Kapazität Messen

OP #2274266
Lesenswert?

Hallo,

Ich stehe im Moment vor folgendem Problem:

Ich muss eine Kapazität messen, Größenordnung 20pF, zusätzlich wäre der 
Leitwert der Schicht zwischen den Platten interessant. Die Genauigkeit 
sollte bei besser +-1% liegen. Messfrequenz nicht allzu hoch, sollte 
unter 100kHz bleiben.

Zur Messung dieser Kapazität kann ich kein vorgefertigtes Gerät 
verwenden, das ganze sollte recht kompakt werden und mir nacher ein 
Serielles Signal zu einem Rechner ausgeben, ich hatte also an ein 
Kleines Board mit der Messschaltung sowie einem MEga88 als 
Signalauswertungs- und Weiterleitungsschaltung gedacht. Stellt für mich 
kein Problem dar.

Mein Problem liegt mehr im richtigen Messverfahren. Ich hatte daran 
gedacht einen Schwingkreis aufzubauen welcher dann mit der zu Messenden 
Kapazität verstimmt wird und ich dann über die Frequenz auf die 
Kapazität schließen kann. Fraglich wäre wie ich dann auf den Leitwert 
zwischen den Platten schließen kann.

Hier stellt sich mir die Frage nach dem richtigen Oszilator. Was kann 
ich da verwenden ? Und wäre ein LC oder ein RC schwingkreis sinnvoller ?

Oder vielleicht lieber ein völlig anders Messverfahren ?

Vielen Dank,

Marc
#2274280
Lesenswert?

Servus,

Mir würde jetz Spontan eine Ladekurve einfallen, Wieso nicht nen R mit 
dem C in Reihe und 5 Volt drauf, wenn du das sowieso mit µC machen 
willst ist die Auswertung der Kurve ja auch nicht schwer, über die 
Ladezeit und den Wert des R´s +- Toleranz kommst auf die Kapazität.

Nur so ne fixe Idee.
OP #2274317
Lesenswert?

klingt eigentlich nciht schlecht. wenns denn genau genug ist ?

Würde R auf 500kOhm wählen, entspricht einer Ladezeit von etwa 50µs. 
Hätte also 2000 Takte im Mega88 bei 20 MHz zum Messen was auch von der 
Auflösung her ausreicht.

Wie würde ich nun den Leitwert der Schicht messen ? Spannungsteiler aus 
Kondenastor und Ladewiderstand ?
OP #2274344
Lesenswert?

Hmm....habe mir mal die Bausteine von analog Devices angeschaut. Deren 
Frequenzbereich ist zu klein für meine Applikation. Die Lösung sollte 
bis mindestens 40pF funktionieren. Ein deutlich größerer Bereich wäre 
mir Lieb ist aber kein zwingendes Feature
Gast #2274401
Lesenswert?

Marc Seiffert schrieb:
> Hallo,
>
> Ich stehe im Moment vor folgendem Problem:
>
> Ich muss eine Kapazität messen, Größenordnung 20pF, zusätzlich wäre der
> Leitwert der Schicht zwischen den Platten interessant. Die Genauigkeit
> sollte bei besser +-1% liegen. Messfrequenz nicht allzu hoch, sollte
> unter 100kHz bleiben.

Deine Anforderungen sind schon recht "sportlich". Da wirst Du wohl
ein professionelles Meßgerät in der Preisklasse nicht unter 1k€
brauchen.
Gruss
Harald
#2274537
Lesenswert?

Schau mal in die 'Measurement 43 (2010):A. Mariscotti: A low cost 
capacitice bridge based on voltage drop balance'
Ist leider EL$EVIER ...

Prinzip: Anregung mit Sinusfrequenz und dann über Frequenzvariation eine 
Brücke aus Cx und bekanntem R auf 'halbe' Spannung abgleichen. Halbe 
Spannung wird durch Umschalten von R und C geprüft. U von 0.1% bis 0.6%


Bei R=100k kann f dann unter 100kHz bleiben.Für  tan d müsste man mal 
rechnen ob eine Phasenauswertung reicht.....
Gast #2274572
Lesenswert?

1% ist schon sportlich. Sind 0.2pF. Aber über eine relative Messung 
sollte es gehen:

Bau einen einfachen CR oder CL Oszillator.
Miss die Frequenz mit dem Controller.
Schalte einen (oder mehrere) NP0 Referenzkondensator(en) dazu (zb über 
kapazitätsarme GHz Pin-Dioden) und mach damit eine relative Messung.

