gk schrieb:
> del LM393 braucht an seinem Ausgang (Pin 1) einen Pullup. Ist PB4 vom
> ATiny entsprechend konfigiriert ?
Du hast dir nicht die Schaltung im eingangspost angesehen.
Es geht nur um den "Rauschteil". R7 übernimmt den Pullup.
Fasti schrieb:
> Kann es sein, dass dieser Rauschgenerator eigentlich nur das Rauschen
> der Versorgungsspannung verstärkt und somit mit einer idealen
> Spannungsquelle in LTSpice nicht funktioniert?
Du hast dir nicht den Link angesehen.
Dort steht nämlich:
Rauschquelle
Für einen Z-Dioden-Rauschgenerator werden mindestens 10 Volt
Betriebsspannung benötigt, da sich der interessierende Effekt
(Lawinendurchbruch, Avalanche) bei Z-Dioden erst ab ca. 8 Volt effektiv
nutzen lässt. An USB stehen bekanntlich nur 5 Volt zur Verfügung. Ich
habe eine ganze Reihe von Versuchen unternommen mit: Spannungswandlern,
exotischen Bauteilen, Photodioden, Opamps, Widerstandsrauschen u.a. Das
war sehr interessant, aber im Sinne der Aufgabenstellung leider
weitgehend erfolglos geblieben. Die Schaltungen waren entweder zu
aufwendig, zu unstabil, zu schmalbandig, zu störempfindlich... oder
alles zusammen :(
Die von mir ausgetüftelte Lösung beruht nun auf einem Zweifach-
Komparatorschaltkreis vom Typ LM393. Meine Schaltung nutzt einen längst
bekannten aber normalerweise unerwünschten "Schmutzeffekt" aus: Betreibt
man so einen Komparator entgegen allen Designregeln mit einer minimalen
Gegenkopplung, dann entstehen infolge der extrem hohen Verstärkung und
minimalen Hysterese sehr leicht Instabilitäten, die sich normalerweise
zu "chaotischen Schwingungen" aufschaukeln können. Eine typische
Komparatoranwendung wäre damit unbrauchbar und würde im Bereich der
Umschaltschwellen zu großen Instabilitäten neigen. Mit einer besonderen
Eingangsbeschaltung könenn wir diese überkritische Betriebsart jedoch zu
höheren Frequenzen hin verschieben, dass der Quantenschaum nur so
hervorquillt! Diese Komparatorschaltung schwingt nicht einfach, sie
rauscht. Fast so gut, wie ein Z-Dioden-Generator! Das ist schon
erstaunlich, wenn man bedenkt, dass ich zu über 60 Prozent aus Wasser
bestehe und statt theoretischem Geschwurbel oder Simulationen durch
Experimentieren, Modifizieren und Optimieren in der Realität darauf
gekommen bin...
Vorteile: Viel Entropie für wenig Geld! Der LM393 ist ein
Wald-und-Wiesen-Komparator und wird bis heute in großen Stückzahlen
produziert. Selbst mit Billigexemplaren aus irgendeiner China-Klitsche
sollte es keine Probleme geben, sofern sich innen drin ein wirklicher
Komparator befindet...
Diese Schaltung arbeitet schon ab etwa 4 Volt stabil und bleibt damit
selbst an grenzwertigen USB-Ports noch funktionsfähig.
Mit miniaturisierten konventionellen Bauteilen lässt sich die Schaltung
auf wenigen Quadratzentimetern sehr kompakt aufbauen. Das zweite
Komparatorsystem wird als Verstärker zur "1-Bit-Quantisierung"
eingesetzt. Ein angeschlossener Mikrocontroller bekommt echte
Digitalpegel angeboten und ist schon weitgehend vom "Rauschsystem"
entkoppelt. Die anfängliche Befürchtung, dass der zweite Verstärker eine
zu starke Rückwirkung auf die erste Stufe haben könnte und letztlich
deren Rauschspektrum einengt, hat sich messtechnisch nicht bestätigt.
Damit die Pufferstufe nicht zu Eigenschwingungen neigt, wurde ihr
Arbeitspunkt natürlich über einen Spannungsteiler R3/R4 festgelegt. Das
Rauschspektrum ging bei vielen LM393 bis etwa 300 kHz, bei einem
Betriebsstrom von weniger als 1 mA.
Nachteile: Hier sind Signale im Mikrovolt-Bereich im Spiel, sodass auf
jeden Fall eine potenzielle Empfindlichkeit für HF-Einstrahlung besteht.
Diesen Effekt konnte ich mit haushaltsüblichen Sendern ab VHF aufwärts
(40-MHz-Fernsteuerung, 1800-MHz-GSM-Telefon, 2400-MHz-WLAN-Adapter)
wieder direkt nachweisen. Das Rauschen setzt für die Dauer der
HF-Einwirkung komplett aus. Synchronisationseffekte, wie bei einem
klassischen Ringoszillator, treten oberhalb von einigen hundert kHz
überhaupt nicht auf. Die Empfindlichkeit für HF-Einstrahlung (UHF,
Mikrowellen) scheint übrigens noch etwas geringer zu sein, als bei der
Rauschquelle im klassischen XR232 mit den zwei diskreten Transistoren.
Gegen HF-Einstrahlung helfen kompaktes Layout und metallische
Abschirmung. Des Weiteren können aber auch niederfrequente Schwankungen
auf der Versorgungsspannung die Arbeitspunkte der
Komparator-Rauschquelle kurzfristig verschieben und damit Aussetzer
verursachen. Deshalb sollte diese Schaltung nicht direkt am USB-Strom
betrieben werden. Eine übliche PC-Stromversorgung ist von Schaltspitzen
und Spannungsschwankungen aus dem gesamten System geradezu verseucht.
Zum Glück benötigt die Komparator-Rauschquelle nur sehr wenig
Betriebsstrom (unter 1 mA). Zur effektiven Filterung reicht ein
einfaches R-C-Siebglied (R7/C9) aus.
Gegen beide Arten von Störungen hat der Mikrocontroller außerdem noch
einen Trumpf im Ärmel, siehe "Störaustastung"!
Serientauglichkeit: Die funktionskritischen Grenzwerte des Komparator-IC
werden problemlos eingehalten. Ich habe außerdem eine ganze Reihe von
Exemplaren aus verschiedenen Chargen und von verschiedenen Herstellern
in dieser Schaltung durchgetestet. Offensichtlich funktioniert es mit
allen Varianten des LM393, wobei leichte Variationen in der Bandbreite
und "Weißheit" des Rauschspektrums auftreten. Ferner habe ich jetzt noch
einmal das Verhalten unter Extremtemperaturen getestet. Das Spektrum
scheint sich ca. 60°C etwas abzuflachen, was wohl auch zum Teil auf
Arbeitspunktverschiebungen in der Pufferstufe verursacht wird. Unter
üblichen Bedingungen (Temperaturbereich ca. -10 bis +50 °C), dürfte der
XR232USB mit jedem Exemplar des LM393 ausreichend sicher funktionieren.