Irgendwelche Präzisionsmessungen sind so natürlich
völlig unmöglich.
Harald Wilhelms schrieb:> Irgendwelche Präzisionsmessungen sind so natürlich> völlig unmöglich.
Na ja, in hiesiger Schaltung arbeitet der LM eher als 'simple switcher',
der nach Expertenmeinung "Kondensatoren im Schnellverfahren altern"
läßt.
Was es nicht Alles gibt? ;-)
Eventuell ist der Elko verpolt. Das würde einen großen Strom durch den
Elko erklären und auch sein frühes ableben.
Du könntest auch mal ein (scharfes) Foto vom Aufbau machen.
hmmm, auf den Umstand, dass R5/R6 kurzgeschlossen sind ist der TO noch
immer nicht eingegangen. Wofür soll das gut sein? Anpassung des
"Quellwiderstandes" ?-) ?
und auch bei Bausteinen mit diff-Eingang gilt: Datenblatt lesen und max.
Spannung an Eingängen gegü. Vcc und gnd beachten!
G. H. schrieb:> hmmm, auf den Umstand, dass R5/R6 kurzgeschlossen sind ist der TO noch> immer nicht eingegangen. Wofür soll das gut sein?
Die Brücke hat eigentlich auch noch einen Widerstand mehr: R7 ist ein
Widerstand mit 0,2 Ohm, an dem der INA226 hängen wird. Nach der Lektüre
des Datenblattes bin ich zuversichtlich, dass der INA226 genau das ist,
was ich gesucht habe mit einer (theoretischen) Auflösung von 2,5µV.
War es das, worauf du hinaus wolltest, oder fehlt da noch was? Mein
fliegender Aufbau funktioniert mit Multimetermessung ganz gut und die
Schaltung selbst habe ich als Thomson-Brücke von der Uni Kaiserslautern
und Wiki.
Alexander Schmidt schrieb:> Du könntest auch mal ein (scharfes) Foto vom Aufbau machen.
Ein Foto möchte ich niemandem antun - das ist ein Steckbrett und die
sind von Haus aus hässlich. ;)
Die Strom-Ungereimtheit hat sich ja jetzt geklärt. Die Stromquelle war
einfach viel zu hoch eingestellt im Vergleich zu der Spannung, die sie
bekommen hat. Die Bauteilwerte der Brücke sind nun korrigiert worden und
es fließen nur noch 50mA mit sinnvollen Werten für die Spannungen am
Netzteil und über der Brücke.
@ m.n.
Beim INA lässt sich viel kalibrieren und selbst danach geht das noch mal
im µC durch eine Kalibrierkurve durch. Ich hoffe, dass jegliche Offsets
und Nichtlinearitäten einfach herausgerechnet werden können. Ansonsten
komme ich noch mal wieder. ^^
Peder schrieb:> Beim INA lässt sich viel kalibrieren und selbst danach geht das noch mal> im µC durch eine Kalibrierkurve durch. Ich hoffe, dass jegliche Offsets> und Nichtlinearitäten einfach herausgerechnet werden können.
Dann viel Erfolg und berichte, ob der Abgleich wie gewünscht
funktioniert oder das Teil von Hause aus schon hinreichend genau
arbeitet.
Wolfgang R. schrieb:> Steckbrett...>> 16 Bit Auflösung...>> Ohje...
Das ist nur der Handaufbau. Nächste Woche geht das auf Platine. Die
16-Bit-Lehrerfahrung auf Steckplatine habe ich schon hinter mir. ;)