Zusätzlich noch ein Abgleich per Software, um parasitäre Kapazitäten 
rauszurechnen.

Jetzt hast Du als Fehler nur noch die Änderungen der 
Referenz/Parasitären Kapazitäten, die sich durch einen thermischen 
Einfluss ergeben.
OP #2274588
Lesenswert?

Das ganze wird in einem Raum mit konstanter Luftfeuchtigkeit und 
Temperatur betrieben. Diese Einflüsse sind also zu vernachlässigen.

Wobei es natürlich schön wäre wenn das Gerät keiner Kalibration bedarf, 
sonnst ärgert man sich in einigen Jahren weil man nicht mehr weis wie 
man es richtig einstellen kann.


@ Jöög wie würde denn dein einfacher Oszilator aussehen ?
OP #2276964
Lesenswert?

Gleichanteil darf drin sein, das ist kein problem. Erlaubte Messspannung 
würde ich mit 1-2V ansetzen müsste da noch schauen

Wie groß der parallele Leitwert ist kann ich leider nicht sagen.

Hatte mich entschieden folgendes zu testen:

C (entladen über FET) über einen R auf +5V hängen, 1 Tau ladung 
abwarten, zeit messen. Anschließend weiter laden lassen und über den 
Spannungsteiler den Leitwert herausfinden. Diesen dann verrechnen um auf 
die Kapazität zu kommen
Gast #2277041
Lesenswert?

Marc Seiffert schrieb:
> Gleichanteil darf drin sein, das ist kein problem. Erlaubte Messspannung
> würde ich mit 1-2V ansetzen müsste da noch schauen
>
> Wie groß der parallele Leitwert ist kann ich leider nicht sagen.
>
> Hatte mich entschieden folgendes zu testen:
>
> C (entladen über FET) über einen R auf +5V hängen, 1 Tau ladung
> abwarten, zeit messen. Anschließend weiter laden lassen und über den
> Spannungsteiler den Leitwert herausfinden. Diesen dann verrechnen um auf
> die Kapazität zu kommen

...und das klappt auch bei 20pF mit 1% Fehler?
Gruss
Harald
#2277074
Lesenswert?

Hallo Marc Seiffert,
es gibt ja die gängige Praxis der LC Meter mit Schwingkreis
und Lm311 Komparator. wie z.B. hier:
http://www.sprut.de/electronic/pic/projekte/lcmeter/lcmeter.htm
Das gleiche geht ja bekanntlich auch mit Atmel.
Im gezeigten Beispiel wird ja die Anzahl Schwingungen auf 1 Sekunde
gemessen. Wenn man die Torzeit auf mehrere Sekunden aufweiten kann
wird es ja noch genauer.

Einen grossen Haken die Schaltung mit dem Lm311 allerdings:
Es gibt eine riesige Frequenzdrift bei einer Dauermessung.
Da mich dieses Problem immer generft hatte habe ich die 
Oszillatorschaltung
dann gändert und einen LT1713 eingesetzt. (siehe Anhang)
Dadurch ist die Messung ziemlich stabil.
Die kleinen Schwankungen im 0,xpF Bereich , die ich noch feststelle
beruhen meiner Meinung nach auf meinen Verbindungsstrippen.

Ich kann mir vorstellen, dass diese Variante bei einem geschirmten
Festeinbau recht genau sein kann.

Versuch macht kluch!

Gruss Klaus
Angehängte Dateien:
Gast #2277119
Lesenswert?

> C (entladen über FET) über einen R auf +5V hängen, 1 Tau ladung
> abwarten, zeit messen.

1 % Genauigkeit bei 20 pF ...

Tau = RC bei 1GΩ => Tau = 20 ms ...

So optimistisch sind sonst nur Finanzminister !
Gast #2277873
Lesenswert?

Bei einem möglichen Prallelen Widerstand wäre die Methode der Wahl eine 
feste Wechselspannung anzulegen (Dreieck oder Sinus) und dann 
phasenrichtig den Strom zu messen. Nach der Phase getrennt bekommt man 
so die Kapazität und den Leitwert bzw. den Verlustanteil. Je nach werten 
müsste man ggf. noch die Frequenz verändern, damit der Leitwert oder die 
Kapazität nicht untergeht.

Etwas schwieriger wird es, wenn die Kapazität gegen Masse ist, und nicht 
zwischen 2 zugänglichen Anschlüssen. Die Strommessung ginge dann über 
einen Transimpedanzverstärker.

Die Messung über einen LC Ozillator gibt eine hohe Auflösung, aber meist 
keine gute Genauigkeit, denn die Induktivitäten sind oft nicht ideal und 
die Oszillatorschaltung hat auch ein Zusätzliche Kapazität (ggf. auch 
noch Spannungsabhängig) und eigene Phasenverschiebung bzw. Verzögerung.

bei 20 pF sind die Kabelkapazitäten schon wesentlich. Es geht also nur 
ein relativ kleiner Aufbau mit festen Leitungen, nichts flexibles mehr.
Gast #2279029
Lesenswert?

U. B. schrieb:
>> C (entladen über FET) über einen R auf +5V hängen, 1 Tau ladung
>> abwarten, zeit messen.
>
> 1 % Genauigkeit bei 20 pF ...
>
> Tau = RC bei 1GΩ => Tau = 20 ms ...
>
> So optimistisch sind sonst nur Finanzminister !

genau genommen 20µs....wären bei nem Mega88 mit 20 MHZ getaktet immerhin 
400 Zählschritte. Von der Auflösung her also schonmal gut.

Die ganze Aperatur ist sehr kompakt, direkt an der zu messenden 
Kapazität und vor allem starr (keine Schwankungen von 
Zuleitungskapazitäten oder ähnlichem), daher könnte ich einfach das Tau 
ohne C messen und das Tau mit C und die Differenz gibt mir die 
Kapazität.

Soweit der Gedanke. Werde das ding mal aufbauen und wenns klappt bin ich 
glücklich. Ansonnsten muss ne aufwändigere Lösung her.
Gast #2279781
Lesenswert?

Widerstandswerte im GOhm Bereich wird man aber nicht nutzen können. Die 
Leckströme an den IO Pins sind dafür deutlich zu groß. Man kommt also 
eher auf Widerstände von z.B. 1 Mohm oder Zeiten von 20 µs.  1% davon 
sind dann nur noch 200 ns - immerhin noch machbar. Die volle Genauigkeit 
muss aber vermutlich auch nicht aus einer Einzelmessung erhalten werden.
Einen Nachteil den man damit hat, ist aber, dass man keine Definierte 
Messfrequenz hat, weil man im Zeitbereich misst.

Für Daten bei einer definierten Frequenz wäre der Weg über Generator und 
Transimpedanzverstärker wohl der bessere, auch wenn es mit dem intern AD 
nur bis etwa 10 kHz gut geht. Selbst bei 1 V und 1,6 kHz hat man bei 20 
pF immer noch einen Strom von 0,2 µA. Das klingt wenig, ist aber noch 
ohne Probleme zu messen.
Gast #2280296
Lesenswert?

@ ulrich

keinesfalls würde ich den Mega88 direkt an die Kapazität anschließen. 
Ein geeigneter OP-AMP ala ADA4000-1 mit sehr geringem Eingangsstrom und 
geringer Kapaität (ich suche noch nach Welchen mit noch kleinerer 
Kapazität im Smd gehäuse) dient hier als Buffer, anschließend ein 
Komparator, auch hier vermutlich nciht der interne, das muss ic aber 
noch explizit bestimmen.

Messwiderstand muss noch evaluiert werden ich will ja auch über den 
Spannungsteiler den Leitwert bestimmen können ;) Hängt also davon ab was 
die bauteile im Test für Ströme aufweisen.

@ Markus T. / MAthias

habe mir beides mal angeschaut. An sich sehr schöne Lösungen haben aber 
leider beide das Problem das sie den Querleitwert nicht mit messen 
können. Und der ist einer der zu bestimmenden Parameter.

Viele Grüße,

Marc
#2280331
Lesenswert?

Ist der Querleitwert überhaupt mit dem Ohmmeter messbar?

Typische Verluste von Kondensatoren wirken sich zwar wie ohmsche 
Verluste aus, sind aber mit keinem Gleichspannungsverfahren messbar.
Diesen Verlustwiderstand kann man nur mit sinusförigen Messspannungen 
erfassen.

Um welche Art von Verlusten(Parallelwiderstand) geht es?
Gast #2280671
Lesenswert?

Marc S. schrieb:
> Es geht um Gleichspannungsverluste, eventuell bei verschiedenen
> Spannungen.

Ein gewöhnliches 7106 Voltmeter ist hochohmig genug, um Ströme
im nA-Bereich zu messen. Ob das reicht und eher ein pA-Messer
gebraucht wird, weiss ich jetzt nicht.
Gruss
Harald
Gast #2280709
Lesenswert?

Das Problem ist das beides in einer Messung durchgeführt werden muss ( 
einmal Nadeln aufsetzen mehr ist nicht gewünscht ) daher dachte ich an 
einen halbwegs auf den Durchschnittswert angepassten spannungsteiler. 
Oder denke ich da falsch ?

Es sind Leitwerte im MOhm, eventuell sogar GOhm erwartet habe ich heute 
erfahren.
Gast #2280993
Lesenswert?

1 GOhm und 1 V gibt immerhin schon einen Strom von 1 nA. Das ist ohne 
größere Probleme mit einem OP als Transimpedanzwandler zumessen. Da 
braucht man nicht mal einen besonders guten OP, so etwas wie ein TLC272 
würde schon reichen. Etwas weniger Drift / Offset wäre aber schon 
sinnvoll.

Man kann die Messung auch mit einem Spannungsteiler machen, hat aber im 
Vergleich zur Virtuellen Masse 2 nachteile:
1) Das Ausgangsignal ist nicht linear von der Kapazität, bzw. dem 
Leitwert abhängig
2) Der Verstärker hat am Eingang eine Variabel Spannung. Dadurch kann 
die Eingangskapazität des OPs und der Bias Strom vom Arbeitspunkt 
abhängen.
Gast #2281611
Lesenswert?

mineo y. schrieb:
> Schau Dir mal den folgenden Bausatz an,
>
> http://www.box73.de/catalog/product_info.php?cPath...
>
> Kapazitäts-Meßbereich: 0,1 pF-1 µF
>
> Eventuell kann man da ja noch was von lernen.

Wenn ich das richtig sehe ist das doch die gleiche Schaltung wie in der 
von mir oben verlinkten Auktion, nur 3 mal teuerer...

Markus T. schrieb:
> http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=260823268581

Die FA scheint ja grundsätzlich Bausätze nur mit 1000% Marge zu 
verkaufen, was schade ist, da manche Sachen wirklich interessant sind, 
aber deutlich zu teuer...

Gruß
Gast #2281653
Lesenswert?

mineo y. schrieb:
> Ich sehe die Gemeinsamkeiten da nicht.

Es scheint sich um die gleiche Messschaltung zu handeln, nur ist bei dem 
Ebay-Angebot eben noch ein PC-Interface dabei.

> Der Bausatz vom FA ist weder in SMD

Der andere doch auch nicht?

> Der TO soll den Bausatz ja auch nicht kaufen, sondern einfach mal in dem
> Schaltplan schmökern.

Wenn er unbedingt Leitfähigkeitsmessung braucht kann es dieses 
Messprinzip eh nicht nutzen, außer er baut für beide Messgrößen je einen 
getrennten Schaltungsteil auf. Wobei das vll gar keine schlechte Idee 
wäre, das dürfte im Endeffekt sogar einfacher sein.

Gruß
Gast #2282255
Lesenswert?

Die gezeigten Bausätze arbeiten mit einer LC-Resoanz entsprechend hat 
man zwar eine hohe Auflösung, aber keine definierte Messfrequenz und 
auch keine gute Genauigkeit. Eine Messung des Leitwertes bekommt man 
auch nicht.

Wenn man die Daten später ohnehin am PC braucht, könnte man es auch mit 
der Sondkarte und einem Transimpedanzverstärker machen. Da gab es auch 
mal Baupläne und Software für. Damit bekommt man schon mal Die Kapazität 
und den Verlustwinkel für ein paar Frequenzen im Audio Bereich, auch mit 
brauchbarer Genauigkeit - wohl begrenzt durch die Kondensatoren zur 
Kalibrierung. Für den Leitwert müsste man halt noch ein Voltmeter und 
eine Offsetspannung anschließen, weil die Soundkarten kein DC messen.

Nach den gleichen Verfahren geht es auch mit einem µC.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren